• Bericht
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  • Theo Daehne
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  • 11.01.2017

Praktikum in der Notaufnahme in Nairobi, Kenia

Theo plante ursprünglich ein Praktikum in Nepal. Wie es ihn dann nach Nairobi verschlug und was er im The Mater Hospital lernte.

Im Herbst 2014 bewarb ich mich um einen Praktikumsplatz an einem Hospital für plastische Chirurgie in Nepal, das ich nach Zusage dann im März 2015 hätte antreten sollen. Der Flug war gebucht, das Visum organisiert und so stand ich also zum Abflugdatum am Frankfurter Flughafen, um zu erfahren, dass die Landebahn in Nepal bis auf weiteres gesperrt sei. Qatar Airlines bezahlte ein Hotel für die erste Nacht am Flughafen, aber als am nächsten Tag die Sperrung auf unbestimmten Zeitraum ausgedehnt worden war, entschied ich mich, meinen Freund Hiram in Nairobi anzurufen und ihn zu fragen, ob ich spontan zu ihm kommen könnte, um dort einen Praktikumsplatz zu suchen. Qatar stornierte meinen Flug und buchte mich ohne Probleme nach Nairobi um. Ich flog also noch am selben Tag mit meinem Gepäck für Nepal nach Kenia.

Impfungen sind für Kenia nicht vorgeschrieben, es sei denn man kommt aus einem Gelbfieberendemiegebiet, oder hatte eine Transitzeit in einem solchen Gebiet von mehr als 12Stunden. Da es in Nairobi selbst nur wenige bis keine gemeldeten Fälle von Malaria gibt, ist für den alleinigen Aufenthalt dort keine Chemoprophylaxe erforderlich – für viele andere Teile Kenias sollte allerdings darauf geachtet werden.


Ein Visum für Kenia wurde mir problemlos vor Ort ausgestellt. Allerdings kostete es 50US$, die ich glücklicherweise auch für Nepal dabei hatte. Für das weitere Abheben von Geld im Ausland bieten sich Banken an, die Visa Karten bereitstellen, mit welchen man im Ausland kostenlos Geld abheben kann. Die Apobank hat hier ein tolles Angebot, das sogar eine kostenfreie Krankenversicherung für Famulaturen und Krankenpflegepraktika mit einschließt.

 

Affen laufen in Kenia frei in den Gärten umher

 

In Kenia angekommen, stapften mein Kumpel Hiram, den ich während meines FSJs in Australien kennenlernte und ich 3 Tage lang von einem Krankenhaus Nairobis zum nächsten, um irgendwie Last-Minute noch einen Platz zu bekommen. The Mater Hospital gab mir dann direkt bei meinem Bewerbungsgespräch eine Zusage für die Notaufnahme, in der ich dann die nächsten 6 Wochen verbrachte.

The Mater Hospital ist ein katholisches Privatkrankenhaus, das seinen Praktikanten normalerweise eine Unterbringung auf dem Krankenhausgelände anbietet, wo für mich allerdings wegen der Kurzfristigkeit kein Platz mehr war. Nach einigen Tagen im Hotel kam ich dann in einem katholischen Missionsheim unter, das mit dem Krankenhaus assoziiert war.

Mein Arbeitstag begann morgens um 7 Uhr damit, dass ich einem Arzt der Notaufnahme zugeteilt wurde, mit dem ich dann mitlief. Die Notaufnahmen in Kenia sind Hausarztpraxen sehr ähnlich. Meist sind sie auch bei kleineren Krankheiten und Wehwehchen der erste Anlaufpunkt. Dementsprechend waren auch meine Aufgaben: Anamnese, klinische Untersuchung und Behandlungsvorschläge, die sich allerdings wegen meines begrenzten theoretischen Wissens sehr in Grenzen hielten.

Ab und an durfte ich mal einen Zugang legen oder gipsen. Auch bei der Interpretation der Röntgenbilder wurde ich beteiligt. Durch die gute Betreuungssituation konnte ich nach jedem Patienten auch immer Fragen stellen und habe so nicht nur praktisch viel gelernt. Meinen ersten Zugang habe ich bei Joe gelegt, der ein Mitarbeiter im Krankenhaus ist und mir an meinen ersten Tagen ein bisschen die Gegend gezeigt hat.

Den überwiegenden Teil meiner 6 Wochen habe ich mich Doktor Jabbal angeschlossen, der einen Teil seiner Facharztausbildung in England absolviert hat und daher auch europäische Standards im Gesundheitswesen kannte. Doktor Jabbal ließ mich viel machen und nahm sich immer Zeit für meine Fragen. Einige Male rief er mich sogar nach meiner Schicht noch an und fragte, ob ich noch vorbeikommen wolle, weil wieder eine Schuss- oder Stichwunde reinkam, die ich unter seiner Aufsicht und Hilfe vernähen durfte.

Arbeitskleidung muss übrigens nicht selbst mitgebracht werden. Kittel hängen aus, man muss als Zugehöriger des medizinischen Personals allerdings in Stoffhose und Hemd erscheinen und soll rasiert sein (an letzteres hielt sich aber nicht jeder). Das Mittagessen gab es in der günstigen Mensa. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, dass man als Arzt und Praktikant umgerechnet nur einen Euro bezahlen musste, damit eine Servicekraft dann sogar das Essen holte.

Die Zustände im Krankenhaus waren besser als ich erwartete. Es wurde steril gearbeitet und notwendige Utensilien wie Verbandszeug, Gips, Zugänge etc. waren immer vorhanden. Andere Praktikanten in Kenia berichten häufig von Mangelzuständen, die ich nicht beobachten konnte – sicherlich auch, weil The Mater Hospital ein recht wohlhabendes Krankenhaus zu sein scheint.

Am Klientel hat man dann häufig doch gemerkt, dass es sich um ein Land der sogenannten Dritten Welt handelt: die Patienten waren bei ihrer Behandlungswahl meist durch ihr Budget limitiert, weswegen essentielle diagnostische Maßnahmen wie Röntgenbilder oder auch Medikamente wie Antibiotika abgelehnt werden mussten.

Sprachlich reicht Englisch grundsätzlich aus, viele Patienten bevorzugen es allerdings, Swahili zu sprechen, da sie nicht fließend Englisch sprechen. So entgingen mir ab und an die Patientengespräche, was sehr schade war.

Meine Arbeitszeiten waren sehr flexibel. Häufig durfte ich schon nach dem Mittagessen gehen, manchmal machte ich aber auch eine Nachtschicht mit oder blieb freiwillig bis zu 12 Stunden dort, einfach weil es so viel Spaß machte und ich so viel lernen konnte.
Auch die Arbeitszeiten der Ärzte waren mit 30-40 Wochenstunden wesentlich angenehmer, als die familienunfreundlichen Verhältnisse in Deutschland.

Einmal die Woche gab es morgens ein Seminar zur Weiterbildung, in dem aktuelle komplexere Fälle präsentiert wurden und entsprechende Behandlungsalgorithmen wiederholt wurden. Doktor Jabbal gab mir regelmäßig Aufgaben, die darin bestanden, dass ich mich über ein bestimmtes Thema informieren sollte, um ihm darüber zu erzählen. Er fügte dann praktisches Wissen hinzu und sorgte so dafür, dass ich wirklich viel lernte.

Wanderung mit dem Roten Kreuz auf Elephant Hill

 

Meine Freizeit verbrachte ich meistens mit meinem Kumpel Hiram, den ich an den Wochenenden besuchte. Er war zu dem Zeitpunkt Vorsitzender der Juniorabteilung des Roten Kreuzes in Nairobi, weswegen ich mich deren Wochenendausflügen und Wanderungen anschließen konnte. So hatte ich viel mit gleichaltrigen zu tun und hatte nicht nur innerhalb des Praktikums eine tolle Zeit.

Fazit:

Ein Praktikum in The Mater Hospital lohnt sich sehr. In der Notaufnahme waren sehr nette Ärzte, die sehr darum bemüht waren, dass ich etwas lernte und mir dennoch viel Freizeit gaben, damit ich das wunderschöne Land kennenlernen konnte. Etwas mehr Vorbereitungszeit würde ich dennoch empfehlen.

Nützliche Adressen:
Für die Bewerbung: inform@materkenya.com
Die Website: http://materkenya.com/

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