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  • Mortimer Gierthmühlen
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  • 09.01.2012
  • Amerikanische Flagge - Foto: Pixabay.com

    Die amerikanische Flagge. Wer in den USA eine Facharztausbildung ablegen möchte, wird um die US-Staatsexamina nicht rumkommen.

     

Das amerikanische Staatsexamen (USMLE)

Um es vorweg zu nehmen: wer in den USA famulieren oder sein PJ machen möchte, braucht sich in aller Regel nicht um amerikanische Prüfungen zu kümmern – die deutschen Studienleistungen werden zum Absolvieren der sogenannten „elective rotations“ von den meisten amerikanischen Universitäten anerkannt. Anders sieht das allerdings mit einer Facharztausbildung in den USA aus – dann sind die US-Staatsexamina unvermeidliche Hürden, die es zu nehmen gilt.

Nun möchte ich in diesem Artikel nicht über die Vor- und Nachteile der Facharztausbildung in den USA eingehen, die auch ich derzeit nur vom Hörensagen und von persönlichen Berichten kenne. Zu bedenken ist allerdings, dass eine ausländische Facharztausbildung – auch bei Absolvieren des US-Examens – nur in den allerseltensten Fällen in den USA anerkannt wird. Wer also vorhat, später als eigenständiger oder sogar niedergelassener Arzt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu arbeiten, kommt um eine komplette Residency dort nicht herum. Doch wer in Erwägung zieht, nur einmal als deutscher Facharzt für eine begrenzte Zeit nach Amerika zu gehen und dort unter Anleitung eines amerikanischen Vorgesetzten zu arbeiten, kann sich auf das Absolvieren des US-Examens beschränken.

 

Die erste Anlaufstelle

Zuständig für die Vergabe von US-Zulassungen ist die ECFMG, was für "Educational Commission for Foreign Medical Graduates" steht. Die vergibt nach bestehen der USMLE (United States Medical Licensing Examination) Step 1, Step 2 CK und Step 2 CS das begehrte ECFMG-Certificate – den Fahrschein zur Bewerbung in einem US-Residency-Programm und zugleich die Anerkennung als Arzt. Wie so ziemlich alles auf dieser Welt hat sich auch die Vergabe des ECFMG-Certificates in den letzten Jahren geändert. Mussten ausländische Studenten früher noch den TOEFL ablegen und den praktischen CSA-Test bestehen, fällt der TOEFL heutzutage weg. Im Klartext: Niemand braucht den TOEFL, um das ECFMG-Certificate zu bekommen!

Der CSA, ein praktischer Test mit Schein-Patienten, der bislang nur für ausländische Bewerber, jedoch nicht für US-Studenten galt, wurde abgeschafft und durch einen zweiten Teil des Step 2 ersetzt, den nun auch alle US-Absolventen bestehen müssen. Das führt dazu, dass der Multiple-Choice Test im Step 2 nun als Step 2 CK (Clinical Knowledge) und der praktische (ehemalige CSA) Test nun als Step 2 CS (Clinical Skills) bezeichnet wird.

 

Wo gibt es Informationen

Informationen zu den Kosten findet ihr auf der offiziellen Homepage der ECFMG und zwar unter www.ecfmg.org. Die Informationen dort sind viel wert und sollten sorgfältig durchgelesen werden. Step 1 und Step 2 CK können in Deutschland absolviert werden, wobei eine Auslandsgebühr von ungefähr 150$ hinzukommen. Der praktische Test Step 2 CS kann inzwischen nicht mehr nur in Philadelphia, sondern auch in Chicago, Atlanta, LA und Houston abgelegt werden. Die Reihenfolge, in der Step 1, 2CK und 2CS abgelegt werden, ist im Übrigen irrelevant, für CS muss man allerdings im letzten Studienjahr sein.

Die Bestehensgrenzen von Step 1 und 2CK sind ähnlich wie in Deutschland variabel, liegen allerdings ungefähr im 55 – 60 Prozentbereich. Sie werden für jedes Examen neu ermittelt, wobei auch die Bestehenszahl variieren kann. Meist bestehen weit mehr als die Hälfte aller ausländischen Testteilnehmer Step 1/2 CK beim ersten Versuch. Ach ja, die Ergebnismitteilung: sie erfolgt nach ungefähr 3 Wochen per Post, wobei man auf der Internetseite sehen kann, ob der Lösungsbogen bereits abgesendet worden ist. Informationen zum Bestehen oder zur Punktezahl sucht man auf der Internetseite der ECFMG jedoch vergebens.

Step 1

Oft wird ja gesagt, man möge Step 1 nach dem ehemaligen 1. StEx, also nach dem 6. Semester ablegen. Klar kann man das und früher sollte man daran gar nicht denken, da in Step 1 auch Pharmakologie und Patho gefragt werden. Meine Erfahrung mit Step 1 hat jedoch gezeigt, dass man es erst ganz am Ende seines Studiums machen sollte – also zum 2. Staatsexamen. Das, was die Amis in Physio (sehr easy), Anatomie (einfach) und Med. Soz. weglassen, wird durch sehr klinische Fragen in Mikrobio, Biochemie (klinische Fragen zu Enzymdefekten!!) und Pharmakologie mehr als wettgemacht. Ohne eine gewisse Basis an klinischer Erfahrung hat man es als deutscher Student mit diesem Examen wirklich schwer.

Ich habe mein Step 1 während der Vorbereitung zum 2. StEx absolviert, da ich mich in Spez. Pharma und Spez. Patho recht gut vorbereitet hatte. Diese beiden Fächer haben mir auch ohne Zweifel eine ganze Menge Punkte gesichert, die ich in Biochemie und Mikrobio verloren habe. Als Buch empfehlen sich das allseits bekannte First Aid Step 1, das die wichtigsten Fakten auf übersichtlichen Seiten präsentiert und die Kaplan-Fragensammlung. Anders als in Deutschland werden Altfragen in den USA nicht veröffentlicht, sodass die Kaplan-Sammlung aus realitätsnahen, aber ausgedachten Fragen besteht. Hier ist im Antwortbereich jede Antwortmöglichkeit erläutert, oft sogar umfangreicher als in den in Deutschland bekannten Fragensammlungen. Dafür ist Kaplan auch im Verhältnis um einiges teurer als die schwarze Reihe und kann nur online für eine gewisse Zeit abonniert werden.

Während des Tests, in dem sieben Blöcke zu je 50 Fragen und je 60 min abgearbeitet werden, empfiehlt es sich, die Uhr immer im Auge zu behalten. Pro Frage bleiben einem nämlich nicht 90 Sekunden, sondern nur 75 Sekunden bei zum Teil sehr viel längeren Aufgabentexten, als wir in Deutschland gewohnt sind. Das kann dann ab und zu sehr knapp werden, sodass häufig die letzten Fragen eines Blocks nur noch wie aus der Hüfte heraus geschossen beantwortet werden können.

Step 2CK

Amerikanische Studenten werden im Laufe ihres Studiums oft mit langen Aufgabentexten und Fallbeispielen konfrontiert, sodass es einen nicht wundert, dass sie das Step 2CK als recht leicht empfinden, wobei der Themenumfang ungefähr dem 2. deutschen Staatsexamen entspricht - Step 2CK sollte dementsprechend auch nicht sehr viel früher in Angriff genommen werden. Die Fragen sind zwar etwas weniger speziell als im 2. deutschen StEx, können aber vor allem in Pädiatrie, Gyn und Infectious Diseases auch ab und zu ins Spitzfindige abrutschen. Überhaupt scheinen diese drei Fächer in allen Step-2-Examina überrepräsentiert zu sein, wie ich mir von US-Studenten hab bestätigen lassen. Zur Vorbereitung ist auch hier das FirstAid Buch sehr hilfreich, welches aber in diesem Falle wieder mehr als Denkanstoß und Lernübersicht dienen sollte – die abgeprüften Fächer sollte man schon einmal richtig gelernt haben!

Die Prüfung dauert 8 Stunden, aufgrund der langen Aufgabentexte bekommt man jedoch regelmäßig Zeitprobleme und muss die letzten Fragen eines Blocks unter Zeitdruck beantworten. Auch ist es sehr ratsam, zuerst kurz das Ende eines Aufgabentextes zu lesen, da die Fragesteller dazu neigen, über mehrere Absätze eine Krankheit zu beschreiben, sie dann zu erkennen zu geben und schließlich nach der Behandlung dieser Erkrankung zu fragen. Wer auf diese Fallen nicht vorbereitet ist, sieht sich schnell in einer unnötigen Falllösung gefangen und versucht, eine Diagnose zu finden, was Zeit kostet und für die Beantwortung der Frage völlig irrelevant ist, weil nicht nach der Krankheit, sondern nach deren Therapie gefragt wird. Und ganz ehrlich: ZEIT ist hier das allergrößte Problem, denn es standen bisweilen 26 verschiedene Antwortmöglichkeiten zu Verfügung (A–Z).

Step 2CS

Von ausländischen Testnehmern musste dieser Test schon seit langem durchgeführt werden, seit ungefähr 2003 müssen ihn auch alle US-Studenten absolvieren. Aufgrund des größten Testaufwands ist die ganze Angelegenheit leider sehr teuer (um $1000 + Flug, Unterkunft und Verpflegung) und kann nur in einigen Testcentern in den USA abgelegt werden. Tipp: so zügig wie möglich anmelden, die Testtermine werden lange im Voraus vergeben und die Testzentren sind häufig ausgebucht.

Obwohl über 83% aller ausländischen Testteilnehmer die Prüfung beim ersten Durchlauf bestehen und alle US-Studenten sie als lächerlich bezeichnen, sollte man sich auf ihn vorbereiten. Und auch hier wieder: FirstAid für Step 2CS! Das Ganze ist mehr ein großes Schauspiel, Wert wird darauf gelegt, dass man den Patienten korrekt behandelt und mit Namen anspricht, höflich ist, die Hände wäscht und jede zweite Minute fragt, ob er Fragen oder Probleme hat. Auch die korrekte Dokumentation im US-Style führt zu einem Punkteregen, während hingegen die 5 Differentialdiagnosen, die man für einen Patienten aufschreiben kann, eher wohlwollend auf etwaige Plausibilität geprüft werden.

Die 12 Scheinpatienten, von denen nur 10 bewertet werden, spielen typische Erkrankungen vor, die man in der Ambulanz sehen kann – Kolibri-Lernkarten können also getrost zur Seite gelegt werden. Für uns Deutsche ist es allerdings ungewohnt, mit Schauspiel-Patienten umzugehen, was für mich den ganzen 7,5 Stunden dauernden Test sehr aufregend hat werden lassen. Und auch wieder hier gilt: Zeit, Zeit, Zeit. In 15 Minuten muss man eine Anamnese erhoben, den Patienten gezielt untersucht und ihn auf folgende Untersuchungen vorbereitet haben – das sollte geübt werden! Als Untersuchung habe ich immer einen Standard durchgezogen (Herz, Lunge, Abdomen) und ggf. mit etwas Neuro, Gyn oder Ortho-Untersuchungen gewürzt. Nach den 15 Minuten bekommt man nach dem Verlassen des Raumes 10 Minuten Zeit, um seine Beobachtungen im US-System niederzuschreiben, 5 Differentialdiagnosen und 5 Diagnostikvorschläge zu machen. Auch hier kommt es eher auf die äußere Form als auf die medizinische Richtigkeit an, die anscheinend relativ großzügig bewertet wird.

Ergebnisse des CS werden nur zu gewissen Zeitpunkten im Jahr veröffentlicht, sodass man bis zu 2 – 3 Monate auf sein Ergebnis wartet.

Tipps

Wer sich für eine Residency bewerben möchte, sollte vorher klären, ob Ausländer überhaupt als Bewerber akzeptiert werden. Auch ist es gut zu wissen, welche Kriterien zur Auswahl herangezogen werden und wer überhaupt zu einem Interview eingeladen wird – einige Programme verlangen eine gewisse Mindestpunktzahl im Step1/Step2, um überhaupt im Rennen bleiben zu können.

Wer ein gutes Step 1 geschafft hat, sollte sich damit schon bewerben, ohne sein Step 2 überhaupt abgelegt zu haben. Das ist zum einen in den USA üblich, zum anderen sieht der Empfänger der Bewerbung nur das gute Step-1-Ergebnis und baut es in seine Entscheidung ein. Sollte dann Step 2 schlechter ausfallen, hat man den Ausbildungsplatz bereits in der Tasche. Pech hat, wer ein gutes Step 1 abgelegt hat, sich aber erst nach seinem Step 2 bewirbt, das dann vielleicht schlechter ausgefallen ist. Dann sieht der Programmkoordinator eine gute Step 1, jedoch eine schlechte Step-2-Note und könnte den Bewerber aussortieren. Hört sich unrealistisch an, ist es aber leider nicht (wie ich während meines PJ an einem US-Absolventen gesehen habe).

Eines der größten Probleme für Deutsche in den USA dürfte das Visum sein, denn der angehende Resident bekommt meist nur ein J1-Visum zugeteilt: Nach 6 Jahren US-Aufenthalt heißt es dann, für mindestens 2 Jahre zurück in sein Heimatland zu gehen. Egal, ob man eine Freundin in den USA hat, gerade in einem Forschungsvorhaben steckt oder 2 Tage später seine Abschlussprüfung hat - und wie wir die Amis kennen, geht so etwas notfalls auch mit Waffengewalt. Für denjenigen, der eine kurze Residency in den USA anstrebt - beispielsweise 3 Jahre Innere Medizin ohne Fellowship, braucht sich darum keine Gedanken zu machen. Andere Facharztausbildungen hingegen können, wie die Neurochirurgie, durchaus länger dauern, nämlich bis zu 7 Jahre - da kann der Resident dann wirklich Probleme bekommen. Ein H-Visum zu erhalten, was einer Greencard praktisch gleichkommt, gestaltet sich ungleich schwieriger. Wenn man nicht unbedingt Lust auf ein paar Jahre Wehrdienst im Irak hat, scheint der einfachste Weg, eine US-Staatsbürgerschaft zu bekommen, die Hochzeit mit einer Amerikanerin zu sein. Natürlich gibt's da noch die Greencard-Lotterie, aber in wieweit man darauf bauen kann, ist schwer zu sagen. Eine weitere Möglichkeit, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, ist, sich zu verpflichten, für mindestens 2 Jahre in ein medizinisch unterversorgtes Gebiet der USA zu gehen - das scheint eine relativ neue Methode zu sein, über die ich in diesem Artikel noch nichts schreiben kann. Das ECFMG-Zertifikat, das man dann mit Erlangung der deutschen Approbation beantragen kann, ist dann allerdings inzwischen zeitlich unbegrenzt gültig, auch, wenn man vorerst keine Assistenzarztstelle in den USA beginnt.

Weitere Informationen zu USMLE und Weiterbildung in den USA

Unter dem folgenden Link findet Ihr weitere Infos zur Prüfungsorganisation. Hier gibts auch die Adressen der Test-Zentren in Deutschland (derzeit München, Berlin, Frankfurt und Hamburg).

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