• Bericht
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  • Greta Waltemode
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  • 18.12.2019

California dreamin - Famulatur in San Francisco

Eine aufregende Stadt, ein neues Gesundheitssystem - Lehre und Urlaub in einem? Greta berichtet, wie sie in San Francisco ihren Traum von einer Auslandsfamulatur verwirklicht hat.

Motivation

Einen Teil meines Studiums in den USA zu verbringen - davon habe ich schon zu Schulzeiten geträumt. Und dann auch noch in einer Stadt wie San Francisco! Hätte mir das jemand am Anfang meines Studiums gesagt, hätte ich es kaum glauben können. Da es sich mit Auslandssemestern etwas schwierig gestaltet, bieten Famulaturen und PJ Tertiale die perfekte Gelegenheit für Medizinstudenten in die USA zu gehen.

Bewerbung

Wenn du eine Famulatur in den USA machen möchtest, bewirbst du dich am besten für eine „Observership“, damit können sie dort eher was anfangen und du erhöhst direkt deine Chancen auf eine Antwort. 

Ich selbst war am California Pacific Medical Center (CPMC) und würde empfehlen, direkt Ärzte anzuschreiben (wenn man niemanden dort kennt) oder die Person, die direkt für Studentenpraktika zuständig ist.

 

Vorbereitung

Sobald du ein Krankenhaus gefunden hast, solltest du ein Visum beantragen. Ich hatte das B1/B2 Visum, was auch einen Termin beim amerikanischen Konsulat erfordert (oft gut ausgebucht), weshalb du für den Antrag genug Zeit einplanen musst (mind. 3-4 Monate vorher beantragen, Famulatur suchen etwa 1 Jahr im Voraus). Vergütet wurde die Famulatur nicht. Auch Flug und Unterkunft musste ich selbst zahlen, was in San Francisco recht teuer werden kann. Dafür hast du aber auch einen halben Urlaub mit drin ;) 

Unterkunft

Eine gute Möglichkeit zum Wohnen sind die Co-living Häuser. Davon gibt es in SF recht viele, man kann ein Zimmer oder auch nur ein Bett mieten, es gibt eine Gemeinschaftsküche und ein Wohnzimmer und du lernst direkt Leute kennen. Meistens haben die Häuser auch eine Altersbeschränkung (z.B. bis 35 Jahre). Auf Airbnb findet man einige dieser Co-living Häuser, ansonsten gibt es noch die Webseite craigslist.org .

Die Klinik

Offiziell war ich in der Kinderchirurgie. Alle waren sehr aufgeschlossen und ich war überall willkommen, deshalb konnte ich viele verschiedene Stationen in der Klinik sehen. So war ich an manchen Tagen im OP, an anderen in der Neonatal Intensiv Care Unit oder im Emergency department. An manchen Tag drehte sich alles um Geburten, an anderen um Nierentransplantationen oder den Da Vinci Roboter. Drei-Bett Zimmer wie in den hiesigen Krankenhäusern? Unvorstellbar. Alle Stationen, auf denen ich war, bestanden ausschließlich aus Einzelzimmern. Der Campus ist sehr neu und hat erst vor sechs Monaten eröffnet, von daher wurden alle Stationen von vornherein ausschließlich mit Einzelzimmern geplant. 

Mir wurde allerdings auch gesagt, dass man in den USA maximal Zwei-Bett Zimmer anstrebt. Die Auslastung der Stationen sah auch etwas anders aus als ich es aus Deutschland kenne - die meiste Zeit waren nur 4-5 Patienten auf der Station. Die NICU war recht voll, aber dafür waren dort auch mehr Ärzte. Ein pediatric doctor betreute meistens nur 4-5 Patienten. Natürlich sind die surgeons, infectious disease doctors oder pulmonologists auch noch vorbei gekommen, um ihre Patienten zu sehen.

Praktisch durfte ich nicht viel machen, da es ja eine "Observership" war. Das war für mich aber völlig in Ordnung, denn die Physicians, aber auch die Nurse Practitioners, waren alle sehr motiviert, mir viel zu zeigen und ausführlich auf meine Fragen zu antworten. Fragen stellen konnte ich auch immer, ich hatte nie das Gefühl zu stören. Generell waren in der Klinik alle sehr nett und interessiert. Angesprochen habe ich fast alle mit Vornamen, was ich sehr angenehm fand. Schön fand ich auch das Gefühl in einem Team zu arbeiten, in dem jeder seine Ideen und Vorschläge äußern kann (auch Studenten - sogar gewünscht!).

Da ich in einem Lehrkrankenhaus war, habe ich auf den Stationen häufig amerikanische Studenten in ihren clinical rotations getroffen, mit denen ich mich sehr gut austauschen konnte. Die Studenten waren entweder in ihrem 3. oder 4. Jahr der Med School und ich hatte das Gefühl, dass sie schon recht viel wussten. Je nach Arzt hat man auch das ein oder andere Paper zum lesen bekommen.

Die Klinik hatte einige Vorzüge wie z.B. eine Physician’s Lounge, in der es kostenlose Snacks und Getränke gab. Einmal in der Woche fand die „Grand Round“ statt: Dort wurden außergewöhnliche klinische Fälle vorgestellt oder Vorträge zu aktuellen medizinischen Themen gehalten (durch die Ärzte). Falls einen das Thema mal nicht so begeistern konnte, hat es sich definitiv trotzdem gelohnt für das kostenlose Frühstück zu kommen!

Freizeit

Meine Zeiten konnte ich mir quasi selber einteilen, da alle gesagt haben, dass ich das „nur für mich“ mache und deswegen selber entscheiden kann, was ich sehen will. Ich bin meistens um 8 Uhr in der Klinik angekommen und gegen 16 Uhr gegangen. Am Wochenende war ich nicht dort. So hatte ich viel Zeit, San Francisco zu entdecken. Und das lohnt sich! San Francisco hat super viel zu bieten, wunderschöne Strände (Marshall’s Beach und Baker Beach fand ich am schönsten), große Parks mit Tennisplätzen, die jeder nutzen kann, Sehenswürdigkeiten (Alcatraz, Golden Gate Bridge, Pier 39, Cable Cars…), eine Segeltour durch die Bay bei Sonnenuntergang, ein Roadtrip am Wochenende auf dem Pacific Coast Highway, der Yosemite Nationalpark - ich könnte ewig weiterschreiben. 

Zu unseren Famulaturzeiten herrschen dort auch noch angenehm warme Temperaturen. Mir hat an San Francisco besonders gut gefallen, weil man nicht das Gefühl hatte, als Tourist da zu sein, sondern wirklich in der Stadt zu leben. Ich bin fast alle Strecken gelaufen, was auch wirklich super funktioniert hat. Ansonsten kostet der Bus aber auch nur 3$.

Fun Fact

Anders als in Deutschland, läuft man häufig in seinen Scrubs einfach nach Hause oder kommt schon in Scrubs in die Klinik. Auch in Cafés sieht man häufig Nurses in Arbeitskleidung.

Fazit

 

Eine Famulatur in San Francisco zu organisieren, erfordert auf jeden Fall einen höheren Aufwand und ist mit Kosten verbunden. Aber das lohnt sich! Ich hatte eine super Zeit, fand es sehr bereichernd ein anderes Gesundheitssystem und eine andere Lehre kennenzulernen. Es hilft auf jeden Fall, Sachen, Abläufe oder auch einfach Verhaltensweisen von Menschen kritisch zu hinterfragen und sich zu entscheiden, wie man sich seine eigene Zukunft vorstellt. 

 

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