• Bericht
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  • Maximillian Pfau
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  • 27.01.2015

Famulatur am Moi Teaching and Referral Hospital in Eldoret

Maximilian famulierte zwei Monate am „Moi Teaching and Referral Hospital“ in Eldoret, Kenia. Warum die Famulatur in Ostafrika der mit Abstand abenteuerlichste und spannendste Teil seines Medizinstudiums war, berichtet er hier.

 

Eingang vom Moi Teaching Hospital, Kenia. Foto: Maximillian Pfau

Im Jahr 2012 famulierte ich zwei Monate am ‚Moi Teaching and Referral Hospital’ in Eldoret, Kenia. Neben Chirurgie lernte ich hier vieles über Mikrobiologie (Parasitologie) und wurde vor allem für globale Gesundheitsthemen wie Malaria, Tuberkulose und HIV sensibilisiert.

 

Motivation

Da ich an den Deutschen Meisterschaften über 10 km Langstreckenlauf teilnehmen und mich entsprechend vorbereiten wollte, habe ich michentschieden, für ein Traininglager nach Kenia zu reisen. Um die lange Anreisezeit und den Aufenthalt sinnvoll zu nutzen und mich außerdem an die Höhe zu akklimatisieren, habe ich mich entschlossen, die zwei vorangehenden Monate für eine Famulatur am ‚Moi Teaching and Referral Hospital’ in Eldoret zu verbringen.

 

 

Krankenstation, Foto: Maximillian Pfau

 

Formalitäten

Die Einreise nach Kenia ist sehr einfach. Ein „Visum“ erwirbt man bei der Einreise direkt am Flughafen für 50 USD. Ansonsten habe ich zuvor einige Impfungen benötigt. Aufgrund der Höhenlage meines Aufenthaltsortes (2000 m) habe ich keine Malaria-Prophylaxe eingenommen. Eine Originalpackung Malarone hatte ich allerdings als ‚Stand-by’-Mediakation dabei.

 

Tipp: An vielen der deutschen Universitäten kann man als Medizinstudent in der Tropenmedizin-Ambulanz Reiseimpfungen zum Apothekeneinkaufspreis erhalten.

 

 

Studiengebühren und/oder Vergütungen

Am ‚Moi Teaching and Referral Hospital’ in Eldoret musste ich für die eigentliche Famulatur keine Gebühren bezahlen. Allerdings sind am Ende doch noch 30 USD für eine Bescheinigung mit dem Siegel der Moi University angefallen.

 

Anreise

Zunächst bin ich über Dubai nach Nairobi geflogen. Von dort aus hätte ich auch nach Eldoret weiterfliegen können (etwa 100 USD). Stattdessen entschied ich mich aber für die Weiterreise mit dem Matatu, eine Art Sammeltaxi/Kleinbus. Für die etwa 400 km lange Fahrt zahlte ich 850 KES, Schilling. Dies entspricht etwa 8 Euro. Der offiziell 15-sitzige Toyota-Bus war mit 23 Passagieren gefüllt und düste mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Fahrstil durch das Land. Als einziger Ausländer im Matatu bekam ich immerhin einen Fensterplatz, musste aber wie alle mein Gepäck auf den Schoß nehmen. Trotz der tollen landschaftlichen Aussicht, war ich froh als ich mit gefühlten zwanzig blauen Flecken heil in Eldoret ankam.

 

Größe und Abteilungen des Krankenhauses

Das ‚Moi Teaching and Referral Hospital’ in Eldoret ist das zweitgrößte Universitätskrankenhaus in Kenia. Neben allen üblichen Disziplinen gibt es noch einen Anbau durch Kooperationsprojekte von ‚AMPATH-Kenya’ und der ‚Indiana University School of Medicine’ für Gynäkologie und HIV. Auffällig sind die vielen im Krankenhaus angebrachten Goldtafeln mit Texten wie: “Building this operating theater made possible thanks to the generous contribution of Mr. and Mrs. XY and thanks to the glory of God. Rotary Club of Indianapolis“.

 

 

Station von außen. Foto: Maximillian Pfau

 

Unterkunftsmöglichkeiten

Ich bekam die Möglichkeit im Studentenwohnheim des „Moi Teaching and Referral Hospital“ in Eldoret zu wohnen. Jedoch wurde verlangt, dass ich, obwohl ich nur zwei Monate dort unterkam, die volle Jahresmiete bezahle. Diese betrug jedoch umgerechnet nur 63 Euro. Dafür bekam ichein Bett in einem Zimmer mit einem anderen Studenten. Das Zimmer war etwa 5 qm groß. Toiletten (italienische Hocktoiletten) gab es auf dem Gang.

 

 

Toilette in Kenia. Foto: Maximillian Pfau

Inhalt der Famulatur

Im Rahmen der Famulatur absolvierte ich den normalen Chirurgiekurs mit den Studenten. Morgens um 7 Uhr gab es meist eine kurze Vorlesung. Anschließend verteilten wir uns auf die Stationen, Ambulanzen oder gingen in den OP. Ganz unabhängig vom jeweiligen Bereich ging es immer sofort mit dem praktischen Arbeiten los.

 

Zuschauen wie in Deutschland gab es nicht. Wir wurden immer direkt ins kalte Wasser geworfen. Gegen vier Uhr durften wir in der Regel nach Hause gehen. Allerdings wurde verlangt, dass wir uns intensiv auf die Visite am nächsten Tag vorbereiten. Wir wurden aufgefordert, die Patienten mit einem strukturierten Plan für den weiteren stationären Aufenthalt vorzustellen. Anschließend wurden wir zu den Krankheitsbildern befragt.

 

 

Studentenkurs am Moi Teaching and Referral Hospital Foto: Maximillian Pfau

Vor allem die TNM-Klassifikationen von diversen Tumoren waren ein beliebtes Thema. Bei schlechter Vorbereitung wurden die Studenten teilweise sehr aggressiv angegangen. Lustigerweise kamen auch Fragen zur Sentinel Node-Biopsie bei Mammakarzinom, obwohl dieses operative Vorgehen in Kenia damals gar nicht zur Verfügung stand. Analog dazuwurde auch gerne gefragt, wie etwas auf dem MRT aussehen würde, obwohl gar kein MRT-Gerät vorhanden war.

 

Überaschenderweise muss ich zugeben, dass die kenianischen Studenten in Bezug auf hartes Faktenwissen den deutschen Studenten überlegen waren. Vor allem war ihr Wissen meist auf Studien basiert: „Gemäß der ALLHAT-Studie empfehle ich die Therapie der Hypertonie mit …“.

 

Sehr spannend war auch, dass ich in Kenia Untersuchungstechniken kennenlernen durfte, die in Deutschland nicht mehr verwendet werden. Statt der FAST-Sonographie wurde häufig eine diagnostische Peritoneallavage durchgeführt, um Blutungen nach Trauma nachzuweisen.

 

Kleidung im Krankenhaus

Die Kenianer tragen im Krankenhausunter unter dem weißen Kittel immer einen Anzug mit Krawatte. Insgesamt wird hier viel mehr auf einen guten Stil und Etikette geachtet als in Deutschland.

 

Kontakt bzw. Organisation

Die Famulatur habe ich damals mit der Hilfe des internationalen Koordinators Dr. Thomas Kipkurgat organisiert (kipkurgat@yahoo.com). Allerdings wusste ich tatsächlich bis zur Anreise nichts Konkretes, außer dass ich gerne kommen kann und „alle Dokumente“ mitbringen soll. Auf gut Glück habe ich dann einfach Kopien des Physikums und das Transcript der Universität Heidelberg mitgenommen. Welche Dokumente eigentlich gemeint waren, wusste ich ebenfalls nicht. Vor Ort war dann aber alles extrem unkompliziert.

 

 

Beim "Ugali" kochen. Foto: Maximillian Pfau

Tipp: Um an die Kontaktdaten von lokalen Ärzten zu kommen ist PubMed häufig die beste Quelle. Wenn man Publikationen aus den entsprechenden Krankenhäusern öffnet, ist meist die Kontakt-Email-Adresse des Erstautors angegeben.

 

 

Land/Kultur/Freizeit

Zum Essen gab es jeden Tag Ugali (Mais-Brei) mit Sukuma (ähnlich wie Spinat). Ab und zu kam noch etwas Fleisch in homöopathischen Mengen dazu. Insgesamt hatte ich während der Famulaturmonate die lustigste Zeit meines Studiums. Von Safari-Touren bis hin zu Motorradausflügen gab es jedes Wochenende eine Vielfalt von Möglichkeiten für neue Unternehmungen.

 

 

Freizeit in Kenia. Foto: Maximillian Pfau

Tipp: In Afrika lohnt es sich, auch mal in die Kirche zu gehen, ganz unabhängig davon, ob man gläubig ist oder eben nicht. Gottesdienste sind verglichen mit Deutschland ein wahres Spektakel.

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