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  • Max Pietschmann
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  • 12.06.2020

Famulatur im Spital Dornbach

Max hatte über die Schweizer Spitäler schon so viel Gutes gehört, dass er selbst einmal Klinikluft schnuppern wollte. Hier erzählt er, ob sich sein Aufenhalt im Spital Dornbach gelohnt hat.

 

Auch ich wollte unbedingt eine Famulatur in der Schweiz wagen. Von allen Seiten hörte ich so viel Gutes und damit ist nicht nur die Bezahlung im PJ gemeint. Viele Menschen, denen ich die letzten Jahre begegnet bin, schwärmten von einer besseren Lehre und meistens der besten Famulatur ihres Studentendaseins. Da wollte ich mich vergewissern, ob das auch so stimmt. Daher habe ich mich 2 Jahre im Voraus beworben für das Spital Dornach in der Schweiz. Dornach liegt sehr nah an Basel – ich wollte in meiner freien Zeit gerne reisen und das bietet sich besonders im Länderdreieck an. Somit war ich am Ende in Zürich, Freiburg, Straßburg und ein Wochenende Skifahren in Grindelwald/Wengen. Also ja ich habe jede freie Minute gut genutzt.

Nun zu Krankenhaus: Beworben habe ich mich bei Frau Ilka Brandt, die findet man auf der Website vom Spital Dornach. Gewählt habe ich dieses Krankenhaus auch aufgrund der positiven Bewertung auf Famulaturranking.de. Die Bewerbung verlief reibungslos, ich musste lediglich meinen CV und einen Zweizeiler für die Anrede einreichen.

Im Krankenhaus habe ich dann auf Station B gearbeitet, dort befinden sich Patienten aus dem Gebiet der gesamten Inneren Medizin. Die Station habe ich gewählt, um möglichst das gesamte Spektrum an Krankheiten in der Inneren Medizin einmal kennen zu lernen.
Das Spital Dornach ist ein recht kleines Haus mit wenigen Abteilungen – so gab es neben der Notaufnahme und einem OP noch einige Tageskliniken. Die „großen“ Fälle wurden meist nach Basel in das Universitätsspital geschickt. Dort arbeiten sowohl Famulanten als auch PJler als Unterassistenten.

Der Tagesablauf lief sehr geregelt und reibungslos: morgens um 8 Uhr mussten wir im Assistentenzimmer sein, um 8:15 Uhr gab es den Morgenrapport, wo die neu aufgenommenen Fälle besprochen wurden. Meistens ging es danach noch für 15 Minuten in die Cafeteria, wo sowohl die Chefs als auch die Assistenzen alle zusammen in familiärer Atmosphäre ein Café zusammen tranken, bevor der Arbeitstag losging. Ab ca. 9 Uhr startete dann die Visite – 2 Mal die Woche mit einem Obersatz zusammen, einmal mit dem Chefarzt. Dr. Droll, der Chef der Inneren Medizin, hat ein beeindruckendes Wissen in jedem Bereich der Inneren Medizin und hat mich durch sein Detailwissen immer wieder zum Staunen gebracht. Als Unterassistenz begleitet man meistens einen Assistenten auf der Visite und protokolliert die Befunde, den Patientenstatus und das weitere Procedere. Diese geht meistens bis in den späten Mittag. Mittags gibt es zudem noch einen Röntenrapport, wo die gemachten Bilder in großer Runde mit den Radiologen zusammen ausgewertet werden. Auch hier kann man als Student das ein oder andere mitnehmen.

Gegen Nachmittag nach der Visite geht es wieder ins Büro der Assistenten. Man dokumentiert und als Unterassistent ruft man viel Hausärzte an und fragt nach Diagnose- oder Medikamentenlisten. Neben diesen Tätigkeiten machen wir Unterassitenten noch aBGAs, PNP Screenings, MOCA- und MMS Tests und weitere Tätigkeiten, die akut anfallen. Die Blutentnahme beispielsweise fällt aber in den Aufgabenbereich der Pflege in der Schweiz – somit kann man sich mehr auf das „Medizinische“ konzentrieren.

Ein normaler Arbeitstag endete zwischen 17 und 18 Uhr, was okay war, weil es nicht viel zu machen gab in dem verschlafenen Örtchen Dornach. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Freiheiten, die ich während der Arbeit hatte. Wenn ich eine Diagnoseliste anfertigen sollte, konnte ich mich parallel nochmal in die Materie einlesen und somit lernen.

Zum Thema lernen: Jede Woche gab es für die Belegschaft eine Fortbildung mit einem darauffolgenden gemeinsamen Abendbuffet – das man in der Schweiz dankbar annimmt.

Gewohnt habe ich im Personalhaus, einem direkt nebenan gelegenen Hause mit all den anderen PJlern und Famulanten. Die Einrichtung war deutlich luxuriöser als ein Studentenwohnheim und die Kosten werden für Famulanten komplett gedeckt. Dort wohnte ich Mietfrei und sparte so für den Monat 320 CHF und eine Endreinigung von 100CHF. Außerdem wurde meine Verpflegung gedeckt, also musste ich mittags nicht für ca. 10 CHF essen und auch morgens gab es einen Kaffee mit Beilage gratis. Auf der anderen Seite habe ich kein Geld direkt verdient. PJler bekommen, soweit ich weiß, 1900 CHF. Davon werden Wohnkosten abgezogen und bei den Lebensmittelkosten landet man vielleicht bei 500 CHF im Monat.

Es ist sicher sinnvoll mit dem eigenen Auto anzureisen, somit kann man günstiger reisen (ein Ticket in das 10 min entfernte Basel kostet 5 CHF) und auch einkaufen in Deutschland, was ca. 20 min entfernt liegt. Angereist bin ich mit dem Flieger direkt aus meinem Erasmusaufenthalt aus Sevilla und abgereist bin ich mit dem Zug, was über Basel sehr gut und günstig geht.  

Generell war ich beeindruckt wie organisiert die Schweizer sind. An meinem ersten Arbeitstag war ich 5 Minuten nach meiner Ankunft komplett eingekleidet, hatte alle Schlüssel und schon eine Karte mit einem Foto von mir, wie auch mein eigenes Telefon. Auch zum System KIS hatte ich direkt einen Anmelde-Login und mein eigenes E-Mail-Postfach. Ich habe mich deutlich besser integriert und vor allem respektiert gefühlt, als bisher in deutschen Krankenhäusern.

Sprachtechnisch habe ich die Situation ein wenig falsch eingeschätzt. Tatsächlich sind die Schweizer vor allem die ersten Tage echt schwer zu verstehen und man braucht ein wenig, um sich „reinzuhören“. Aber auf der anderen Seite arbeiten vor allem grenznah viele Deutsche, sodass man mögliche Barrieren gut umgehen kann.

Wie gesagt, habe ich mich ein wenig in dem schönen Land umgesehen und das meist mit BlablaCar oder dem Flixbus – wer aber ein Auto hat, sollte dieses vor Ort unbedingt nutzen. Außerdem rate ich jedem, um Februar März herum die Famulatur zu machen. Dann nämlich findet die berühmte Baseler Fastnacht statt, die das Hauptthema aller Gespräche die Wochen davor ist. Mir persönlich war die Tradition neu und ich hätte sie gerne kennengelernt, wenn nicht das Corona Virus uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Bisher war diese Famulatur meine lehrreichste und ich kann diese gut weiterempfehlen. Vor allem als PJler kann man sich als Unterassistent gut was dazu verdienen und parallel viel lernen. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass wir Unterassistenten auch viel „Sekretärarbeit“ machen mussten. Natürlich hat das weniger Spaß gemacht, aber zumindest war man Teil des Teams und wurde wertend und nicht als billige Arbeitskraft angesehen. Außerdem kann man mal in der Notaufnahme einige Tage verbringen, wo man auch die gesamte Aufnahme der Patienten machen darf und diese danach dem zuständigen Arzt übergeben muss. Dazu kann man zu onkologischen oder hämatologischen Sprechstunden gehen und dort die ein oder andere Krankheit noch besser kennenlernen. Insgesamt hat mir dieser Monat sehr gut gefallen.

Wenn Ihr Interesse habt, meldet euch doch gerne im Spital bei Ilka.Brandt@spital.so.ch

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