• Bericht
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  • Florian Burkhart
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  • 29.03.2017

Krankenpflegepraktikum in Uganda

Von Juli bis September 2014 habe ich zwei Monate meines Krankenpflegepraktikums im Bududa General Hospital in Uganda verbracht. Was ich dort alles erlebt habe, erfahrt ihr in meinem Bericht.

Blick auf die Hänge des Mount Elgon. Zu sehen sind Kaffee- und Bananenplantagen. Foto: Florian Burkhart

Motivation

Bereits 2012 habe ich ein freiwilliges Jahr mit Weltwärts in Uganda verbracht, das mir sehr gut gefallen hat. Das Pflegepraktikum gab mir die Möglichkeit, noch einmal zurück zu kehren und neue Erfahrungen zu sammeln.

Bewerbung

Erfreulicherweise hatte ich bereits von früher Kontakt zum Manager des Krankenhauses, Mr. Amusa, dem Onkel einer Freundin. Die Bewerbung war dementsprechend formlos, ein kurzes Telefonat genügte und ich konnte anreisen. Bezahlen musste ich für das Praktikum nichts.

Unterkunft

Ich habe in Mbale bei einer Bekannten gewohnt und bin jeden Tag mit dem Sammeltaxi nach Bududa gependelt. Angesichts der Straßenverhältnisse (Lehmpiste) war das keine angenehme Übung, aber gut machbar. Für jemand, der lieber in einer größeren Stadt wohnen möchte, ist Pendeln sicher eine gute Option. Es gibt zwar ein Personalwohnheim in Bududa, ich persönlich würde aber ein privates Gästehaus in Bududa oder Mbale bevorzugen. In Mbale bietet sich das Gästehaus Casa del Turista an. Man bekommt dort Räume für 12 € pro Nacht. Die Menschen vor Ort sind sehr hilfsbereit und unterstützen gerne bei der Suche nach einer Unterkunft. Man kann meiner Meinung nach problemlos anreisen und sich auch erst später um eine Unterkunft kümmern.

Anreise

Von Deutschland gibt es keine Direktflüge nach Entebbe, Uganda. Umsteigeverbindungen gibt es beispielsweise mit Ethiopian Airlines ab Frankfurt, mit Turkish Airlines, Brussels, KLM, Qatar, Emirates oder Etihad. Die Kosten für Hin- und Rückflug betragen etwa 500-800€. Vom Flughafen in Entebbe geht es dann zunächst 40 km bis Kampala mit einem Sammeltaxi, von dort aus kann man einen Bus bis Mbale im Osten nehmen. Die Fahrt dauert je nach Verkehrslage 4-6 Stunden. Von Mbale aus dauert es noch eine knappe Stunde mit dem Sammeltaxi bis Bududa.

Es empfiehlt sich, eine Nacht zwischen Flug und Weiterreise einzuplanen, denn Reisen in Uganda ist anstrengend und die öffentlichen Verkehrsmittel absolut nicht mit Deutschland vergleichbar.
Übliche Transportmittel sind die Sammeltaxis, die sogenannten „Taxis/ Matatu‘s“. Es handelt sich um Toyota Minibusse, mit denen einfach alles transportiert wird: Menschen, Vieh, Handelswaren. Die Preise sind günstig, die Verkehrssicherheit gering. Für längere Strecken sollte man einen Bus nehmen. Es gibt meist keine festen Abfahrtzeiten, es geht los, sobald der Bus voll ist, was manchmal auch zwei Stunden dauern kann. Für kurze Strecken gibt es die Boda-Boda‘s, Motorradtaxis, mit denen ebenfalls alles transportiert wird. Den Fahrtpreis sollte man verhandeln.

Vorbereitungen

Eingereist bin ich mit einem gewöhnlichen Touristenvisum, das man am Flughafen Entebbe für 50 oder 100 US$ bekommt. Es wird empfohlen, das Visum bereits vorab online zu beantragen.
Offiziell muss man mit einem sogenannten Special-Pass Visum einreisen und dann in der Hauptstadt Kampala bei der Einwanderungsbehörde ein Arbeitsvisum beantragen. Da die ugandischen Behörden aber eher langsam sind und Korruption weit verbreitet ist, wäre das Arbeitsvisum höchstwahrscheinlich nicht vor Ablauf des Pflegepraktikums fertig gewesen. Deshalb habe ich darauf verzichtet und bin bei dem Touristenvisum geblieben. Das machte überhaupt nichts aus, es interessierte sich niemand bis zur Passkontrolle am Abflug für meinen Aufenthaltstitel.

Es empfiehlt sich, vorab eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Alle Gesundheitskosten müssen vor Ort in bar bezahlt werden. Stell sicher, dass die Krankenversicherung eine Rückholversicherung mit einschließt, denn selbst in der Hauptstadt Kampala gibt es nur 2-3 Krankenhäuser auf internationalem Standard, im Hinterland sieht es schlechter aus. Uganda ist Hochrisikogebiet für Malaria, man sollte sich beim Tropenmediziner über Malariaprophylaxe beraten lassen. Gegen Gelbfieber solltest du dich impfen lassen, Typhus, Cholera, Tollwut, Meningokokken und Hepatitis A kann man zudem machen.

Murchison-Nationalpark - Foto: Florian Burkhart

Das Krankenhaus

Das Bududa General Hospital ist ein staatliches Krankenhaus mit offiziell 100 Betten. Tatsächlich ist die Belegung aber oft wesentlich höher. Das Krankenhaus ist ein Lehrkrankenhaus der Busitema Universität und beherbergt regelmäßig in- und ausländische Studenten. Es gibt folgende Fachabteilungen: Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie, Zahnmedizin, Infektionskrankheiten und eine Apotheke.

Als staatliches Krankenhaus in einer abgelegenen Region fehlt es im Bududa-Hospital oft an ganz gewöhnlichen Dingen wie zum Beispiel Desinfektionsmittel. Noch schlechter sieht meist die Ausstattung der Apotheke aus. Vor einigen Jahren wurde das Out-Patient-Department (OPD – Ambulanz) neu konstruiert und teilweise moderne Medizintechnik eingeführt, die aber leider wegen der vielen Stromausfälle die meiste Zeit nicht in Betrieb ist. Auch ein relativ neuer OP-Trakt mit zwei OP-Sälen wurde errichtet.

Es gibt je eine Ward (Station) für Männer, Frauen, Kinder und eine Wöchnerinnenstation. Unabhängig vom Krankheitsbild liegen Patienten mit Meningitis, Tuberkulose und Frakturen auf derselben Station. Die Patienten schlafen in einem großen Saal auf selbst mitgebrachten Matratzen und werden von Angehörigen versorgt. Auf jeder Station gibt es 2-3 Pflegekräfte und manchmal einen Medizinstudent. Im ganzen Krankenhaus gab es zu dieser Zeit nur drei Ärzte und vier sogenannte Clinical Officers. Clinical Officers haben nur vier Jahre studiert und sind ausgebildete Diagnostiker. Sie arbeiten in der Notaufnahme und können auch einige Standardeingriffe durchführen. Man musste also Glück haben, um während der Schicht einem Arzt zu begegnen.

Im Krankenhaus gibt es eine „Kantine“, dort werden landestypische Gerichte sehr günstig (30-80 Cent) angeboten. Dienstkleidung erhält man vom Krankenhaus keine, man muss seinen sauberen Kittel selbst mitbringen. Es ist wichtig, stets einen gepflegten und sauberen Eindruck zu machen, „Smartness“ ist in Uganda sehr wichtig und wird von einem künftigen Arzt auch erwartet.

Tagesablauf in der Klinik

Für die Schwestern und Pfleger beginnt der Dienst offiziell um 6:00 Uhr morgens. Da ich jeden Tag gependelt bin, kam ich meistens um 8:00 Uhr im Krankenhaus an. Das war kein Problem, denn vorher lief recht wenig. Ich wurde einem Pfleger zugeteilt, dem ich folgen sollte, er heißt Paul und wir wurden in dieser Zeit enge Freunde und sind es noch heute. Es war vorgesehen, dass ich wöchentlich durch die Abteilungen rotiere, um überall einen Einblick zu gewinnen. Letztendlich habe ich die meiste Zeit in den Wards, im OP und auf der „Intensivstation“ verbracht. Ich war aber auch zwischenzeitlich im Labor und in der HIV-Clinic.

In der ersten Woche war ich auf der Womens-Ward eingeteilt. Dort liegen ca. 30-40 Frauen mit höchst unterschiedlichen Krankheitsbildern. Zunächst muss man sagen, dass die eigentliche Versorgung der Patienten von den Familienangehörigen übernommen wird. Tätigkeiten wie Bettwechsel oder Essen anreichen entfielen deshalb, was mir nicht unrecht war. Morgens stand die Pflegerische Visite an. Zunächst wurden die Akten gesichtet und die Medikamente angepasst, dann folgte die Runde.

Ich habe die Medikamente aufgezogen und verabreicht, Blutdruck gemessen und zusammen mit Paul eine kleine Anamnese bei jeder Patientin durchgeführt. Dann war es an der Zeit, die genesenen Patientinnen zu entlassen um Platz für die Neuaufnahmen nachmittags zu schaffen. Im Laufe des Tages standen immer einige Verbandswechsel an. Das schlimmste sah ich direkt an meinem ersten Tag: die Versorgung einer Patientin mit diabetischem Fuß, der bis auf die Knochen nekrotisch ulzeriert war. Die Patientin ist noch in der Nacht verstorben.

Nachmittags kamen dann immer die Neuaufnahmen. Meine Aufgabe war es, die Kanülen zu legen. Da ich zu dieser Zeit noch recht ungeübt war, war ich dabei wahnsinnig vorsichtig, da ein hoher Anteil der Patienten HIV positiv ist. Desinfektion? Fehlanzeige, ich habe in meiner ganzen Zeit kein Hautdesinfektionsmittel zu Gesicht bekommen. Dass es dadurch vermehrt Katheterinfektionen gegeben hätte, ist mir nicht aufgefallen. Ärztliche Visite ist in den gewöhnlichen Stationen nur einmal pro Woche, die restliche Zeit übernehmen die Krankenpfleger abgesehen von schwierigen Fällen die stationsärztlichen Pflichten.

In der Pediatrics-Ward waren die Krankeitsbilder oft anders, eine große Rolle spielten dort Malaria, Durchfall und andere Infektionskrankheiten. Der Zustand der Kinder war oft schlecht, die Kinder sind auf einen funktionierenden venösen Zugang angewiesen, um Malariamedikamente verabreichen zu können. Das Kanülieren der vielen Kleinkinder war eine große Herausforderung, die zwei ugandischen Medizinstudenten und mir zugefallen ist. Doch auf der Kinderstation habe ich die schönsten Erfahrungen gemacht, wenn schwerst an Malaria erkrankte Kinder kurz vor knapp die Kurve kriegten und nach wenigen Tagen gesund entlassen werden konnten.

Höhepunkt meines Aufenthaltes in Bududa war zweifellos der OP, ich durfte bei vielen kleineren Eingriffen assistieren. Als wir die dritte Hydrozele nacheinander operiert hatten, bot mir der Chirurg an, den nächsten Patient selbst zu operieren. Im Hinblick auf die Patientensicherheit habe ich dankend abgelehnt. Sehr interessant waren auch die Wochen in der Casuality-Ward. Man könnte es eine Intensivstation nennen, denn hier gibt es nur sieben Betten. Ein Arzt war hier häufiger zu finden und sogar einige wenige Notfallmedikamente vorrätig. Hier lagen die ganz schweren Fälle, oft mit traurigem Ende. Leider konnten wir selten viel dagegen unternehmen, die Ausstattung des Krankenhauses kann eine vernünftige Versorgung schwerkranker Patienten einfach nicht gewährleisten. Die meisten Patienten haben aber kein Geld, um sich die bessere Versorgung in einer Privatklinik leisten zu können.

Die imposanten Sipi-Falls. Foto: Florian Burkhart

Leben in Uganda

Uganda liegt im tropischen Herzen Afrikas und grenzt an die Länder Kenia, Südsudan, DR Kongo, Ruanda und Tansania. Die Hauptstadt ist Kampala und eine Metropole mit - niemand weiß es so genau, 2-3 Mio. Einwohnern. Die Amtssprache ist Englisch, damit kommt man überall im Land gut zurecht. Sehr verbreitet und als Handelssprache etabliert ist auch Luganda. Durch das Hochlandklima ist es dementsprechend sehr angenehm, mit konstant 25-30°C. Es gibt zwei Trockenzeiten: von Juni bis August und von November bis Februar. Das spielt aber keine Rollte, es ist für deutsche Verhältnisse immer sehr angenehm. Bududa ist eine Kleinstadt und Distrikthauptstadt mit etwa 5000 Einwohnern. Die Stadt liegt im Osten Ugandas an den Hängen des 4321m hohen Vulkans Mt. Elgon. Die nächstgrößere Stadt Mbale liegt eine dreiviertel Stunde mit dem Auto entfernt. Dort bekommt man alle nötigen Dinge des täglichen Lebens.

Die Menschen in Uganda sind meist lebensfroh und kontaktfreudig. Man unterhält sich viel, die Begrüßung spielt eine wichtige Rolle und kann minutenlang dauern. Es dauert nicht lange und alle kennen einen in Bududa. Es ist unglaublich, wie viele Kinder es gibt, das Durchschnittsalter in Uganda ist knapp 15 Jahre, Wahnsinn! Die Ugandische Küche erscheint auf den ersten Blick wenig vielfältig. Wenn man aber eine Weile im Land ist, merkt man, wie facettenreich die Menüzusammenstellungen sein können. Das Essen besteht immer aus einer Sättigungsbeilage wie: Matooke - Kochbananen, Posho – ein Maisbrei, Reis, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Kaloo – ein Maniok-Hirsebrei. Dazu gibt es wässrige Soßen mit Hähnchen, Rindfleisch, Ziegenfleisch. Sehr beliebt ist auch Erdnusssoße mit Rauchfleisch oder getrocknetem Fisch.

In allen Altersklassen wird viel getanzt, vor allem zu Hip-Hop, Afrobeats, Uganda-Pop und karibischer Musik. Freunde des Nachtlebens kommen in Mbale oder natürlich in Kampala auf ihre Kosten. Es lohnt sich mittwochs, freitags oder samstags in die Clubs zu gehen. Eine komplett neue Erfahrung, denn getanzt wird gerne eng und mit jedem.

Schwierig in Uganda ist, dass Homosexualität öffentlich absolut nicht akzeptiert wird. Vor einigen Jahren stand sogar die Einführung der Todesstrafe zur Debatte. Wer homosexuell ist, kann natürlich trotzdem nach Uganda reisen, sollte aber in der Öffentlichkeit vorsichtig sein und seine sexuelle Orientierung verbergen.

Freizeit

Uganda wird nicht umsonst wie einst von Winston Churchill als die Perle Afrikas bezeichnet, es ist ein wirklich grünes und buntes Land. In den Nationalparks Queen Elizabeth und Murchison Falls kann man einmalige Safaris erleben, die Parks sind noch nicht so überfüllt wie in Kenia und Tansania. Der Kidepo-Valley Nationalpark in Norduganda soll zu den schönsten Afrikas zählen.

Eine Safari organisiert man am besten im Land vor Ort, ich kann die Touren von Saleh Naminya, dem Inhaber von Casa Uganda Safaris in Mbale nur empfehlen. Wirklich professionell, die Website findet ihr hier. Tagesausflüge von Mbale aus sind zum Beispiel die Sipi-Falls in Kapchorwa (50km) oder der Tororo Rock (ebenfalls 50km). Es lohnt sich auch, in Jinja vorbei zu schauen, dort fließt der Nil aus dem Viktoriasee (die eigentliche Quelle des Nils liegt in Wahrheit im Hochland von Ruanda).

Straßenszene in Mbale. Foto: Florian Burkhart

Fazit

Alles in allem habe ich in den zwei Monaten in Bududa wahnsinnig viele Erfahrungen sammeln können und auch die praktische Seite kam nicht zu kurz. Im Gegenteil, oft sollte ich sogar Dinge erledigen, die weit über meinen Ausbildungsstand hinaus gegangen wären. Man muss sich wirklich selbst darüber im Klaren sein, was man kann und es sich im Zweifel lieber noch einmal zeigen lassen. Ich war erschüttert über die hygienischen Verhältnisse und die Ausstattung in der Klinik sowie die Einzelschicksale, die daraus resultierten.

Ich habe viele Freunde gefunden und auch abseits der Klinik eine wunderbare Zeit verbracht.
Weil mir Uganda so sehr ans Herz gewachsen ist, will ich in Zukunft auf jeden Fall wieder kommen, vielleicht als Famulant oder PJ-Student. Für alle, die sich für Uganda und/oder das Bududa General Hospital interessieren, stelle ich sehr gerne Kontakt zu Mr. Amusa her und wäre bei der Organisation gerne behilflich.

Schreibt mir einfach eine e-Mail: flo-nw@gmx.de

 

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