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  • Johannes Hopf
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  • 23.10.2018

Famulatur Innere Medizin in Ghana

Hier berichtet Johannes über seine einmonatige Famulatur am Korle Bu Teaching Hospital in Ghana.

Straße vor der Unterkunft. © Johannes Hopf

Motivation

Wie kommt man darauf, eine Famulatur in Ghana zu machen? Ein gewisses Interesse für Afrika hatte ich schon länger, ausschlaggebend war dann eine Freundin, die ihre Famulatur in Ghana ein Jahr zuvor gemacht hatte und mir die Organisation „Elective Ghana“ sehr empfohlen hat. Als englischsprachiges, sicheres und sehr freundliches Land („Afrika für Anfänger“) hat sich Ghana seit einigen Jahren einen Namen unter Studenten und Volunteers gemacht.

Bewerbung

Nach ein paar Mails wurde alles konkreter. Die Organisation der Famulatur selbst war relativ unkompliziert. Ein kurzes Motivationsschreiben, Lebenslauf und eine Bestätigung der Uni waren schon alles. Die Unterlagen habe ich an Elective Ghana geschickt, von dort wurden sie an das Krankenhaus weitergeleitet.

Am Makola Market in Accra. © Johannes Hopf

Vorbereitung

Deutlich aufwendiger und komplizierter hingegen gestaltete sich das Beschaffen des Visums. Auch die empfohlenen Impfungen (Gelbfieber ist Pflicht) benötigten etwas Vorlaufzeit. Ich habe mich neben Gelbfieber gegen Tollwut, Meningitis, Cholera und Typhus impfen lassen. Insgesamt solltest du spätestens 3-4 Monate vorher mit deinen Planungen und Vorbereitungen beginnen, um nicht in Zeitdruck zu geraten. Nicht vergessen solltest du auf jeden Fall Anti-Moskitospray und auch eine Chemoprophylaxe gegen Malaria ist ratsam. Ich selbst habe Malarone genommen und es sehr gut vertragen. Auch ein Mittel gegen Durchfall sollte nicht fehlen, da der Magen doch einige Zeit braucht, um sich an die ghanaische Küche zu gewöhnen. Hier habe ich gute Erfahrungen mit Tannacomp gemacht.

Anreise und Unterkunft

Für Hin- und Rückflug habe ich mit Umstieg in Amsterdam bzw. Paris insgesamt 540 € bezahlt. In der Hauptstadt Accra angekommen wurde ich abends von Sefa (dem Chef von Elective Ghana) am Flughafen abgeholt und zu meiner Unterkunft in der Nähe des Krankenhauses gefahren. Dort habe ich auch eine ghanaische SIM-Karte bekommen. Das Handy-Netz ist in Ghana übrigens sehr gut ausgebaut. In den Tagen nach deiner Ankunft gibt es noch eine kleine Stadttour durch Accra. Für die Unterkunft habe ich 215 € und an die Organisation 150 € bezahlt. In der Unterkunft waren noch 3 andere Studenten untergebracht. Sefa und seine Organisation sind wirklich sehr empfehlenswert. Er hat immer ein offenes Ohr für Fragen, gibt Tipps für Reisen durchs Land und geht mit dir liebend gern abends in Accra etwas essen oder ein Bierchen trinken. Nach ein paar Wochen fühlt man sich fast wie zuhause.

Das Korle Bu Teaching Hospital. © Johannes Hopf

Krankenhaus & Gesundheitssystem

Generell kann man bei Elective Ghana zwischen städtischen Krankenhäusern in Accra und ländlichen Krankenhäusern in der Umgebung (meist 1-3 Stunden von Accra entfernt) wählen. Ich habe meine 4-wöchige Famulatur im Korle Bu Teaching Hospital im Department für Innere Medizin in Accra gemacht, der Uniklinik von Accra. Die Ausstattung ist für ghanaische Verhältnisse sehr gut. Ein großes Problem ist aber, dass sich viele Patienten teure Untersuchungen wie CT oder MRT nicht leisten können, da sie keine Versicherung haben oder diese die Untersuchungen nicht abdeckt. 

Leberzirrhose im Endstadium ist aufgrund der hohen Hepatitis B-Prävalenz ein häufiges Krankheitsbild. Das geringe Vertrauen der Patienten in die klassische Schulmedizin ist ein Problem. Viele unternehmen zunächst lieber Therapieversuche mit „Wundertränken“ oder diversen Kräutern bevor sie ein Krankenhaus aufsuchen. Ich habe in meiner Zeit in Ghana zwar einen guten Einblick ins dortige Gesundheitssystem bekommen, an den zahlreichen Visiten teilgenommen und körperliche Untersuchungen gemacht, konnte sonst jedoch selbst nur wenig praktisch machen. 

Mit den Ärzten kann man sich sehr gut auf Englisch unterhalten, im Patientenkontakt ist das hin und wieder etwas schwieriger. Nach Gesprächen mit anderen Studenten, die mit Elective Ghana hier waren, würde ich generell eher empfehlen, sich bei der Bewerbung für ein kleineres Krankenhaus (z.B. Akim Oda, Nsawam, Atibie) oder aber für Fachrichtungen wie Gynäkologie oder Chirurgie zu entscheiden, wenn man praktische Erfahrungen sammeln möchte. Außerdem sind die Gebühren im Korle Bu Hospital (90 $ pro Woche + 200 $ Registration Fee) im Vergleich zu den anderen Krankenhäusern höher. Prinzipiell wird das Thema Anwesenheit deutlich gelassener gesehen als Deutschland, sodass man seine Wochenenden zum Reisen ohne Probleme um ein oder zwei Tage verlängern kann.

Sonnenuntergang am Ankobra Beach in Axim. © Johannes Hopf

Land und Leute

Es ist sehr schwierig, alle Eindrücke aus Ghana in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Insbesondere wenn man wie ich vorher noch nicht in Afrika bzw. einem Entwicklungsland war, ist die Zeit hochinteressant und unvergesslich. Die Ghanaer sind Ausländern gegenüber sehr aufgeschlossen und interessiert. So wird man als „Obruni“ („Weißer“ auf Twi) täglich sehr oft angesprochen und in den ein oder anderen Small Talk verwickelt. Die Menschen sind immer freundlich und hilfsbereit. Generell ist Ghana ein Land großer Gegensätze. Während Accra Luxushotels und -restaurants zu bieten hat, leben die Menschen im Norden noch in einfachsten Lehmhütten. 

Fahrten übers Land werden in den Trotros genannten Kleinbussen fast immer zum Abenteuer. Auffällig ist das große Müllentsorgungsproblem, insbesondere in den großen Städten. Sowohl kulturell als auch landschaftlich hat Ghana einiges zu bieten, auch wenn vieles nur wenig touristisch erschlossen ist. Das macht aber auch den Reiz einer Reise nach Ghana aus, man kann sich dem ghanaischen Leben nicht entziehen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und positiv, man fühlt sich in keiner Weise unwohl oder unsicher.

Die ghanaische Küche ist sehr kalorienreich. Nationalgericht ist Fufu, Yam und Kochbananen zu einer gummiartigen Teigmasse gestampft und mit einer scharfen Suppe serviert. Generell wird in Ghana gern frittiert, vor allem Chicken und Fisch. In Accra gibt es aber auch zahlreiche Restaurants mit europäischen Gerichten, allerdings auch zu europäischen Preisen.

Freizeitmöglichkeiten

Ich habe während meiner Zeit in Ghana unter anderem die Wli Waterfalls (die höchsten in Westafrika) in der Volta Region, die Küstenstadt Cape Coast mit dem alten Sklavenfort und den Mole Nationalpark im Norden besucht. Auch ein paar Tage an den traumhaften Palmenstränden von Axim oder Busua oder an der Voltamündung in Ada Foah sind sehr empfehlenswert zum Surfen oder Entspannen. Die meisten Ausflüge habe ich an den Wochenenden mit anderen Elective Ghana-Studenten unternommen und dabei auch oft die Wocheneden um 1-2 Tage verlängert, da man für die Strecken doch ziemlich lange braucht (etwa 6 Stunden für 300 km). Über die Whatsapp-Gruppe der Organisation kann man sich ganz einfach verabreden. Man ist auf jeden Fall nie allein und es findet sich immer jemand zum Reisen oder ausgehen.

Strand von Ada Foah. © Johannes Hopf

Fazit

Absolut empfehlenswert für alle die Lust auf eine etwas andere Famulatur haben. Lass dich nicht vom Organisationsaufwand abschrecken. Ghana ist ein bisschen wie eine andere Welt und sicher nicht der richtige Ort für einen Erholungsurlaub. Dafür erlebt man unheimlich viel und wird die Zeit und die Menschen, die man dort kennengelernt hat nicht so schnell wieder vergessen. 

Wichtige Adressen

www.electiveghana.org
https://www.facebook.com/electiveghana/
E-Mail: electiveinghana@gmail.com
Krankenhaus: Korle Bu Teaching Hospital, Accra
http://kbth.gov.gh/

 

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