• Bericht
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  • Sabrina Gröer
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  • 27.10.2014

Africa for Beginners - Famulatur in Ghana

Sabrina berichtet von ihrer erfolgreichen Famulatur im Akim Oda Government Hospital in Ghana und gibt dir wertvolle Tipps für die Vorbereitung und den Aufenthalt im fernen Afrika.

Wieso Ghana?

„Und wo ist Ghana?“ – diese Frage war eigentlich Standard, wenn ich jemandem von meinen Plänen, eine Auslandsfamulatur zusammen mit einer Freundin zu machen, erzählt habe. Ghana liegt in Westafrika am Golf von Guinea und ist auch bekannt als „Africa for Beginners“. Mit seiner präsidentiellen Demokratie gilt es als stabil und sicher – obwohl natürlich auch hier Korruption kein Fremdwort ist, wie man jüngst „bei uns“ im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft mitbekommen konnte. Das haben wir auch selbst auf unserer Reise gemerkt. Da eine Kommilitonin im vorherigen Jahr ebenfalls eine Famulatur in Ghana gemacht hatte und restlos begeistert war, entschieden wir uns für dieses Land. Eine Famulatur in Afrika wollten wir immer schon mal machen, wobei uns insbesondere die Unterschiede in der medizinischen Versorgung, als auch die komplett andere Kultur interessiert haben. Dass das Ganze einen Monat vor dem zweiten Staatsexamen stattfinden sollte, sorgte zwar für Kopfschütteln bei einigen Kommilitonen – bereut habe ich es jedoch keine Sekunde!

 

Die Vorbereitung

Organisiert haben wir die Famulatur über die kleine Drei-Mann-Organisation „elective ghana“. Hierzu musste man nur eine eMail an die Organisation schreiben. Wir haben das etwa ein halbes Jahr vor der geplanten Abreise gemacht und bekamen auch prompt 2 Tage später eine Antwort mit allen weiteren Informationen und Dokumenten. So war der Famulaturplatz schnell geklärt. Dabei kann man auch Wünsche angeben, ob man einen Platz in der Stadt oder auf dem Land präferiert. Ein weiterer Vorteil war, dass wir vor Ort immer einen Ansprechpartner hatten, sei es in Bezug auf die Famulatur oder zu Reiseplänen. Außerdem hatten wir am ersten Tag einen Pick-up-Service vom Flughafen und wurden zu unserem Hotel gebracht. Eine SIM-Karte fürs Handy und eine Einführung in das „ghanaian transportation system“ waren ebenfalls Teil des Paketes für $180.

Um ein Visum sollte man sich auf jeden Fall rechtzeitig kümmern, entweder direkt bei der Botschaft in Berlin, oder in einem Konsulat (in unserem Fall ging das in Hannover ganz prima). Ebenso empfiehlt es sich, rechtzeitig Flüge zu buchen. Die liegen je nach Saison und Umsteigevorlieben zwischen 500 und 1000 €. Die Auslandskrankenversicherung war durch meine Mitgliedschaft im Marburger Bund schon abgedeckt.

Ein weiteres sehr wichtiges Unterfangen, das man nicht zu lange aufschieben sollte, sind die diversen Impfungen. Am besten entscheidet man zusammen mit einem Tropenmediziner welche Impfungen sinnvoll sind. Die Gelbfieberimpfung ist aber in jedem Fall Voraussetzung für die Einreise nach Ghana! Natürlich sollte man im selben Zuge entscheiden, welche Malaria-Prophylaxe die richtige ist. Da das Ganze schon ziemlich teuer werden kann, informiert man sich am besten gleich bei der Krankenkasse, welche Kosten übernommen werden. Zu den Finanzen empfehle ich, eine VISA-Karte mitzunehmen und vor Ort ghanaische Cedi (etwa 0,25€) am Bankautomaten zu besorgen. Auch ein paar Dollars mehr mitzunehmen kann nicht schaden.

 

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

… zunächst mal statt einem Koffer einen Rucksack. Bei den ghanaischen Straßenverhältnissen macht jeder Trolli irgendwann die Grätsche, da empfiehlt sich schon ein guter Travel-Rucksack. Natürlich ist es jedem selbst überlassen, aber es gibt ein paar essenzielle Dinge, die in keinem „Ghana-Rucksack“ fehlen sollten. Natürlich ist da erstmal die Reiseapotheke, da viele Medikamente in Ghana nicht so einfach aufzutreiben sind. Genügend Moskito-Repellant und ein Moskitonetz sollten ebenfalls dabei sein. Ich empfehle ein beschichtetes großes Netz für Doppelbetten, da sonst sowohl in Akim Oda, als auch in diversen Unterkünften beim Reisen das Problem aufkommen kann, dass das Netz nicht über das Bett passt. Ebenso sollte man Sonnencreme mitnehmen. Obwohl sich die Sonne während unseres Aufenthaltes in der Regenzeit, nicht sehr häufig gezeigt hat, hat sie uns mit ihrer „Äquator-Power“ - wenn sie denn mal rauskam - ganz schön verbrannt.

Eine Taschenlampe ist auch immer eine gute Sache, da in Ghana Stromausfälle an der Tagesordnung sind. Ebenso darf der Adapter (britische Steckdosen) nicht fehlen. Außerdem sollte immer eine Rolle Klopapier dabei sein, denn das ist auf ghanaischen Toiletten keine Selbstverständlichkeit! Statt einem Schlafsack (viel zu warm!) kann man z.B. einfach einen Bettbezug nehmen, in den man sich reinkuscheln kann, denn normalerweise gibt es in ghanaischen Hotels keine Decken. Was ebenfalls in jedes Reisegepäck gehört, ist ein guter Reiseführer. Sehr zu empfehlen ist der „Bradt-Guide“, hier findet man alle wichtigen Informationen. Lediglich bei den Preisen weicht er zum Teil erheblich ab, weshalb du bei Hotels die Preise telefonisch erfragen solltest. Dazu eignen sich am besten die eigenen Telefone mit eine ghanaischen SIM-Karte. Das Telefonieren ist in Ghana lächerlich günstig, ebenso wie mobiles Internet. Selbst längere Telefonate nach Europa waren so gar kein Problem.

 

Akwaaba in Akim Oda

Das Akim Oda Government Hospital, das in der 50.000-Einwohner-Stadt Akim Oda am Birim River liegt, wurde 1927 gegründet und versorgt 243 Gemeinden in der Eastern Region von Ghana. Täglich werden etwa 300 Patienten ambulant und durchschnittlich 86 Patienten stationär versorgt. Die gesamte Bettenkapazität beläuft sich auf 174. Insgesamt kümmern sich 223 Angestellte um den mehr oder weniger reibungslosen Ablauf im Akim Oda Government Hospital.

Untergekommen sind wir in einem der krankenhauseigenen Häuser, wo Betten, fließend kaltes Wasser, Strom und eine ziemlich gut ausgestattete Küche vorhanden waren. Das Anwesen wird rund um die Uhr von einem Wächter gesichert. Der Weg zum Krankenhaus ist einfach zu finden, entweder per Taxi (für etwa 2-3 Cedi, das ist weniger als ein Euro), oder in etwa 20 Minuten zu Fuß. Für 4 Wochen mussten wir für dieses Arrangement $220 an das Krankenhaus zahlen, sowie $150 Programmgebühr. Toll war, dass wir zeitgleich mit zwei britischen Studentinnen das Programm absolvieren konnten, mit denen wir uns gut verstanden haben. So haben wir auch etwas über das Medizinstudium im United Kingdom erfahren. Obwohl der Staat in Ghana das Gesundheitssystem fördern soll, funktioniert dies aufgrund der Korruption nur mäßig gut. Vieles von dem Geld, das für die Krankenhäuser bestimmt ist, kommt schlichtweg nie dort an. Es gibt eine Krankenversicherung, die man für umgerechnet etwa 4€ im Jahr kaufen kann, für Kinder ist sie etwas günstiger. Diese Versicherung deckt alle Impfungen und die meisten essentiellen Untersuchungen und Medikamente ab. Größere apparative Untersuchungen wie z.B. ein CT, welches nur in den wirklich großen Krankenhäusern vorhanden ist, müssen jedoch vom Patienten selbst bezahlt werden.

Positiv überrascht waren wir von dem toll organisierten Impfprogramm und der Schwangerschaftsvorsorge, sowie den U-Untersuchungen für Kinder in Ghana, die durch sogenannte „outreach programs“ für jeden zugänglich und immer gut besucht sind. Obwohl das Akim Oda Government Hospital einen recht großen Einzugsbereich hat, fiel uns gleich auf, wie schlecht – verglichen mit deutschen Verhältnissen – die medizinische Grundversorgung in dem Krankenhaus war. Das lag zum einen an dem Mangel an Ressourcen, zum Anderen an der Arbeitseinstellung der Ghanaer. So haben die ghanaischen Ärzte und z.T. auch Schwestern ein großes fundiertes medizinisches Wissen, das aber mangels entsprechender Materialien, um dieses Wissen in die Tat umzusetzen, leider nicht viel nützt. Wir haben festgestellt, dass ein Arbeiten unter solchen Bedingungen sehr frustrierend ist. Beispielsweise fehlten ein EKG und auch wichtige Medikamente. Auf der anderen Seite haben wir auch Missstände beobachten können, die man einfach hätte beheben können, bspw. blätterte im OP die Farbe über dem Operationstisch von der Decke – durch ein einfaches Abschleifen an dieser Stelle hätte man diese Gefahrenquelle für den Patienten entfernen können.

Verwundert hat uns auch die Anzahl an Schwestern, die in den Krankensälen arbeiten. Bei uns alltägliche Aufgaben wie die Pflege des Patienten oder das Stellen von Essen und Medikamenten werden hier von den Angehörigen übernommen. So haben die Krankenschwestern auf Station oft nur Zeit totgeschlagen. Ein weiteres Problem ist, dass viele Patienten noch sehr an der traditionellen Medizin festhalten und lieber sogenannte „herbal clinics“ besuchen, bevor sie ins Akim Oda Government Hospital kommen. Dadurch werden viele Krankheiten verschleppt oder sogar durch die traditionelle Behandlung verschlimmert.
Unsere Arbeitszeit ging im Schnitt von 8.00-12.00 Uhr, hierbei haben wir die Visiten mitgemacht und im OP zugeschaut – selber praktisch arbeiten durften wir, abgesehen von Impfungen bei den outreach programs, leider nicht. Das empfanden wir natürlich als sehr enttäuschend. Da wir nur vormittags im Krankenhaus waren, hatte ich genug Zeit um nachmittags für das Examen zu lernen oder auf dem Markt einzukaufen.

Da wir gerade zu der Zeit des Ebola-Ausbruchs in Westafrika vor Ort waren, haben wir auch mitbekommen, wie sich Ghana auf den Ernstfall vorbereitete. Zunächst wurden Isolationszelte auf einem Feld aufgebaut und das Personal geschult. Auch lief eine große Aufklärungskampagne mittels Radio- und Fernsehspots, sowie Plakaten und Broschüren. Diese konnten wir sogar in abgelegenen kleinen Dörfern finden.

 

„Bunt und anders“

Ghana ist einfach wie eine andere Welt. Die Menschen sind sehr offen, freundlich und hilfsbereit. Zuweilen können sie aber auch aufdringlich sein; die Anzahl an Heiratsanträgen konnte man zumindest nicht mehr an zwei Händen abzählen und wir mussten uns eine gute Taktik aneignen, um sie freundlich abzulehnen. Natürlich ist man als „Obruni“ (=Weißer) ein Exot und fällt auf. Das geht damit los, dass man „obruni prices“ bezahlt und aufpassen muss, dass man beim alltäglichen Feilschen nicht über den Tisch gezogen wird. Dabei meint das natürlich niemand böse; „But you are white – you are rich!“ haben wir nicht nur einmal gehört. Am besten macht man in solchen Situationen klar: „I want obebeni (Schwarzer) prices“ – das finden die Ghanaer unglaublich witzig und geben einem gerne einen besseren Preis.

Sowieso empfiehlt es sich ein paar Worte der ortsüblichen Sprache zu lernen, in unserem Fall war das Twi (sprich: Tschi). Zwar ist die offizielle Landessprache Englisch, trotzdem sprechen die meisten ihre Ortssprache, die sich bei mehr als 40 verschiedenen Sprachen in Ghana doch erheblich unterscheiden. Wir haben während unseres Aufenthaltes in Akim Oda festgestellt, dass sich die Ghanaer natürlich sehr freuen, wenn man ein paar Worte ihrer Sprache spricht, ein einfaches „Medaase“ (=Danke) hat oft gereicht, um einen Menschenauflauf auf dem Markt auszulösen: „Guck mal, die Weißen können Twi!“ Auch freuen sich die Leute immer, wenn sie einem noch ein Wort mehr beibringen können - den größten Wortschatz haben wir uns auf dem Markt angeeignet.

An den Wochenenden (meist haben wir ein Drei-Tage-Wochenende daraus gemacht) sind wir in Ghana herumgereist. Auf keinen Fall verpassen sollte man dabei den Kakum National Park, den größten Markt Ghanas in Kumasi und die Küstenstädte Cape Coast und Elmina. Die günstigste Variante in Ghana zu reisen sind die staatlichen Metro Mass Busse oder private „Trotros“. Das sind umgebaute Vans, die im Schnitt über 20 Personen transportieren können und immer fahren. Aufgrund der generell eher schlechten Straßenverhältnisse in Ghana und auch den Sicherheitsstandards ghanaischer Vehikel, empfiehlt es sich, nur bei Tageslicht zu reisen.

Wer etwas komfortabler reisen möchte, kann mit den z.T. klimatisierten VIP Busses reisen, allerdings empfehle ich auf jeden Fall mal das Abenteuer Trotro-Fahrt mitzumachen! Auch sogenannte Motorrad-Taxis kann man - Sicherheitsbedenken beiseite geschoben - nutzen. Beachten sollte jeder europäische Reisende, dass Ghanaer, was Zeiten und Distanzen angeht, komplett planlos sind. Sowieso scheint ohne Fahrpläne oder ähnliches alles erst einmal sehr chaotisch. Wer sich aber bei den Einheimischen durchfragt, wird feststellen, dass es trotz allem ein System gibt, nach dem die Fahrzeuge fahren. Die Ghanaer haben uns immer sehr freundlich weitergeholfen und so sind wir meist ohne Probleme an unser Reiseziel gelangt. Nach der Famulatur haben wir uns noch ein paar Tage Zeit genommen, um den Mole National Park im Norden und die Volta Region mit dem Volta Stausee und den Wli Falls zu besuchen.

 

Zurück in Deutschland

Zusammenfassend war meine Famulatur in Ghana eine unglaublich bereichernde Erfahrung und obwohl die Zeit vor und nach der Reise aufgrund des anstehenden Staatsexamens etwas stressiger war, würde ich es jederzeit wieder so machen. Ich habe erfahren, wie sehr „gute“ Medizin nicht nur von Ressourcen sondern auch von kulturellen Unterschieden abhängig ist und auch die Lebensfreude und Offenheit des ghanaischen Volkes kennengelernt. Natürlich bin ich glücklich, wieder laufend warmes Wasser und zuverlässig Strom und sämtliche andere Annehmlichkeiten in Deutschland zu genießen, trotzdem denke ich manchmal wehmütig an meine sechs Wochen „einfachen“ Lebens in Ghana zurück.

 

Adressen und Kontaktdaten

Akim Oda Government Hospital
Ghana Health Service
P.O. Box 16
Akim Oda
Mr. Julius Kuusaalesuo
(Hospital Administrator)
+233208151247

Elective Ghana:

http://electiveghana.org

info@electiveghana.org

 

Leider hätten alle Details den Rahmen dieses Artikels gesprengt. Solltet ihr also noch Fragen haben, stehe ich euch gerne Rede und Antwort unter:

sabrina.groeer@gmx.de

 

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