• Bericht
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  • Ina Sonntag
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  • 29.01.2008

Ein Semester in Stettin

Normalerweise gewöhnt man sich schnell an fremde Situationen. Hier in Polen kommt es mir allerdings so vor, als würde ich auf einem ganz anderen Planeten leben. Das liegt nicht nur an den Gepflogenheiten im Krankenhaus, sondern auch an denen im Alltag.

Vorspann

Die Geschichte beginnt 1996. Damals schlossen die medizinische Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität und die Akademie für Medizin in Stettin einen Vertrag. Dieser bot jeweils fünf Studenten die Möglichkeit, an der Partneruni über das Erasmus/Sokrates-Programm zu studieren. Dann passierte eine ganze Weile gar nichts. Die Professoren und Institute der Partneruniversitäten tauschten regelmäßig Erfahrungen aus, aber keine Studenten. Nach einem Besuch in Stettin trat Prof. H.-K. Kroemer vor seine Studenten im 3. Studienjahr, die auf den Beginn ihrer Pharmakologie-Vorlesung warteten. Anstatt einer Einführung in die Pathologie hörten sie einen kleinen Kurzbericht über die Stettin-Reise: "Da gibt es einen Studiengang komplett in Englisch. […] Ich weiß nicht, wer hier von wem lernen soll. Es ist eigentlich peinlich, dass noch niemand von dieser Uni da gewesen ist." Er wusste natürlich, dass viele Studenten mit dem Gedanken an ein Auslandssemester liebäugelten. Die Plätze nach Marseille oder Graz sind immer schnell vergeben. In seiner unnachahmlichen Art versuchte er seine Zuhörer für einen Aufenthalt in Polen zu interessieren. Er schloss mit den Worten "Bewegen Sie das mal in Ihrem Herzen." Ich habe das getan. Etwas blauäugig entschloss ich mich, die Erste zu werden. Die Bewerbung war unkompliziert, zum Standardformular mussten nur noch ein "health certificate", zwei Passfotos und eine Kopie des Reisepasses beigefügt werden. Die dortige Koordinatorin E. Urasinska nahm per E-mail Kontakt mit mir auf. Mit ihr konnte ich alle weiteren Fragen klären. So startete ich am 5.2. mit zwei Reisetaschen, vier Monaten Polnisch-Unterricht und jeder Menge Enthusiasmus im Gepäck nach Stettin bzw. Szczecin (sprich Schtschetschin). Am Bahnhof wurde ich gleich in Empfang genommen und mit neuen Eindrücken bombardiert. Mein erster Eindruck? Der ist wie ein Puzzle – jeden Tag finde ich ein neues Teil. Wenn mich jemand fragt: "How do you like Szczecin?" antworte ich immer "It’s strange." Warum? Weil Szczecin in Polen liegt und Polen nun mal nicht Deutschland ist.

 

Pomorska Akademia Medyczna (PAM)

Gleich nach meiner Ankunft wurde ich dem Rektor vorgestellt. Die polnischen Akademien sind eigenständige Institutionen, sie gehören nicht einer Universität an. Deshalb gibt es einen Rektor und einen Dekan, den letzteren jeweils für den polnischen und englischen Studiengang. Des weiteren werden dort auch Diplom-Krankenschwestern und Paramedics ausgebildet.

 

Medizinstudium

Das Studium dauert sechs Jahre, wobei es kein PJ gibt. Nach dem letzten Jahr muss jeder Student ein dem AIP-vergleichbares Jahr als "Intern" ableisten. Der allgemeine Fächer- und Stundenplan ist ähnlich. In den letzten zwei Jahren ist der Unterricht in Blocks organisiert, die 5-14 Tage dauern (mitunter inklusive Wochenende) und in Seminare und Praktikum aufgeteilt sind. Auf Fächer wie Pädiatrie und klinische Genetik wird verstärkt Wert gelegt. Zusätzlich müssen in den vorklinischen Semestern eine Fremdsprache, "Sports" sowie "library training" und "basic nursery" belegt werden. Meinen Stundenplan konnte ich individuell festlegen. So besuche ich Kurse im achten Semester, das semester, das ich auch in Deutschland belegen würde. Zusätzlich besuche ich weitere Kurse des 5. und 6. Studienjahres. Die anstehenden Examen werde ich mitmachen; ich hoffe natürlich, dass mir dadurch die Scheine anerkannt werden.

 

Kost und Logis

Untergebracht bin ich im "Aesculap"-Studentenwohnheim im Stadtteil Pomorzany. Ich bewohne ein geräumiges Einzelzimmer; das andere Zimmer der Wohneinheit mit kleiner Küche, Dusche und Toilette ist nicht belegt. Notwendige Ausstattung wie Decke, Kissen oder Geschirr waren vorhanden, sogar Bettwäsche und Handtücher wurden gestellt. Eine komplette Putzausrüstung wird auch geliefert, denn das Wohnheim "provides no cleaning-service". Eine große Gemeinschaftsküche (leider ohne Sitzgelegenheiten) befindet sich auf jeder Etage. Die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt, sodass man immer einen Ansprechpartner hat. Wenn man allerdings zu später Stunde nach Hause kommt, muss man klingeln, da die Eingangstür ab 24 Uhr verschlossen ist.

Das Leben hier ist für einen (t)eurogewöhnten Deutschen sehr preiswert. So bezahle ich für einen durchschnittlichen Einkauf nur die Hälfte. Große Supermärkte gibt es in den zahlreichen Einkaufszentren, die selbst einen Konsumverwöhnten ins Staunen versetzen würden. Das Angebot in diesen Märkten ist überwältigend: Von 10 verschiedenen Sorten Ketchup über regalweise Küchenartikel bis hin zu zahlreichen deutschen Produkten ist alles vertreten. Ungewöhnlich fand ich die dagegen winzigen Tragekörbe und die hier kostenlosen Plastiktüten, die man hier bei jedem Einkauf erhält (leider handelt ist es sich dabei um diese nicht sonderlich robusten weißen raschelnden Teile). Etwas abschreckend wirkt auch die übermäßige Präsenz der Security, es empfiehlt sich deshalb vor dem Betreten der Märkte die Taschen in den Schließfächern unterzubringen. Die "kleinen" Märkte wie Netto finden sich fast überall, da bekommt man alle Grundnahrungsmittel in mannigfaltigen Geschmacksrichtungen. Etwas Besonderes sind die zahlreichen Kioske an den Straßen, welche allerlei Krimskrams wie Fahrkarten, Streichhölzer, Shampoo, Eis oder Prepaidkarten für das Handy verkaufen. Die Öffnungszeiten sind sehr unterschiedlich und hängen vom jeweiligen Typ des Geschäftes ab. In den Shopping-Malls ist durchgängig von 8 bis teilweise 22 Uhr geöffnet, sonntags von 8 bis 20 Uhr. Manche Läden haben samstags geschlossen, sind dafür aber am Sonntag offen.

Telefonieren

Beim Telefonieren gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man besorgt sich eine Telefonkarte für ein Kartentelefon (befindet sich in meinem Wohnheim auf jedem Flur). Diese Karten gibt es in jedem Postamt wobei die Hauptpost durchgehend geöffnet ist. Oder man kauft bei einem der drei polnischen Netzbetreiber eine Prepaidkarte. Um letzteres zu versuchen sind gute Kenntnisse der Landessprache oder ein Übersetzer vonnöten, ansonsten verläuft man sich im Dschungel der verschiedenen Tarife und Angebote.Aufladen lässt sich das Guthaben wie in Deutschland. Erhältlich sind die Karten in den Anbieterläden, am Kiosk und im Supermarkt oder am so gekennzeichneten "bankomat". Die gibt es vor jedem Krankenhaus, auf jeder Etage eines Einkaufszentrums und an fast jeder größeren Hauptverkehrsstrasse. Unter Umständen sind die Automaten auch nur in eine an den Fußweg angrenzende Mauer eingelassen, sodass die Leute hinter einem vorbeilaufen (da heißt es AUFPASSEN!). Die jeweiligen Gebühren sind dabei von eurer deutschen Hausbank abhängig.

 

Unterwegs: Tramwaj und Taxi

Da die Kliniken sehr weit verstreut liegen und sich nur das Administration-Office im Zentrum befindet, ist man auf ein Transportmittel angewiesen. Die Straßenbahn ist die einfachste und günstigste Wahl. Mit einer "Legitymacja Studentka" kostet die Monatskarte für das gesamte Netz nur 36,50 Zl. Leider, leider gibt es keinen Netzplan. Deswegen musste ich mir am Anfang alle Fahrstrecken erklären lassen. Die Fahrpläne mit Abfahrt und Fahrzeit sind an den Haltestellen angebracht, also sollte man sich vorher informieren und zusammenrechen welche Linie wie lange wohin fährt, damit man den jeweiligen Anschluss noch erwischt. Für mich war es gewöhnungsbedürftig oft länger als 30 Minuten unterwegs zu sein, da ich hier in Greifswald mit dem Fahrrad in 20 Minuten einmal quer durch die Stadt fahren kann. Die Tramwaj, wie die Straßenbahn hierzulande heißt, sieht meist abenteuerlich aus und pflegt auch einen dementsprechenden Fahrstil. Sie ist weder bequem noch leise oder pünktlich, dafür komme ich aber immer an, soll heißen: irgendwie geht es doch. In den späten Abendstunden ist ein Taxi das Mittel der Wahl, besonders wenn man allein unterwegs ist. Meine Betreuerin meinte: Never walk alone in the dark. This can be a dangerous city. – Ein gut gemeinter Hinweis, welcher aber nicht zu meiner Erbauung beigetragen hat. Ein Taxi zu nehmen ist aber eine ungefährliche und billige Angelegenheit. Bei den Fahrzeugen reicht die Palette vom älteren osteuropäischen Fabrikat bis zum nagelneuen VW. Dabei vermitteln sie manchmal einen Hauch von Privatwagen (Plüschbezüge). Die Fahrer sind allerdings nett und zuvorkommend und verstehen sogar mein rudimentäres Polnisch. Im Normalfall bezahlt der Fahrgast den Anfahrtsweg mit, falls man sich kein stationäres Taxi vom Bahnhof oder Krankenhaus nimmt (die sind aber sowieso generell teurer). Für meine Fahrten von 2-3 km habe ich runde 10 Zl bezahlt.

 

Meine Kommilitonen

Leider habe ich nicht allzu viel mit den polnischen Studenten zu tun. Das liegt zu aller erst natürlich daran, dass mein Polnisch furchtbar schlecht ist und ich in die "Norwegergruppe" (=English Programme) gesteckt wurde. Da ich im Wohnheim ein Einzelzimmer bewohne, sehe ich die Polen immer nur auf dem Gang. Als Fremder hat man aber Probleme, und es dauert eine Weile, ehe man warm miteinander wird. So werden mir ständig Sätze entgegengebracht wie: "I know someone who speaks German.", obwohl ich viel lieber Englisch spreche. Die Studenten sprechen alle gut Englisch, nur leider scheuen sie sich davor, es zu benutzen. So ist es mir oft passiert, dass lieber geschwiegen wird bzw. ich ignoriert werde, sobald man herausfindet, dass ich des Polnischen nicht mächtig bin.

English Programme und die Norweger

Das English Programme gibt es seit 1996. Die meisten teilnehmenden Studenten sind Norweger, da die Studienplätze dort noch heißer begehrt sind als in Deutschland. Die norwegische Regierung übernimmt aber einen Großteil der Kosten, unter anderem auch die 4500$ Semestergebühr. Die wenigen Studenten aus Schweden und Deutschland (mich eingerechnet 5) müssen diese aus eigener Tasche bezahlen, wenn Sie nicht über ein Austauschprogramm kommen. Die Studiensprache ist logischerweise Englisch. Bei Gesprächen mit Patienten übersetzt der betreuende Arzt, obwohl es natürlich immer einen besseren Eindruck hinterläßt, wenn man die polnische Sprache beherrscht. So lassen sich eigene Patienten besser betreuen und Antworten/Anforderungen verstehen, denn nicht jeder Arzt übersetzt alles und überall.

Da keiner meiner Kommilitonen Muttersprachler ist, gestaltet sich die Verständigung recht einfach. Jeder macht gelegentlich Aussprache- oder Grammatikfehler aber man versteht sich, manchmal auch ohne Worte. In der ersten Zeit war ich ziemlich sprachlos. Die Antwort wusste ich meistens aber leider nur in Deutsch! Was heißt denn verminderte Belastbarkeit auf Englisch? Auf Kommando übersetzen ist eben nicht einfach. Das gilt auch für die Lehrer. Mancher des Polnischen mächtige Student muss dann öfter aushelfen. Für mich wird es dann bloß schwierig wenn er es gleich ins Norwegische übersetzt. So fühle ich mich manchmal wie taubstumm – auf der Straße wird Polnisch und in den Kurspausen Norwegisch gesprochen – und ich stehe da und verstehe nur Bahnhof. Einige wenige meiner Kommilitonen sind zum Glück auch einmal bereit, eine längere Konversation in Englisch zu führen; aber Informationen zu bestimmten Abläufen gibt es leider nur nach beständigem Nachfragen.

Kurse

Die Ausbildung und die Betreuung sind sehr gut. Zu den theoretischen Seminaren gibt es praktische Stunden am Krankenbett. Man geht mit dem Professor auf Morgenvisite oder schaut bei einer OP zu. Wer interessiert ist kann auch Bereitschaften oder Nachtschichten mitmachen. Auf Nachfrage ist fast alles möglich, da viele Ärzte fließend Englisch oder sogar Deutsch sprechen. Die Krankenschwestern sind allerdings etwas bissig, denn die Studenten stehen ihnen meistens im Weg...

Der Alltag im Szpital

Einige der Angewohnheiten im Krankenhaus sind für einen Deutschen ein echter Schock und erfordern eine schwierige Umgewöhnung. Das beginnt schon direkt nach dem Betreten des Szpitals. Studenten müssen nämlich Taschen abgeben und die Schuhe tauschen. Schwierig wird es wenn man seine Sachen dann zurückhaben will: wie mache ich dieser verkniffenen Garderobenfrau klar, dass der blau-schwarze Rucksack mir gehört? Die Kitteltaschen können somit also nicht groß genug sein: Stift und Zettelblock, Frühstück, Geld und Handy, Taschentücher und natürlich das Stethoskop... So ist es nicht verwunderlich, dass die Taschen bei einigen Kommilitonen starke Abnutzungserscheinungen zeigen.

Die Kleiderordnung ist nicht sehr streng, solange die Sachen sauber sind ist alles erlaubt. So wird der Krankenhausflur zum Catwalk, ob kurze Ärmel über Langarm-Shirts, knappe Kittel mit und ohne pharmazeutische Werbebanner; grün, blau oder weiß, alles ist möglich. Selbst bei den Schuhen geht so einiges. Sandalen, hohe Stiefel, Turnschuhe, auch hier gibt es keine Einschränkungen. Die Besucher müssen sich allerdings an Automaten, die an jedem Stationseingang stehen, kleine Kugeln ziehen. Darin befinden sich Plastiküberzieher für die Schuhe. Böse Zungen behaupten, dies wäre manchmal die einzige Möglichkeit, Besucher und Personal auseinander zu halten...

Die bei uns in Krankenhäusern geächteten Mobiltelefone findet man hier überall. Bei den Patienten liegen sie offen auf den Nachttischen (zwischen Wasserkochern, Radios und Getränken), beim Arzt stecken Sie in der Kitteltasche. Denn in Polen ist es üblich, dass die Patienten den Arzt auf dem Handy anrufen, um Termine zu vereinbaren. So wird manche Vorlesung von einem penetranten Klingeln unterbrochen, dem dann eine minutenlange Konversation auf Polnisch folgt.

Im Allgemeinen geht es im polnischen Szpital hektischer zu als in deutschen Kliniken. So sieht man des öfteren polnische Ärzte über die Flure flitzen während man uns in Deutschland ständig predigt, das auf den Fluren nicht gerannt wird. (Schließlich könnte man ausrutschen und sich verletzen - oder den Chefarzt umkegeln, was ungleich schlimmer wäre.) Dazu kommt noch, dass auf einer Station deutlich mehr Ärzte arbeiten als in Deutschland. Dadurch ähnelt der Stationsbetrieb oft frappierend dem Gewusel in einem Ameisenhaufen, was mir permanent das Gefühl von unterschwelliger Hektik vermittelt.Die Ärzte sind sehr ehrgeizig und engagiert. Obwohl sie nur wenig verdienen (1300 Zloty = 260 Euro) arbeiten sie sehr intensiv.

PBYOTP - Please bring your own toilet paper

Die Hygiene im Szpital hat mich am Anfang sehr erschreckt. Auf einigen Stationen gibt es in den Patientenzimmern keine Waschbecken. Die Taschen werden auf dem Fußboden gelagert. Manchmal gibt es für alle Patienten einer Station nur eine Gemeinschaftstoilette und Klopapier gibt es dort auch nicht. Auf der Personaltoilette ist ebenfalls selten welches zu finden, aber das ist ein Umstand, der einen nur einmal überrascht (Danke Mutti). Über die Hygiene-Werbung im Fernsehen habe ich erst gelacht, jetzt nehme ich selbst solche kleinen Desinfektionstücher mit, denn auch die Klobrillen sind sehr oft schmuddelig. Natürlich wird steril gearbeitet, wo steril gearbeitet werden muss. Generell wird das Hygiene-Regime allerdings nicht so rigoros wie in Deutschland gehandhabt.

Das Studentenleben

Polnische Studenten sind sehr strebsam und fleißig, aber auch laut und ausgelassen. An diese überschäumende Lebensfreude muß man sich erst gewöhnen. Während meine Kommilitonen in der Woche in den zwei Lernräumen des Heims oder auf den Kissen im Flur lernen, geht am Wochenende die Post ab. Da mein Zimmer genau neben dem Treppenaufgang liegt, höre ich die Partygänger immer ein- und ausfliegen. Wenn die Studentenbude freitags über mir Party macht höre ich halt bis 1 Uhr morgens kostenlos Musik - das ist nur blöd wenn man samstags 8:15 Uhr eine Klausur schreiben will... Für das Leben im Wohnheim braucht man Nerven wie Drahtseile. Gelegenheiten zum Ausgehen gibt es viele - vom lauten Technoschuppen bis zum gemütlichen Jazzcafe. Das Bier ist billig und gut. Eigentlich mag ich ja keines, aber vielleicht werde ich es noch lieben lernen. Im Sommer sitzt man auch draußen sehr bequem. Mein hiesiges Lieblingspub macht ausgezeichnete Pizza im Steinbackofen und hat eine witzige Innenausstattung mit alten Nähmaschinengestellen als Tische. Viele polnische Studenten trifft man unter der Woche allerdings nicht, denn die Familie spielt eine wichtige Rolle. Wenn es geht wird zu Hause gelebt und gegessen. Auch das Studium wird nicht vernachlässigt – schließlich gibt es Noten (5-1), und man ist sehr leistungsorientiert.

Täglich Wundersames

Der Alltag ist von starken Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite gibt es pieksaubere Einkaufszentren, auf der anderen durchwühlen täglich Leute die Mülltonnen nach Brauchbarem. Die Menschen arbeiten bis ins hohe Alter; weißhaarige alte Damen die Straßenbahn fahren sind keine Seltenheit. Die Familien leben auf engem Raum miteinander, d.h. mehrere Generationen unter einem Dach. Da Geld meistens knapp ist, wird improvisiert. So lagern die Studenten ihre (selbstgemachten) Lebensmittel auf den Fensterbrettern, auch im 4. Stock. Bei hohen Windstärken also nicht zu nah an den Blöcken entlang gehen! Die Wäsche wird an Fenstern befestigten Gestellen getrocknet. Selbst in der Klinik ist man vor Überraschungen nicht gefeit: Manche Patienten muss man erst waschen bevor man sie behandeln kann. Diese Liste könnte ich jetzt ewig fortsetzen, aber der Platz ist begrenzt. Am Besten Ihr kommt selbst hierher und lasst Euch erstaunen.

Bonbons

Zungenbrecher: dziewiecdziesiatdziewiec = die Zahl 99

Reiseführer: Hunde in Polen…

… sind sehr beliebt. Ich habe noch nie so viele verschiedene Hunde auf einen Haufen gesehen. Einige sind erheblich besser genährt als ihr Herrchen. Am problematischsten sind die Hinterlassenschaften auf den Gehsteigen. Zum Glück bin ich bis jetzt noch nicht in einen Haufen getreten. Da ist ständiges Slalomlaufen angesagt. Wenn man das lang genug macht, hat man mit der Zeit einen eingebauten Sensor im Schuh.

 

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