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  • 16.01.2012

Erasmussemester in Bologna

Während des Erasmussemesters in Bologna konnte unsere Autorin in den italienischen Alltag eintauchen. Sie ist begeistert von der italienischen Kultur und konnte viele Kontakte knüpfen.

Schon im ersten Semester war mir klar, dass ich die Möglichkeit eines Auslandaufenthalts während des Studiums auf jeden Fall nutzen wollte. Ich habe mich schon immer sehr für andere Länder und Kulturen interessiert und war in fast jeden Ferien mit dem Rucksack unterwegs. Aber für ein halbes Jahr in einem fremden Land zu wohnen und zu studieren, stellte noch mal eine ganz besondere Erfahrung dar.

Für Italien habe ich mich entschieden, da ich privat Bezug zu Italien habe und das Land kulturell und landschaftlich sehr spannend und vielfältig finde. Außerdem gefällt mir die Sprache unheimlich gut. Da Fremdsprachen im Medizinstudium viel zu kurz kommen, ist ein Auslandssemester eine gute Gelegenheit.

Bewerbung

Eure Uni muss eine Kooperation mit der Uni Bologna haben, sonst könnt ihr nicht über das Erasmus-Programm dorthin. Ansonsten ist die Bewerbung ganz einfach: Es müssen nur einige Formulare (deutscher und italienischer Lebenslauf mit Foto, Motivationsschreiben, Learning agreement) ausgefüllt werden - und dann heißt es warten bis die Zusage kommt.

Vor dem Aufenthalt

Anmeldung auf der Uni Homepage

Wenn eure Uni eine schriftliche Zusage bekommen hat, dass ihr von der Uni Bologna angenommen wurdet, müsst ihr euch auf der Uni-Homepage unter "Relazioni internazionali" anmelden:

www.unibo.it

Daraufhin bekommt ihr eine E-Mail mit der vorläufigen Immatrikulationsnummer zugeschickt.

Sprachkurs

Der Sprachkurs für Erasmusstudenten ist sehr zu empfehlen und wird von dem Institut CILTA (Piazza San Giovanni in Monte 4) veranstaltet:

http://www.cilta.unibo.it/

Auf der Homepage müsst ihr euch vorab anmelden und online einen kleinen Einstufungstest ausfüllen. Der Sprachkurs beginnt ca. 3 Wochen vor Semesterbeginn und findet je nach Niveau drei- bis viermal pro Woche statt. Für mich war er ausgesprochen effektiv, da man das neu Gelernte direkt täglich umsetzten kann und muss. Außerdem lernt man natürlich viele Leute kennen. Am Schluss bekommt man für die abgelegte mündliche und schriftliche Prüfung ein Zertifikat und 3 credits.

 

Sprachkenntnisse

Es lohnt sich wirklich zu Hause schon einen Sprachkurs zu belegen, denn mit Englisch kommt man höchstens bei seinen Erasmus-Kollegen weiter, nicht aber bei Italienern. Die Wohnungssuche gestaltet sich z.B. auf Englisch sehr viel schwieriger als mit ein paar Brocken Italienisch. Und man sollte auch nicht hoffen, dass Mitarbeiter der Uni und Professoren Englisch sprechen. Wobei ich immer die Erfahrung gemacht habe, dass sehr freundlich und aufgeschlossen auf Sprachanfänger reagiert wurde.
Am wichtigsten war wirklich der CILTA-Sprachkurs und die tägliche Praxis, dann kamen die Fortschritte wie von selbst.

Anreise

Nach Bologna fliegen einige Billig-Fluglinien, wie zum Beispiel Germanwings von Köln/Bonn. Wenn man früh genug bucht, sind Tickets für 20 Euro zu bekommen.
Von Städten im Süden Deutschlands kann man auch sehr gut mit Sparangeboten der Deutschen Bahn nach Bologna gelangen.
Der Flughafen in Bologna liegt etwas außerhalb der Stadt, ist aber mit einem Shuttlebus (Aerobus, 5 Euro) mit dem Zentrum und dem Hauptbahnhof verbunden.

Wohnungssuche

Das Sekretariat für internationale Studenten

Wenn ihr in Bologna seid, solltet ihr euch als erstes in der Via Zamboni 33 beim Sekretariat für internationale Studenten einschreiben. Cave: zwei Passbilder mitbringen!
Hier bekommt ihr dann das Welcome-Paket mit alle möglichen wichtigen Unterlagen für das Semester und generellen Informationen über euren Aufenthalt. Einige Tage später könnt ihr euch im gleichen Büro dann den Studentenausweis abholen.

Eine echte Herausforderung: Die Wohnungssuche

Während man auf Wohnungssuche ist, kann man entweder ins ostello (Jugendherberge) gehen (liegt aber außerhalb der Stadt), oder ein teureres Hotel im Zentrum nehmen.

Am besten man besorgt sich erst mal eine italienische SIM-Karte, um dann fleißig Anzeigen abzutelefonieren. Ich kann den Anbieter Mobilfunk-Anbieter WIND empfehlen, dort gab es immer die günstigsten Tarife.

Die Wohnungssuche stützt sich auf drei "Grundpfeiler": Aushänge an den Wänden in der Via Zamboni, die Studentenorganisation La Bussola und das Internet: www.easystanza.it

Man braucht Geduld und in der Regel 4 Tage bis man eine Zusage für ein Zimmer hat, aber so lernt man schon mal die Straßen der Stadt und die Busse kennen.

Es lohnt sich sehr, sich eine WG mit italienischen Mitbewohnern zu suchen. Mit Italienern zusammen zu wohnen ist eine einzigartige Möglichkeit, tiefe Einblicke in ihr kulturelles Verständnis, ihre Lebensweise und ihr Essverhalten zu erhalten.
Für ein Einzelzimmer (Singola) zahlt man etwa 370 € im Monat.

Ich rate ausdrücklich davon ab schon von Deutschland aus ein Zimmer zu suchen, geschweige denn irgendetwas zu unterschreiben, denn manche Wohnungen in Bologna sind in einem unbewohnbaren Zustand oder es warten andere böse Überraschungen.

Aber sobald man auf der Via Zamboni ein Fahrrad ergattert hat, kommt man eigentlich überall in Bologna schnell hin. Man sollte nur im Hinterkopf behalten, dass der italienische Verkehr nicht ganz dem Deutschen entspricht.

 

Sich an der Uni zurecht finden

Die Uniklinik

Die Uniklinik heißt Ospedale S. Orsola und liegt in der "Zona Mazzini".
(Uniklinik: www.sosp.bo.it, Medizinische Fakultät: www.medicina.unibo.it)

Stundenpläne

Ich fand es am Anfang sehr verwirrend herauszufinden, wie ich meinen Stundenplan erstelle, wann Prüfungstermine sind und was ich dafür lernen muss. Deswegen habe ich mir Mühe gegeben zusammenzufassen, was ich im Laufe des Semesters über die Organisation herausgefunden habe.

1º semestre ist das Wintersemester und 2º semestre das Sommersemester.

Hier seht ihr auch, dass in Bologna viele kleine Fächer zu großen Fächern zusammengefasst werden. Die einzelnen Bestandteile dieser großen Fächer findet ihr kleingedruckt darunter.

Prüfungen

Es ist immer möglich, auch nur Teile einer Prüfung zu machen!!
Ich habe zum Beispiel nur den Teil HNO (otorinolaringoiatria) aus dem Fach "organi di senso" gemacht und nur Urologie aus dem Fach "cardiologia, pneumologia, nefrologia".

Vorlesungen

Um nun herauszufinden wann die Vorlesungen stattfinden müsst ihr auf die Fakultätsseite:
www.medicina.unibo.it

Euch wird direkt das Foto ins Auge fallen auf dem fleißige Studenten ein Röntgenbild bewundern, an dessen Rand befinden sich drei wichtige Links:
"orario delle lezioni", "materiale didattico" und "esami".
Unter "orario delle lezioni" könnt ihr dann die verschiedenen Studienjahre auswählen um zu schauen welche Vorlesungen wann stattfinden. Die Italienischen Studenten werden nach ihren Nachnamen in zwei Gruppen aufgeteilt (canale A und B), ihr könnt euch aber aussuchen zu welchem canale ihr geht! Je nachdem welche Vorlesungstermine euch besser passen.
Die Vorlesungen sind immer nachmittags ab 14 Uhr und eigentlich nie mit Anwesenheitspflicht, manche lohnen sich, andere nicht. Vormittags könnt ihr also jeder Zeit Blockpraktika (tirocini) machen.

 

Prüfungen (esami, appelli)

Über den Link "esami" auf der Startseite der Fakultät gelangt ihr zur "database orario lezioni ed appelli", hier findet ihr alle Prüfungstermine.
Es werden pro Fach meistens 3-5 Prüfungstermine angeboten, die man sich frei aussuchen kann. Die Prüfungen sind fast alle mündlich!
Für das Wintersemester ist die Prüfungsphase im Januar und Februar.
Zur Anmeldung muss man etwa eine Woche vor dem gewählten Prüfungstermin ins zuständige Sekretariat gehen um sich in eine Liste einzutragen.

Manche Professoren stellen ihre Vorlesungsfolien ins Netz, die findet ihr unter dem Link "materiale didattico" auf der Startseite der Fakultät.

Um zu wissen was man für eine bestimmte Prüfung können sollte, ist diese Seite sehr hilfreich: http://search.unibo.it
Gebt in die Suchmaske den Namen des Professors ein der das jeweilige Fach lehrt in dem ihr eine Prüfung machen wollt. Dann kommt ihr auf seine Homepage mit jeglichen Kontaktmöglichkeiten.
Unter "Insegnamenti" sind alle Kurse des Profs aufgelistet und wenn ihr sie anklickt findet ihr eine Liste der zu lernende Themen für die Prüfung ("programma") und die empfohlenen Bücher.

Ihr könnt euch auch in der kleinen Bibliothek in Gebäude 5 (Padiglione 5) Medizin-Bücher ausleihen.

Ich hatte zunächst Bedenken wie ich mich wohl in einer mündlichen Prüfung auf italienisch schlagen würde, aber kann berichten, dass die Prüfer immer sehr nett waren und trotz gelegentlichen Sprachschwierigkeiten in der Lage waren herauszufinden ob und wie viel man gelernt hatte.

 

Blockpraktika/ Famulaturen

Organisation

Blockpraktika könnt ihr machen so viele und wann ihr wollt. Ihr müsst sie nur am Anfang des Semesters anmelden.
Dazu geht ihr ins Student Registry Ofice (das ist das kleine flache Gebäude vor Pad. 25) und fragt nach Marco Ferri.

marco.ferri@unibo.it

Er ist eure Kontaktperson für die Praktika.

Dann bekommt ihr von Herrn Ferri einen Laufzettel mit den Daten und Stationen ausgehändigt, den müsst ihr euch am Ende des Praktikums auf der jeweiligen Station unterschreiben lassen.

Ablauf der Blockpraktika

Die BP fangen meistens morgens um 8 oder 9 an und man kann so gegen 13 Uhr wieder gehen. Ob es interessant ist und man was machen darf, hängt total von der Station und der Motivation der Ärzte ab. Wie überall ist eigene Motivation und Interesse gefragt. Aber generell kann ich sagen, dass man sehr aufgeschlossen und freundlich gegenüber Auslandsstudenten war.

Ich selbst habe keine Famulatur in Bologna gemacht, aber es ist sicherlich möglich und man sollte sich als Ansprechpartner an den obengenannten Marco Ferri wenden.

Land/ Kultur/ Freizeit

Erasmus-Organisationen

Es gibt zwei sehr aktive Erasmus-Organisationen in Bologna: ESN (www.esnbologna.org) und AEGEE.

Die werdet ihr schnell kennenlernen, denn sie veranstalten zu Beginn des Semesters unzählige Erasmus-Welcome Partys. Es lohnt sich, sich auf die E-Mail-Verteilerlisten der Organisationen einzutragen, bzw. im Facebook in die jeweiligen Gruppen einzutreten. So ist man immer informiert über die anstehenden Aktivitäten (wie Kino, Pasta selbst machen, Stadtführungen, Partys,...) und Ausflüge (Rom, Neapel, Ski fahren,…).

Bologna

In Bologna findet das Leben auf den Plätzen und Straßen statt, wenn die Abende und Nächte warm sind. Dann sitzt abends die wunderschöne Piazza Santo Stefano voll mit jungen Menschen die sich angeregt unterhalten, trinken, essen, Musik machen und die tolle Stimmung genießen.

Für leckeren aperitivo kann ich das Caballa Caffè am Anfang der Strada Maggiore empfehlen, etwas schicker ist das Caffè de Paris auf der Piazza Minghetti und den wahrscheinlich besten aperitivo gibt's im Caffè des MAMbo (museo d'arte moderna di Bologna).

Günstig für Wein/Cocktails und super sympathisch ist das kleine Caffè rubik in der Via Marsala 31, trinkt einen Magic Sam!

Tolle Weinbar: alto tasso, Piazza San Francesco 6

Clubs: arterìa, sesto senso (Via Petroni 9), covo und cassero. Macht euch gleich am Anfang die "circolo arci- tessera", das ist eine Mitgliedskarte die man für einige Clubs wie das cassero und das sesto senso braucht.

Kino: Das "cinema lumiere" in der Via Azzo Giardino 65 ist ein Programmkino und hat immer wieder interessante Schwerpunktthemen und Filmreihen. Hier bekommt man auch italienische Filmklassiker zu sehen.

In der Bibliothek "Sala borsa" kann sich jeder einen kostenlosen Ausweis erstellen lassen. Die Bibliothek verfügt auch über eine große DVD-Abteilung, sodass man sich für ruhige Abende kostenlos italienische Filme ausleihen kann.

Bologna ist ein sehr gut gelegener Ausgangspunkt für alle möglichen Ausflüge in umliegende Städte und Regionen. Die Bahn ist sehr günstig und die Verbindungen in die umliegende Städte sind sehr gut. www.trenitalia.it
Mit dem Regionalexpress kommt man für 8,90 € nach Venedig, für 5,40 € nach Florenz, für 6,80 € nach Verona, usw. Man sollte das unbedingt nutzen und sich dieses faszinierende Land anschauen!!

Resümee

Ich habe während meines Aufenthalts in Bologna viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte. Es war eine wunderschöne und abwechslungsreiche Zeit. Ich habe viele Menschen kennengelernt und darunter auch Freunde gefunden, die mich sicher noch lange begleiten werden.

Hat man erst mal nette Mitbewohner und Freunde gefunden wird man ganz schnell integriert und schon befindet man sich mittendrin im ganz normalen Chaos des italienischen Alltags. So habe ich viel von der italienischen Kultur mitbekommen und relativ schnell die Sprache gelernt.

Als sehr bereichernd empfand ich auch das Zusammentreffen von Studenten aus ganz Europa, bzw. der ganzen Welt. Allein in meiner Sprachkursgruppe waren zehn Nationen vertreten. Bei unseren Abenden, die wir auch nach Ende des Sprachkurs noch fortführten, haben wir zusammen gekocht, gegessen, ordentlich gefeiert und uns ausgetauscht, natürlich alles auf italienisch. Solche schönen internationalen Begegnungen werden durch das Erasmusprogramm ermöglicht.

Mir hat es so gut in Italien gefallen, dass ich mich nun für das PJ in Rom beworben habe und auch das wird sicherlich nicht mein letzter Aufenthalt in Italien sein.

 

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