• Bericht
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  • Aline Gottlieb
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  • 29.10.2012

Famulatur Gynäkologie im Kirinda Hospital

Von den Menschen in Ruanda und ihrer Famulatur im Kirinda Hospital war Aline begeistert. Sie war sogar so begeistert, dass sie bereits kurz nach ihrer Rückkehr nach Deutschland erneut ein Flugticket buchte, um dort eine weitere Famulatur zu absolvieren. Dieses Mal hat sie sich hauptsächlich mit der Gynäkologie und Geburtshilfe beschäftigt. Dort konnte sie noch mehr Verantwortung bei der Krankenhausarbeit übernehmen.

Aline hat vorher bereits eine Famulatur im Kirinda Hospital absolviert. Ihren ersten Bericht findet ihr hier:

Ein Muzungu in Ruanda

 

Formalitäten

Für meine zweite Famulatur in Kirinda genügte es, die "Vereinte Evangelische Mission" zu fragen, ob ich nochmal ein Praktikum in diesem Rahmen machen dürfte. Die Zusage hatte ich innerhalb einer Woche und die anderen Vorbereitungen traf ich direkt mit meinen Bekannten in Ruanda. Wie auch beim letzten Mal, bin ich einfach nur mit dem Touristenvisum (dieses gilt für 90 Tage) eingereist und ich war wieder über den Hartmannbund Berufshaftpflichtversichert.

 

Anreise

Dieses Mal bin ich mit Turkish Airlines für ca. 680€ nach Kigali geflogen. Ich kam an einem Freitag im August in Kirinda an. Das Wochenende verbrachte ich zunächst damit, alte Freunde und Bekannte zu begrüßen, wobei ich gleich zu Beginn merkte, dass ich dieses Mal sogar noch herzlicher aufgenommen wurde, als beim letzten Mal.

Trotz allem musste ich mich auch erst wieder neu einfinden. Ich war sehr über die vielen Entwicklungen in Kirinda überrascht: in den knapp viereinhalb Monaten meiner Abwesenheit wurde ein neues Gebäude für die Maternité gebaut, zudem befanden sich eine Notaufnahme und eine neue Leichenhalle im Bau. Und es wurde tatsächlich ein W-LAN-Internetzugang installiert. Tagsüber ist er meist überlastet, aber morgens und abends kann man tatsächlich mal Glück damit haben.

 

Krankenhaus

Während der letzten Monate ergaben sich einige Personalwechsel: Ein Arzt hat aufgehört dort zu arbeiten, ein anderer wurde zum Chefarzt befördert und drei neue Ärzte (ebenfalls alle aus dem Kongo) wurden seit meinem letzten Besuch angestellt. Außerdem gab es endlich, etwas abseits vom Rest des Krankenhaus, angelagerte Isolierräume für die Tuberkulose Erkrankten, jedoch lag trotzdem nach wie vor der Großteil der TB-Patienten auf der normalen Station.

Da mir während meines letzten Aufenthaltes auffiel, dass die Ärzte sehr neugierig auf mein Innere Medizin Lehrbuch, den "Herold", waren und dass die hiesigen medizinischen Nachschlagewerke eher alt und abgegriffen waren, beschloss ich während meiner Zeit in Deutschland zu versuchen, das Buch auf Französisch zu organisieren. So schrieb ich noch während meines Semesters in Deutschland mehrere Stiftungen in Essen an, mit der Bitte, mich bei dem Bücherkauf zu unterstützen. Dafür legte ich auch den Artikel bei, den ich vorab veröffentlichen konnte. Glücklicherweise erklärte sich die Norbert G. Ring Stiftung dazu bereit, fünf dieser Lehrbücher zu finanzieren (49,99€ das Stück). So konnte ich den Ärzten im Kirinda Hospital mit diesen Büchern, die immerhin ein stolzes Gewicht von fast 10 kg auf die Waage brachten, eine sehr große Freude bereiten. Jetzt gehen sie jedes Mal, wenn sie etwas nicht wissen, nach der Visite ins Arztzimmer, um in dem Buch die notwenigen Informationen nachzulesen.

 

Unterkunft

Ich habe erneut im Gästehaus geschlafen und wurde da voll verpflegt. Als Praktikantin der "VEM" muss man dabei lediglich für das Essen aufkommen, die Unterkunft ist umsonst. Jedoch ist das Essen mit ca. 300€ für 7 Wochen relativ teuer, ich konnte schließlich den Preis noch etwas nach unten verhandeln.

 

Arbeitsalltag

Montags um 7 Uhr begann schließlich meine Famulatur. Da ich die einzige Praktikantin war, entschied ich mich dafür, überwiegend in der Maternité, also der Frauenheilkunde bzw. Geburtshilfe, zu arbeiten. Da ich darauf vorbereitet war, nachmittags oft nicht so viel zu tun zu haben, nahm ich mir einfach medizinische Bücher und Fachliteratur mit, die ich in freien Minuten (bzw. Stunden) gelesen habe.

Im Krankenhaus begann ich bereits innerhalb der ersten Woche wieder alleine Visiten zu machen und bei Operationen, vor allem Kaiserschnitten, zu assistieren. In den darauffolgenden Wochen durfte ich Schritt für Schritt die Operationen selbst übernehmen, so dass ich während der zweiten Hälfte meines Praktikums Kaiserschnitte als erste Operateurin durchführen konnte. Auch einige natürliche Geburten habe ich angeleitet. Somit konnte ich meine praktischen Fertigkeiten und Kenntnisse erneut enorm erweitern und verbessern. Während einiger Nachtschichten lernte ich mit allen möglichen Patienten und Fällen umzugehen, diese zu diagnostizieren und, wenn möglich, auch zu behandeln. Natürlich war sowohl während der Operationen als auch während der Nachtschichten immer ein Arzt bei mir, der mir ggf. bei Problemen weiterhalf.

 

Der OP in Kirinda - Alle Fotos von Aline Gottlieb

 

Auch die Ärzte konnte ich dieses Mal sehr gut unterstützen: Da ich als einzige im Team in der Lage war einen Ultraschall vom Bauchraum zu machen (an meiner Uni in Deutschland bin ich dafür Tutorin), war ich während meines Praktikums für alle Ultraschalluntersuchungen in diesem Bereich zuständig. An ruhigeren Nachmittagen habe ich mich dann oft mit den Ärzten hingesetzt, um ihnen einige Kenntnisse zu vermitteln.

 

Sprache

Dadurch, dass ich dieses Mal gleich zu Beginn ziemlich sicher mit der französischen Sprache war, konnte ich nun den Schwerpunkt eher auf das Erlernen von Kinyarwanda legen. So lernte ich die Begriffe für die verschiedenen Probleme und Schmerzen zu verstehen und teilweise abzufragen, ich konnte den Patienten Anweisungen für die Untersuchung geben und sogar mit den Frauen in der Maternité kurze Gespräche führen, um die für die Gynäkologie wichtigsten Dinge abzufragen. Jedoch fällt mir das Alltagskinyarwanda noch sehr schwer, aber daran kann ich ja bei einem weiteren Aufenthalt arbeiten.

 

Freizeit

Dieses Mal hatte ich sogar die Gelegenheit Ruanda ein wenig zu bereisen. So fuhr ich für einen Tag nach Akagera, den hiesigen Nationalpark, wo ich Giraffen, Antilopen, Paviane, Flusspferde und einen Elefanten bestaunen konnte.

Zusätzlich verbrachte ich ein Wochenende in Gisenyi, der Grenzstadt zur Demokratischen Republik Kongo (Democratic Republic of Congo, DRC), die wunderschön am Lake Kivu gelegen ist. Dort kann man wunderbar am Strand entlang spazieren gehen oder abends in einem der vielen Restaurants lecker essen und den Seeblick genießen. Man muss sich auch keine Sorgen machen, von den Konflikten aus Goma (DRC) bekommt man da nichts mit.

In Kirinda selbst wurde das Repertoir der Freizeitbeschäftigung, das bisher aus Fußball spielen und gucken und Tischtennis spielen bestand, um eine Variante von "Mensch ärger dich nicht" erweitert.
An einem Sonntag habe ich mir sogar von einer Friseurin die Haare machen lassen: überredet hatten mich die Frauen im Dorf, das Ergebnis konnte sich nach über sieben Stunden geduldigem Sitzen gut sehen lassen:

 

Aline nach ihrem Friseurbesuch mit afrikanischer Frisur

 

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass diese sieben Wochen erneut wie im Fluge vergingen und es wieder eine absolut tolle, lehrreiche Zeit für mich war. Es war schön zu sehen, dass, obwohl ich mich beim letzten Mal noch so durchsetzen musste, mir jetzt die Ärzte sogar den Vortritt vor anderen Ärzten gelassen haben, die erst kürzere Zeit im Krankenhaus waren. An dieselben Orte zurückzukehren hat eben doch seine Vorteile.

Die Ärzte würden sich sehr über neue Praktikanten freuen! Wer also neugierig auf Kirinda geworden ist, kann sich gerne an mich wenden und ich würde euch die Kontaktdaten geben.

 

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