• Bericht
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  • Annette Luther
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  • 09.09.2013
  • Annettes Lieblingsviertel in St. Germain - Foto: A. Luther

    Annettes Lieblingsviertel in St. Germain.

     
  • Das Hauptgebäude der Cité Universitaire in Paris - Foto: A. Luther

    Das Hauptgebäude der Cité Universitaire in Paris.

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  • Das Hôpital Intercommunal in Créteil - Foto: A. Luther

    Das Hôpital Intercommunal in Créteil.

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  • Aussicht vom Parc Belleville auf Paris - Foto: A. Luther

    Aussicht vom Parc Belleville auf Paris.

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Ein Auslandsjahr in Paris

Vor allem die Aussicht auf ein buntes kulturelles Leben lockte Annette Luther für ein Jahr zum Studieren nach Paris. Sie wurde nicht enttäuscht!

Die Uni und Organisation

Nachdem ich beschlossen hatte, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, informierte ich mich auf der Internetseite des Akademischen Auslandsamtes der Uni Greifswald über die Partnerhochschulen. Neben Marseille und Nancy hat die Uni Greifswald seit einigen Jahren eine Partnerschaft mit der Uni Paris-Est-Créteil.  Einen Erasmusaufenthalt  an einer europäischen Uni zu absolvieren, die nicht Partnerhochschule ist, ist nicht möglich. Allerdings haben viele Professoren gute Kontakte und sind manchmal bereit, neue Partnerschaften zu schließen.

Ich ging am Anfang  davon aus, dass in Frankreich die Organisation etwas chaotischer sein würde als im beschaulichen Greifswald. Deshalb war ich überrascht, dass alles so einfach geklappt hat. Allerdings wäre es um einiges unkomplizierter, wenn der Austausch häufiger stattfinden würde. So hätte man nämlich die Möglichkeit auf Erfahrungsberichte und Infos zu den Stundenplänen und Fächern von den Vorjahren zurückgreifen zu können.

Ich besuchte eine Informationsveranstaltung im Auslandsamt und meldete mich bei Fr. Klein, die für die „Outgoer“ zuständig ist. Sie leitete alle Formulare und Unterlagen an mich weiter. Die meisten organisatorischen Dinge konnte per E-Mail geklärt werden. Die einzige Info, die ich von der Uni in Paris hatte, war eine E-Mail mit der Zusage zum Studium, die ich nach der Bewerbung erhalten habe.

In Paris angekommen,  ging ich zuerst auf den Campus und besuchte den „Service de Mobilité“ im Maison des Langues. Neidy Borges (E-Mail: ri@u-pec.fr), ist dort zuständig für die Einschreibung der ausländischen Studenten. Sie ist wirklich sehr freundlich und hilfsbereit. Sie erklärte mir die Einschreibung und zeigte mir, wo ich eine Haftpflichtversicherung, die fürs Krankenhauspraktikum nötig war, beantragen konnte.

Im Maison des Langues findet man Infos zu den Erasmuseinführungsveranstaltungen. Ich empfand diese jedoch als anstrengende Massenveranstaltungen. Allerdings fand im Rahmen dieser Veranstaltungen ein Einstufungstest für die Sprachkurse des DELCIFE statt. Dieser war Voraussetzung, um sich für einen Sprachkurs einzuschreiben. Die Sprachkurse fanden semesterweise 2 Stunden pro Woche statt. Fortgeschrittene konnten sich Kurse zu bestimmten Themen aussuchen – z.B. Literatur, Film, Politik oder Architektur. Der Andrang hierfür war bei der Einschreibung recht groß, aber es lohnt sich- die Kurse waren wirklich nett, entspannt und eine schöne Abwechslung zum Medizinstudium, die man sich  im Auslandssemester gönnen kann.

Die Uni in Créteil ist eine typische 70er Jahre Vorort-Uni und ich habe einige Zeit gebraucht, mich dort wirklich einzugewöhnen. Mit 30.000 Studenten und ca. 300 Erasmusstudenten pro Jahr ist dort allerdings ein gutes Rahmenangebot vorhanden. (Infos auf http://www.u-pec.fr)

 

Das Medizinstudium

Das Studium ist in ein premier cycle (die ersten 2 Jahre) und ein deuxième cycle (3.-6. Studienjahr eingeteilt).  Ab dem 4. Studienjahr (DCEM 2) absolvieren die französischen Studenten ihr Externat im Krankenhaus- d.h. sie machen 4 stages à 3 Monate pro Jahr. Im Anschluss folgt das Internat- die 6-jährige Assistenzarztzeit, bei der sie für eine Fachrichtung an der Uni eingeschrieben sind (troisième cycle) und halbjährlich das Krankenhaus wechseln.

 

Die stages sind immer vormittags, auf Wunsch auch ganztags. Je nach Fachrichtung beginnt der Arbeitstag um  8.00 Uhr oder 9.00 Uhr und geht bis ungefähr 13.00 Uhr. Die Kurse sind dann im Anschluss von 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr in der Fakultät. Ich habe einige stages sowie Kurse vom DCEM 2 gemacht. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, mehr stages und weniger Kurse zu machen. Die Kurse waren zwar recht gut, aber die Klausuren waren, anders als in Deutschland, Prosaklausuren und waren selbst für die französischen Studenten unglaublich schwer.

Bei den stages müssen Erasmusstudenten mindestens einen Monat in einer Abteilung bleiben. Die Einschreibung dafür ist unkompliziert: Man geht beim Studiendekanat am Schalter vorbei oder schreibt Mme Laetitia Jung eine Mail (stages.medecine@u-pec.fr). Da sie die einzige dort war, die überhaupt ab und zu auf Mails geantwortet hat, habe ich mich bei sämtlichen Fragen zum Studium an sie gewandt, wenn sie auch eigentlich nur für die stages zuständig war. Sie hat auch eine réunion der Erasmusstudenten veranstaltet, in der man sich kurz vorgestellt hat. Dort wurde aufgeschrieben, welche Kurse man machen möchte. Allerdings war das deutlich nach meiner Ankunft und es empfiehlt sich, schon vorher mit dem Studium loszulegen.

Ich fand die meisten stages, die ich mir als Blockpraktikum habe anrechnen lassen, richtig gut! Die anderen Externes waren sehr nett und man hat so leicht Kontakt mit den französischen Studenten geknüpft. Außerdem hat man eine feste Rolle im Stationsalltag. Es wird davon ausgegangen, dass man fleißig mitarbeitet. Dafür bekommt man einiges beigebracht und ein kleines Gehalt (ca. 200€ netto). Zu den Aufgaben gehört es, Patienten aufzunehmen und bei der Visite vorzustellen, im OP Haken zu halten, Blutgase zu entnehmen, Intubieren zu lernen, Arztbriefe zu schreiben, aber auch Telefonanrufe und Botengänge ins Archiv zu erledigen. Man absolviert das Praktikum an der Uniklinik (Hôpital Henri Mondor), die an die Fakultät angeschlossen ist oder einem anderen Lehrkrankenhaus (Esquirol in Charenton, Bégin in Vincennes, Hôpital Intercommunal Créteil oder das Krankenhaus in Villeneuve-St.-Georges). Mir hat es im Hôpital Intercommunal de Créteil (CHIC) besonders gut gefallen, wo ich in der Gynäkologie und Pädiatrie war. Es ist auch ein großes Krankenhaus, aber  moderner, schöner und übersichtlicher als Henri Mondor. Auch die Krankenhäuser, die weiter außerhalb liegen, sind meist schnell mit dem RER (vergleichbar mit unserer S-Bahn) zu erreichen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass man für die Kurse nachmittags wieder zurück an die Fakultät fahren muss.

 

Unterkunft

Da ich nicht in Créteil in einem Studentenwohnheim untergebracht werden wollte, habe ich mich entschieden, selbst eine Unterkunft in Paris zu suchen. So habe ich mich in der Maison Heinrich Heine (http://www.maison-heinrich-heine.fr/fr) in der Cité Universitaire (http://ciup.fr) in Paris beworben. Das Bewerbungsverfahren ist sehr aufwändig, aber es lohnt sich. Ich war im deutschen Haus untergebracht (Miete:  400€). Falls man angenommen wird, kann es aber auch sein, dass man in ein anderes Haus geschickt wird bzw. kann man sich das ausdrücklich wünschen.

 

Vor allem die Atmosphäre und die netten Mitbewohner (nicht nur Erasmus, sondern viele Doktoranden oder reguläre Masterstudenten)  aus der ganzen Welt mit vielen verschiedenen Interessen und Studienfächern, haben das Jahr für mich zu dem gemacht, was es war. Das Haus ist gut eingerichtet mit Bibliothek, Cafeteria, Fernsehräumen, Veranstaltungssaal, Bar u.v.m. Um sich ein bisschen Geld dazuzuverdienen, kann man die Aufsicht in der Bibliothek übernehmen oder bei den zahlreichen Kulturveranstaltungen assistieren.

Andere Wohnungen in Paris sind meist teuer und schwer zu finden (z.B. übers Internet, schwarzes Brett der Église américaine oder des Maison Heinrich Heines), haben dafür  aber häufig etwas mehr Pariser Charme.

Praktisch ist auch, dass man als Student bei einer Mindestaufenthaltsdauer von 4 Monaten CAF (Allocations familiales) (ca. 100€) beziehen kann. Dafür benötigt man nur einen Mietvertrag und ein französisches Bankkonto. Zu Beginn des Studienjahres gibt es ein Büro der CAF im Maison Internationale der Cité Universitaire.  Dort gibt es neben Mensa und Cafeteria, auch eine Bank, eine Poststelle, ein Schwimmbad, ein Theater, eine Bibliothek und nicht zu vergessen  natürlich der traumhafte Park im Stil eines amerikanischen Campus in dem die Häuser liegen!

 

Das Leben in Paris

Paris ist eine wunderschöne, vielseitige und manchmal auch etwas laute Stadt. Ich habe es sehr genossen, die Viertel, Ecken und Kinos dieser Stadt zu entdecken, und viel zu unternehmen. Wenn man unter 26 Jahre alt ist, kommt man umsonst in staatliche Musen sowie Kirchen hinein, bekommt eine günstige Jahreskarte für die Metro (Imagine’R) und es gibt tolle Angebote für die Comédie française, die Oper, Kinos u.v.m.

Highlights waren für mich die offenen Künstlerateliers in Belleville im Mai, der Sommer im Parc Montsouris und die tollen alten Kinos im Quartier Latin. Mir hat es sehr gut getan, ein ganzes Jahr dort zu verbringen, denn dadurch hatte ich genug Zeit mich an die Sprache und die Uni zu gewöhnen. Und ich konnte viele Dinge entdecken, wie z.B. die Aussicht vom Parc Belleville, die indische Passage Brady, die Ausstellungen und Filme der Cinémathèque française, die Kathedrale in Saint-Denis, die Moschee, die Flohmärkte, die Gegend um den Canal St.Martin, die Restaurants auf der Butte aux Cailles, die portugiesische Bäckerei in Gentilly und natürlich den Käse, den Wein, die Patisserien und das französische Essen!

Alors, bon voyage!

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