• Bericht
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  • Franziska Ippen
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  • 28.09.2012

Meine Famulatur an der Charité Berlin

Es ist Sommer, die Prüfungen sind bestanden und die Semesterferien brechen an: Zeit für die nächste Famulatur. Um nicht nur einen Einblick in ein neues Fachgebiet, sondern auch in eine neue Stadt zu bekommen, zog es mich dieses Mal in die Neurochirurgie an das Campus Virchow-Klinikum der Berliner Charité.

Die Neurochirurgie am Campus Virchow-Klinikum 

Die Neurochirurgie der Charité verteilt sich im Wesentlichen auf zwei Standorte: Das Campus Virchow-Klinikum im Stadtteil Wedding und das Klinikum am Campus Benjamin Franklin in Steglitz.Sämtliche neurochirurgische Stationen des Campus Virchow-Klinikums sind im Gebäude der "Spezialchirurgischen Kliniken" untergebracht.Darin enthalten sind die neurochirurgische Intensivstation, die gemeinsam mit der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin geführt wird, sowie die Stationen 2 und 3, auf die sich insgesamt 65 Betten verteilen.

 

Foto: Franziska Ippen

Die Neurochirurgie - alle Fotos von Franziska Ippen

 

Der Tagesablauf und die Operationen

Der Stationsalltag beginnt mit der Morgenvisite gegen Viertel vor sieben. Danach findet eine Frühbesprechung über die Patienten der Dienstärzte und an diesem Tag durchzuführende Operationen statt, die per Videoübertragung mit der Neurochirurgie am Campus Benjamin Franklin geteilt wird. Jeden Freitag findet als Besonderheit im Rahmen dieser Besprechung das sogenannte "Tumor Board" statt, an dem die Patienten vorgestellt werden, die entweder einen hirneigenen Tumor oder eine im Gehirn lokalisierte Metastase besitzen. Im Austausch mit Strahlentherapeuten und Neuroonkologen wird hierbei versucht, die beste Therapieoption für jeden einzelnen Patienten zu finden.

Im Anschluss an die Frühbesprechung verteilen sich die Aufgaben unterschiedlich: Ein Teil der Ärzte geht in den OP, der andere Teil bleibt auf Station oder kümmert sich um die Dienste.Nachmittags findet nochmals eine Röntgenbesprechung statt, bei der anhand der bildgebenden Befunde der Patienten mögliche operative Verfahren sowie deren Zugangswege erörtert werden. Zu guter Letzt findet abends eine letzte Visite statt, in deren Rahmen neu aufgenommene Patienten über ihre anstehende Operation aufgeklärt werden.

Das Spektrum der neurochirurgischen Operationen hat so ziemlich alles zu bieten, was man sich wünschen kann. Neben den Routineeingriffen wie der Behandlung eines Sulcus-ulnaris-Syndroms gehören dazu unter anderem komplizierte Bypässe, bei denen intra- mit extrakraniellen Arterien verknüpft werden. Dazu kommen transsphenoidale Hypophysenadenomexstirpationen und auch die Entfernung anderer komplizierter Tumoren sind am Campus Virchow keine Seltenheit. Mit Abstand am Spektakulärsten war definitiv die Operation einer Plexusläsion eines vier Monate alten Kindes nach Geburtstrauma in Zusammenarbeit mit den pädiatrischen Neurochirurgen.

 

Foto: Franziska Ippen

Franziska und ihre beiden Kollegen in der Neurochirurgie

 

Meine Aufgaben als Famulant

Von Blutabnahmen über die Anlage venöser Zugänge bis hin zu Verbandswechseln und dem Ziehen von Drainagen sind alle Standardaufgaben eines Famulanten vertreten. Der Rest ist meist eine Frage des persönlichen Engagements. Je nachdem, wie viel Interesse und Vorwissen man für das Fach mitbringt, organisiert man den normalen Stationsalltag mit den Ärzten, nimmt Patienten auf, untersucht sie und stellt sie auf den Visiten vor.

Unabhängig davon sind die Operationen jederzeit für alle Famulanten zugänglich. Da es sich meist um mikrochirurgische Eingriffe handelt, wird die Mikroskopansicht zusätzlich auf einem großen Bildschirm übertragen, sodass man die Operation auch dann bestmöglich nachvollziehen, wenn man nicht persönlich am Tisch steht. Aber auch hier ist es grundsätzlich möglich, je nach persönlichem Einsatz, das ein oder andere Mal sogar selbst am Tisch zu assistieren.

 

Freizeit in Berlin

Berlin ist eine Stadt, die niemals schläft. Für jeden Geschmack sind ausreichend Angebote vorhanden. Gerade der Sommer in Berlin ist sehr empfehlenswert, da hier ein großes Veranstaltungsprogramm existiert, das man bei warmen Sommertagen genießen kann. Dazu gehört kulturell zum Beispiel die lange Nacht der Museen oder der Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Abends kann man in Strandbars an der Spree die Seele baumeln lassen und am Wochenende die vielseitige Kneipenlandschaft in Kreuzberg erkunden. Daneben gibt es im Sommer viele Open-Air Kinos, zum Beispiel direkt vor dem Schloss Charlottenburg, was für eine unglaublich schöne Atmosphäre sorgt.

 

Foto: Franziska Ippen

Der Campus Virchow

 

Für das Wochenende ist auch der Mauerpark-Flohmarkt jeden Sonntag sehenswert, der nicht nur als Verkaufsort für alte und gebrauchte Sachen dient- auch Künstler stellen hier ihre Bilder, Fotos und Kleidungsstücke zum Verkauf, die meist preiswert erworben werden können. Zudem findet hier Karaoke statt und auch für die Verpflegung ist stets gesorgt.

 

Fazit

Insgesamt war meine Zeit am Campus Virchow in der Neurochirurgie einfach großartig. Ich habe sehr viel gelernt, durfte viel Verantwortung übernehmen und war in einem sehr netten Team, das mir bei Fragen rund um den Stationsalltag stets zur Seite stand. Die Charité ist der Beweis dafür, dass man als Student auch in großen Universitätskliniken viel praktische Erfahrung sammeln kann. Wer daher einen fundierten und umfangreichen Einblick in das Fach Neurochirurgie bekommen möchte, ist hier auf jeden Fall gut aufgehoben und ich kann eine Famulatur dort uneingeschränkt weiterempfehlen.

Zur Homepage der Neurochirurgischen Klinik am Campus Virchow:

Klinik für Neurochirurgie

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