• Bericht
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  • Christiane Absenger
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  • 02.12.2008

Famulatur an der Charité in Berlin

Christiane hat 2008 eine aufregende Famulatur an der Charité in Berlin absolviert. Dort arbeitete sie vier Wochen auf der Station 142 am Campus Mitte. Die Schwerpunkte der Station sind Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. Und natürlich entdeckte sie Berlin als eine sehenswerte Stadt.

 

Foto: Christiane Absenger

Die Charité - alle Fotos: Christiane Absenger

 

Planung und Bewerbung

Schon ein knappes Jahr vor der Famulatur entschied ich mich dazu in Deutschland zu famulieren. Ich wollte die Arbeitsbedingungen in einem anderen Land kennenlernen, weil ich nach meinem Studium eventuell im Ausland arbeiten werde. Da ich unbedingt auf einer endokrinologischen Abteilung neue Erfahrungen sammeln wollte, durchforstete ich das Internet nach möglichen Krankenhäusern.

Einige meiner Freundinnen hatten auch schon in Berlin famuliert und waren alle begeistert zurück gekommen. Als ich dann auf die Stationen an der Charite mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie stieß, fing ich an konkrete Pläne zu schmieden.

Ich bewarb mich schon im Dezember 2007 bei der Chefsekretärin von Prof. Lochs - der übrigens ein gebürtiger Österreicher ist - für die Station 142, da diese Station sich mehr mit den endokrinologischen Fällen beschäftigt. Bald bekam ich eine Zusage. Die Verwaltung bat mich noch,

  • eine aktuelle Semesterbescheinigung,
  • eine Kopie der Ärztlichen Vorprüfung (1. Abschnitt für Österreich)
  • und spätestens vier Wochen vor Beginn der Famulatur eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung zu schicken.

Ich ärgerte mich darüber, dass ich trotz Impfungen der Charite alle möglichen Hepatitistiter zusenden musste, da die Bestimmung recht teuer war. Schlussendlich bewarb ich mich bei der Abteilung für Internationale Beziehungen für eine Förderung, die ich dankend erhalten habe. Meine Reisegefährtin studiert auch in Graz Medizin und famulierte in Berlin am Campus Benjamin Franklin auf der Station für Psychosomatik.

 

Foto: Christiane Absenger

Die Reichstagkuppel

 

Die Ankunft

Am Freitag den 4.7.2008 flog ich mit Airberlin von Wien nach Berlin. Da ich aus der Stadt Graz komme, die nicht besonders groß ist, hatte ich am Anfang einige Anpassungsschwierigkeiten an das große, laute und nicht immer so saubere Berlin. Ich wohnte in einem Personalwohnheim der Charite in einem Geriatrischen Zentrum im Bezirk Wedding.

Das Heim fand ich am Anfang nicht sehr einladend, aber für den Preis von 160 Euro pro Monat konnte ich ja auch nichts besseres erwarten. Wedding ist leider nicht der schönste Bezirk, aber ich gewöhnte mich auch daran, da die viele Arbeit und das aufregende Berlin für Ablenkung sorgten.

 

Campus Mitte

Für die Anreise zum Campus Mitte der Charite brauchte ich jeden Tag ungefähr 25 Minuten. Vom Wohnheim zur U-Bahn Station ging ich ca. 5 Minuten zu Fuß. Nach der U-Bahn Fahrt mit einmal Umsteigen musste ich noch ca. 10-15 Minuten gehen, bis ich bei den medizinischen Kliniken am Campus Mitte angelangt war. Die medizinischen Kliniken befinden sich am Sauerbruchweg 3. Den Campus der Charite bilden schöne rote Backsteinhäuser.

 

Foto: Christiane Absenger

Das Holocaust-Denkmal
 

Station 142

Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie bilden die Schwerpunkte der Station 142, wobei es auf dieser Station mehr endokrinologische Fälle gibt als auf Station 141. Am ersten Tag wurde ich von allen sehr nett empfangen. Es gab mehrere Assistenzärzte auf der Station, wobei der erfahrenste Assistenzarzt sich um die Studentenangelegenheiten kümmerte.

Der Oberarzt erschien mir wie Dr.House. Sein medizinisches Wissen schien sehr umfangreich und er behandelte alle Patienten sehr gewissenhaft. Die beiden Kollegen, mit denen ich den Großteil der Arbeitszeit verbrachte - da wir uns die Stationsarbeit teilten - waren eine sehr nette Berliner Studentin, die dort ihr PJ-Tertial für Interne machte und ein junger französischer Arzt, der dort ein Praktikum absolvierte.

Einiges war anders als in Österreich, wie zum Beispiel die "Bauart" der Flexülen (Venflons = Braunülen = Leitung) oder dass man praktisch nur mit Butterflies Blut abnimmt. Dennoch lebte ich mich schnell ein, auch weil ich vorher schon mehrmals famuliert habe. Absoluten Famulatur-Neulingen würde ich diese Station nicht empfehlen, denn der Lernerfolg stellt sich schneller ein, wenn ihr von Krankheiten und Medikamenten schon eine Ahnung habt.

 

Arbeitszeiten und Kantine

Mein Arbeitspensum lag etwas höher als bei österreichische Famulaturen. Ich kam zwischen 7.30 Uhr und 8.00 Uhr auf die Station und blieb durchschnittlich bis 17.00 Uhr, manchmal auch bis 18.00 Uhr.

Zu Mittag aß ich mit meinen Kollegen gemeinsam in der Krankenhaus-Kantine. Das war nicht gerade ein billiges Vergnügen, aber bei so viel Arbeit braucht der Körper auch mal was Anständiges zu essen.

 

Foto: Christiane Absenger

Der Fernsehturm

 

Meine Aufgaben

Ich verrichtete vor allem Stationsarbeiten wie Blut abnehmen, Flexülen legen, spezielle Medikamente wie Chemotherapeutika anhängen, Hormontests durchführen. Zusätzlich bekam ich gleich vom zweiten Tag an Neuaufnahmen zugewiesen, die ich dann am Nachmittag dem Oberarzt vorstellen musste. Bei den Aufnahmen der Patienten ließ ich mir immer Zeit für eine genaue Anamnese und einen gewissenhaften Status.

Wenn ich die Krankheit des Patienten schon vorher kannte bzw. eine konkrete Vermutung hatte, fragte ich gezielt nach den Symptomen dieser Erkrankung und ich versuchte blickdiagnostisch die entsprechenden Kennzeichen zu erkennen.

Bei der Vorstellung des Patienten am Nachmittag fragte unser Oberarzt das Berschwerdebild der jeweiligen Erkrankung ab und er legte auch sehr großen Wert darauf, dass wir die Wirkungen der Medikamente kannten. Nach der Zusammenfassung der Krankengeschichte sollten wir dem Oberarzt auch weitere Untersuchungsoptionen und Therapiemöglichkeiten nennen. Dann gingen wir gemeinsam zu den neu aufgenommenen Patienten und unser Oberarzt machte teilweise noch einen Kurzstatus bzw. fragte noch mal nach wichtigen anamnestischen Geschehnissen und Beschwerden.

In Berlin habe ich mir angewöhnt, über die Differentialdiagnosen der Symptome kurz nachzudenken, um dann gezielt nach den Krankheiten, die dazu passen, zu suchen. Ich lernte sehr viel dazu und ich sah fast alle endokrinologischen Krankheitsbilder, die im Herold beschrieben sind. Besonders meinen diagnostischen Blick konnte ich schärfen, da wir einige Akromegalie-, Morbus Addison-, Cushing-, HCC- Patienten behandelt haben.

Zum ersten Mal benutzte ich die Stimmgabel zur Testung der Tiefensensibilität, die vor allem bei Diabetikern geprüft wird. Anders als in Österreich musste ich bei jedem Patienten selbst ein EKG schreiben. Ich führte sehr viele Hormontests wie OGTTs, ACTH-Tests durch, was manchmal ganz schön anstrengend war -aber ich lernte bald, sogar zwei gleichzeitig zu machen.

Foto: Christiane Absenger

Die Friedrichwerdersche Kirche
 

Stationsalltag

Mein medizinisches Wissen wurde immer wieder abgefragt, auch während der vierstündigen Chefvisite, wo schon mal zwanzig Leute mitwanderten. Bei der Chefvisite stellte ich auch Patienten vor, was sich im ersten Moment nicht sehr angenehm anfühlte. Aber wenn ich mal redete, verlor ich die Nervosität und die Unsicherheit ein wenig.

Geärgert hat mich, dass ich durch die viele Stationsarbeit nicht so häufig an der Visite teilnehmen konnte, außer natürlich an der Chefvisite, denn die war sozusagen Pflicht. Aber sogar da musste ich manchmal schnell mal rauslaufen, um eine neue Flexüle zu legen oder wieder eine Blutabnahme für einen Hormontest zu machen.

Die Arbeitstage waren oft sehr anstrengend, weil sich durch die Urlaubszeit gelegentlich zu wenig Assistenzärzte auf der Station befanden und die PJlerin eineinhalb Wochen nach meinem Beginn krank wurde. Ich lernte durch diese Famulatur mit sehr stressigen Phasen umzugehen.

In der letzten Woche machte ich ganz neue Erfahrungen, als ich einem "Famulatur-Neuling" die Stationsarbeit und Statuserhebung beibringen sollte. Besonders bei den gemeinsamen Aufnahmen, die immer ewig dauerten, weil ich ihr so viel erklären musste, fühlte ich mich anfänglich schon ein wenig überfordert. Aber es war auch ein gutes Gefühl, mal als Lehrer zu fungieren.

Ich lernte einige Menschen kennen, die an einer onkologischen Erkrankung im Endstadium litten. Das belastete mich schon, aber ich konnte erkennen, dass diese Menschen wirklich viel mehr Kraft hatten als andere. Aufgefallen ist mir auch, dass einige Patienten, die an einer endokrinologischen Erkrankung litten, psychische Symptome entwickelten. Eine Frau mit Hypoparathyreoidismus entwickelte fast schon manische Episoden und ein männlicher Patient verhielt sich agressiv, wenn er Glukokortikoide zu sich genommen hatte.

Ich sah zum ersten Mal eine Patientin mit einer Addison Krise. Die Symptome Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Zittern, Verwirrtheit, Schwäche, Übelkeit vergesse ich auch nie wieder.

Foto: Christiane Absenger

Schloss Sanssouci in Potsdam
 

Berlin

Zuerst gewann ich den Eindruck, dass Berlin nicht der richtige Ort für mich ist. Gegen Ende der vier Wochen überkam mich das Gefühl, dass ich gar nicht genug bekommen konnte von dieser Stadt.

Ich besuchte sehr viele Sehenswürdigkeiten und Museen. Besonders die Gemäldegalerie, in der ich sogar zweimal war, und die alte Nationalgalerie gefielen mir sehr gut. Für Kunstliebhaber ist Berlin eine Reise wert.

Meiner Meinung nach bietet die Stadt architektonisch nicht so viel wie Paris und Wien, aber es gibt schon ein paar Gebäude, die es sich lohnt zu besuchen:

  • Sony-Center bzw. Potsdamer Platz,
  • Holocaust-Denkmal,
  • Schloss Sanssouci und die ganzen Gebäude im Park,
  • das rote Rathaus,
  • Friedrich Werdersche Kirche,
  • Gendarmenmarkt,
  • Schloss Charlottenburg und das Viertel drumherum.

 

Öffentliche Verkehrsmittel

Die BVG-Karte für die Zonen AB reicht aus, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen - außer ihr plant öfter mal nach Potsdam zu fahren, dann solltet ihr die Zone C dazu nehmen. Ihr solltet euch vorher bei der Chefsekretärin eine Bestätigung für eure Famulatur holen, damit ihr das vergünstigte Azubi-Ticket bekommt.

Ich habe mir vorher in Graz den Internationalen Studentenausweis besorgt, mit dem ihr fast überall Vergünstigungen erhaltet - in Berlin schaut auch niemand auf das Alter des jeweiligen Studenten. Der Ausweis kostet 10 Euro und gilt ein Jahr. Am ersten Wochenende fuhren wir mit dem Lift auf die Dachterasse des Daimler Crysler Buildings (Potsdamer Platz) - das kostet als Beispiel nur 2,50 Euro für Studenten. Wir genossen von dort aus einen wunderschönen Ausblick über Berlin.

Die Menschen in Berlin fand ich sehr gastfreundlich - entgegen anderer Vorhersagen. Alle möglichen Kulturen und Länder sind vertreten. Mir gefiel es besonders gut, dass man mit "Hallo" und "Tschüss" begrüßt und verabschiedet wird - die Leute verhalten sich nicht so förmlich wie bei uns.

Foto: Christiane Absenger

Rotes Rathaus mit Neptun-Brunnen
 

Empfehlenswerte Sehenswürdigkeiten

Schloss Sans Souci und der Schlosspark in Potsdam sind sehr empfehlenswert, wenn ihr ausdauernd seid. Es gibt eine Karte für zehn Euro, mit der ihr euch alle Gebäude, die im riesigen Park verstreut liegen, anschauen könnt. Meine chinesische Begleitung und ich, wir haben drei Gebäude geschafft. Darunter das Neue Palais, das mir wegen der vielen Statuen, die die Außenfassade schmücken, wirklich gut gefallen hat. Der Park ist auch wunderschön. Besucher können auch mit dem Rad zumindest auf einem Außenweg fahren.

Man kann auch Berlin mit dem Rad erkundigen, habe ich mir sagen lassen. Oder ihr steigt einfach in den Bus Nr. 100 am Zoo und fahrt durch den Tiergarten (ein Park) vorbei am Haus der Kulturen der Welt, der Siegessäule, dem Berliner Dom bis zum Alex. Das Rote Rathaus und der Neptunbrunnen in der Nähe vom Alexanderplatz begeisterten mich auch.

Eine Karte fürs Sea Life Center ermöglicht euch auch die Fahrt mit einem riesigen Lift durch ein Aquarium (Dom Aquaree). Das Viertel Prenzlauer Berg fand ich sehr nett. Rund um den Käthe Kollwitz Platz gibt es viele einladende Lokale bzw. Cafés. Historische Gebäude findet ihr eher unter den Linden und am Gendarmenmarkt. Auch Spaziergänge im Nikolaiviertel oder am märkischen Ufer kann ich empfehlen.

Foto: Christiane Absenger

Märkisches Ufer
 

Die Spree

Die Spree und alles was an oder auf ihr ist, fand ich toll. Ob ich in einem Liegestuhl unter der Brücke zum Hauptbahnhof lag oder eine Bootsfahrt machte oder einfach an der Spree entlang spazierte - ich genoss es.

Es gibt einige Boote, auf denen sich Restaurants und Bars befinden z.B. die Hoppe Tosse am Gelände der Arena Berlin. Natürlich ist das Nachtleben in Berlin auch sehr aufregend. Vom Tacheles, das mehrere Lokale um eine Künstlerkolonie beherbergt, bis hin zum Badeschiff, ein Lokal mit Swimmingpool in der Spree, ist alles dabei, was der Nachtschwärmer begehrt.

Foto: Christiane Absenger

Liegestühle an der Spree
 

Fazit

Berlin ist eine Reise wert – viel Spaß dabei!

 

Wichtige E-Mail Adressen und Links

Sekretärin der Station 142:

felicitas.zschiedrich@charite.de 

Zuständige Stelle für Famulaturen an der Charite:

ulf.lissewski@charite.de 

Zuständige Stellen für Wohnungen/Studentenheim:

ilona.kiesler@charite.de  astrid.rodemann@cfm-charite.de 

Wichtige Links:

Charite

Das offizielle Stadtportal Berlin

Berliner Verkehrsverbund

Studentenwerk Berlin

Internationale Kooperationen an der MedUni Graz

Veranstaltungsort Arena Berlin

 

Foto: Christiane Absenger

Molecule Man

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