• Bericht
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  • Christina Hass
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  • 29.09.2017

PJ in der Chirurgie im Karapitiya Hospital in Galle

Christina hat ihr Chirurgie-Tertial in Sri Lanka verbracht. Hier berichtet sie über das Leben im Krankenhaus, kulturelle Gegebenheiten und hat wertvolle Tipps für dich parat.

© Christina Hass

Zum PJ nach Sri Lanka?

Sri Lanka, eine kleine Insel südöstlich von Indien, ist nur etwa so groß wie Bayern, bietet aber jede Menge kulturelle und landschaftlich reizvolle Orte und eine nette einheimische Bevölkerung. Die einzige von den Landesprüfungsämtern fürs PJ akzeptierte Universität ist die University of Ruhuna in Galle, 130 km südlich von der Hauptstadt Colombo gelegen. Das dazugehörige Krankenhaus nennt sich Karapitiya Teaching Hospital und befindet sich genau gegenüber der Universität. Besonders viele Studenten verbringen hier ihr Chirurgie Tertial, manche auch Gynäkologie, Anästhesie oder Innere Medizin. Galle ist eine sehr attraktive Stadt mit einem alten Fort am Meer und von Bade- und Surfstränden umgeben.

Bewerbung und Visum

Zu zweit haben wir uns ein Jahr im Voraus bei der Universität per Email beworben. Allerdings muss man sich nicht so früh bewerben, ungefähr zwei Monate vorher reichen auch aus. Nach ca. einem Monat erhielten wir eine positive Rückmeldung. Daraufhin überwiesen wir als Bestätigung pro Person eine Gebühr von 25 US-Dollar und bekamen einen offiziellen Bestätigungsbrief per Email. Diese Überweisung kann je nach Bankinstitut unterschiedlich viele Spesen verursachen, unbedingt vorher beim Bankinstitut nachfragen!

Für das Visum wird ein Residence Visum benötigt. Man muss sich nicht darum kümmern, die Universität sendet einen Monat vor Beginn des Tertials einen Einladungsbrief an die nächstgelegene Botschaft und per Email an uns. Damit geht man in die Botschaft/das Generalkonsulat (z.B. Frankfurt) und erhält innerhalb einer Stunde und mit 32 € Bearbeitungsgebühr ein anfängliches Visum für die Einreise und die ersten 30 Tage. Bevor dieses Visum ausläuft, erhält man vor Ort von der University of Ruhuna die Visumunterlagen (gezielt fragen!) und kann dieses in Colombo für die restliche Zeit verlängern lassen.

Anreise

Mein Flug ging mit Zwischenstopp nachts in Saudi Arabien (davon ist abzuraten), die meisten deutschen Studenten sind mit Emirates geflogen. Interessanterweise bekommt man kurz vorher noch sehr gute Angebote, viele spontan gebuchte Flüge waren billiger, als die im Voraus gebuchten. Am Flughafen in Colombo angekommen kommt man mit einem Taxi (15-20 Euro) oder Bus nach Colombo und von dort mit dem Zug (günstig und schöne Fahrt) oder Bus (schneller, über den Highway) nach Galle. 

Am Flughafen sieht man auch jede Menge Tuktuk (motorisierte Dreiräder mit Sitzbank für Mitfahrer hinten) umherfahren. Diese sind im Stadtverkehr unglaublich nützlich, kosten je nach Strecke wenige Euro, sind aber über den Highway für längere Strecken nicht zu empfehlen. Die meisten Leute sind freundlich und man sieht im Alltag keine Verbrechen oder Gewalt. Allerdings sind die Sri Lankaner gute Geschäftsleute und bieten ihre Dienste (Tuktuk, Wege zeigen, Straßenküche) zu sehr unterschiedlichen Preisen an. Tuktuk-Preise sollte man daher immer gut verhandeln.

Die Unterkunft

Nach der Bewerbung habe ich eine Email bekommen von Rohini (Sanron Home Stay) und Manjarie & Mahinda (Guesthouse Apex/Silent). Rohini hat sein Haus komplett umgebaut und alles ist schön neu. Es gibt einige Zimmer, die man sich zu zweit oder dritt teilt und Badezimmer, die sich mehrere Zimmer teilen. Es gibt eine gemeinsame Küche und Dachterasse mit schönem Ausblick (die Fotos stimmen aktuell nicht mehr). Dort sind immer einige ausländische Studenten und es ist viel los.
Bei Manjarie & Mahinda gibt es ein Gästehaus im Garten, den man durch ein eigenes Tor betritt mit 4 Zimmern (1-2 Personen) je mit eigenem Bad und gemeinsamer Küche. Der Platz ist sehr ruhig und die Klinik ist zu Fuß zu erreichen. Hier waren aktuell drei ausländische Studenten. AirBnB gibt es, ist aber für längere Aufenthalte teurer.

Im Krankenhaus

Am ersten Tag habe ich mich um 8:30 Uhr im Dean’s office in der Universität vorgestellt. Zusammen mit ungefähr 30 anderen Studenten wartet man auf eine Sekretärin, die die Namen auf einer List abgleicht, die Dauer abfragt und dann zur Zahlung der Studiengebühren für den Aufenthalt auffordert. Ich war für das 3. Tertial nach Galle gekommen und wollte alle meine Fehltage am Schluss nehmen. Demnach habe ich nur 12 Wochen bezahlt und die Bescheinigung dementsprechend ausgestellt bekommen. Die restliche Zeit gilt als Fehlzeit und wird vom Landesprüfungsamt so akzeptiert (vorher beim eigenen LPA nochmal erkundigen). Die Gebühr beträgt 50 US-Dollar pro Woche und kann in Sri Lankanischen Rupien (SLR), US-Dollar oder Euro in Cash bezahlt werden. Ich würde empfehlen Euro mitzubringen, die Umtauschrate war sehr gut.

Anschließend ruft die Sekretärin den für die ausländischen Studenten zuständigen Arzt aus dem Krankenhaus, der die Studenten mitnimmt und eine Einführung mit Rotationsplan gibt. Es sind jedoch auch Rotationen in andere chirurgische Fachgebiete möglich, zum Beispiel Orthopädie, Onkologische Chirurgie, Pädiatrische Chirurgie oder Neurochirurgie. Der Consultant der Allgemeinchirurgie ist über diese Zeit zuständig und man folgt seinem Wochenplan. Montags steht die Consultant ward round auf der male und female ward an (die Stationen sind hier offener gestaltet und daher geschlechtergetrennt), dienstags elektive Operationen, mittwochs die Emergency short stay ward (eine Art Zwischenstation für Notfälle) mit Notfallbereitschaft ab 14 Uhr, donnerstags Consultant ward round der Notfälle des Vortages und freitags eine Sprechstunde. Die Tage gehen selten lang, Mittwoch ist der einzige lange Tag mit Nachtdienst (freiwillig).

Aktuell streiken die einheimischen Studenten, da eine private Universität eingeführt werden soll und die Studenten um die Qualität der Lehre fürchten. Normalerweise wird die Visite von einigen Studenten begleitet, die anschließend zusammen Fälle nacharbeiten. Der Consultant nennt dies „short cases“ bestehend aus einer Anamnese, Untersuchung inklusive klinischen Tests und anschließender Verdachtsdiagnose. In Sri Lanka hält man große Stücke auf die körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren inklusive MRT sind aber auch verfügbar.

Das Gesundheitssystem in Sri Lanka ist staatlich. Es gibt keine Krankenversicherungen, sondern die Versorgung im Krankenhaus oder beim niedergelassenen Arzt ist für jeden kostenlos. Auch Medikamente sind kostenlos. Die Lebenserwartung liegt für Männer und Frauen deutlich über 70 Jahren. Damit ist das Gesundheitssystem verglichen mit anderen Schwellenländern im asiatischen Raum sehr fortschrittlich.
In der Klinik selbst gibt es 1600 Betten und 5 chirurgische Stationen. Die Stationen haben keine Zimmer, sondern sind offen gestaltet und durch schulterhohe Wände abgeschirmt. Die Betreuung erfolgt durch einen jüngeren Arzt genannt House officer.

Im OP gibt es einige Unterschiede, die auf eingeschränkte Verfügbarkeit von Verbrauchsmaterialien zurückzuführen sind: Getragen wird grüne Klinikkleidung und OP-Schuhe/Gummistiefel. Die Plätze für die Einleitung sind nicht durch getrennt Türen verschlossen, sondern es gibt kleine Buchten neben den OP-Sälen. Als OP-Kittel werden waschbare Kittel verwendet und die sterilen Abdecktücher sind auch aus Stoff. Sterile Handschuhe gibt es, sie werden meist doppelt getragen. Sonst wird immer auf Sterilität geachtet und postoperative Wundinfektionen kommen selten vor. Die Patienten erhalten wenn indiziert antibiotische Abschirmung.

Eigene OP-Kleidung mitzubringen ist nicht erforderlich, Kittel und Stethoskop reichen völlig. Desinfektionsmittel ist eine gute Idee. In der Klinik trägt man nach britischem Vorbild schicke Kleidung (keine Jeans) und für Männer ein Hemd. Frauen sollten immer die Schultern einigermaßen bedecken und knielange Röcke oder lange Hosen tragen. Insgesamt fand ich den Standard für ein Schwellenland sehr hoch. Als Consultant kann auch nur jemand arbeiten, der mindestens 2 Jahre in England, USA oder Australien gearbeitet hat.

© Christina Hass

Land und Leute

Das Land zu bereisen ist wunderschön, speziell für Zugfahrten ist Sri Lanka berühmt. Allerdings braucht man für die meisten Strecken deutlich länger als gedacht. Die Menschen sind freundlich, die Kinder freuen sich meist sehr, weiße Menschen zu sehen, auch wenn sie es gewohnt sind. Sie freuen sich außerdem riesig über Kleinigkeiten wie z.B. Kugelschreiber.

Es herrscht ein Unterschied zwischen Männern und Frauen: Wenn z.B. in einer Gruppe Studenten ein Mann dabei ist, wird dieser lieber angesprochen. Einheimische Frauen scheinen üblicherweise keine Geschäfte abzuwickeln. Reisen für ausländische Frauen ist recht problemlos möglich. Allerdings sollte man eine natürliche Vorsicht walten lassen: Auch in Sri Lanka kommen sexuelle Übergriffe vor.

Wer gerne surft, kommt im Süden und Osten auf seine Kosten. Nationalparks gibt es viele, hier sollte man die Internetseite besuchen und schauen, ob der Park offen ist oder besucht werden kann. Essen gibt es in den Straßenküchen (günstig) oder etwas touristischer am Strand (ausgefallener und mit schöner Atmosphäre). Sonst bekommt man vieles in den Supermärkten oder Straßenläden. Wer ein Fortbewegungsmittel sucht, kann entweder Bus oder Tuktuk fahren oder sich einen Roller mieten.

Tipps

  • Auslandsreisekrankenversicherung und Haftpflichtversicherung (beruflich/privat) überprüfen oder abschließen
  • Impfberatung und Impfung: Standardimpfungen, Hepatitis A, Tollwut (es gibt es viele streunende Hund und Katzen), Japanische Enzephalitis, Cholera?, Typhus?
  • Mückenspray ausreichend mitbringen: die meisten haben Nobite dabei (in Galle kann man keinen Mückenschutz kaufen!), pro Person pro 2 Wochen 1 Flasche (speziell in den Krankenhäusern gibt es Dengue!)
  • Regenschutz wie Regenschirm oder -jacke, besonders in der Regenzeit
  • Wer gern Kaffee trinkt: Es gibt nur Instantkaffee oder Pulver zu kaufen, keine Filter oder Maschinen. Entweder eine Cafetiera oder Kaffeefilter mit Aufsatz mitbringen.
  • Passfotos (2) für Visumverlängerung
  • Papiere für die PJ-Bescheinigung ausgedruckt mitbringen

 

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