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  • Julia
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  • 04.11.2015

Gynäkologie-Famulatur im Rotunda Hospital in Dublin

Julia verbrachte ihre Famulatur im August 2015 im Rotunda Hospital in Dublin. Erfahrt, was sie während in der Klinik erlebte und warum sie eine Famulatur in Irland nur weiterempfehlen kann.

Bewerbung

Die Entscheidung, eine englischsprachige Auslandsfamulatur zu machen, ist mir nicht ganz leicht gefallen. Zum einen ist es zu Hause ja doch irgendwie immer am schönsten, und zum anderen hatte ich große Sorge, dass mein durchschnittliches Schulenglisch für eine Famulatur in Irland nicht ausreichen würde. Doch gerade meine mäßigen Sprachkenntnisse waren für mich schließlich ausschlaggebend, die Auslandsfamulatur einfach zu wagen und nachher zumindest sicherer in der Sprache zu sein.

Da ich noch nie in Irland war, entschloss ich mich, meine Famulatur auf der grünen Insel zu machen. Und da ich als Kölnerin die Großstadt mag, suchte ich direkt nach Famulaturen in Dublin. Im Internet stieß ich schnell auf einen Erfahrungsbericht aus dem Rotunda Hospital, der mir sehr zugesagt hat, und so schrieb ich Ende November 2014 eine E-Mail mit Lebenslauf an masterssecretary@rotunda.ie, um mich für eine Famulatur im August 2015 zu bewerben.
Schon kurz darauf hatte ich eine Zusage mit allen Infos:
Ich sollte neben meinem Lebenslauf noch einen Immatrikulationsnachweis auf Englisch schicken, und zur Bestätigung meiner Bewerbung 50 € überweisen.
Der Kontakt mit den Sekretärinnen war wirklich nett und alles ging sehr schnell und unkompliziert.

 

Die Unterkunft

Während meiner Famulatur wohnte ich im Schwesternwohnheim des Rotunda Hospitals. Die Zimmer dort sind zweckmäßig mit Waschbecken, Bett, Schrank, Schreibtisch und Stuhl ausgestattet.
Toiletten und Dusche befinden sich auf dem Gang und es gibt eine Küche zur gemeinsamen Nutzung. Handtücher muss man selbst mitbringen, Bettwäsche wird gestellt. Es gibt außerdem einen Waschraum mit zwei Waschmaschinen, zwei Trocknern und einem Bügeleisen plus Bügelbrett.
Man darf zwar keinen Luxus erwarten, aber für einen Monat konnte man dort auf jeden Fall gut wohnen und hatte alles, was man braucht.

 

Schwesternwohnheim des Rotunda Hospitals - alle Fotos: Julia Silwedel

 

Für die Unterkunft zahlt man 80 € pro Woche, und für das Praktikum noch einmal 50 € pro Woche, Essen ist dabei nicht inklusive. Insgesamt habe ich für die vier Wochen also 570 € an das Rotunda Hospital gezahlt.

 

Die Famulatur

Man muss beachten, dass der Dresscode in den irischen Krankenhäusern schicker ist als bei uns. Unter dem weißen Kittel (welchen man selbst mitbringen muss) ist man „smart casual“ gekleidet, also mit Rock und Bluse. Eine ordentliche Hose war aber auch okay.

Die Arbeitszeiten waren für uns Studenten sehr flexibel. Man konnte eigentlich immer frei entscheiden, ob man morgens lieber um 7:30 Uhr oder um 9:30 Uhr anfangen wollte, und gehen konnte man meistens nach Lust und Laune.
Um 7:30 fanden die Übergabe, und an manchen Tagen kurze Workshops oder Vorträge statt. Danach ging man dann mit den Ärzten auf Station und nahm an der Visite teil. Oft blieb dann noch genügend Zeit für die erste ausgiebige Pause im Restaurant des Krankenhauses, ehe die Ärzte dann um 9:30 zu ihren jeweiligen Arbeitsplätzen gingen. Diese waren jeden Tag, sowie vormittags und nachmittags unterschiedlich. Man war also größtenteils mit demselben Arzt unterwegs, war aber zum Beispiel Montagvormittag in der Notaufnahme, nachmittags im OP, am nächsten Tag vormittags in der Antenatalsprechstunde und nachmittags in der allgemeinen Gyn-Sprechstunde. Da es in Irland keine Gynäkologie-Praxen gibt, konnte man im Krankenhaus nicht nur auf die Stationen oder in den OP gehen, sondern hat auch ganz normale Sprechstunden mitbekommen.
Darüber hinaus habe ich zum Beispiel auch einige Tage bei der Fertilitätssprechstunde, Kolposkopie, in den Kreißsälen und der Neonatologie zugeschaut. Normalerweise waren alle sehr nett und offen und haben uns Studenten gerne mitgenommen, man musste einfach nur nachfragen.

Das Praktikum bestand größtenteils darin, den Ärzten zuzuschauen und zuzuhören. Je nachdem, mit welchem Arzt ich unterwegs war, durfte ich zum Beispiel auch mal bei Kaiserschnitten assistieren, was jedoch eher die Ausnahme war. Auf Nachfrage war es jedoch auch kein Problem, auch mal zu ultraschallen, das Spekulum einzustellen oder sonstige Untersuchungen zu machen.
Was ich als großen Nachteil empfunden habe, ist, dass wir Studenten größtenteils den SHOs (also den Assistenzärzten) zugeteilt waren, welche zu dem Zeitpunkt selber gerade erst wenige Wochen im Rotunda Hospital gearbeitet hatten. Das hatte zur Folge, dass die SHOs, obwohl sie wirklich super nett, freundlich und bemüht waren, natürlich selber noch sehr unerfahren waren und mir meine Fragen leider häufig nicht so richtig beantworten konnten.
Alle Ärzte haben uns Studenten aber wirklich von Anfang an total freundlich integriert und haben sich immer gerne mit uns unterhalten. Man hat sich eigentlich nie unwillkommen gefühlt, sondern wurde direkt als Teil des Teams behandelt.

Generell fand ich es auch sehr spannend, die Unterschiede zwischen deutschen und irischen Krankenhäusern zu sehen. Die Wartezeit der Patienten in der Ambulanz beträgt trotz Termin manchmal 4-5 Stunden, und auf Station liegen bis zu 10 Patienten in einem Zimmer, nur durch Vorhänge voneinander getrennt. Dennoch sind die meisten Patienten sehr freundlich und respektvoll den Ärzten gegenüber, und beschweren sich fast nie.

 

Haupteingang Rotunda Hospital

Freizeit

Das Rotunda Hospital nimmt jedes Jahr im Juli und August bis zu 8 ausländische Studenten auf, weshalb man hier auf jeden Fall auf andere Studenten trifft, mit denen man seine Freizeit verbringen kann. Als ich dort war, waren fast nur deutsche Studentinnen da, die Jahre davor war es aber wohl gemischter.
Meistens habe ich abends und am Wochenende etwas mit den anderen Studentinnen unternommen, einmal waren wir aber auch mit einigen der Ärzte feiern.

Vom Krankenhaus aus ist eigentlich alles fußläufig zu erreichen: Sehenswürdigkeiten, Shoppingstraßen, Supermärkte, Bushaltestellen, Bahnhöfe, Pubs und Restaurants. Man muss sich in dieser Stadt wirklich nicht langweilen, es ist überall laut und voll. Wo man auch hingehen möchte, man läuft Scharen von Touristen in die Arme, muss sich durch den Verkehr schlängeln und immer aufpassen, nicht doch ein Auto oder einen Radfahrer zu übersehen. Wem das zu viel wird, der kann sich aber auch einfach mal mit einem Buch in einen der Parks legen und ein wenig dem Trubel entfliehen.

Darüber hinaus gibt es viele tolle Orte in der Nähe von Dublin, an denen man Irlands tolle Natur bestaunen kann. So kann man mit der DART (ab Connolly Station, 15 Minuten zu Fuß vom Rotunda Hospital) beispielsweise innerhalb einer halben bis dreiviertel Stunde sehr günstig nach Howth, Bray, Malahide, Dun Loaghaire, Killiney oder einen der vielen anderen schönen Orte in der Nähe fahren, und dort tolle Wanderungen unternehmen. Jeder Ort hat seinen ganz eigenen Reiz und mir hat wirklich jeder Ausflug super gut gefallen! Am Wochenende haben wir auch mal eine Bustour quer durch Irland gemacht. Den Möglichkeiten sind wirklich kaum Grenzen gesetzt.

 

Auf dem Weg zur Carrick-a-Rede Rope Bridge


Connemara National Park


Howth


Die Sprache

Wie bereits erwähnt, hatte ich vor meiner Famulatur große Angst davor, die Iren nicht zu verstehen. Meine Angst war jedoch ziemlich unbegründet, obwohl mein Englisch wirklich nicht perfekt ist. Viele der Iren sprechen ein ziemlich gut verständliches Englisch, welches sich vom Schulenglisch nicht gravierend unterscheidet. Wenn überhaupt, sind die älteren Leute manchmal schwerer zu verstehen.
Viele der Ärzte sind aber auch gar nicht in Irland geboren, sondern kommen von überall her und haben deshalb eigentlich alle ihren eigenen Akzent. Da die Leute aber wirklich fast immer freundlich und gut gelaunt sind, war es gar kein Problem, wenn ich mal etwas nicht verstanden habe. Sie haben es dann einfach geduldig wiederholt.
Habt also keine Angst vor der Sprache. Man kommt da schnell rein, und man braucht wirklich keine perfekten Englischkenntnisse.

 

Fazit

Ich bin wirklich froh, dass ich mich für die Famulatur im Rotunda Hospital entschieden habe, und würde diese Entscheidung jederzeit wieder so treffen.
Die Iren sind unglaublich freundlich, fast immer gut gelaunt und sehr höflich, was den Aufenthalt sehr angenehm gemacht hat.
Natürlich war die Zeit in Dublin durch die Kosten für die Miete, das Praktikum, die Flüge und die allgemein hohen Preise der Stadt teurer, als sie es zu Hause gewesen wäre.
Ich bin jedoch an Erfahrungen viel reicher, und habe nicht zuletzt mein Englisch aufbessern können.
Ich kann also jedem, der über eine Famulatur in Dublin nachdenkt, nur empfehlen, sie auch zu machen. Ich habe diese Entscheidung auf jeden Fall nicht bereut.

 

 

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