• Bericht
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  • Wiebke Lubahn
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  • 23.04.2009

Famulatur in Litauen

Wiebke Lubahn berichtet von ihrer Famulatur in Kaunas.

Warum Litauen?

Die medizinische Fakultät in Magdeburg bietet ab dem 3. Studienjahr einen Sokrates - Austausch für eine Famulatur in Kaunas in Litauen an. Berichte von bereits gereisten Studenten hatten zwei Freundinnen und mich nach dem 1. Staatsexamen neugierig auf das Land gemacht, das mit Deutschland durch eine wechselvolle Geschichte verbunden ist und sich jetzt nach vielen Jahren wieder - politisch gesehen - auf den Weg nach Europa macht.

 

Anreise

Nach Litauen kommt man entweder mit der landeseigenen Fluglinie, die Direktflüge in die verschiedenen Orte Litauens anbietet. Mit LH kommt man leider nur in die Hauptstadt Vilna/Wilnius (ich bin mir nicht sicher wie die deutsche Schreibweise der Hauptstadt ist). Andere Möglichkeiten sind die Anreise mit dem Auto durch Polen (man sollte den Weg über Weißrußland meiden, er macht die Dinge nur kompliziert), mit dem Zug (mehrfaches Umsteigen) oder mit dem Reisebus, der von Köln über Dortmund, Bielefeld und Hannover nach Berlin fährt und dann erst wieder in Kaunas hält. Für einen vierwöchigen Aufenthalt besteht keine Visumpflicht für Deutsche, auch die Durchreise durch Polen klappt problemlos, allerdings braucht man für Reisen gen Osten immer noch den Reisepass!!!

Die Fahrt mit dem Bus dauerte ca. 20 h, die Fahrzeit war allerdings kürzer, denn die Grenzkontrollen waren gründlich, sie dauerten jeweils 2 Stunden.

 

Ankunft

Als wir dann endlich in Kaunas ankamen, war es wesentlich kälter geworden und die Landschaft hatte sich verändert, sie war ländlicher geworden. In Kaunas wurden wir von einer Medizinstudentin abgeholt, sie brachte uns auch zum Wohnheim.

Unterkunft: Nach den Berichten unserer Vorgänger sollte es russischen Standart haben, wie wir später erfuhren, war die von uns bewohnte Etage gerade in diesem Jahr renoviert worden!! Die anderen Etagen und Zimmer waren einfacher und auch die Etagenküchen waren schlichter ausgestattet. Es hatten jeweils 2 Zimmer mit 2 Betten ein eignes Bad, die Küche wurde von der ganzen Etage genutzt.

 

Praktisches

Obwohl Litauen im Osten liegt, gibt es dort auch für den Westeuropäer gute Einkaufsmöglichkeiten. Wir nutzen das große Angebot an Restaurants mehrfach. Das Essen in Litauen ist deftig, mit vielen Kartoffelgerichten und saurer Sahne, aber es schmeckt hervorragend!!

 

Sprache

Wir haben es in 4 Wochen nicht geschafft sie zu lernen, obwohl sie zur indogermanischen Sprachfamilie zählt (ebenso lettisch, estnisch gehört zur ungarisch - finnischen Sprachfamilie). Trotzdem war die Verständigung kein großes Problem, da es vom Reise Know How Verlag kleine Büchlein gibt mit dem Titel "Kauderwelsch Band 54, Litauisch Wort für Wort" (gibt es für sehr viele Sprachen), in dem die absoluten Grundzüge der Sprache erklärt und wichtige Sätze übersetzt sind. Damit und mit Händen und Füßen kamen wir relativ problemlos weiter, da die Litauer sehr nett und hilfsbereit sind und immer versucht haben, uns zu verstehen. Die meisten Litauer sprechen russisch, bedingt durch ihre Geschichte, englisch hingegen verstehen nur die jüngeren. Mit deutsch sollte man es der Küste und bei den älteren Menschen versuchen.

 

Klinik

Während der Woche waren wir vormittags in der Uniklinik und besuchten dort die Kurse. In Kaunas studieren ca. 2000 ausländische Studenten, davon ca. 200 Medizin, größtenteils aus dem Libanon. Die Uni bietet ihre Kurse auf englisch an, und zu Beginn des Studiums nehmen sie an einem Litauisch –Kurs teil.

Wir hatten uns in Magdeburg für die Kurse Neurologie und Neurochirurgie (2 Wochen) und Gynäkologie und Geburtshilfe (auch 2 Wochen) entschieden, da das litauische Ausbildungssystem blockweise organisiert ist. Die Stundenpläne stellte uns das AAA zur Verfügung und in Litauen war es kein Problem in die Kurse einzusteigen, da die Studenten nur eine umschriebene Zeit dieses eine Fach haben und am Ende eine Prüfung über das Gelernte ablegen. Zuerst hatten wir Neurologie bei einer sehr netten Ärztin.

Das neurologische Patientengut unterschied sich nicht grundsätzlich von Deutschland, viele Apoplexe mit ähnlichen Pathogenesen, etliche Sensibilitätsstörungen, Muskelerkrankungen und Multiple Sklerose. Überrascht waren wir von den diagnostischen Möglichkeiten, die Klinik besaß ein CT (ein gutes sogar) und ein MRT, damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet!! Dass sie noch kein PET oder SPECT besitzen, ist sicherlich nur eine Frage der Zeit.

Interessant auch der Einblick in die hygienischen Verhältnisse, als wir in den Op mitgingen. Es gab nur eine Umkleidekabine! Nachdem wir uns umgezogen hatten, nahmen wir die weißen Kittel wieder, liefen über mehrere Flure, und durch zwei Schwingtüren ging es in den Op, wo wir einfach den Kittel auszogen und das in einem Sanitätshaus gekaufte Häubchen und den Mundschutz überzogen. Diese konnten wir mehrfach verwenden. Eine Schleuse gab es nicht!!

In den letzten zwei Wochen nahmen wir am Geburtshilfeabschnitt des Kurses Gynäkologie und Geburtshilfe teil, der von einem sehr netten Arzt geleitet wurde. Es wurde von den libanesischen Studenten gefordert, daß sie zwei Bereitschaftsdienste mitmachten und sich mehrere Geburten und Kaiserschnitte anschauten, auch wurden die Seminare dadurch aufgelockert, daß wir häufig in den Kreißsaal oder in den Op für die Sectios mitgenommen wurden. Außerdem zeigte uns der zuständige Arzt noch mehrere CTGs, eine Amniozentese bei Rh-Inkompatibilität zur Beurteilung der Reife und des intrauterinen Zustandes des Feten (warum sie nicht einfach eine D-Prophylaxe gaben, haben wir nicht erfahren). Zur Testung der Lungenreife wird in Litauen ein "bubble-Test" durchgeführt, der zwar nicht so aussagekräftig ist wie der Lecithin/Sphingosin-Quotient, aber für eine Grobbefundung ausreicht. Natürlich zeigte man uns auch die unschönen Seiten der Geburtshilfe, im Rahmen der Thematik Zangen und Saugglockengeburt, die bei Totgeburten benötigten Instrumente. Den gynäkologischen Teil hatten wir nur zwei Tage, und den letzten verbrachten wir im Op, so daß wir davon nicht allzu viel berichten können. Die Ärztin machte jedoch einen sehr bestimmten Eindruck und verlangte ein hohes Maß an Disziplin von den Libanesen.

 

Freizeit in Kaunas

Die Nachmittage nach Klinikschluss und Wochenenden hatten wir zu unserer freien Verfügung, in der Woche versuchten wir soviel wie möglich von Kaunas zu sehen, was uns auch ganz gut gelungen ist. Wir besichtigten:

  • Das Teufelsmuseum, in dem viele verschiedene Teufel gesammelt und ausgestellt werden.
  • Das staatl. M.K. Ciurlionis Kunst Museum
  • Das Pazaislis Kloster mit dazugehörigem Wald am Kaunaser Stausee (Kaunaser Meer genannt), allerdings nur von außen; zwar waren wir rechtzeitig zu der Öffnungszeit dort, aber das Kloster hat wahrscheinlich nur im Sommer geöffnet, sonst muß man sich anmelden. Es ist nämlich noch von Nonnen bewohnt!! Wir verpassten dadurch die Gelegenheit, ein großartiges barockes Kloster zu sehen, machten aber einen "schönen" Spaziergang durch Schneeregen und viel Wind. Bibber......
  • In Kaunas schafften wir es nur in zwei Kirchen, die St. Peter und Paul Kathedrale und die Garnisionskirche, die St. Michael, dem Erzengel geweiht ist . Die romanische Kirche war zu Restaurierungszwecken und die Vytautaskirche war leider dauerhaft geschlossen. Schade!
  • Im Rathaus ist ein kleines Keramikmuseum eingerichtet (in Litauen wird viel schwarze Keramik verwendet). Weiterhin das Militärmuseum von Vytautas dem Großen, das nicht nur Militaria beinhaltete, sondern die Vor- und Frühgeschichte darstellte. Und zu guter Letzt das Museum der Geschichte der litauischen Medizin und Pharmazie, in das es etwas schwierig war zu kommen. Dort war unter vielem anderen eine alte Apotheke mit den Zubereitungsräumen aufgebaut, wunderschön und unbeschreiblich!
  • Die Reste der Altstadt, liebevoll restauriert und schön, inklusive der Ruine der Kaunaser Burg (eine Hälfte wurde vor der Neris bei Hochwasser weggerissen), der Rathausplatz usw. nahmen mehrere Nachmittage in Anspruch, da sich häufig in den Hinterhöfen ein ganz anderer Blick oder eine hübsche Gasse öffnete.
  • In Kaunas ist der Zusammenfluss der beiden Flüsse Nemunas/Memel und Neris.
  • Zwei Parks schafften wir auch noch, den s.g. Alten Friedhof, der von der Sowjetunion zerstört wurde, jetzt aber wieder zumindest mit Mahnmalen errichtet worden ist und den Azuolynas Park, mit vielen alten Eichen. Dort verbrachten wir schöne Stunden im Sonnenschein, während unter unseren Füßen der Schnee knirschte. Ein herrliches Geräusch!!
  • Wir versuchten, das jüdische Kaunas wiederzufinden, fanden aber nur die Überreste des ehemaligen jüdischen Ghettos, heute eine Siedlung von Einfamilienhäusern, und die Synagoge. Die Tür zum Hauptraum war leider verschlossen, aber als wir vorsichtig eine Seitentür öffneten, saß dahinter ein alter, deutschsprechender Mann, der sich sehr freute, daß sich drei junge Deutsche die Synagoge anschauen wollten, und dann den Hauptraum mit einem großen Schlüssel öffnete. So habe ich mir immer einen Kirchenschlüssel vorgestellt!!

 

Verkehrsmittel

In Litauen gibt es Taxis, Busse und Mikrobusse. Für den Trolleybus kann man entweder eine Monatskarte oder Einzelfahrscheine kaufen; diese werden durch ein Durchlöchern entwertet. Die Mikrobusse sind kleine Personenbusse mit festen Fahrtrouten. Um einzusteigen, stellt man sich winkend an den Straßenrand (natürlich der richtigen Busnummer signalisieren), zahlt beim Einsteigen und ruft dort, wo man aussteigen will: "Hier halten!".

 

Ausflüge

Die Wochenenden nutzten wir für Ausflüge, z. B. nach Vilna, der Hauptstadt Litauens, Trakai, die alte Hauptstadt und Klaipeda/Memel mit der Neringa/Kurischen Nehrung.

In Litauen gibt es sehr gute Busverbindungen zwischen den einzelnen Städten; die Fahrt Kaunas - Vilna dauerte ca. 1 ½ Stunden, nach Klaipeda fuhren wir mind. 3 Std., aber der Zug hätte 7 Std. gebraucht. Die litauischen Autobahnen sind allerdings gewöhnungsbedürftig, abgesehen von dem Tempolimit gibt es auf ihnen Bushaltestellen. Außerdem sahen wir auf ihnen Jogger, Anhalter und sogar Pferdefuhrwerke!!

 

Informationen

Falls jetzt die Frage aufkommt, woher wir all die Informationen hatten, die Erklärung ist simpel und praktisch. Für viele Städte Osteuropas gibt es kleine Hefte, in denen fast alles steht; wie man anreist, ein Geschichtsüberblick, ein Hotelführer eine Restaurantführer, Tipps für die Besichtigungen und Einkaufshinweise. Sie werben mit dem Spruch "More than you need to know"( verfasst sind die Hefte meist in Englisch) . Wir hatten uns "Kaunas in your pocket", "Vilnius in your pocket" und "Klaipeda in your pocket" gekauft und oft genutzt!!

Für unsere Wochenendausflüge haben wir uns mit Hilfe der abgedruckten Stadtpläne durch die Stadt gefunden, die Tipps wahrgenommen und uns die Restaurants ausgesucht, außerdem gaben uns unsere Vorgänger viele gute Informationen mit.

Vilna ist allein schon die Reise wert gewesen, die Altstadt ist größer als die von Kaunas, und es stehen noch mehr kleine Gassen und Stiegen und Hinterhöfe undundund...

 

Freizeit Vilna

Nach einem Blick über die Altstadt vom Gedimas Turm - der Rest der alten Burg, die sich bis auf das 13 Jh. zurückdatieren läßt – führte unser Weg in die Kathedrale von Vilna, einem streng klassizistischer Bau, der eigentlich eher wie ein griechischer Tempel aussieht denn wie eine katholische Kirche (Litauen ist katholisch). Ein paar Schritte weiter war das Nationalmuseum Litauens, welches wir ebenfalls besichtigten. Hier hatten wir das Gefühl einer Reise in die Vergangenheit. Es hingen alte Photos vom dörflichen Leben dort, und viele landwirtschaftliche Geräte waren ausgestellt. Leider ist in den meisten Museen die Erläuterung nur auf litauisch und russisch, so dass wir bei einigen Exponaten uns fragten, wozu dieses komische Ding da benutzt wurde. In weiteren Räumen waren Inneneinrichtungen von Häusern nachgestellt, auch hier wieder Bauernhäuser.

Weiterhin auf unserem Besichtigungsprogramm standen:

  • Das gotische Ensemble mit den 3 gotischen Kirchen St. Anna, St. Bernhard und St. Michael. Wunderschöne Backsteingotik der St. Anna Kirche mit einen kleinem Innenraum, in die anderen kamen wir leider nicht hinein (passierte noch häufiger, daß wir vor Kirchen standen und nicht weiterkamen)
  • Das Ausros Tor (auf englisch heißt es Gates of dawn, klingt viel schöner, finde ich, Tor der Morgenröte) das letzte erhaltenen mittelalterliche Stadttor Vilnas.
  • Das Bernsteinmuseum, in dem zum ersten Mal auch deutsche und englische Erklärungen waren, alles sehr informativ. Bernstein kann man in Litauen in allen Farben kaufen, nur mit der Variabilität der Formen hapert es!!
  • In folgende Kirchen versuchten wir ebenfalls zu kommen, sie waren entweder geschlossen oder es fand gerade eine Messe statt, so daß wir sie nicht in Ruhe besichtigen konnten: Es waren die orthodoxe Heilige Geist Kirche, die St. Bernhard Kirche, die Hl. Geist Kirche, die St. Casimirkirche und die St. Johannes Kirche
  • Auch hier suchten wir wieder das jüdische Leben, standen vor einer wirklich verschlossenen Synagoge und liefen durch die Gassen des Ghettos zur Büste des Gaon von Vilna, der Weise Mann von Vilna, der im 18 Jh. gelebt hat und viele Texte zum Talmud verfaßt hat.

Eine einstündige Bahnfahrt von Vilna entfernt ist Trakai gelegen, die alte Hauptstadt Litauens. Im 13 Jh. wurden hier zwei Burgen angelegt, eine auf einer Halbinsel, mittlerweile nur noch Ruine, ebenso wie die an selbiger Stelle gelegene Dominikanerabtei und eine zweite, auf einer Insel inmitten zweier großer Seen gelegen. Zu ihr kam man nur über 2 Brücken oder über das zugefrorene tragfähige Wasser (ich habe es ausprobiert). Im Laufe der Jahrhunderte verfiel die Burg immer mehr, bis sie von 1960-1963 wieder nach alten Plänen aufgebaut wurde (sehr zum Unverständnis Nikita Chruschtschows, der den Litauern lieber noch eine Plattensiedlung spendiert hätte), aber die Burg ist eine Art Nationalheiligtum und jetzt die einzige erhaltene gotische Wasserburg Europas und damit der Welt. Wir hatten Wetterglück ( wie fast jeden Tag, selten schneite oder stürmte es, meist schien die Sonne). Die 2,5 km vom Bahnhof zur Burg liefen wir im strahlendem Sonnenschein, als wir dort waren, zogen faszinierende dunkle Wolken auf, und in der Burg gab es einen herrlichen Schneesturm, der sich beim Verlassen der Burg verzogen und wieder dem blauen Himmel Platz gemacht hatte.

In Trakai stehen viele Holzhäuser in der typischen Bauweise der Karäer, einer jüdischen Sekte, die nur an das Alte Testament und nicht an den Talmud glauben.

In Litauen stehen überhaupt sehr viel Holzhäuser, oft mehrgeschossig; bewohnt und gepflegt.

 

Freizeit Klaipeda/Neringa

Ein verlängertes Wochenende fuhren wir nach Klaipeda/ Memel ( der zweite Name ist jeweils der alte deutsche) und besuchten die Neringa/Kurische Nehrung. Zwar findet sich in Klaipeda noch viel Memel (Memel wird benutzt, wenn von der Geschichte der Stadt gesprochen wird, ansonsten heißt die Stadt jetzt Klaipeda -auch dieser Name geht immerhin auf das 14Jh. zurück!!!-), allerdings hatten wir Wetterpech mit Regen und norddeutschem Alltagsgrau, so daß die Schönheiten der Stadt verloren gingen. Die Altstadt an sich ist auch recht klein, wir schafften folgende Besichtigungen:

  • Das Schmiedemuseum, in dem viele alte Grabkreuze und Zäune des Friedhofes stehen, die von diesem gerettet wurden, als die Sowjetunion ihn zerstören wollte und hat. Aber zuvor kletterten die Litauer nachts über den Zaun und brachten vieles in Sicherheit, so daß wir uns Kreuze mit deutschen Inschriften anschauen konnten.
  • Die in der wilhelminschen Neugotik erbaute Hauptpost mit einem tollen Jugendstil - Innenleben (Kamine neben den Schaltern, Brieftauben mit Brief im Schnabel an den Wänden, Blumenranken...)
  • Das Uhrenmuseum, das in einer schönen Villa untergebracht ist.
  • Gesehen haben wir auch die Alte Post, die sich in einer Reihe kleiner Häuser einfügte und wie eine geduckte Bauernkate aussah. Im Straßenbild fanden sich auch noch alte Speicher und sogar Fachwerk.
  • Natürlich gingen wir über den Theaterplatz, mit dem 1857 erbauten Theater und sehr schön schlicht und elegant wirkt, davor steht das "Ännchen von Tharau" (Ja, genau das: Ännchen von Tharau ist´s die mir gefällt,.....) auf dem Simon - Dach - Brunnen, der genau das obenstehende geschrieben hat. Das Ännchen ist eine Kopie des Originals (ist im Krieg verloren gegangen/zerstört worden), die 18.11.1989 wieder aufgestellt wurde unter anderem durch die Hilfe der "Ännchen von Tharau Gesellschaft" in Deutschland
  • Auf dem Weg zum Fähranleger, wo angeblich mal die Memeler Burg gestanden hat, fiel uns eine alte Speicherbeschriftung ins Auge: Saaten, Futtermittel, Getreide, Mehl, laut Reiseführer ein alter Raiffeisenbau.
  • 1677 wurde von Jakob Jung die Grüne Apotheke gegründet, sie steht noch und ist immer noch eine Apotheke, deshalb liefen wir bestimmt erstmal 5* daran vorbei, bis wir sie endlich wahrgenommen hatten
  • Häufig überquerten wir den Fluss der durch Memel fließt (nein, es ist nicht die Memel, die fließt durch Kaunas und heißt Nemunas), die Dane/Dange

Am nächsten Morgen brachen wir auf und ließen uns über das an dieser Stelle sehr schmale Kursiu Marios/Kurische Haff zur Neringa/ Kurischen Nehrung übersetzen. Die Anlegestelle war in Smiltyne/Sandkrug, wo wir uns zur Nordspitze aufmachten, denn dort existiert ein Aquarium. Nun ja, es war etwas problematisch, dieses zu finden. Erst als wir uns auf die Suche nach einer Bank in der Sonne machten, sahen wir es. Die Anlage liegt in einem alten, allerdings nie benutzen preußischen Fort, das eigentlich die Einfahrt nach Memel beschützen sollte, aber bereits bei seiner Fertigstellung überaltert war. Nach der Besichtigung fanden wir auch noch eine Bank in der Sonne mit Windschatten, auf der ließ es sich gut bis zur Abfahrtszeit des Busses nach Nida/Nidden aushalten.

Die Fahrt zeigte uns die wunderschöne Landschaft der sehr schmalen Halbinsel, die ein Naturschutzgebiet ist, obwohl Menschen auf ihr wohnen und arbeiten. Aber jeder Besucher muß eigentlich einen Eintritt bezahlen, was wir völlig in Ordnung fanden. In Nida/Nidden machten wir einen Spaziergang zur Großen Düne, die immerhin 52 m hoch ist, eine der höchsten Europas damit und einen herrlichen Blick über die Neringa/Nehrung bietet (auch nach Rußland, denn die Neringa/Nehrung ist aufgeteilt zwischen Litauen und Rußland). Es war ein komisches Gefühl, oben zu stehen, der Blick über Sand (es heißt nicht umsonst litauische Sahara) auf Wald, links das Kursiu Marios/Kurische Haff, rechts die Ostsee, dazwischen das Land!

Für den nächsten Tag hatte sich das Wetter etwas Wundervolles ausgedacht, der Himmel war strahlend blau, und die Sonne schien vom Himmel, genau das richtige Wetter, um zum Haus von Thomas Mann zu gehen. Er hat dort die Sommer 1930-1933 verbracht, allerdings ist mir nicht klar, wie er bei dem Blick sich noch auf sein Manuskript konzentrieren konnte...

Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Kirche vorbei (ausnahmsweise evangelisch geweiht), die auf einem kleinen Hügel gelegen ist mit einem kleinen Friedhof. Dort kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, Gräber von 1938, ein Grab von 1956; deutsche Gräber, litauische Gräber, kyrillische Gräber, Zeugnisse der bewegten Geschichte.

Leider nicht geschafft haben wir es in das Bernsteinmuseum in Palanga zu gehen, ebensowenig wie die Fahrt nach Siauliai, wo der Berg der Kreuze steht bzw. nach Rumsiskes. Und das sind nur die wichtigsten touristischen Höhepunkte, mit Sicherheit kann man noch vieles mehr entdecken!!

Nach 4 ½ Wochen packen wir wieder unsere Taschen und verließen dieses Land mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Bei unserer Ankunft in Berlin waren wir im Frühling angekommen!!

Was haben wir aus unserem Aufenthalt mitgenommen?? Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem, Einblicke in eine andere Kultur und einen Blick in die deutsche Geschichte.

Ihr glücklichen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei wie es wolle,
Es war doch so schön!!

Goethe, Faust II; Lynceus

Wiebke Lubahn

Wlubahn@yahoo.de

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