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  • M.J. (der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt)
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  • 13.12.2010

Als Famulant in der Chirurgie

Wie viele andere packte auch mich während meines Studiums die Reiselust und ich beschloss eine Famulatur in der Ferne zu machen. Nach dem Lesen zahlreicher Erfahrungsberichte fiel meine Wahl schließlich auf Peru.

 

Motivation

In Peru hatte ich schon 4 Jahre zuvor einen Monat Krankenpflegepraktikum abgeleistet, und ich wollte bei einem weiteren Aufenthalt einen tieferen Einblick in das medizinische System bekommen, sowie auch das Land etwas besser kennen lernen.

 

Vorbereitung

Ich entschloss mich, die Famulatur selbst zu organisieren. Hierfür kontaktierte ich mehrere Krankenhäuser, was sich als nicht ganz einfach erwies. Es waren viele Gespräche notwendig - per Email, Telefon, Fax und Post - bis ich die wichtigen Infos gesammelt hatte und wusste, welche Unterlagen ich an wen senden sollte.

 

Sprache

Ohne Spanischkenntnisse kommt man in Peru nicht weit. Im Krankenhaus sprechen die wenigsten Ärzte Englisch, geschweige denn die Patienten. Daher sollte man, je nach Sprachkenntnissen, einen Sprachkurs in Erwägung ziehen. Der Aufenthalt wird definitiv entspannter und lehrreicher, wenn man mit der Sprache einigermaßen zurechtkommt.

Visum

Man braucht für Peru kein Visum zu beantragen - es reicht völlig sich bei der Einreise genügend Tage in den Reisepass stempeln zu lassen. Es gibt die Möglichkeit einer 30-, 60- und 90tägigen Aufenthaltsdauer, aber man sollte bei der Einreise unbedingt darauf achten, sich wirklich genügend Tage vom Beamten stempeln zu lassen!

Sicherheit

In Peru sollte man sich als Tourist in jedem Fall vorsehen. Schon aufgrund eures Aussehens ruft ihr Aufmerksamkeit hervor - insbesondere wenn man hellhäutig oder blond ist. Die Sicherheitslage ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich, und auch innerhalb einer Stadt gibt es verschiedene Viertel.

Frauen sind im Dunkeln kaum alleine unterwegs. Am besten fragt ihr die Einheimischen und lasst euch von ihnen helfen. Wenn ihr euch an gewisse Vorsichtsmaßnahmen haltet, dann sollte nicht viel passieren.

Aber ihr werdet schnell erkennen, dass fast alle Peruaner sehr aufgeschlossene, freundliche, zuvorkommende und hilfsbereite Menschen sind. Viele sind neugierig und nicht selten wurde ich auch auf der Straße angesprochen.

Flug

Die Flüge nach Peru kosten ab 800 Euro aufwärts - da ich nur etwa 3-4 Monate vorher gebucht hatte, musste ich 1.200 Euro zahlen. Das hing aber auch damit zusammen, dass ich im Juli - in der Hauptsaison - geflogen bin.

Unterkunft

Mit meiner Unterkunft war es eine spezielle Sache. So hatte ich zunächst meine Ansprechpartnerin, Señora Jany Aldave Rodriguez, aus dem Hospital Belén gebeten, für mich nach einer Unterkunft zu suchen. Bei meiner Ankunft in Trujillo hat mir Señora Aldave dann vorgeschlagen, gegen ein Entgelt von 100 Soles - etwa 25 Euro pro Woche - bei ihrer Familie zu wohnen. Das fand ich sehr nett. Und da auch ihr Mann und ihre zwei Kinder (18 und 20 Jahre) sehr herzlich waren, bin ich dankbar bei ihnen untergekommen zu sein.

Bei einer eigenständigen Organisation der Unterkunft würde ich raten, zunächst in einem Hostal oder einem günstigen Hotel in der Stadt einzuchecken. Handelt aber auf jeden Fall den Preis vorher aus, gerade wenn ihr mehrere Tage bleibt! Hört euch dann in der kommenden Woche im Krankenhaus bei den Kollegen um.

Mitzunehmen

Für die Famulatur solltet ihr einen Kittel und ein Stethoskop mitnehmen, eventuell auch weiße Kleidung. Fragt am besten vor der Famulatur nach! Wenn ihr ein operatives Fach ausüben wollt, ist auch OP-Kleidung von Vorteil. Außerdem sollte ihr euch Handschuhe und Desinfektionsspray einpacken.

 

 

Aufgaben und fachliche Eindrücke

Der Arbeitstag in der Chirurgie begann stets mit der Visite. Im Anschluss konnte ich bei der Wundversorgung der Patienten mithelfen. Ich bin auch häufig in den OP-Saal gegangen, um dort zuzuschauen. Leider habe ich nicht sehr oft assistiert, weil im Hospital Belén die assistierenden PJler auch die Tätigkeit einer OP-Schwester übernehmen müssen, d.h. Operationsbesteck vorbereiten und anreichen. Da ich die Namen der einzelnen Pinzetten noch nicht einmal auf Deutsch kannte, habe ich erst nach einer Weile assistieren dürfen.

In der Ambulanz habe ich auch viel Zeit verbracht, da man dort auch als Student bei der Versorgung mithelfen darf. Der Ablauf war für mich sehr gewöhnungsbedürftig: So musste jeder Patient, nachdem er seine Symptome geschildert hatte, erst einmal mit einem Rezept zur Apotheke gehen und sich alles kaufen, was für die Versorgung notwendig war. Wenn der Patient das nicht selbst tun konnte, so mussten das seine Angehörigen für ihn erledigen. Oft lag genau darin das Problem: Manche Patienten kamen von weit her und hatten weder Geld noch Angehörige dabei. Deswegen mussten sie häufig stunden-, manchmal sogar tagelang warten, bis das Material besorgt war und sie versorgt werden konnten.

Generell war die Arbeitsatmosphäre überhaupt nicht mit der deutschen zu vergleichen. Während in Deutschland vor allem Leistungsdruck, Hektik und Effizienz den Alltag dominieren, herrschte im peruanischen Krankenhaus eine lockere Atmosphäre, wo die Ärzte manchmal auch für eine Weile einfach nur miteinander plauderten. Statt eine Aufgabe nach der anderen abzuarbeiten, wurden diese ganz ohne Eile verrichtet. Es war für mich überraschend, dass manchmal keiner arbeitete und stattdessen ein netter Plausch gehalten wurde.

 

 

Aus Interesse habe ich auch einige Dienste mitgemacht, da es vor allem in der Chirurgie am Wochenende viel zu sehen gibt. Die Arbeitszeiten sind insbesondere für Assistenzärzte unvorstellbar hart. Im Krankenhaus Belén müssen die Assistenzärzte im ersten Jahr jeden zweiten Tag Dienste machen - auch an den Wochenenden.

Auch nach dem Dienst durften sie am nächsten Tag nicht um 8 Uhr nach Hause gehen, sondern mussten bis 17.30 Uhr durcharbeiten! Und am darauffolgenden Tag begann wieder der nächste Dienst. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie das ein Jahr lang ohne einen freien Tag, ohne Urlaub zu schaffen ist. Dazu kommt noch, dass nur ein Drittel der Dienste bezahlt wird, da der Rest der Zeit als "Lehre" angesehen wird.

Ich denke diese extreme Arbeitsbelastung ist nur auszuhalten, weil die Leute nicht mit so einem Stress arbeiten wie bei uns. Da sie die Situation sowieso nicht ändern können, gestalten sie sich ihren Alltag eben mit viel Geplauder und viel Lachen und sind deutlich entspannter als die Ärzte bei uns. Außerdem werden ihnen viele Aufgaben durch PJler und das Pflegepersonal abgenommen.

Nach dem PJ sind die peruanischen Mediziner bestens mit der Untersuchung und Versorgung von Patienten vertraut. Die körperliche Untersuchung hat natürlich einen viel höheren Stellenwert als bei uns, da anderweitige Diagnostik teuer ist und viele Patienten sich das nicht leisten können. Es war eine spannende Erfahrung, wie viel man mit einfachen diagnostischen Mitteln herausfinden kann. Die Krankheitsfälle in der Chirurgie waren zum Teil mit denen hierzulande vergleichbar - es gab z.B. jede Menge Appendektomien und Cholezystektomien.

Die Patienten kommen jedoch häufig erst sehr spät ins Krankenhaus, da sie kein Geld für die Behandlung haben. Dadurch sieht man auch viele ungewöhnliche und komplizierte Fälle, die es in Deutschland nicht zu sehen gibt. Insbesondere an den Wochenendnächten sieht man viele Schnittwunden und gelegentlich auch Schusswunden. Bei einem der alkoholisierten Patienten habe ich das Nähen gelernt, was eine sehr elegante Möglichkeit ist, um sich in Ruhe mit der Technik vertraut zu machen.

 

 

Land und Leute

Während der Famulatur habe ich auch einige andere ausländische Studenten im Krankenhaus getroffen, mit denen ich viel zusammen unternommen habe. Es war eher schwierig, sich mit den Ärzten oder PJlern zu treffen, da sie immer viel arbeiten mussten, selbst am Wochenende. Dadurch hatten si nicht viel Zeit für Anderes.

Nach meinen zwei Famulaturen habe ich noch einige Tage das Land bereist. Auch das war eine schöne Erfahrung, denn Peru hat touristisch sehr viel zu bieten. Es hat mich überrascht, wie überlaufen die touristischen Stätten waren, selbst in der Nebensaison, im September und Oktober. Da der Tourismus für die Peruaner wirtschaftlich eine große Rolle spielt, wird auch bei den Eintrittsgeldern häufig verhältnismäßig viel Geld verlangt. Die meisten Pauschalreisenden, meist ältere Damen, können sich das problemlos leisten, aber ich mit meinem studentischem Geldbeutel, musste schon streng kalkulieren. Trotzdem war auch dieser Teil meiner Reise sehr schön und ich traf viele Gleichgesinnte.

 

Fazit

Abschließend möchte ich sagen, dass die Peruaner ein sehr liebenswertes Volk sind, überaus offen und herzlich und mit einer sonnigen Mentalität. Die Armut des Landes machte mich häufig nachdenklich und es war für mich schwierig mit anzusehen, mit welchen existenziellen Problemen die Leute kämpfen müssen. Europäer werden oft nach den Verhältnissen in Deutschland gefragt und es ist nicht einfach mit diesen klaffenden Unterschied zu erklären.

Ich habe durch meinen Aufenthalt viel gelernt, und ich kann allen Fernwehgeplagten nur empfehlen, ebenfalls die herrlich unkomplizierte und offene Art der Peruaner kennenzulernen.

Adresse

Hospital Belén de Trujillo
Jr. Bolívar 350
Trujillo, Perú

Tel.: 0051 / (0)44 29 41 19
Fax: 0051 / (0)44 24 42 61

Bewerbungen an Señora Jany Aldave Rodriguez (leitende Krankenschwester):

fjany_a@yahoo.com

 

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