• Bericht
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  • Marisa Kurz
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  • 25.06.2018

Famulatur am Siriraj Hospital in Bangkok

Marisa hat im März/April einen Monat am Siriraj Hospital in Bangkok famuliert. Hier berichtet sie über die thailändische Metropole und ihre Erfahrungen im Krankenhaus.

Marisa und ihre Kollegen im Siriraj Hospital in Bangkok. © Marisa Kurz

Bewerbung

Da ich auf der Website des Klinikums keine Bewerbungsfrist finden konnte, habe ich mich Anfang August 2017 einfach direkt per E-Mail an das International Office gewandt und nachgefragt, ob ich mich für März 2018 bewerben kann. Ich hatte den Bewerbungsschluss gerade knapp verpasst, meine Bewerbung wurde aber noch akzeptiert. Es schadet also nicht, sich früh zu bewerben.

Für die Bewerbung musste ich ein Bewerbungsformular ausfüllen, meinen Lebenslauf und ein kurzes Motivationsschreiben schicken. Außerdem wurde ein Empfehlungsschreiben von meiner Fakultät verlangt. Das ist üblich bei Auslandsfamulaturen und deine Uni sollte das schon vorbereitet haben. In der Bewerbung konnte ich drei Wunsch-Departments angeben. Meine erste Priorität, das Department für Infektionskrankheiten, war leider schon voll, so dass ich meine zweite und dritte Priorität - das Department of Respiratory Diseases and Tuberculosis sowie das Department of Hematology - bekommen habe.

Unterkunft

Das International Office hat mir vor meiner Famulatur eine Liste mit Apartmentanlagen zukommen lassen, die in der Nähe des Krankenhauses liegen. Ich habe mich für die Baansuanprannok Residence entschieden, die etwa 15 Gehminuten vom Krankenhaus entfernt ist. Die Anlage ist wahnsinnig gepflegt und hat einen sehr schönen Pool, außerdem ist das Personal sehr nett und hilfsbereit. Ich habe für fünf Wochen Miete inklusive Strom, Wasser und Wifi am Ende 18.000 Baht (knapp 500 Euro) gezahlt. Weil es mir morgens meistens zu heiß zum Laufen war, habe ich oft ein Sammel-Tuk Tuk (7 Baht/ca. 20 Cent) oder ein Taxi (80 Baht/ca. zwei Euro) zum Krankenhaus genommen.

Die Unterkunft mit Pool. © Marisa Kurz

Das Krankenhaus

Das Siriraj Hospital in Bangkok ist das älteste, größte und bekannteste öffentliche Krankenhaus in Thailand. Nicht umsonst hat sich der letzte thailändische König Bhumibol dort behandeln lassen. Wer das authentische Thailand erleben will, ist am Siriraj Hospital genau richtig. Im Gegensatz zu den luxuriösen Privatkrankenhäusern der Stadt werden an dem öffentlichen Krankenhaus nicht Medizintouristen, sondern Einheimische behandelt. Auch die Ärzte stammen zum größten Teil aus Thailand. Das Krankenhaus liegt außerdem in einem Viertel, in das sich nur selten Touristen verirren.

Der medizinische Standard am Krankenhaus ist sehr gut, vor allem sind die Ärzte fachlich sehr kompetent und wissen wahnsinnig viel. Unterschiede zu Deutschland werden allerdings bei Ausstattung und Hygiene sichtbar. So gibt es im Krankenhaus etwa große Patientenzimmer mit 18 Betten, in denen auch Patienten mit multiresistenten Keimen nebeneinander liegen. Auch werden manch teure Diagnostik- und Therapieverfahren, die in Deutschland ganz selbstverständlich sind, aus Kostengründen oder aufgrund mangelnder Ressourcen nicht angewendet. Allerdings gibt es am Siriraj Hospital deutlich mehr Pflegepersonal, als ich es aus deutschen Kliniken kenne.

Die Famulatur

Zwei Wochen meiner 30-tägigen Famulatur habe ich im Department für Atemwegserkrankungen und Tuberkulose verbracht, den Rest der Zeit im Department für Hämatologie. Anders als in Deutschland ist die Hämatologie in Thailand vollständig von der Onkologie getrennt. In beiden Departments habe ich einen Stundenplan bekommen und bin durch die jeweilige Klinik rotiert. Ich bin bei Visiten mitgelaufen, habe Allgemein- und Spezialambulanzen (z. B. Asthma, COPD, Schlafapnoe, Thalassämie, Stammzelltransplantation, Gerinnungsstörungen) sowie Fallbesprechungen und Konferenzen besucht.

Besonders gut hat mir gefallen, dass ich während der Famulatur viele Patienten mit Erkrankungen gesehen habe, die in Deutschland selten vorkommen. Es gab viele Fälle von Tuberkulose, aber auch von Thalassämie und AIDS. Während meiner Zeit im Department für Hämatologie hat erfreulicherweise eine Konferenz mit Rednern vom renommierten MD Anderson Cancer Center aus Texas stattgefunden, die ich besuchen durfte. Ich habe die Famulatur über, wie es bei vielen Auslandsfamulaturen üblich ist, „nur“ zugeschaut. Gegen 8 Uhr morgens sollte ich da sein und bin unterschiedlich lange geblieben. An manchen Tagen war ich bis abends im Krankenhaus, an einigen durfte ich aber auch schon mittags gehen.

Die thailändischen Ärzte waren wahnsinnig nett zu mir und haben mich mittags zum Essen auf den naheliegenden Markt mitgenommen und mir beim Bestellen geholfen – niemand in dem Viertel spricht Englisch. Außerdem wurde ich in beiden Departments zum Essen mit den Kollegen eingeladen, was wirklich sehr schön war. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Auch das International Office hat sich sehr gut um mich gekümmert. Als ich mich im Krankenhaus zahnärztlich behandeln lassen musste, hat mich eine der Mitarbeiterinnen persönlich hingebracht, alle Formalitäten für mich geregelt und mit mir gewartet.

Marisa und ihre Kollegen beim Essen. © Marisa Kurz

Wissenswertes und Sprache

Ich habe die Famulatur privat organisiert und bin alleine nach Bangkok gekommen. Ob man während der Famulatur andere internationale Studenten kennenlernt, hängt mehr oder weniger vom Zufall ab. Viele Studenten kommen wohl zu zweit für eine Famulatur. Ich habe eine Studentin vom King’s College in London und eine Gruppe Studenten von der UCLA kennengelernt.

Auch wenn die Ärzte gut Englisch sprechen, können sie natürlich nicht jede interne Besprechung, jede Konferenz und jedes Patientengespräch vollständig übersetzen. Vor der Famulatur muss dir also klar sein, dass durch die Sprache zwangsläufig Informationen verloren gehen und du oft nicht verstehst, worum es gerade geht. Dadurch entsteht auch viel Wartezeit, in der du nur rumsitzt. Manche Thailänder sind außerdem sehr schüchtern und sprechen von sich aus nicht so gerne Englisch, da muss man dann aktiv nachfragen. 

Teilweise hat es mir der starker Akzent schwer gemacht, die Thailänder zu verstehen. Da die Medizinstudenten in Thailand auf Englisch studieren, verwenden die Ärzte außerdem viele medizinische Abkürzungen, die in Deutschland nicht benutzt werden. Dein Englisch sollte also sehr gut sein, damit du unter diesen Bedingungen etwas mitnehmen kannst.

Außerdem sollte dir bewusst sein, dass du bei der Famulatur hauptsächlich zuschaust. Wenn du durch die Klinik rotierst, immer woanders bist und die Sprache nicht sprichst, kannst du natürlich keine Patienten behandeln. Die Ärzte haben mich aber immer wieder Patienten abhören und abtasten lassen, wenn es etwas Interessantes gab. In der Hämatologie konnte ich in Besprechungen außerdem viele Knochenmarksausstriche sehen.

Marisa hat auf der Station für Atemwegserkrankungen und Tuberkulose famuliert. © Marisa Kurz

Leben in Bangkok

Wie bereits erwähnt liegt das Krankenhaus in einer Gegend, in der keine Touristen sind. Die Anwohner sprechen kein Englisch und es gibt keine U-Bahn oder Skytrain (BTS), die zu Fuß erreichbar sind. Ich habe meistens ein Taxi zur nächstgelegenen BTS-Station Wong Wian Yai genommen, um in die Gegenden der Stadt zu kommen, in denen mehr los ist (Silom, Siam, Sukumvit etc.). Es ist sinnvoll, sich eine App wie Grab oder Uber zu installieren, um Taxis zu bestellen. Das erleichtert die Kommunikation sehr, weil die meisten Taxifahrer kein Englisch sprechen und nicht verstehen, wohin sie dich bringen sollen. 

Da das Krankenhaus direkt am Fluss liegt (toller Blick!), kann man auch vom Pier aus ein Boot nehmen. Die nächste BTS-Station, die man mit dem Boot erreichen kann, ist Saphan Taksin (Central Pier). Die Fahrt dorthin dauert eine halbe Stunde und kostet 15 Baht (nicht einmal 50 Cent). Die Aussicht ist der Wahnsinn und während der Bootsfahrt kommt man an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Allerdings muss man je nach Uhrzeit auch mal eine halbe Stunde auf ein Boot warten und einen Fahrplan gibt es nicht. Außerdem sind die Boote manchmal super voll und man muss die ganze Zeit stehen und kann nicht wirklich rausschauen.

Die Lage des Krankenhauses ist also wirklich nicht die beste. Von meinem Apartment aus habe ich immer mindestens eine Stunde in die Stadt gebraucht, um mich mit Leuten zu treffen. Dafür ist das Viertel sehr authentisch und es gibt viel Streetfood und lokale Märkte. Da ich alleine nach Bangkok gekommen bin, habe ich gleich bei meiner Ankunft verschiedene Facebook-Gruppen durchstöbert (Bangkok Expats, Bangkok international usw.) und einfach mal gepostet, ob jemand Lust hat, sich zu treffen. Das hat bei mir super geklappt, ich hatte sofort eine Hand voll netter Leute, mit denen ich immer etwas unternehmen konnte. 

Freizeit

Da ich davor schon zweimal in Thailand war, bin ich an den Wochenenden meistens in der Stadt geblieben. Aber natürlich bietet es sich an, an den Wochenenden herumzureisen. Ich bin einmal auf die Insel Koh Lan (bei Pattaya) und einmal nach Hua Hin gefahren. Das sind die nächsten Strände von Bangkok aus und in 2-3 Stunden mit dem Bus oder Minivan für etwa 5 Euro zu erreichen. Bangkok ist eine sehr chaotische Stadt, die auch sehr anstrengend sein kann. Vor allem der Verkehr und die ständigen Kommunikationsprobleme können es einem schwer machen. Überleg dir vorher also gut, ob du damit zurechtkommst.

Wichtige Adressen

Ansprechpartnerin: International Office, Miss Korboon Petchrueangrong
The Division of International Relations
Faculty of Medicine Siriraj Hospital
Mahidol University
Old OPD Building, 3rd Floor
Building #59, Siriraj Hospital
2 Wanglang Road, Bangkok-Noi
Bangkok, 10700 Thailand
Tel: 66-2-4199465-6
Fax: 66-2-418-1621
E-Mail: siiro@mahidol.ac.th oder irsiriraj@gmail.com
Website: http://www.si.mahidol.ac.th

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