• Bericht
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  • Claudia Ley
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  • 11.10.2010

Famulatur Chirurgie im Fewa City Hospital in Pokhara

"Es muss einfach Nepal sein": Das stand für Claudia Ley schnell fest, nachdem sie im Internet recherchiert hatte, in welchem Land sie im Rahmen einer Famulatur Erfahrungen in der Entwicklungshilfe sammeln könnte. Liebe Kollegen und Patienten sowie eine faszinierende Landschaft machten ihren Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Alle Fotos: Claudia Ley

 

Motivation

Ich hatte schon länger den Wunsch, während meines Medizinstudiums auch einen Einblick in die Entwicklungshilfe bzw. in das Gesundheitssystem eines Landes zu erhalten, welches nicht dem deutsch-westlichen Standard entspricht. Bei meinen diesbezüglichen Recherchen im Internet stieß ich zufällig auf die Seite der German-Nepal Medical/Educational Cooperation.

http://www.egerclan.privat.t-online.de/famulieren.htm

Die dortigen Bilder und Berichte übten eine seltsame Faszination auf mich aus, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Somit stand mein Ziel fest: Es musste einfach Nepal sein.

 

Bewerbung

Es kam meiner doch etwas ängstlichen Persönlichkeit sehr entgegen, dass bei Organisation und Bewerbung eine verlässliche Hilfestellung durch Madan und Sushil Poudel, den Initiatoren der German-Nepal Medical/Educational Cooperation, gegeben wurde. So musste ich, nachdem ich ein Teilnahmeformular ausgefüllt hatte, lediglich noch ein englisches Bewerbungsschreiben mit Curriculum Vitae und Passbild, einen Dean's letter meiner Universität sowie eine Kopie meiner Immatrikulationsbescheinigung und meines Physikumzeugnisses (im pdf-Format) per E-Mail an Madan schicken, der diese Unterlagen an mein Wunsch-Krankenhaus in Nepal weiterleitete.

Ich persönlich habe mich für die kleinere Privatklinik Fewa City Hospital in Pokhara entschieden und das später auch nie bereut, da die Betreuung und die Arbeitsatmosphäre dort meine Erwartungen übertrafen.

So erhielte ich einige Wochen vor Famulaturbeginn sowohl einen Bescheid von Nepalpower, als auch direkt eine Zusage vom dortigen Chefarzt der Chirurgie, Dr. Bojraj Neupane. Alternativ kann man sich auch am Western Regional Hospital oder dem Manipal Teaching Hospital bewerben, beides große öffentliche Kliniken in Pokhara, oder auch eine Famulatur an einem Krankenhaus von Kathmandu in Erwägung ziehen.

Bei Nepal Power handelt es sich um eine von Madan Powel gegründete Organisation, die deutsche Studenten bei der Vermittlung von Famulatur- oder anderen Praktikumsplätzen in Nepal unterstützt.

Anreise

Es empfiehlt sich, frühzeitig einen passenden Flug zu buchen (zum Beispiel ein halbes Jahr vorher), denn dieser wird ohne Zweifel teuer und stellt den größten Kostenfaktor der Reise dar. Ich habe mich schließlich für Etihad Airlines entschieden und war mit dieser Wahl bei einem Gesamtpreis von 880 Euro durchaus zufrieden.

Eventuell kann es sich auch noch lohnen, ein Reisekostenstipendium bei der Allianz oder dem DAAD zu beantragen, was in meinem Fall leider nicht von Erfolg gekrönt war.

 

Das nötige Visum kann entweder bereits in Deutschland an der nepalesischen Botschaft oder bei der Einreise am Flughafen von Kathmandu beantragt werden.

Ganz wichtig: Ohne Reisepass und zusätzliche drei bis vier Passbilder geht gar nichts!

Per E-Mail teilte ich Sushil bereits im Voraus meine Ankunftszeit und Flug-Nummer mit, sodass nach meiner Landung schon einer seiner Freunde in Kathmandu bereit stand, um mich abzuholen und ins Hotel zu bringen. Um Unterkunft und Überführung musste ich mich praktisch gar nicht kümmern.

Für die Weiterfahrt nach Pokhara kann man sich natürlich mit andren Famulanten zusammentun und einen Minibus oder ein Taxi mieten, da dies sehr viel komfortabler ist als öffentliche Verkehrsmittel. Diese sind eigentlich generell überfüllt und langsam. Bei vier Mitfahrern kam ich auf einen Kostenaufwand von rund 20 Euro, was im Nachhinein sicherlich unangemessen teuer war. Eine günstigere Alternative stellt der Touristenbus dar. Dieser schlägt nur mit etwa 500 Rupien pro Person zu Buche, also umgerechnet etwa 5 Euro.

 

Unterkunft

Alle Pokhara-Famulanten wurden im ABC-Hotel von Hari untergebracht. Mitten im Herzen von Lakeside, dem Touristenviertel von Pokhara, gelegen, wird man dort von Sushil und seiner Familie in allen Angelegenheiten bestens beraten und unterstützt. Die Zimmer sind sauber, haben jeweils ein eigenes Bad mit WC und bestechen nicht zuletzt durch ihre nette Aussicht zum Garten sowie ihre ruhige Lage.

Ein Doppelzimmer kostet 6, ein Einzelzimmer 10 US-Dollar pro Person und Nacht. Nach Bedarf kann man aber auch sehr viel günstiger in Pokhara unterkommen, muss dann allerdings auf Haris unterhaltsame Gesellschaft und auf ein Stück nepalesischen Familienanschluss verzichten.

 

Krankenhaus

Wer nach Nepal kommt, wird viel sehen und - nicht nur im Bezug auf die Medizin - einige wichtige Erfahrungen machen. Eigenständiges Handeln und Therapieren ist dagegen kaum möglich. Wer sich mit diesem Umstand abgefunden hat, wird sicherlich nicht enttäuscht werden.

 

 

Obwohl ich selbst in einer kleineren Privatklinik famuliert habe, die für die gleiche Behandlung den dreifachen Satz der öffentlichen Häuser verlangt und deshalb eher der reicheren Oberschicht vorbehalten ist, bekam ich doch einige Fälle von Lungen-, Lymphknoten- und Abdominaltuberkulose oder auch riesengroße Echinokokkus-Cysten zu Gesicht. Andererseits war ich erstaunt über den hohen medizinischen Standard, der auch beispielsweise laparoskopische Cholecystektomien erlaubte.

Meistens ist der Umfang einer Behandlung eine reine Geldfrage, und es lohnt sich auf jeden Fall, zumindest hin und wieder einen Blick in die staatlichen Krankenhäuser zu werfen, in denen ein anderes Krankheitsspektrum vorherrscht als in den Privatkliniken.

Im Fewa City Hospital gelten andere Arbeitszeiten als am Western Regional Hospital oder am Manipal Teaching Hospital. Arbeitsbeginn ist morgens um 8:00, anschließend begleiten die Famulanten den jeweiligen Arzt bei seiner ambulanten Sprechstunde und der darauffolgenden Stationsvisite. Zwischen 10:00 und 11:00 setzen die Mediziner ihre Tätigkeit an einem der öffentlichen Häuser fort und kehren am Abend gegen 16:00 bis 17:00 wieder zurück, sodass für die Famulanten eine Spätschicht bis ca. 19:00 anfällt.

Da der Tageslohn für einen Arzt in Nepal gerade mal 5 Euro beträgt, sind fast alle Mediziner gezwungen, eine zweite Anstellung an einer privaten Klinik anzunehmen oder gar ein eigenes Krankenhaus zu eröffnen.

Über Interesse seitens der Studenten freuen sich die Ärzte immer und erklären viel und ausführlich auf Englisch. Andererseits haben sie aber auch stets Verständnis, wenn sich ausländische Studenten eine Auszeit für Ausflüge in die Region nehmen möchten, solange diese im Vorfeld angekündigt werden.

Ich möchte raten: Wer eher auf Freizeit als auf die eigentliche Famulatur Wert legt, ist wahrscheinlich in einer der beiden anderen Kliniken von Pokhara besser aufgehoben; hier gehen die Arbeitszeiten von 10:00 bis 12:00 Uhr.

Ich hatte mich nach einer Woche soweit mit Dr. Neupane angefreundet, dass ich ihm auch einige Male bei seinen Arbeitseinsätzen im Western Regional Hospital begleiten durfte.

Zudem ermöglichte er mir in der letzten Famulaturwoche noch die Teilnahme an einem so genannten "Health Camp", einer ehrenamtlichen medizinischen Versorgung der Landbevölkerung, die keine Möglichkeit oder Mittel hat, nach Pokhara zu kommen.

Für mich zählt dies eindeutig zu den Höhepunkten meines Nepalaufenthaltes, nicht nur wegen der interessanten Krankheitsbilder, sondern auch wegen der einmaligen Atmosphäre unter Ärzten und Krankenschwestern, die mich trotz meiner mangelhaften Sprachkenntnisse sehr herzlich in ihrer Mitte aufnahmen. Immerhin, einige wenige Sätze Nepali habe ich trotzdem gelernt.

Für die Mitarbeit im Krankenhaus wird für ausländische Studenten eine Gebühr von 100 US-Dollar (bzw. 200 am Manipal) pro Monat fällig. Diese wird in der Regel bei der Aushändigung der Famulaturbescheinigung entrichtet.

 

Freizeit

An Ausflugsmöglichkeiten mangelt es in Nepal wahrlich nicht: Zusammen mit fünf weiteren Kommilitonen habe ich beispielsweise eine dreitägige Dschungel-Safari im Chitwan-Nationalpark unternommen. Als besonderes Highlight werden dort Elefantenritte oder ein Bad im Fluss mit dem hoteleigenen Hauselefanten angeboten, beides unvergessliche Erlebnisse.

Wer noch nie die ledrige und borstige Haut dieser Grautiere berührt hat, sollte sich die Gelegenheit keinesfalls entgehen lassen.

Ebenfalls sehenswert ist der Sonnenaufgang vom nahe Pokhara gelegenen Berg Sarangkot, von dem aus auch Tandem-Gleitschirmflüge ins Tal möglich sind.

 

 

Als Tagesausflüge bieten sich viele kleine hübsche Ortschaften wie das alte Newari-Dorf Bandipur an. Am schönsten ist mir persönlich die Trekkingtour nach Poonhill und zum Annapurna Basecamp in Erinnerung geblieben. Zwar ist hierfür ein spezielles Trekking-Permit von 20 Euro nötig, welches aber ohne größere Umstände nach Vorlage von vier Passfotos ein bis zwei Tage vorher erworben werden kann. Niemand sollte freiwillig darauf verzichten, die einzigartige Bergwelt Nepals auf diesem Wege kennen zu lernen!

 

Fazit

Je ne regrette rien!

 

 

Allerdings zählen zu meinen schönsten Erlebnissen jene, die ich zusammen mit nepalesischen Studenten, Krankenschwestern oder Ärzten verbracht habe. Das ist aber manchmal nur schwer möglich, denn ich war mit zirka zwanzig anderen deutschen Famulanten untergebracht - unmöglich ist es aber natürlich nicht.

Im Nachhinein hätte ich mir mehr Mut gewünscht, diese Reise ganz alleine, auf eigene Faust zu organisieren, da man hierbei doch viel mehr Gelegenheit hat, mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Überlegt Euch also, mit welchen Wünschen und Zielsetzungen Ihr nach Nepal kommt; es ist eigentlich kein Problem, sich hier selbstständig nach eigenem Gusto durchzuschlagen.

Besonders nahelegen möchte ich einen Besuch oder gar eine eigene Famulatur am Lekhnath Lions Community Hospital, welches gerade von einem jungen Weiterbildungsassistenten aufgebaut wird und auf weitere Fördermittel und medizinisches Equipment angewiesen ist.

 

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