• Bericht
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  • Tania Urso
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  • 23.10.2007

Orthopädie- und Chirurgie-Famulatur

Seit Längerem schon spiele ich mit dem Gedanken nach meinem Studium das AT - also das allmän-tjänst, eine Art Arzt im Praktikum - in Schweden zu absolvieren. Somit wurde es höchste Zeit, dass ich mir durch eine Famulatur selbst ein Bild von dieser Turnus-Alternative machte. Also bewarb ich mich. Das Fach war für mich Nebensache. Mir war nur wichtig, dass ich einen Famulaturplatz in Schweden finde.

Vorbereitungen

Die Vorbereitungen begannen vor etwa einem Jahr. Ich suchte über das Internet Krankenhausadressen, belegte einen Schwedischkurs und verschickte Bewerbungen via E-Mail. Schließlich erhielt ich drei Zusagen und nach einigen weiteren Mails beschloss ich,
für einen Monat Orthopädie in Motala sowie für einen Monat Chirurgie in Sundsvall zuzusagen.

Anreise und Unterkunft

Die Reise nach Schweden erfolgte mit dem Flugzeug, anschließend ging es mit dem Bus weiter nach Motala. Meine Flüge habe ich über das Internet gebucht, geflogen bin ich mit der Fluggesellschaft SAS.

Zwar musste ich meine Unterbringung selbst bezahlen, allerdings waren mir beide Krankenhäuser sehr behilflich bei der Suche nach einem geeigneten Zimmer.

Orthopädiefamulatur in Motala

Motala liegt im westlichen Östergötland, wo der Göta Kanal in den Vättern, den zweitgrößten See Schwedens, mündet.

Mein Tag begann um 7:30 mit der Röntgenbesprechung, anschließend ging es dann gleich zur Fika, also zur Kaffeepause, die an keinem Tag fehlen durfte. Hier wurde in gemütlicher Runde über Medizinisches, aber auch über Nichtmedizinisches gesprochen. Gegen 8:45 verteilten sich dann alle in die Bereiche, denen Sie zugeteilt waren.

Die meiste Zeit verbrachte ich in der orthopädischen Notaufnahme da ich dort meiner Ansicht nach am meisten lernen konnte. Anfangs war es für mich recht schwierig die Patienten zu verstehen, doch das ging von Tag zu Tag besser. Außerdem sprechen fast alle Angestellten und Patienten Englisch, teilweise sogar Deutsch, sodass ich, wenn ich mit Schwedisch nicht weiterkam, auf diese Sprachen zurückgreifen konnte.

In der Notaufnahme gab es vor allem Brüche, Verstauchungen, Meniskusprobleme und Rückenbeschwerden zu behandeln. Nach kurzer Eingewöhnungsphase durfte ich selbst Patienten aufnehmen, Verdachtsdiagnosen stellen und Therapievorschläge machen, die dann natürlich ärztlicherseits kontrolliert und abgesegnet wurden.

Neben der Arbeit in der Notaufnahme gab es die Möglichkeit im OP zu assistieren, mit einem Arzt in der Ambulanz zu arbeiten oder einen Blick auf die Station zu werfen. Da auf der Station die Krankenschwestern für das Blutabnehmen, die Zugänge und die Infusionen zuständig sind, ist es dort eher ruhig. Nach der Morgenbesprechung und der nachfolgenden Visite mit anschließendem Erledigen des Papierkrams war dann meist Zeit in die Notaufnahme zu gehen und bei Operationen zu assistieren oder zuzusehen.

 

Alle Fotos von Tania Urso

 

An Operationen gab es in Motala nur Hüft- und Knie-Operationen, da die anderen Eingriffe im benachbarten Linköping erfolgen, die wiederum keine Hüften und Knie operieren.

Insgesamt herrschte im Lasarett Motala eine recht entspannte Atmosphäre und die Ärzte waren sehr nett und informationsfreudig. Auch wenn es sich um ein relativ kleines Krankenhaus handelt und ich insbesondere durch die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus in Linköping nicht das ganze Spektrum der Orthopädie kennen lernen konnte, hat es mir großen Spaß gemacht und ich habe sehr viel gelernt.

Meine Tage endeten meist um 17:00, wobei es auch die Möglichkeit gab länger zu bleiben oder mit dem diensthabenden Arzt Nachtdienste zu machen. Freitags endet der Dienst normalerweise bereits um 12:30 Uhr.

Motala ist eine relativ kleine Stadt, doch durch die Lage am Vätternsee und am Göta Kanal kann man sehr viele schöne Ausflüge machen. Außerdem gibt es einen sehr schönen Sandstrand und das größte Binnenseebad Nordeuropas.

Zwischenstopp in Stockholm und Weiterfahrt nach Sundsvall

Nach den 4 Wochen in Motala verbrachte ich eine Urlaubswoche in Stockholm, bevor es mit dem Bus weiter nach Sundsvall ging.

Sundsvall ist eine Hafenstadt an der Ostsee die in der Provinz Västernorrland liegt und laut Homepage des Touristenbüros bei der Zahl der Sommersonnenstunden in Schweden an der Spitze liegt. Dort erlebte ich dann auch meine wärmsten Tage mit 29 Grad und kam nicht nur im Krankenhaus ins Schwitzen.

Im Vergleich zu Motala ist Sundsvall eine viel größere Stadt mit einer eigenen Universität und einem recht großen Krankenhaus, das alle Fachrichtungen abdeckt.

Chirugiefamulatur in Sundsvall

Auch in Sundsvall verbrachte ich die meiste Zeit in der Notaufnahme. Da ich zu diesem Zeitpunkt mit der Sprache schon ganz gut zurecht kam, durfte beziehungsweise musste ich hier sogar Papierkram erledigen. Daneben gab es auch "Näharbeit" für mich. Ich durfte alle Wunden die reinkamen nähen und auch im Schockraum konnte ich gelegentlich mitarbeiten.

 

 

 

Neben der Notaufnahme gab es natürlich auch wieder die Möglichkeit in den OP zu gehen oder auf der Station an den Besprechungen und der Visite teilzunehmen. Den Ambulanzbetrieb habe ich in Sundsvall nicht kennen gelernt, aber ich bin mir sicher, dass auch das möglich gewesen wäre. Ich konnte mich frei im Krankenhaus bewegen, hatte meinen eigenen Piepser und war somit immer erreichbar wenn es irgendwo was Interessantes für mich zu sehen gab.

 

 

Zu sehen gab es im OP vor allem Cholezystektomien und Appendektomien, in der Notaufnahme Gallensteine, Nierensteine, Blasenentzündungen, Gastritis, Rissquetschwunden und viele Verkehrsunfallpatienten, von leicht bis lebensbedrohlich verletzt.

Die Tage begannen hier um 7:30 mit der Chirurgie-Besprechung, um 7:45 ging es dann zur Röntgenbesprechung und danach durfte ich mir aussuchen wo ich den Tag verbringen wollte. Schluss war um 16:30, freitags schon um 13:00.

Auch in Sundsvall habe ich einiges gelernt, vor allem das Nähen, und auch hier durfte die "Fika" natürlich nicht fehlen.

Fazit

Ich habe sehr viel gelernt bei diesen beiden Famulaturen in Schweden. Die Untersuchung von Patienten ist zur Routine geworden, das Nähen konnte ich endlich mal am Patienten üben und auch sprachlich habe ich sehr viel dazugelernt.

Interessant wäre noch für mich, außerhalb der Urlaubszeit in Schweden zu famulieren. Im Sommer läuft doch alles eher ruhiger, viele Ärzte sind im Urlaub, oft arbeiten Medizinstudenten als Vikariat Underläkare (Vertretung) und es ist alles ein bisschen gemütlicher.

Verblüfft hat mich vor allem die lockere Atmosphäre, sowohl innerhalb des Personals, als auch zwischen dem Personal und den Patienten. Das "Du" ist obligatorisch, genauso wie die gemeinsame "Fika" und der "Lunch". Allerdings habe ich das Gefühl, dass man trotz dieser Lockerheit viel respektvoller miteinander umgeht als in Deutschland.

Eine Umstellung stellte für mich dar, dass die Patienten, unabhängig von ihrem Alter, mit Vornamen angesprochen wurden. Doch durch die lockere Atmosphäre habe ich mich schnell daran gewöhnt. Schwieriger war die erneute Umstellung in Österreich. Kaum zurückgekehrt begrüßte ich versehentlich einen Patienten mit Vornamen, was mir gleich ein paar böse Blicke von einem Arzt einbrachte.

Nicht nur deswegen sehne ich mich zurück nach Schweden. Das Studieren im starren österreichischen System fällt mir nach meinem Aufenthalt in Schweden sehr schwer und nach diesem Sommer weiß ich sicher:

Ich will das AT in Schweden machen!

Tipps und Adressen:

In den Touristenbüros findet man sehr hilfreiche Informationen über die jeweilige Gegend. Meist werden Stadtpläne und Infomaterial auch per Post zugeschickt:

http://www.sverigeturism.se/tuinfo

Eine Seite mit einer Auflistung der Homepages der Gemeinden in Schweden:

http://www.infoschweden.de/infos/links.htm

Linksammlung von schwedischen Krankenhäusern:

http://www.inetmedia.nu/halsa/sjukhus.shtml

Homepage der schwedischen Fluggesellschaft SAS:

http://www.flysas.com/en/at

 

 

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