• Bericht
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  • Bettina Kossmann
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  • 03.05.2006

4-wöchige Chirurgiefamulatur in Vellore, Indien

Das Krankenhaus des Christian Medical College in Vellore/Indien ist mit 2000 Betten das größte Krankenhaus Südindiens. Dieses christlich orientierte Krankenhaus ist eines der führenden Häuser hinsichtlich der medizinischen Versorgung und Forschung und widmet sich der Behandlung von Patienten aller Gesellschaftsschichten.

 

Haupteingang des Christian Medical College (CMC)  - alle Fotos: Bettina Kossmann

 

Bewerbung

Für die Bewerbung genügt zunächst ein Anschreiben. Ich bekam innerhalb von zwei Wochen eine Email zugesandt, die Informationen über das Krankenhaus und die Stadt Vellore, Vorschläge für Unterkünfte, Anreisemöglichkeiten, einen Fragebogen und eine Liste mit den einzureichenden Unterlagen (Lebenslauf, Empfehlungsschreiben des Dekans, Passbilder, Kopien des Reisepasses und einen Scheck über 40 US Dollar) enthielt.
Da diese Unterlagen vom CMC an das Medical Council of India und das Ministry of Health weitergeleitet werden, um eine Genehmigung für den Famulanten zu bekommen, ist es sehr wichtig, die Unterlagen genau in der vorgeschriebenen Form zu verschicken. Außerdem sollte man die Unterlagen spätestens 3-4 Monate vor der Famulatur einsenden.

 

Reisevorbereitungen

Für die Einreise nach Indien muss man ein Visum bei der indischen Botschaft beantragen. Empfohlene Impfungen sind Hepatits A und B, Diphterie-Tetanus-Polio-Pertussis, Typhus, Japanische Enzephalitis und die Tollwutimpfung. Außerdem nahm ich eine Malaria-Standby-Prophylaxe mit.

 

Der Ort

Vellore hat 380 000 Einwohnern und liegt 145 km südwestlich von Chennai und 200 km östlich von Bangalore. Die Provinzstadt ist umgeben von felsigen Hügeln. Die beiden Hauptattraktionen sind das Fort von Vellore und der Jalakanteshwara Tempel. Das Stadtbild wird vor allem von den kleinen Basarstrassen und dem Christian Medical College geprägt.

 

Die Ida Scudder Road vor dem CMC

 

Die Anreise

Meine Anreise erfolgte über Chennai. Dort angekommen nahm ich ein Taxi zu dem Busbahnhof Koyambedu. Dieser Busbahnhof ist der größte Asiens und gleicht fast einem Flughafen. Ich nahm den Bus nach Vellore und ca. 3 Stunden später erreichte ich mein Ziel.
Eine andere Möglichkeit nach Vellore zu kommen, ist die Fahrt mit dem Zug. Man löst an der Central Railway Station in Chennai ein Ticket nach Katpadi. Dort angekommen kann man mit dem Bus, dem Taxi oder einem Autorikscha das 7 km entfernte CMC erreichen. Die luxuriöseste aber auch teuerste Variante ist die Fahrt von Chennai nach Vellore mit dem Taxi. Kostenpunkt hierfür sind umgerechnet ca. 25 US Dollar.

 

Unterkunft und Verpflegung

Das CMC schickte mir eine Liste mit ca. 20 Adressen für Unterkünfte. Ich bewarb mich für ein Zimmer in der "Annexe", das sich auf dem Klinikgelände befindet und von ausländischen Famulanten, Ärzten, sowie Angehörigen von Patienten genutzt wird.
Die Zimmer dort sind sehr einfach, aber auch sehr sauber! Es gibt nur Doppelzimmer und die Managerin der Annexe teilte mir für meinen Aufenthalt dort eine Mitbewohnerin zu. Nina war eine super nette amerikanische Studentin, die im gleichen Zeitraum wie ich eine Famulatur am CMC machte.

Gleich neben der Annexe liegt die YWCA Kantine. Es gibt dort von morgens bis abends durchgehend Essen. Wir aßen dort meistens unser Frühstück und wenn wir die Zeit dafür hatten, gingen wir auch zum Mittagessen in die Kantine. Abends ging ich zusammen mit den anderen Famulanten in eines der zahlreichen Restaurants, die in der Nähe der Klinik liegen.

 

Arbeitsalltag

Ich famulierte 4 Wochen in der Chirurgie. Ich rotierte jede Woche zu einer anderen Station und hatte dadurch die Möglichkeit ein großes Spektrum verschiedenster Krankheitsbilder zu sehen.
Die Arbeit begann zwischen 7 Uhr und 9 Uhr und endete zwischen 17 und 18 Uhr. Je nach Stundenplan startete ich meinen Tag entweder im OP, im O.P.D. (= Out Patient's Department) oder mit den ward rounds.

Meine Famulatur war unglaublich abwechslungsreich. An den OP-Tagen assistierte ich bei den unterschiedlichsten Operationen. Angefangen bei Hernien, über Magenresektionen bis hin zu Amputationen. Die Auswahl war mehr als groß! Sobald mich das jeweilige Ärzteteam etwas besser kennen gelernt hatte, durfte ich auch einiges selber machen. Ich durfte die Wunden am Ende des Eingriffs zunähen, hatte die Möglichkeit Blasenkatheter zu legen und durfte sogar bei einer Operation einen Hautschnitt machen!

An den OPD-Tagen kamen Patienten aus allen Teilen Indiens, um sich von den Ärzten des CMC anschauen und versorgen zu lassen. Hier standen meistens kleinere Eingriffe auf der Tagesordnung. Biopsien von Lymphknoten und Tumoren und Reinigung von Wunden sowie Eröffnungen von Perianalabzessen sind nur einige der Dinge, bei denen ich nicht nur zusehen, sondern die ich teilweise auch unter Anweisung selber vornehmen durfte!

Die Ärzteteams der verschiedenen Stationen waren alle sehr bemüht mich ins Team zu integrieren und mir möglichst viel zu zeigen. Und obwohl der Ansturm der Patienten auf die Ärzte sehr groß war, nahmen sie sich immer Zeit mir die Krankengeschichte und das weitere Vorgehen zu erklären.

 

Patientenansturm an einem OPD-Tag

 

Verständigung

Die Ärzte und Schwestern am CMC sprechen untereinander Englisch. Da die Inder aber einen sehr starken Akzent haben, brauchte ich ca. 1 Woche bis ich mich in das indische Englisch eingehört hatte. Mit den Patienten wurde hauptsächlich Tamil oder ein anderer indischer Dialekt gesprochen.

 

Aktivitäten

Vellore ist durch Bus und Bahn gut an das Verkehrssystem angebunden und so standen an den Wochenenden zahlreiche Ausflugsziele zur Verfügung. Das Bundesland Tamil Nadu ist bekannt für seine zahlreichen Tempel und es gibt kaum eine Stadt, in der es nicht prachtvolle und sehenswerte Tempel gibt. Kanchipuram ist nur ein Beispiel hierfür. Aber auch die Küstenstädte Mamallapuram und Pondicherry laden zu einem Wochenendtrip ein.

 

Die Fünf Rathas in Mamallapuram

Fazit

Ich hatte eine tolle Zeit in Indien. Die Famulatur war äußerst abwechslungsreich und hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Die Inder, die ich während meines Aufenthalts kennenlernte, waren sehr aufgeschlossen, nett und gastfreundlich und ich wurde überall sehr herzlich aufgenommen. Ich kann wirklich jedem nur empfehlen an das CMC in Vellore zu gehen!

 

Adresse

Bei Interesse meldet Euch bei Dr. Molly Jacob:

Christian Medical College and Hospital V
University of Madras
Ida Scudaler Road, Post Box 3
Vellore 632004
Tamil Nadul
Indi

princi@cmcvellore.ac.in 

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