• Bericht
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  • Hanna Remde
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  • 03.01.2014
  • Genfer See - Foto: Hanna Remde

    Blick auf den winterlichen Genfer See

     
  • Ouchy, der Hafen von Lausanne - Foto: Hanna Remde

    Ouchy, der Hafen von Lausanne

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Pflegepraktikum in Lausanne

Warum nur für eine Famulatur ins Ausland? Hanna nutzte ihr Pflegepraktikum um in der Schweiz einen Einblick in ein fremdes Gesundheitssystem zu bekommen.

Persönliche Motivation

Das Pflegepraktikum zählt sicher nicht zu den beliebtesten im Medizinstudium und nachdem ich den ersten Monat in Deutschland absolviert hatte, beschloss ich, dass ich mehr lernen wollte, als Betten machen und Blutdruck messen. Ein Pflegepraktikum im Ausland schien mir eine tolle Möglichkeit meine Verpflichtung mit der Vertiefung meiner Sprachkenntnisse und den Erfahrungen in einem fremden Gesundheitssystem zu kombinieren. Weil ich in meiner Schulzeit schon einmal in der französischen Schweiz war, begann ich dort nach einer passenden Klinik zu suchen.

 

Bewerbung

Ich bewarb mich in drei Kliniken in Lausanne. Da es in der Schweiz so etwas Ähnliches wie ein Pflegepraktikum gibt (stage propédeutique),gab es auf der Internetseite der Uniklinik eine explizite Ausschreibung der Praktikumsplätze (siehe unten). Dies war auch die einzige Klinik, die mir antwortete. Ich musste noch einige E-Mails schreiben und dort anrufen, bis ich eine endgültige Zusage hatte und wurde auch zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, was dann telefonisch stattfand. Wichtig zu wissen ist, dass die Praktika grundsätzlich am 1. des Monats beginnen. So sollte man auch seinen Wunschzeitraum angeben.

 

Formalitäten

Obwohl die Schweiz nicht zur EU zählt, braucht man kein spezielles Visum oder eine Arbeitserlaubnis. Für die Einreise genügt ein Personalausweis. An Versicherungen ist vor allem eine Auslandskrankenversicherung wichtig (der ADAC bietet eine günstige und zuverlässige an). Für die Klinik musste ich einen ganzen Stapel Formulare ausfüllen, außer einer Personalausweiskopie waren aber keine weiteren Dokumente nötig.

 

Vergütungen

Das Pflegepraktikum in der Schweiz wird bezahlt. Von den in der Ausschreibung genannten 800 CHF brutto wurden mir nachher netto ca. 750 CHF ausgezahlt. Weil ich kein Konto in der Schweiz habe, wurde das Geld Bar ausgezahlt, eine Überweisung auf mein deutsches Konto war nicht möglich.

 

Anreise

Ich bin mit easy-Jet von Berlin nach Genf geflogen. Von dort fahren regelmäßig Züge nach Lausanne. Vom Bahnhof kann man mit der Metro direkt zur Klinik fahren. Dort ist auch das Wohnheim. Wer im Wohnheim wohnt, sollte versuchen vor 16.00 Uhr anzureisen, wegen der Schlüsselübergabe.

 

Unterkunftsmöglichkeiten

Ich bin bei meiner Gastfamilie vom Schüleraustausch untergekommen, aber die Klinik bietet auch ein Wohnheim an (siehe Ausschreibung). Ein Zimmer dort kostet 400 CHF pro Monat. Dafür ist es aber auch direkt neben der Klinik und mit etwas Glück hat man ein Zimmer mit Blick auf den Genfer See.

 

Größe und Abteilungen des Krankenhauses

Das CHUV ist die Uniklinik von Lausanne und es gibt alle erdenklichen Stationen, viele heißen aber anders als bei uns, am besten man durchstöbert mal die Internetseite. Bei der Bewerbung kann man eine Wunschstation angeben. Ich war auf der Kardiologie und damit sehr zufrieden. Auf der Station gab es eine integrierte Wachstation, wo alle Patienten betreut werden, die zu fit für die Intensivstation, aber nicht fit genug für die Normalstation sind. Soweit ich das gesehen habe, gibt es das in den meisten Stationen. Die Stationen sind relativ klein, ca. 15 Betten auf der Normalstation und 12 auf der Wachstation, und sehr gut besetzt.

 

Erforderliche Sprachkenntnisse

Französischkenntnisse sind unerlässlich. Ohne wird man es sehr schwer haben. In der französischen Schweiz wird nur sehr ungern Deutsch gesprochen, auch wenn alle, die in der Schweiz zur Schule gegangen sind, es theoretisch können sollten. Auf der Station gab es ein sehr internationales Kollegium, aber alle sprachen Französisch. Auch die Kommunikation mit den Patienten lief ausschließlich auf Französisch ab.

 

Inhalte des Praktikums

Für alle Praktikanten, die mit mir gleichzeitig anfingen, gab es in den ersten drei Tagen des Praktikums eine Art Schulung. Wir wurden von vielen Seiten begrüßt, über Schweigepflicht und Hygiene belehrt, uns wurde gezeigt, wie man einen Patienten wäscht und wie man ein Krankenhausbett richtig macht. Man bereitete uns auch darauf vor, was uns emotional in den nächsten Wochen erwarten würde. Außerdem bekamen wir drei Sätze Kleidung und einen Spint in dem wir unsere Sachen einschließen konnten. Nach den ersten Tagen auf Station trafen wir uns noch einmal, um unsere ersten Erfahrungen auszutauschen und eventuelle Probleme zu besprechen. Von der Schulung war ich sehr begeistert, vor allem vor dem ersten Pflegepraktikum macht das sehr viel Sinn. Außerdem lernt man ganz nebenbei die anderen Praktikanten kennen, was besonders praktisch ist, wenn man allein in einer fremden Stadt ist.

Nach den drei Vorbereitungstagen begann der normale Alltag. Ich arbeitete eigentlich immer in der Frühschicht und nie am Wochenende (alles andere war aus organisatorischen Gründen nicht möglich). Eine Schicht dauerte von 7.00 bis 16.00 Uhr und es gab eine kurze Frühstückspause und eine längere Mittagspause. Jeden Morgen um 7.00 Uhr war Schichtwechsel und Übergabe. Ich wurde stets einer Pflegehelferin (keiner Krankenschwester) zur Seite gestellt und meine Aufgaben waren: Betten machen, Patienten beim Waschen helfen, Wäschesäcke leeren, Mittagessen abfragen, Essen austeilen, Blutproben ins Labor bringen, Blutkonserven abholen usw.

Vor allem in den ersten Tagen, war ich enttäuscht, wie wenig ich machen durfte. Blutdruck, Puls oder Temperatur messen waren alles Aufgaben der Schwestern. Ich war eher so etwas wie eine bessere Putzkraft. Die Tage waren lang und es gab selten viel zu tun. Aber nach einer Weile lernte ich, die „freie“ Zeit zu nutzen und mir von den sehr netten Kollegen verschiedene Dinge erklären zu lassen. Außerdem hatte ich das große Glück, dass der Stationsleiter mir einen Tag in der Radiologie und einen auf der Intensivstation organisierte. So konnte ich Herzkatheteruntersuchungen anschauen und verschiedenste Fälle auf der IT sehen. Ansonsten konnte ich auch Patienten zu verschiedenen anderen Untersuchungen begleiten (Transösphageale Herzsonografie, Perikardpunktion, EEG …) und habe in den vier Wochen doch viele Einblicke bekommen und eine ganze Menge gelernt.

 

Verpflegung

Für die Frühstückspause wird von der Klinik frisches Brot und jede Menge Aufstriche zur Verfügung gestellt. Mittags muss man sich eigentlich selbst etwas mitbringen oder in der Kantine essen gehen (8-9 CHF für das gleiche Essen, was die Patienten bekommen). Häufig haben mir aber die Pflegehelferinnen ein übrig gebliebenes Tablett vom Essenwagen zugeschoben.

 

Land/Kultur/Freizeit

Lausanne ist eine wunderschöne Stadt die viel zu bieten hat. Im Sommer ist da vor allem der Genfer See zu nennen und im Winter lohnt sich ein Wochenendausflug in die Berge. Mit einer Fähre kann man auch nach Frankreich (z.B. nach Evian) rüberfahren. Ich kann das Musée Olympique empfehlen und in der näheren Umgebung sind Montreux und das Chateau de Chillon noch ganz sehenswert. Im Sommer sollte man auch mal eine Wanderung durch die Weinberge machen. Außerdem sollte man sich ein echtes Schweizer Käsefondue genauso wenig entgehen lassen wie die wunderbaren Crêpes. Als Studentenstadt hat Lausanne auch einiges an Bars und Nachtleben zu bieten, die Preise haben sich allerdings gewaschen.

 

Geld

Geld kann man mit einer VISA Karte überall abheben, an den Bahnhöfen, in der Innenstadt und am Flughafen gibt es auch Wechselstuben. Grundsätzlich ist das Leben in der Schweiz ein ganzes Stück teurer als bei uns. Trotz Bezahlung, wird man nicht unbedingt ein Plus machen während des Praktikums.

 

Fazit

Das Pflegepraktikum in der Schweiz war eine tolle Erfahrung, die mir sehr geholfen hat meine Französischkenntnisse zu vertiefen und mir interessante klinische Einblicke geboten hat. Auch wenn meine Aufgaben nicht immer befriedigend waren, mochte ich die Interaktion mit den Patienten sehr und habe in diesen vier Wochen sehr viel gelernt. Außerdem habe ich viele nette Leute kennengelernt, die ich nicht missen möchte.

Kontakt

 

CHUV
Centre hospitalier universitaire vaudois
Rue du Bugnon 21
CH-1011 Lausanne, Vaud, Suisse
www.chuv.ch

Ausschreibung: http://www.chuv.ch/chuv-formations-stages-propedeutique-1011.pdfa

  

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