• Bericht
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  • Sarah Preißner
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  • 28.02.2013

Famulatur in der Inneren Medizin

Sarah hat sechs Wochen in Marseille verbracht und dabei viel gelernt. Ihre Erfahrungen reichen von Anamnesen und Oberarztvisiten auf Französisch bis hin zum besten Baguette der Welt. In ihrem Famulaturbericht teilt sie ihre Erfahrungen mit euch.

Bewerbung

Ein gutes halbes Jahr vorher habe ich allen Chefärzten in Marseille aus dem Fachbereich der Inneren Medizin meine Bewerbung auf Französisch geschickt. Kurze Zeit später habe ich eine positive Zusage bekommen, mit der Einschränkung, dass ich zunächst eine Zustimmung "des affaires médicales de l'Assistance Publique" einhole. Die Mitarbeiter ignorierten meine Mails, bis ich direkt bei Mr. Immormino anrief, der glücklicherweise auch Englisch konnte. Daraufhin schickte er mir sofort eine Zustimmung.

 

Formalitäten

Gar nichts nötig. Dadurch, dass Frankreich zur EU gehört, lief alles wunderbar einfach! Studiengebühren oder Vergütungen gab es keine.

 

Anreise

Ich bin direkt nach Marseille geflogen, manchmal ist es aber günstiger mit easyjet über Nizza zu fliegen und dann einen Zug zu nehmen. In Marseille selbst habe ich fast immer die Vélos libres (öffentliche Fahrräder) benutzt. Die Leihgebühr für eine Woche kostet einen Euro. Damit kann man dann immer für eine halbe Stunde umsonst fahren. Innerhalb von einer halben Stunde ist man in der Millionen-Stadt meistens auch dort, wo man sein will. Jede weitere angefangene Stunde kostet nochmal einen Euro. Manchmal sind die Stationen voll. Vor allem am Hafen, weil jeder gerne runterrollt, aber nicht rauf fährt …

 

Foto: team ccp / pixelio.de

Blick auf den Marseiller Hafen; Foto: team ccp / pixelio.de

Erforderliche Sprachkenntnisse

In Marseille spricht kaum jemand gut Englisch, nicht einmal die Jugendlichen. Mir war das ganz lieb so, denn ich war ja dort um Französisch zu lernen. Sonst hätte ich mir bestimmt viel zu oft mit Englisch beholfen.

 

Wohnung

Es gibt Studentenwohnheime, aber da muss man sich sehr früh anmelden, um als Famulant was zu kriegen. Ich hatte das große Glück eine tolle Bergerie (WG) zu finden, wo ich mit 6 Franzosen zusammen wohnte. Das war großartig, um Französisch zu lernen und die Stadt kennenzulernen!

 

Das Krankenhaus

L'hôpital de la Timone ist riesengroß, sehr zentral und bietet in der 12. Etage (da wo ich gearbeitet habe) einen herrlichen Blick über die ganze Stadt! Ich war bei Prof. Weiller, auf einer Inneren Station mit Schwerpunkt Immunologie. Mir wurde die Interne (Assistenzärztin) Pauline zugeteilt, die sich sehr lieb um mich gekümmert hat und sogar ein bisschen Deutsch konnte. Vor Ort habe ich einen kurzen Kittel mit kurzen Ärmeln bekommen. Super bei der Hitze! Denn nur die Patientenzimmer waren klimatisiert. Kaffee und Wasser wurden spendiert, aber leider kein Essen. Manchmal habe ich mit den Schwestern gefrühstückt - Marmeladenbrötchen waren allerdings nicht so mein Fall. Aber nach spätestens sechs Stunden durfte ich gehen und dann hab ich mir natürlich das köstlichste Baguette mit dem köstlichsten Käse der Welt gekauft!

 

Kontaktadressen

Hôpital de la Timone
5e Arrondissement
13005 Marseille

Kontakt zu Prof. Weiller:

PierreJean.Weiller@ap-hm.fr

 

Foto: Angela / pixelio.de

Die Basilika Notre Dame de la Garde; Foto: Angela / pixelio.de

Die Famulatur

Ich war vom Status her eine Externe. Die französischen Medizinstudenten arbeiten ab dem vierten Jahr ihres Studiums vier Stunden täglich in einem Krankenhaus und kriegen dafür etwa 400€ pro Monat. Darum laufen vormittags immer ca. vier Externe auf Station rum oder quatschen im Arztzimmer. Ihre Aufgaben sind Patienten aufnehmen (mit Anamnese und körperlicher Untersuchung), deren Akten sortieren, EKGs schreiben und den Internen bei allem Möglichen zur Hand zu gehen. Dies waren nun auch meine Aufgaben. Am Anfang hab ich einen ganz schönen Schreck bekommen, als mir eine ältere Externe zwei Patienten zuteilte. Ich arbeitete mich aber schnell ein.

Montags war Chefarzt-Visite, bei der die Externen ihre Patienten kurz vorstellten und die riesigen A1-Akten hin und her trugen. Mehr als ein Nicken hat man aber nicht als Lob bekommen und dann hat der Chefarzt nur noch mit der Internen gesprochen. Einmal pro Woche hat er eine Fortbildung für Studenten gemacht. Das war für mich leider sehr schwer zu verstehen. Aber die anderen Externen meinten, für sie auch … Zweimal wöchentlich war Oberarzt-Visite, die anscheinend fakultativ für die Studenten war. Da bin ich dann als einzige Studentin mitgegangen. Das fand ich mal langweilig, mal interessant. Insgesamt habe ich aber sehr viel gelernt, vor allem Französisch!

 

Finanzierungsmöglichkeiten

Ich habe versucht eine Auslandsfinanzierung über "Medizinernachwuchs" zu bekommen (das wären einmalig 250,-€), leider wurde ich aber nicht genommen. Insgesamt war es jedoch überhaupt nicht teuer. Ich habe meine eigene Wohnung untervermietet, sodass ich nur ca. 500€ ausgegeben habe mit Festivals, Feiern gehen und allem. Essen gehen war ich nur einmal. Das ist dort wirklich sehr teuer. Aber einmal muss man sich ja die echte Marseiller Bouillabaisse am Hafen gönnen. Wirklich köstlich!

 

Land, Kultur und Freizeit

Marseille ist berühmt für die Calanques. Das sind Buchten zwischen den Felsen. Besonders schön ist der Calanques Sugiton. Dort kommt man gut mit einem städtischen Bus hin und kann von dort eine gute Stunde zwischen hohen Bergen entlang wandern, um dann mit einem traumhaften Blick auf das Mittelmeer belohnt zu werden und am Kiesstrand baden zu gehen. Großartig! Côte Bleu und Cassis sind mit dem Zug (5,-€ Tagesticket) auch sehr gut zu erreichen und ebenfalls großartig zum Wandern! Aix en Provence ist eine schöne, alte Stadt nördlich von Marseille und hat wunderschöne Springbrunnen und alte Museen und Häuser. Dort finden jedes Wochenende tolle Musik-Veranstaltungen statt. Ein Besuch lohnt sich!

 

Foto: julia schäfer / pixelio.de

Die Calanques; Foto: julia schäfer / pixelio.de

 

Besondere Ereignisse und Fazit

Einmal waren wir mit der ganzen WG segeln. Das war einfach fantastisch und hat viel Spaß gemacht! Insgesamt war ich total beeindruckt von der Freundlichkeit der Franzosen. Nie habe ich jemanden getroffen, der mir gegenüber arrogant auftrat. Alle haben sich Mühe gegeben, langsam für mich zu sprechen und mir alles häufig erklärt.

 

Freizeitlinks

Suche nach freien Vélos

Touri-Guide über die Calanques

Das Festival de Marseille

Events in Marseille

 

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