• Bericht
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  • Stefanie Hardt
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  • 22.04.2009

Famulatur auf Sizilien

Im August 2007 habe ich eine Famulatur in der Orthopädie/Traumatologie in Catania gemacht. Einen Monat mit IFMSA/bvmd im Ausland zu sein, war eine ganz besondere Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Wir waren in Catania im August über 40 Medizinstudenten aus der ganzen Welt: Finnland, Kroatien, Ungarn, Mexiko, Brasilien, Tunesien... Eine bunte Mischung, mit der man nicht nur die italienische Kultur kennen lernen konnte. Die Arbeit im Krankenhaus war eine wichtige Gemeinsamkeit, die uns alle verbunden hat, aber im Endeffekt war das nur Nebensache. Eher handelte es sich um ein Studenten-Feriencamp.

Während meines Studiums nach Italien zu gehen, hatte ich mir schon lange vorgenommen. Ich habe Italienisch in der VHS und an der Uni gelernt und wollte im Rahmen des Studiums meine Sprachkenntnisse verbessern. Die einfachste Möglichkeit war dann der Famulantenaustausch des bvmd.

http://bvmd.de/ausland

So bewarb ich mich für Italien; Catania gab ich als Zweitwunsch an. Nachem ich die Zusage für Italien bekommen hatte, habe ich mir sofort das Buch "Medizinisches Italienisch pocket" zugelegt. Natürlich habe ich es zunächst nicht angerührt.

Ich musste dann noch sehr lange warten, bis ich erfuhr, in welcher Stadt und in welchem Krankenhaus ich famulieren würde. Erst sechs Wochen vor Famulaturbeginn bekam ich endlich eine E-Mail von der LEO aus Catania und erhielt meine Card of Acceptance. Zum Glück habe ich trotzdem noch einen Platz im Billigflieger (TUIfly Düsseldorf - Catania) erhalten. Dann habe ich noch alle Erfahrungsberichte von Catania gelesen und mich jeden Tag mehr auf den 1.August 2007 gefreut.

LEO ist der Local Exchange Officer des IFMSA und betreut die Austauschstudenten, die über diesen Weg eine Famulatur machen.

Unterkunft

Am Flughafen wurden wir alle von einem Studenten der Fachschaft abgeholt und ins Hotel gebracht. Solche Studenten heißen in Italien SIMS. Unser Hotel, das Hotel Costa auf der Via Etnea, war genauer eigentlich ein Studentenwohnheim. Es war nicht wirklich schön, aber einen Monat konnte man dort gut leben. Jede Woche bekamen wir neue Handtücher und neue Bettwäsche. Eine Putzkraft hat sogar das Badezimmer geputzt. Die meisten Zimmer hatten eine Klimaanlage. Zwar hatte ausgerechnet unser Zimmer keine Klimaanlage, doch dafür hatten wir Kakerlaken!

In dem Studentenwohnheim gab es eine Bar, in der man morgens für 1,50 Euro gut frühstücken konnte. Darüber hinaus konnten wir kostenfrei in der Mensa zu Mittag und zu Abend essen. Das Essen war eigentlich recht gut. Abends bot die Mensa sogar frisch gebackene Pizza an. Sonntags mussten wir uns selbst verköstigen, da die Mensa leider geschlossen war.

Außerdem gab es im Studentenwohnheim noch eine Studyhall, die von uns allerdings kaum genutzt wurde, und einen Computerraum mit Internet. Wir haben dort ein Internetpasswort bekommen und konnten die ersten drei Wochen kostenlos surfen. Leider wurde der Computerraum schließlich geschlossen, sodass wir auf die recht teuren Internetcafés angewiesen waren.

Auch wenn wir umsonst wohnen und essen konnten, haben wir in Catania doch sehr viel Geld ausgegeben. Wir haben uns viele Kleinigkeiten gekauft und die Ausflüge mussten natürlich auch bezahlt werden, außerdem das Monatsticket für den Bus. Ich habe insgesamt etwa 600 Euro ausgegeben.

Verkehrsanbindung

Die Haupteinkaufsstraße ist die Via Etnea, auf der auch das Studentenwohnheim liegt.

Aber die Via Etnea ist lang!

Zu Fuß war es sehr anstrengend ins Centro zu kommen. Aus diesem Grund haben wir alle nach kurzer Zeit ein Monatsticket für den Bus gekauft. Damit konnten wir zum Krankenhaus, ins Centro, an den Strand und auch in die kleinen Nachbarörtchen AciTrezza und AciCastello.

Leider gibt es in Catania jedoch keinen Fahrplan. Die Busse kommen irgendwann und dann nur alle 30 Minuten, man verbringt also nicht wenig Zeit mit Warten. Nach 24 Uhr fährt sogar gar kein Bus mehr.

Ein Übersichtsplan mit allen Linien und deren Fahrstrecken existiert auch nicht. So mussten wir uns in den ersten Tagen durchfragen. Nach Via Etnea zu fragen ist übrigens eher ungünstig, da fast jede Linie die Via Etnea kreuzt, aber nur wenige Busse auch bis zum Hotel Costa fahren.

Arbeit im Krankenhaus

Ich habe, wie gewünscht, einen Platz in der chirurgischen Orthopädie/Traumatologie im Vittorio Emanuele Hospital bekommen. Leider gibt es im August keine orthopädischen Patienten, sondern nur Unfälle. Und Unfälle gibt es in einem Ferienort zur Ferienzeit immer. Ich war mit zwei anderen Studierenden im Department. Wir standen jeden Tag im OP um zuzuschauen. Erklärt wurde uns leider nur sehr selten etwas, da die Ärzte kaum Englisch sprechen und die anderen Studenten kein Italienisch konnten.

Im Endeffekt war ich fast jeden Tag von 9 bis 12 Uhr im Krankenhaus und habe mich dann mit vielen anderen am Strand getroffen. Den Ärzten war es eigentlich egal, ob und wann wir ins Krankenhaus kamen. Sie waren alle sehr von ihrer Heimat begeistert und hatten vollstes Verständnis für uns, wenn wir Ausflüge machen wollte. So waren einige Studenten nur drei Tage im Krankenhaus, andere aber auch Tag und Nacht. Jedem das Seine.

Auf jeden Fall waren alle Ärzte und Pfleger sehr nett und haben sich immer sehr gefreut, wenn die ausländischen Studenten Italienisch sprechen konnten.

Fachlich lernen kann man aber auf Sizilien so gut wie nichts. Besonders im OP erlebte ich einen Kulturschock: Im Vergleich zu Deutschland war es dort wahrnsinnig unsteril. Anfangs war ich entsetzt, aber nach einer Weile konnte ich darüber nur noch lachen. Die OP-Türen standen immer auf, jeder ging ein und aus, OP-Kleidung wurde selten gewechselt. Die Liste der "Skurrilitäten" ließe sich noch weiter fortführen.

Sprache

Voraussetzung für die Famulatur war nur Englisch und so konnten eigentlich auch nur die deutschen und die kroatischen Studenten ein wenig Italienisch. Wir Studenten haben uns untereinander immer auf Englisch unterhalten und auch die italienischen Studenten haben gerne ihr Englisch trainiert. Aber leider konnten die Ärzte kaum Englisch.

Ich weiß nicht, wie die anderen Studenten sich eine Famulatur in Italien vorgestellt haben, wenn sie die italienische Sprache nicht beherrschen. Für einige war das ein Grund so gut wie nie ins Krankenhaus zu gehen.

Ich war auf jeden Fall froh, dass ich Einiges im OP aufschnappen und auch mal eine Frage stellen konnte. Schon aus diesem Grund würde ich auf jeden Fall empfehlen, vor einer Famulatur in Italien einen Sprachkurs zu belegen.

 

Das Nachtleben

Da es keine Nachtbusse gibt und Taxen sehr teuer sind, waren wir Nachts nie alleine in Discotheken. Wir haben nur im Centro Wein oder Cocktails getrunken oder wir haben uns auf einem der Zimmer getroffen.

Mindestens einmal wöchentlich, meist am Wochenende, wurden aber auch Party-Ausflüge von den SISM-Leuten geplant. Sie haben uns dann mit Autos hin und zurück gefahren. Es gab eine große Welcome- und eine Goodbye-Party und noch einige Feiern mehr. Die Fachschaft hat sich dort wirklich Mühe gegeben.

Woran man sich jedoch gewöhnen musste, war dass man ständig warten muss, wenn man mit Italienern und Spaniern zu tun hat. Nicht selten haben wir zwei Stunden einfach nur gewartet. Keiner wusste genau worauf... Also: durchhalten!

Ausflüge

Jedes Wochenende standen Ausflüge auf dem Social-Programme. Wir waren in Taormina - eine sehr schöne Stadt. In Syrakus - nicht ganz so lohnenswert, aber ganz nett. Auf dem Ätna - am besten bis ganz oben fahren, sonst verpasst man das Beste. Und wir waren in Cavagrande - das war unglaublich schön, auch wenn der Fußweg sehr anstrengend war.

Ich war dann noch in Palermo. Einen Ausflug dorthin zu organisieren lohnt sich auch. Die Stadt ist viel schöner, heller, sauberer als Catania. Auch habe ich mich dort viel sicherer gefühlt und es gab deutlich mehr Sehenswürdigkeiten.

Einen Ausflug zum Meer Palermos - il Mondello - sollte man auch nicht verpassen. Der Strand ist wunderschön: weißer sauberer Sandstrand, ganz klares Meer und ein beeindruckendes Panorama.

Gerne wäre ich auch auf die Eolischen Inseln gefahren, aber dort muss man sich mindestens drei Tage Zeit lassen und viel Geld mitnehmen. Zwei aus unserer Gruppe waren 1,5 Tage dort, konnten nur 2 Inseln oberflächlich ansehen und haben trotzdem 100 Euro ausgegeben. Ich glaube nicht, dass sich das lohnt.

Fortbewegungsmittel für weitere Strecken sind entweder Züge oder öffentliche Reisebusse. Beides ist auf Sizilien sehr günstig.

http://www.interbus.de/

 

Sizilianische Köstlichkeiten

Einige Dinge darf man sich in Catania nicht entgehen lassen. Es sind ein paar Kleinigkeiten, ohne die die Famulatur nicht halb so schön gewesen wäre.

Das Wichtigste ist das sizilianische Essen: Marzapane-Früchte (Marzipan in Obstform) sind zum Beispiel eine sizilianische Spezialität und schmecken ausgezeichnet. Ebenfalls probieren muss man Pistazien-Eiscreme. Und ungefähr jeden zweiten Abend waren wir Cassata essen. Das ist eine kleine Torte mit Ricottacreme, Marzipan und Zuckerguss. Sieht total süß aus und ist super lecker. Canolli sind Gebäckrollen mit Ricottacreme gefüllt. Und natürlich Garnita, eine Art Wassereis, die es nur auf Sizilien gibt und in der Form nur in Catania. Dieses Eis gibt es in jeder Eisdiele, am Strand und auch sonst fast überall.

Unser Stammlokal war La Caprice, zwischen der Piazza Duomo und der Piazza Università. Da gibt es die beste Casatta, leckeren Café, gutes Eis und nette Kellner. In der Gelateria del Duomo auf der Piazza Duomo gibt es sehr leckeres Pistazien-Eis. Auf allen Plätzen stehen auch immer Chioscos, in denen es Sirup-Getränke und Frappé a Nutella gibt. Sie sind eine Erfahrung wert, sind aber extrem süß.

Neben den zahlreichen Süßigkeiten sind noch die Arancini ein absolutes Muss. Das sind gefüllte Reisbällchen in den verschiedensten Variationen. Die besten gibt es bei Ernesto, eine Bar auf halbem Weg Richtung AciCastello. Die SISM-Studenten kennen das auf jeden Fall. Aber auch bei Savia gegenüber der Villa Bellini sind die Arancini ganz gut.

Fazit

Meine Famulatur auf Sizilien war eine wunderschöne Zeit. Ich habe sehr viele nette Leute aus der ganzen Welt getroffen, etwas über Italien und besonders über die Italiener gelernt und vor allem hatten wir einen Monat lang Spaß. Ich würde jeder Zeit nach Catania für einen Famulantenaustausch zurückkehren. Die Fachschaft hat uns extrem gut betreut. Ich glaube kaum, dass es irgendwo auf der Welt eine bessere Betreuung gibt als in Catania. Täglich war ein Student in unserer Mensa essen und hat alle Fragen geklärt, uns evtl. einen Treffpunkt für den Abend angeboten oder er hat sich einfach auf eine Room-Party einladen lassen.

Für einen Urlaub würde ich jedoch nicht mehr nach Catania fliegen. Wirklich schön ist die Stadt eigentlich nicht. Aber das spielt ja für die Famulatur keine Rolle.

Ich kann jedem, der ein gewisses Interesse für Italien hat und zumindest ein wenig Italienisch spricht nur empfehlen, sich für Catania zu bewerben. Ich bin im Nachhinein so froh, dass mir "nur" mein Zweitwunsch erfüllt wurde.

Auch ist Catania besonders im August zu empfehlen. Die Septembergruppe war nur zu sechst und wie ich mitbekommen habe, hatten sie nicht so viel Spaß wie wir. Aber auch im September wird man sicherlich perfekt betreut.

Mille Grazie SISM-Catania, ritorno presto!

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