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  • Noemi Freise
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  • 26.04.2012

Chirurgie-PJ in Namibia

Noemi Freise wollte in ihrem PJ die medizinische Versorgung eines afrikanischen Landes kennenlernen. Da Namibia weit entwickelt ist und eine gute Medizin bietet, entschloss sie sich dort vier Monate zu verbringen.

Foto: Noemi Freise

 

Bewerbung

In Namibia funktioniert fast alles über Fax. Ich habe daher meine Bewerbung per Fax geschickt, darauf aber leider keine Antwort bekommen.
Als ich mich telefonisch erkundigte, hieß es, das Krankenhaus hätte mir eine Bestätigung per Fax zukommen lassen. Leide habe ich diese nie erhalten. Per Telefon bekam ich eine E- Mail Adresse. An diese kann man seine Bewerbung senden. Sie gelangt dann an die richtige Stelle:

Loretta Van Wyk:

elvanwyk@mhss.gov.na

Faxnummer: 00264-61-222706

Zum Katutura State Hospital gehört auch das Central Hospital in Windhoek. Dort kann man sich nicht direkt bewerben, jedoch dorthin rotieren.
Mittlerweile gibt es in Windhoek auch eine medizinische Fakultät. Um sich für ein PJ zu bewerben sollte man seine Unterlagen jedoch direkt ans Krankenhaus und nicht an die Fakultät schicken.
Studenten, die weniger als drei Monate bleiben wollen, werden nicht mehr akzeptiert. Das Krankenhaus ist mit einheimischen Studenten bereits genügend ausgelastet.

Formalitäten

Ein Visum ist für Namibia notwendig. Man kann es bei der Botschaft in Berlin beantragen. Dafür werden einige Unterlagen benötigt, wie z.B. ein polizeiliches Führungszeugnis. Es kann passieren, dass die Botschaft vergisst den Pass rechtzeitig zurückzuschicken. Deshalb würde ich sicherheitshalber zwei Wochen vor Abflug mal anrufen. Insgesamt kostet das Visum etwa 75 €, 30 € zahlt man schon in Deutschland. In Windhoek muss man sich das Visum bestätigen lassen, und zwar bei den Home Affairs (Independence Avenue). Das kostet nochmals etwa 450 N$ (ca. 45 €).

Einige Tipps: Am besten ihr geht direkt bei Ankunft zu den Home Affairs, denn es kann leicht mal zwei Monate dauern. Zudem will das Büro den Pass oft einbehalten. Das sollte man auf gar keinen Fall zulassen, besser sollte man Ihnen eine Passkopie geben. Mit einem Studentenvisum darf man nicht aus- und wieder einreisen. Möchte man während seines Aufenthaltes gerne reisen, muss bei den Home Affairs ein Multi-Entry-Visum beantragt werden.

Studiengebühren

Die Studiengebühren betragen pro Tertial 2000 Nam$ (ca. 200 €).

Anreise

Von Frankfurt aus fliegt Air Namibia über Nacht direkt nach Windhoek. Das dauert etwa zehn Stunden. Die Flüge kosten zwischen 700 und 800 €. Von München aus fliegt wohl Air Berlin.

Sprachkenntnisse

Englisch gilt in Namibia als Amtssprache. Jedoch sprechen es nicht alle Menschen und einige nur mit sehr starkem Dialekt. Im Krankenhaus wird untereinander jedoch nur Englisch gesprochen.

Unterkunftsmöglichkeiten

Das Krankenhaus bietet keine Unterkunft mehr an. Es gibt auch keine Studentenwohnheime. In Gästehäusern kann man jedoch relativ günstig wohnen,
z.B. im Puccini Guest House . Es lohnt sich zu verhandeln: Die Preise werden oft günstiger, wenn man lange bleibt oder kein Frühstück und keine Putzfrau bucht. Zudem gibt es Hostels, die relativ günstig sind, z.B. das Chameleon Backpackers.
Eine sehr beliebte Unterkunft ist auch das Bwana, ein großes Wohnhaus in dem immer etwas los ist. Der Besitzer Carsten Möhle vermietet dort Zimmer an Studenten.

In den schlechten Wohnvierteln wie Katutura oder Khomasdal sollte man nicht unbedingt wohnen. Normalerweise passiert einem dort nichts, aber nachts sollte man nicht mehr mit dem Taxi hinfahren.

Wir hatten aus Deutschland keine Unterkunft gefunden und haben uns daher zu zweit eine kleine Ferienwohnung für die ersten zwei Wochen gemietet. Über Zeitungsanzeigen haben wir dann nach Wohnungen gesucht. Windhoek ist mittlerweile sehr teuer und man sollte aufpassen, nicht an den falschen Vermieter zu geraten.

Größe und Abteilungen des Krankenhauses

Das Katutura State Hospital ist mit fast 800 Betten das größte in Namibia. Alle Patienten aus ganz Namibia kommen dorthin. Außer die Herz- und Thoraxchirurgie (ist im Central Hospital) befinden sich alle Abteilungen im Katutura Hospital.

In der Klinik

Am ersten Tag meldet man sich im Büro des Superintendant, also des Kliniksdirektor. Dieser sagt einem wo man hingehen muss. Die Ärzte sind alle ziemlich nett, aber auch etwas genervt von den deutschen Studenten. Teilweise sind mehr als 20 deutsche Studenten im Krankenhaus.

Ich war mit einem anderen deutschen PJ ler in der Chirurgie. Der normale Tag begann morgens um 7:30 Uhr mit der Frühbesprechung. Danach wurde auf Station Visite mit den Interns (das sind Ärzte, die ihr Studium beendet haben, die aber noch zwei Jahre im Krankenhaus rotieren müssen) und den Medical Officers (in etwa wie Altassistenten) gemacht. In der Chirurgie lagen auf der Station maximal 40-50 Patienten. Die Visite ging ziemlich schnell. Man hat kurz die Patienten besprochen und etwas in die Akte geschrieben. Danach macht man einige Verbände oder nimmt Blut ab und bespricht Röntgenbilder. Richtige "Lehre" gab es eigentlich nicht. Aber ich konnte immer fragen mir wurde auch viel erklärt.

Ein bis zwei Tage die Woche hat die Station OP-Tag. Medical Officers und Consultants (Oberärzte) gehen dann in den OP. Bei Operationen kommt man nicht richtig zum Zug, weil die Interns und Medical Officers Vorrang haben. Aber dafür darf man auf Station kleine chirurgische Eingriffe, wie Biopsien, durchführen. Nach der Visite fallen Aufgaben wie EKG schreiben, Blut abnehmen und Laborwerte abfragen an. Danach gehen alle nach Hause. Das ist spätestens um 13 Uhr, meistens jedoch zwischen 10 und 12 Uhr.

Wer möchte kann danach in die Casuality (Notaufnahme) gehen. Das ist auf jeden Fall interessant. Man kann helfen Patienten zu untersuchen und auch mal nähen oder Abszesse drainieren. Außerdem kann in alle anderen Abteilungen rotieren werden. Ich war öfters in der Inneren Medizin, weil dort zwei Mal die Woche eine sehr gute Lehrvisite stattfand. Zudem habe ich zwei Wochen in der Pädiatrie verbracht.

In Namibia lernt man Patienten zu untersuchen und zwar ohne aufwändige Technik. Man sieht Krankheitsbilder in einem sehr ausgeprägten Stadium, was teilweise sehr traurig ist. Man lernt Patienten nur aufgrund der Klinik einzuschätzen.

Wer möchte, kann Seminare der Interns besuchen oder auch an Vorlesungen der Studenten in der Medschool teilnehmen. Am besten fragt man bei den Interns nach, ob etwas stattfindet. Wir waren immer zwei Mal die Woche bei lehrreichen Pädiatrie-Seminaren.

Land, Kultur und Freizeit

Namibia ist ein wunderschönes Land. Reisen lohnt sich wirklich und ist relativ günstig! Man kann dort sehr gut campen. Namibia ist stark von der deutschen Kultur geprägt. Viele Leute sprechen deutsch und es leben auch viele Deutsche im Land.

In Windhoek gibt es schöne Bars Clubs und Restaurants. Wer ein Auto hat, kann in der Umgebung z.B. klettern, hiken oder Tiere anschauen.

Die Einheimischen sind meistens sehr nett. Das Taxi fahren ist ein echtes Erlebnis. Man sollte sich vorher informieren wie die Preise sind. Der Preis wird pro Person berechnet und immer wieder steigen andere Leute ein und aus.

Hinweise

Man sollte ein bisschen auf seine Sachen, wie Handtaschen, aufpassen. Richtig gefährlich ist es aber auf gar keinen Fall. Auch als Frau kann man selbst überall hingehen und alleine Taxi fahren.

Den besten Reiseführer hat Stefan Loose herausgegeben

Adresse des Krankenhauses

Katutura State Hospital
Private Bag 13215
Windhoek 9000
Namibia

Faxnummer: 00264-61-222706
Telefonnummer: 00264-61-203 4004

Email:

elvanwyk@mhss.gov.na

 

Internetadressen

Ministry of Health and Social Services:

www.healthnet.org.na

Beliebte Unterkünfte:

Bwana

Chameleon Backpackers

Puccini

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