• Bericht
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  • Josefine Theresia Maier
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  • 24.09.2010

PJ Kinderchirurgie in Montréal

Während meines Praktischen Jahres wollte ich die Chance nutzen, neben der Arbeit auch die weite Welt zu erkunden und zusätzlich etwas zu lernen. Also entschied ich mich für Kanada, da ich einen persönlichen Hang zu diesem Land habe. Die unendlichen Weiten, die schöne Natur und die großen, beeindruckenden Städte Kanadas faszinieren mich. Da ich an der Chirurgie und gleichzeitig an der Pädiatrie interessiert bin, habe ich mich für die Kinderchirurgie beworben. Ein guter Kompromiss, wie ich finde.

Montréal - alle Fotos: Josefine Theresia Maier

Die Provinz Québec

Als französischsprachige Provinz in Nordamerika hat mich Québec schon immer fasziniert. Vor dem Beginn des PJs habe ich Montréal als Tourist besucht und war sehr erstaunt über diese eigenwillige und gleichzeitig einzigartige Kultur. Eine Mischung von Kulturen aus aller Welt und Frankreich, zusammengefasst auf dem nordamerikanischen Kontinent.

Vorbereitung

Zunächst habe ich im Internet nach einer geeigneten medizinischen Fakultät gesucht. Grundsätzlich habe ich mir alle möglichen Universitäten in Québec angeschaut: Montréal mit der McGill University und der Université de Montréal, Sherbrooke mit der Université de Sherbrooke und Québec City mit der Université de Laval.

Meist wird eine umfangreiche Bewerbung und eine Vorauszahlung der anfallenden Gebühren erwartet.

Visum

Bei einer Aufenthaltsdauer von bis zu 6 Monaten muss kein Visum beantragt werden. Jedoch ordnet die kanadische Botschaft für Studenten, die im Krankenhaus arbeiten eine Gesundheitsuntersuchung an. Für die Untersuchung solltet Ihr am besten die Botschaft in Berlin kontaktieren. Die hat eine Liste mit Ärzten, welche die Untersuchungen durchführen. Das ist ein wenig aufwendig, macht nicht viel Spaß und sollte möglichst frühzeitig organisiert werden.

Gesundheit

Spezielle Vorkehrungen hinsichtlich der Gesundheit sind nicht notwendig

Sicherheit

Eine Auslandskrankenversicherung, genannt PRO3, kann über den Marburger Bund beantragt werden. Genau wie auch die nötige Haftpflichtversicherung.

Geld

Bezahlt wird in Kanada mit kanadischen Dollar (CAD). Ich habe Bargeld von der Bank über meine Visa Karte abgehoben. Das ist sicher nicht die billigste, aber einfachste Methode. Im Restaurant oder einer Bar solltet Ihr mindestens 10% bis 15% Trinkgeld geben, ansonsten müsst Ihr Euch auf wütende Blicke von Kellnern gefasst machen.

Die Preise sind in Kanada ähnlich wie in Deutschland. Manches ist teurer, wie z. B. Milchprodukte und Alkohol. Allgemein denke ich, dass der Umtauschkurs in Kanada für Europäer günstig ist. Dafür kann die Miete ein wenig teuer sein, was aber auch auf die Stadt und die Qualität, Lage und Größe der Wohnung ankommt.

Für ein schönes WG Zimmer bezahlt man in Vancouver 700 CAD, in Hamilton 300 CAD und in Montreal 350 CAD.

Sprache

Québec spricht Québécois! Und ich erhielt den Eindruck: Wer kein Französisch spricht, gehört nicht dazu. Obwohl Montréal schon immer eine bilinguale Stadt war, ist diese strenge Politik auch am unteren Ende der Provinz noch zu spüren. Zum Beispiel gibt es Werbung für Geschäfte, die ihre Kunden auf Französisch bedienen.
Seit Französisch im 17. Jahrhundert zur Amtssprache der Kolonie Neufrankreich wurde, hat sich Québécois über die Zeit entwickelt.

Kurze Geschichte Québecs

Die Stadt Québec wurde 1608 von Samuel de Champlain gegründet und zur Hauptstadt der Kolonie Neufrankreich ernannt. Später wurden weitere Siedlungen entlang des St. Lorenz-Stromes, Fleuve St. Laurent, gegründet. So auch Montréal im Jahr 1648.

"Québec" stammt aus einer Eingeborenensprache. Es bedeutet übersetzt: wo der Fluss sich verengt. Dies bezog sich ursprünglich auf das Gebiet um die Stadt Québec, in dem sich der Sankt-Lorenz-Strom durch eine von steilen Felsen begrenzte Engstelle zwängt.

Frühe Variationen der Schreibweise des Namens sind Québecq (1601) und Kébec (1609). Während dieser Zeit entwickelten sich Spannungen zwischen den Franzosen und den Briten. 1754 bekriegten sich Franzosen und Indianer in der Nähe des heutigen Pittsburgh.

Der Krieg wurde Teil des sogenannten Siebenjährigen Krieges. 1759 wurden die Franzosen durch die Briten in der Schlacht auf der Abraham-Ebene besiegt. Durch den Pariser Frieden 1763 fiel Neufrankreich an Großbritannien. Noch im gleichen Jahr wurde die Kolonie in die Provinz Québec umbenannt.

Der 1774 vom britische Parlament verabschiedete "Quebec Act" sollte verhindern, dass die Québecer sich den aufständischen Kolonien anschlossen. Dieses Gesetz erkannte das französische Rechtssystem, die Religionsfreiheit sowie die französische Sprache und Kultur an.

Nach der Abtrennung löste sich die französische Sprache der Québecer von der Entwicklung der französischen Sprache in Europa. Viele Elemente eines älteren Sprachstandes wurden beibehalten und neue Wörter aus der nordamerikanischen Umgebung wurden aufgenommen.

Seit dem 20. Jahrhundert entwickelt sich ein gewisser Nationalismus in Québec. Dazu gehören mehrere, zum Teil militante, separatistische Bewegungen. Zwischen 1963 und 1970 wurden circa 200 Bombenanschläge und Banküberfälle von der "Front de libération du Québec" verübt, um die Provinz in einen marxistischen Staat umzuwandeln. Ganz anders die von René Lévesque geführte "Parti Québécois". Die Partei versuchte Québec mit friedlichen Mitteln in die Unabhängigkeit zu führen. 1976 bildete sie erstmals eine Provinzregierung.

Seit den siebziger Jahren wurden Gesetze erlassen, welche die französische Sprache zur alleinigen Amtssprache erklären. 1977 wurde der Einfluss der englischen Sprache durch die Charta der französischen Sprache auch im Alltag endgültig zurückgedrängt.

Vor allem aus wirtschaftlichen Überlegungen stimmten 1980 beim Québec-Referendum 59,6 % der Wähler gegen eine Loslösung vom kanadischen Staatenverband. 1995 scheiterte das Québec-Referendum knapp mit 50,58 % Nein-Stimmen zu 49,42 % Ja-Stimmen. Der konservative Premierminister Stephen Harper erkannte 2006 Québec als "Nation innerhalb eines geeinten Kanadas" an, ohne dabei die Einheit Kanadas in Frage zu stellen.

Heute hat die Provinz circa 8 Millionen Einwohner. Der Wahlspruch auf den Autoschildern der Provinz lautet: "Je me souviens", was übersetzt "Ich erinnere mich" bedeutet. Montreal hat 1,6 Millionen Einwohner und gilt damit als zweitgrößte französischsprachige Stadt der Welt. Und das obwohl der Anteil der englischsprachigen Einwohner etwa bei 20 Prozent liegt.

 

Das tägliche Leben auf der Arbeit

Im Krankenhaus St. Justine der Université de Montréal wird Französisch gesprochen. Gelegentlich kann es vorkommen, dass ein Patient Englisch bevorzugt. Die Verständigung fand ich anfänglich recht mühsam, da ich an das Französisch aus Frankreich gewohnt war. In Québec werden einige Wörter anders ausgesprochen, oder durch andere ersetzt. Zum Beispiel sagt man hier nicht ungedingt "a tout a l'heure", was bis später bedeutet, sondern "a tantôt".

Die Visite heißt in Québec "la tournée", in Frankreich "reunion". Anfangs musste ich mich auch durch einige trickreiche Abkürzungen durchkämpfen. Wobei das oft verwirrend war, da auch die Reihenfolge anders ist. Zum Bespiel ist SIDA die Abkürzung für AIDS .

Auffällig ist ein gewisser Stolz, vor allem unter den Französischsprachigen. Es wird großen Wert darauf gelegt, Französisch zu sprechen. Es scheint mir, dass viele Mitarbeiter in der Provinz ausgebildet wurden und nie an einem anderen Ort gelebt haben, dies aber auch nicht wollen.

Allgemein muss ich sagen, dass ich mit dem Québécois einige Probleme hatte und es schwer fand mich daran zu gewöhnen. Nach einer gewissen Zeit fiel es mir aber immer leichter, Patienten und Kollegen zu verstehen. Außerdem konnte ich immer nachfragen, was bestimmte Wörter bedeuten.

Verkehrsverbindungen

In Montréal gibt es ein sehr gutes Nahverkehrsnetz aus Metro- und Busverbindungen. Mit der sogenannten Opus Karte für einen Pfand von 3 CAD können Tickets erworben werden.

Die Metro ist sehr zuverlässig und sicher. Allerdings kommt es schon mal vor, dass Obdachlose nach Geld fragen. Wenn sie nichts bekommen, werfen sie Dir gerne Essensresten nach. Das kann einem aber auch in Berlin passieren.

Zudem wird in der Metro stark geheizt, da es draußen sehr kalt ist. Das führte dazu, dass ich in der U-Bahn schwitzte und dann beim Rausgehen fast erfror.

 

 

Um einen Ausflug ins Umland zu machen, könnt Ihr den Bus, Orléans Express über Grey Hound Canada, oder den Zug Via Rail nehmen. Leider ist das meist ein bisschen teuer, deswegen lohnt es sich, auch nach Mitfahrgelegenheiten zu suchen.

Übrigens, in Québec wird als Wort für Mitfahrgelegenheiten nicht "craigslist" benutzt, sondern das französische Äquivalent "kijiji". Ein Ausflug in die kleine, niedliche Stadt Québec ist sehr zu empfehlen und auf keinen Fall zu verpassen. Seht Euch unbedingt auch Ottawa und Toronto an. New York und Boston liegen zudem recht nah an Montréal und gut mit dem Auto zu erreichen.

Hierzu wichtige Internet-Adressen:

Orleansexpress

Viarail

Montreal

Kommunikation

Um mit meiner Familie und meinen Freunden zu sprechen, habe ich die kostenlose Software Skype benutzt. Bei einer Zeitdifferenz von 6 Stunden war es manchmal ein wenig kompliziert, die günstige Zeit abzupassen.

Einige Bilder von meinen Erlebnissen habe ich im Webalbum Picasa hochgeladen. So konnten meine Freunde und meine Familie sehen, was alles los ist in Québec.

Unterkunft

Die Unterkunft habe ich mit meinem Freund über die Hompage craigslist.ca gefunden. Das war allerdings nicht so einfach, da er um alles abzuklären vor dem Einzug die Vermieterin treffen sollte. Wir haben uns eine Wohnung zur Untermiete gesucht, um Stress mit Möbelkauf zu vermeiden. Mietpreise in Montreal sind im Vergleich zu anderen kanadischen Großstädten wie Toronto und Vancouver recht günstig. Unsere 2-Zimmer Wohnung hat warm 700 CAD gekostet.

Craigslist (Online-Netzwerk mit Anzeigenseiten)

Literatur

Zur Vorbereitung auf die Klinik habe ich das Buch "Surgical Recall" von Lorne H. Blackbourne gelesen und mich vor allem auf das Kapitel "Pediatric Surgery" konzentriert. Zusätzlich gab es auch vor Ort einige gute Bücher zum Thema Kinderchirurgie. Um auf den aktuellen Stand der Wissenschaft zu kommen, habe ich oft unter uptodate.com nachgeschaut. Die Homepage war über den Server des Krankenhauses frei zugänglich.

Uptodate (Klinische Community)

Mitzunehmen

Für Montréal empfehle ich warme Kleidung und vor allem dichte Schuhe. Wenn Ihr Interesse an Wintersport habt, lohnt es sich das jeweilige Equipment mitzubringen. Möglichkeiten zum Skifahren sind nicht weit entfernt. Auch Eislaufen ist sehr beliebt in der Stadt. Fast jeder Park und Platz hat seinen eigenen "Skate Rink". Schlittschuhe könnt Ihr recht günstig erwerben oder auch leihen.

Ski-Langlaufen habe ich leider nicht ausprobiert, klingt aber sehr verlockend und ist sicher total praktisch bei all dem Schnee.

Reise und Ankunft

Nach Montréal nehmt Ihr von Deutschland am besten ein Flugzeug zum Trudeau Airport. Airlines wie Air Canada und United Airlines fliegen diesen Flughafen an. Von dort aus könnt Ihr einen Flughafenbus für 26 CAD hin und zurück nehmen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag im Hopitâl St. Justine wurden alle Studenten zu einer allgemeinen Einführung zum Thema Hygiene eingeladen. Das war vor allem im Zusammenhang mit der aufkommenden Welle der H1N1-Grippe wichtig. Dann wurde jeder Student zu seiner jeweiligen Abteilung geschickt.

In der Kinderchirurgie stellte ich mich zunächst der zuständigen Sekretärin vor. Sie hat mir dann, zusammen mit einer Studentin der Université de Montréal, die Station gezeigt und uns dem Oberarzt vorgestellt. Als Student bekommt man die Bezeichnung "Externe". Es gibt einen Ausweis vom Krankenhaus mit Foto und einen Pager, den sogenannten "Pagette".

Ein Tag in der Kinderchirurgie sah wie folgt aus. Ich traf mich morgens gegen 6.45 Uhr mit meinen Fellows und unseren "Residents", also den Assistenzärzten. Dabei bekam ich zwei bis vier Patienten zugeteilt. Die habe ich dann untersucht und nach Problemen befragt. Um 7.30 Uhr traf ich mich wieder mit dem Team und ging die Patientenliste durch. Das wurde auch Papier-Visite genannt.

Zusätzlich gibt es "examens pre-op's" zu machen. Dabei musste ich Patienten, die am jeweiligen Tag operiert wurden, untersuchen und befragen. So wird noch einmal überprüft, ob es sich um den richtigen Patient und die richtige Operation handelt. Bei einem Patienten, der für eine Inguinalhernie auf der linken Seite vorgesehen war, stellte ich fest, dass auch die andere Seite betroffen ist. In dem Fall wäre eine andere Operation angebracht.

Es kam auch recht oft vor, dass die Patienten am Tag der Operation krank waren und sich mit leichtem Fieber vorstellten. Um sicher zu gehen, wurde in so einem Fall die Operation verschoben.

Am Vormittag sind die Medizinstudenten meist im "Clinque de Chirurgie" eingeteilt. Dabei werden Patienten zum "Follow-Up" nach Operationen gesichtet, oder auch zur Konsultion, um zu überprüfen ob eine Operation notwendig ist. Häufig kommen Patienten mit Inguinalhernie, Nabelhernie, Phimose und Unguis incarnatus. Ab und zu erscheinen auch Kinder mit bösartigen Tumoren wie Neuroblastom und Rhabdomyosarkom.

Ich untersuchte die Patienten zuerst und präsentierte die Fälle dann den Chirurgen. Gemeinsam entschieden wir uns dann für einen Behandlungsweg.

Des Weiteren ist es die Aufgabe der "Externes", Konsultationen im ganzen Krankenhaus zu machen. Häufigste Gründe: Bauchschmerzen mit Verdacht auf Appendizitis, Installation eines Port-A-Cath oder Hickman-Katheter für Chemotherapie, Pylorusstenose beim Neugeborenen und Biopsie eines Tumors. Eher seltenere Fälle sind zum Beispiel Ikterus beim Neugeborenen mit Verdacht auf Atresie der Gallengänge, Mekoniumileus oder maligne Tumoren wie das Rhabdomyosarkom.

Häufig ist eine Fremdanamnese durch die Eltern notwendig. Oft sind schon einige bildgebende Verfahren angeordnet oder durchgeführt und Laborwerte bestimmt worden. Diese einzelnen Bausteine werden dann zu einem klinischen Bild zusammengesetzt und mit dem Resident besprochen. Je nach Fall werden Medikamente oder Untersuchungen veranlasst. Der zuständige "patron de garde", also der Oberarzt, der an dem Tag Nachtdienst macht, wird dann über den Patienten benachrichtigt.

Für einige Fälle wie Appendizitis wird der Patient gleich auf die "liste des urgences" gesetzt und noch am gleichen Tag, meist abends, operiert.

Oft blieb uns Zeit für das Mittagessen, was in der Chirurgie erfahrungsgemäß eher eine Ausnahme ist.

Täglich außer mittwochs operiert mindestens ein Chirurg den ganzen Tag. Zusätzlich kommen einige Operationen der "liste des urgences" hinzu. Diese Patienten werden oft am späten Nachmittag und Abend vom "patron de garde" operiert. Im Notfall werden auch nachts Operationen durchgeführt.

Am Nachmittag sind die "Externes" hauptsächlich für den OP eingeteilt. Wenn allerdings eine Konsultation ansteht, hat diese - je nach Situation - Vorrang. Im OP sind die "Externes" hauptsächlich zum Hakenhalten da. Manchmal darf man aber auch den Kauter benutzen oder ein paar Nähte machen, je nach Chirurg und Erfahrung des "Externes". Allgemein hatte ich den Eindruck, dass es im OP eher streng zugeht.

Nachdem ich genug Erfahrung gesammelt hatte, durfte ich außerdem kleine OP-Berichte, "note post-op" gennannt und post-OP Anforderungen, sogenannte "ordonnances " schreiben.

Die Handschuhgröße solltet Ihr wissen und auf Nachfrage parat haben. Ein Großteil des OP-Bestecks hat die gleichen Nahmen wie bei uns, sie werden nur anders betont. Manche Bezeichnungen sind aber auch ein wenig abwegig, wie z. B. le bistouri = Skalpell, l'aiguille = Nadel, le fil = Faden, l'ecarteur = Haken usw.

Mittwoch ist der akademische Tag. Meist wird nicht operiert und nur die Fellows arbeiten in der Klinik. Für die Residents und "Externes" gibt es verschiedene Kurse, um das Wissen über Kinderchirurgie zu vertiefen und Fälle zu besprechen. Ein Teilnehmer im Team hält einen Vortrag, und auch die "Externes" sollten einmal einen Vortrag halten. Meist wird dabei ein Fall kurz vorgestellt und das Thema sowie klinische Studien dazu besprochen.

Allgemein waren die Tage im Krankenhaus St. Justine in der Kinderchirurgie recht arbeitsintensiv. Oft hatte ich das Gefühl nicht genügend Anerkennung für meine Mühe zu bekommen. Im Umfeld der Chirurgie wird allgemein nicht so gern "danke" und "bitte" gesagt. Außerdem ist die Stimmung in der Gruppe der Residents und Fellows recht unkollegial, wobei manchmal nicht auf den guten Ton geachtet wird.

Neue Studenten werden ständig von Schwestern schikaniert. Diesen ist scheinbar nichts recht zu machen. Dennoch ist es empfehlenswert, immer höflich und zuvorkommend zu sein und sich vorzustellen.

Allgemein war ich jedoch sehr zufrieden mit meiner Arbeit und ich hatte das Gefühl, dass ich damit etwas erreiche.

Die Arbeit mit Kindern war ganz besonders interessant. Sie ist im Vergleich zur Erwachsenen-Chirurgie anders, aber nicht schwieriger. Eltern stellen meist sehr viele Fragen und möchten wissen was genau passiert. In der Kinderchirurgie hatte ich das ganze Patientenspektrum zu behandeln, vom Frühgeborenen mit 27 Wochen, über Nekrotisirender Enterokolitis bis hin zum 18-jährigen Jugendlichen mit Lymphom.

Auch die Schwere der Fälle ist mit Wehwehchen wie Unguis incarnatus einerseits und komplizierten, lebensbedrohlichen Situationen wie Ileus andererseits sehr unterschiedlich.
Die Schweinegrippe war ein sehr präsentes Thema während meiner Arbeit. Viele Mitarbeiter sind vor der Impfung daran erkrankt und mussten zu Hause bleiben. Zum Teil wurden die OP-Säle geschlossen, um die Patienten nicht in Kontakt mit den Virus zu bringen.

Nachdem der Impfstoff erhältlich war, wurde er im Krankenhaus angeboten. Es wurde empfohlen sich impfen zu lassen, jedoch wurde dies nicht geprüft. Recht häufig waren Patienten von der Chirurgischen Station H1N1 positiv. Vor allem bei Kleinkindern führte die Infektion oftmals zu einem fulminanten Verlauf, besonders wenn eine bakterielle Superinfektion vorlag.

In einigen Fällen waren Eingriffe wie Thorakoskopie mit der Installation von Drainagen notwendig, da die Pleuraspalten komplett mit Eiter gefüllt waren. Als es im November losging mit der Schweinegrippe, war ich auch ein wenig beunruhigt. Zumal ich recht weit weg von meiner Familie war. Aber nach zwei Wochen hatte ich schon das Gefühl, dass die Grippe gut unter Kontrolle ist. Viele waren geimpft und ich hatte mich an das Vorkommen der Schweinegrippe im Klinikalltag gewöhnt.

Land und Leute

Leider hatte ich unter der Woche nicht viel Freizeit. Abends war ich meist recht müde und geschafft. Trotzdem wollte ich eine so aufregende Stadt wie Montréal nicht an mir vorbeisausen lassen.

Als ich im Oktober ankam, war es schön warm. An den Bäume hingen noch Blätter, und ich konnte sogar noch draußen meinen Kaffee genießen. Montréal eignet sich prima zum Herumspazieren in den Strassen. Die Architektur unterscheidet sich sehr von der in Deutschland, aber auch von anderen kanadischen Städten. Downtown ist geprägt von Menschenmassen, Wolkenkratzern und dem Lärm vieler Autos.

"Vieux Montréal" zeichnet sich durch seine alten, kleinen Häuser und Straßen mit Kopfsteinpflaster aus. Es lohnt sich, bei einem Spaziergang durch die engen dunklen Gassen der Altstadt, die hell erleuchteten einladenden Galerien zu bestaunen.

 

 

Am Hafen, der sich an den ältesten Teil der Stadt anknüpft, sind große Schiffe im St. Lawrence River und beeindruckende industrielle Gebäude und Hallen. Jedes Jahr im Januar findet bei eisiger Kälte am Ufer ein großes Elektronik-Fest statt, das "Ingloofest". Damit keiner erfriert, wird bei guter Musik viel getanzt.

Dann gibt es wieder trendige Viertel in der Stadt, wie z. B. rund um die Rue St. Viateur, Notre-Dame-de-Grace, Le Plateau oder entlang der Rue St. Denis und St. Laurent. Dort gibt es frische Bagels, ein Wahrzeichen von Montréal, sowie tolle Cafés und Bars.

Ein Spezialgericht aus Québec ist Poutine, eine wilde Mischung aus Pommes frites, brauner Bratensoße und Käse. Die solltet Ihr auf jeden Fall probieren! In den Restaurants Patati Patata, La Banquèse und Le Pied de Cochon oder einem Fast Food Lokal in La Belle Provence schmeckt das Gericht besonders lecker.

 

 

Québec und Montréal würde ich nicht als "die kanadische Erfahrung" bezeichnen. Die Provinz hebt sich von Kanada ab, da sie einzigartig und eigensinnig ist.

Fazit

Die Erfahrungen, die ich in Montréal in der Klinik sowie in meiner Freizeit gemacht habe, waren einmalig. Die Zeit ist unvergesslich und hat mir auch in Hinsicht auf meine Ausbildung viel gebracht. Vor allem die klinische und technische Kompetenzen, habe ich erworben. Ich werde sicherlich wieder in diese wunderbare Stadt zurückkehren.

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