• Interview
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  • Eva Verjans
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  • 06.11.2007

Als Modellstudiengängler famulieren an der Côte d'Azur

Tom Kurthen, Medizinstudent des ersten Jahrgangs des Modellstudiengangs in Aachen, absolvierte zwei Monate seiner Famulaturzeit am Klinikum der Université de Nice Sophia-Antipolis. Neben dem Stationsalltag in der Orthopädie/Traumatologie kam auch die atemberaubende Gegend rund um Nizza bei seinem Aufenthalt nicht zu kurz: Klinik, Sonne, Strand und Meer... Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen und gibt weitere hilfreiche Informationen für zukünftige Interessenten.

› Sonne, Strand und Meer hören sich verlockend an. Doch aus welchem Grund fiel deine Wahl für eine Famulatur ausgerechnet auf Nizza?

Vor einigen Jahren war ich bereits durch Frankreich gereist und hatte auch einige Tage an der Côte d'Azur in Nizza verbracht. Schon damals hatte mich der Flair der südländischen Hafenstadt sehr fasziniert und ich wusste, dass ich noch einmal hierhin zurückkommen wollte.

 

› Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

In Frankreich werden Famulanten kurz als "Externes" bezeichent. Unter diesen Stichworten findet man wichtige Informationen auf der Internetseite der Université de Nice Sophia-Antipolis im Bereich Medizin.

Medizin an der UNS

Man erfährt, dass die Famulaturen nur in 2-monatigen Blöcken abgeleistet werden könne, dass dieser Zyklus festgeschrieben ist. An gleicher Stelle sind auch die geforderten Bewerbungsunterlagen aufgelistet. So habe ich einen formlosen Bewerbungsbrief mit Lebenslauf, Studienbescheinigung und Zeugnis der ärztlichen Basisprüfung an die angegebene Adresse geschickt und lange Zeit keine Antwort bekommen. Wochen später erhielt ich eine Zusage mit einer Stationsliste, auf der ich meine Wünsche angeben konnte. Daraufhin wurde mir mein Erstwunsch Orthopädie/Traumatologie zugesichert und ich konnte mit der Wohnungssuche beginnen.

 

› Hat dich die Modellstudiengangsleitung bei der Bewerbung unterstützt?

Ich habe ein Empfehlungsschreiben erhalten, das jedoch recht standardisiert zu sein scheint. Ein Empfehlungsschreiben wird von der französischen Uni übrigens verlangt.

 

› Du hast eben von der Wohnungssuche gesprochen. Gab es keine Unterkünfte, die von der Klinik gestellt wurden?

 Die Wohnungssuche war nicht ganz einfach. Zwar bekam ich mit der Bestätigung der Famulatur auch Telefonnummern von staatlich geführten Wohnheimen in Nizza, jedoch zeigte sich, dass diese Unterkünfte in sehr schlechtem Zustand waren. Außerdem werden sie in den Sommermonaten regelmäßig geschlossen und sind dann für Studenten nicht bewohnbar. Somit begann ich mit der Suche nach privat geführten Wohnheimen und gelangte über die Internetseite www.adele.org an interessante, jedoch nicht ganz günstige Unterkünfte.

Ich suchte mir ein Appartment in einem Wohnheim aus, dass vor einem halben Jahr neu eröffnet worden war und dessen Lage ideal war: genau zwischen Strand und Klinik. Die Mietpreise sind in Nizza recht hoch, unter 400-,€ findet man keine einigermaßen bewohnbare Bleibe und am Strand bezahlt man schnell 750€ und mehr.

 

› Wie sah dein Arbeitstag auf Station aus?

Jeden Morgen um 7.30 Uhr wurde der Tag mit der Röntgenbesprechung begonnen, in der es vor allem der Professor liebte, seine Berufung zur Lehre in die Tat umzusetzen und Studenten und auch Assistenzärzte zu den Röntgenbildern und anatomischen Strukturen zu befragen. Nach diesem Treffen gingen alle Studenten auf Station, schauten sich die Patienten an und dabei auch recht genau die Neuaufnahmen und vermerkten wichtige Veränderungen im Verlauf in der Akte. Diese Art Vorvisite ermöglichte es uns auch in Ruhe untersuchen und befragen zu können, bevor die für uns meist recht spannende Visite begann. Nach dieser obligatorischen Veranstaltung waren wir als Famulanten recht frei.

Man konnte sowohl im OP zuschauen, als auch die Patienten auf Station betreuen. Zusätzlich standen Neuaufnahmen und Befundberichte an, die im Laufe des Vormittags erledigt werden mussten. Nach Lust und Laune konnte man sich den verschiedenen Aufgaben widmen, die Visite begleiten oder in der Notaufnahme assistieren. Man war wirklich frei und durfte selbst bestimmen, was einem gefiel. Somit waren einige Arbeitstage bereits um 12 Uhr beendet, andere dauerten länger, wenn ein Fall besonders interessierte.

 

Das Klinikgebäude in Nizza - Foto: Tom Kurthen

 

› Mussten keine Blutabnahmen etc. durchgeführt werden?

In Frankreich ist das Bluabnehmen, Legen von Viggos und EKG-Schreiben Aufgabe des Pflegepersonals, so dass man solche praktischen Tätigkeiten dort nur recht selten durchführen konnte. Es war mehr eine Famulatur zum Zugucken, als dass wir wirklich aktiv werden durften. Dies zeigte sich auch immer wieder im OP, wo Studenten zwar willkommen waren, dann jedoch meist unsteril am Tisch standen. Dennoch war es immer spannend, bei den OPs zuzuschauen.

 

› Hast du dich als Modellstudiengängler über- oder unterqualifiziert im Vergleich zu den französischen Studenten gefühlt?

Ich denke, pauschal ist es schwierig diese Frage zu beantworten, da ich nur in einem Fachgebiet mitgearbeitet habe. Generell hatte ich jedoch den Eindruck, dass meine Kenntnisse denen der französischen Studenten doch etwas überlegen waren. Man konnte merken, dass wir klinischer und praxisorintierter ausgebildet wurden.

 

Der Innenhof des Klinikums - Foto: Tom Kurthen

 

› Muss man perfekt französisch sprechen, um in Nizza auf Station ernst genommen zu werden?

Französisch zu sprechen oder sich zumindest zu bemühen, ist für die Franzosen enorm wichtig. Versucht man mit Englisch zu bestehen, so wird man oft eher distanziert behandelt. Die Ärzte auf Station waren jedoch oft froh, mich als deutschen Studenten an ihrer Seite zu haben, da ich bei den Touristen als Dolmetscher dienen konnte.

 

› Was hast du denn in deiner Freizeit in Nizza gemacht?

Nizza liegt ideal im Süden Frankreichs, von wo aus Monaco und Cannes nur einen Katzensprung entfernt waren. Ich habe im Mai und Juni dort famuliert, also zur Zeit der Filmfestspiele in Cannes und des berühmten Formel-1-Events in Monaco. Zudem genossen wir den Strand von St. Tropez und letztendlich auch immer wieder die schöne Altstadt von Nizza. Dort wohnen zwar viele Studenten, jedoch findet man in den Clubs, Bars und am Strand ein interessanten Gemisch verschiedenster Menschen.

 

Der Blick auf das Mittelmeer - Foto: Tom Kurthen

 

› Würdest du abschließend nun eine Famulatur in Nizza empfehlen?

Es hat großen Spaß gemacht, ich habe viel gelernt und nebenbei das Ambiente der Stadt und den Strand in vollen Zügen genossen. Vielleicht kehre ich in meiner Assistenarztzeit noch einmal dorthin zurück. Es war einfach schön.

 

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