• Bericht
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  • Sonja Hamed
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  • 17.06.2016

PJ Innere Medizin in Houston, Texas

Sonja war während ihrem PJ für zwei Monate am Memorial Hermann Hospital in Texas. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen.

Aussicht von der Clinic auf Downtown Houston. © Sonja Hamed

Motivation


Ich wollte ins Ausland, und die wenigen Berichte aus der Inneren Medizin in den USA haben mich neugierig gemacht, das zum deutschen wirklich sehr unterschiedliche amerikanische Gesundheitssystem kennenzulernen.

 

Bewerbung/Vorbereitung


An mein Quartal am Memorial Hermann Hospital bin ich eher zufällig und mit etwas Glück gekommen. Ca. 1,5 Jahre vorher habe ich angefangen, gezielt nach einem „Elective“ auf der Kardiologie in den USA zu suchen, und zwar ohne USMLE als Vorraussetzung. Zufällig habe ich dann das Austauschprogramm des slovenischen Herzchirurgen Dr. Igor Gregoric gefunden, der slovenischen Medizinstudenten ein einmonatiges Praktikum in der Herzchirurgie und bei Interesse auch einen Monat in der kardiologischen Abteilung desselben Krankenhauses anbietet.


Daraufhin habe ich seiner Assistentin Ms. Eva Pongratz (Eva.M.Pongratz@uth.tmc.edu) eine Email geschrieben und gefragt, ob es auch möglich sei, als deutsche Studentin im letzten Jahr für zwei Monate zu kommen und diese zwei Monate komplett in der Kardiologie (Innere Medizin) zu verbringen. Die Email habe ich im Dezember 2014 geschickt und im April 2015 kam dann ein Anruf, dass es in Ordnung sei und ich mich bezüglich der notwendigen Dokumente mit der entsprechenden Person in Slovenien in Verbindung setzen soll. Dieser Prozess lief über mehrere Ecken und dauerte einige Wochen.
Benötigt werden:


1. Biodata Information Form (bekommt man per Email)
2. Dean’s Letter ofRecommendation
3. Transcript of Records
4. Financial Resources Form (über min. 2300 USD, Formular bekommt man per Email)
5. Immunization Form (Formularbekommt man per Email)
6. Malpractice Insurance
7. Certificate of Health Insurance in English
8. Passkopie
9. English Certificate (Englischkenntnisse: ILETS/TOEFL)
10. Elective Application Form (Form bekommt man per Email)
11. Letters of Recommendation (from 2 doctors)

 

Nachdem all diese Dokumente im Original per Post an Eva geschickt werden, bekommst du einige Wochen (in meinem Fall genau 4 Wochen) später eine Email von der Uni-Beauftragten Jamie Munsinger mit einer Bestätigung über die Elective-Stelle. Ca. 2 Wochen danach bekommst du noch eine Email vom persönlichen Visa-advisor mit Log-in Daten für das University Express Mail Services, worüber du deine Daten eingeben musst, um dann die „Check-in“ Unterlagen per Fed-Ex zu erhalten.

Danach kannst du dich um das Visum kümmern. Das ist für für Deutsche wirklich unkompliziert: Einmal online das Formular ausfüllen, bei der Botschaft vorbeischauen und den Pass abgeben, zwei Wochen später bekommst du den Pass mit Visum per Post wieder zurück. Bis zum Abflug ist damit erstmal alles erledigt. Einen Monat vor Beginn kommt dann nochmal eine Email von Jamie mit Information wo du am ersten Tag erscheinen sollst.

Geld bekommst du dort leider nicht. Allerdings musst du, im Gegensatz zu vielen anderen Unis in den USA, keine Studiengebühren bezahlen. Nur die deutsche Krankenversicherung wird nicht von der Uni anerkannt, vor Ort musste ich dann ca. 300 $ für 2 Monate KV bezahlen.

 

Unterkunft


Meine Wohnung habe ich über Airbnb gebucht, Houston ist relativ teuer: für ein Bett in einer 4er WG habe ich 700 USD/Monat bezahlt. Die Wohnung lag dafür fußläufig oder zehn Minuten mit der Metro zum Krankenhaus und hatte eine gute Verkehrsanbindung.

 

Lage/Freizeit


Das Texas Medical Center ist ein riesiger Campus, der sowohl das Baylor College of Medicine als auch die UTHealth enthält. Bekannt sind das Texas Heart Institute und das MD Anderson Cancer Center. Direkt angrenzend ist der Memorial Hermann Park (schön zum Joggen usw.), der Zoo und das Rice Village (gut zum Joggen & für Bars/Restaurants/Shopping). Downtown ist mit der Metro gut zu erreichen. Mit dem Bus kommt man auch sehr gut überall hin (dauert etwas länger, dafür sieht man ein bisschen was von der Stadt).

 

Verpflegung/Kleidung


Um Essen muss man sich selbst kümmern, es gibt eine Cafeteria mit „Mitarbeiterpreisen“, die im Vergleich zu Deutschland immer noch ziemlich hoch sind, aber günstiger als die anderen Cafes/Restaurants im Krankenhaus. Im Texas Medical Center gibt es sogar McDonalds, Subway und Chipotle. Kleidung wird vom Krankenhaus gestellt. Mit einer Karte kannst du dir jeden Tag aus einem Automaten frische Scrubs holen.

 

Aussicht von der Clinic auf das Krankenhaus. © Sonja Hamed

 

Im Krankenhaus


Am ersten Tag gehst du ins Studiensekretariat, in das Office of International Affairs und lässt dir einen Badge machen. Wenn das alles erledigt ist, geht’s weiter zu Eva, die dann einen schnellen Rundgang mit dir durch das Haus macht. Du wirst aber ganz organisiert von Stelle zu Stelle geschickt.

Aufgeteilt ist das Center in das Ärztehaus, in dem die „Clinic“ ist und in das Heart-And-Vascular-Institute (HVI). Im HVI liegen das Kathetherlabor, die OP-Säle, die ICU, IMU und Normalstation. Eva hat mir eine Liste mit den Namen von den Oberärzten (Attending) gegeben und ich durfte mir aussuchen mit wem ich „mitlaufen“ will. Es gibt keinen richtigen Dienstplan, aber eine Übersicht, wann welcher Arzt in der Clinic oder im Katheterlabor ist oder ICU-Dienst hat.

Morgens musst du um 7:00Uhr da sein. Der Tag fängt mit einer 30-minütigen Kurz-Visite (Chirurgen, Intensivmedizinen und Kardiologen) auf der ICU an. Danach gibt es meistens eine Besprechung im Konferenzraum im Ärztehaus (MoMo, Patho o.ä.). Was man danach tut, ist einem selbst überlassen. Ich bin z.B. montags und dienstags immer mit dem Chefarzt in die Clinic gegangen. Die restlichen Tage habe ich auf der Intensivstation verbracht.

In der Clinic läuft man hauptsächlich mit. Da sieht man entweder Patienten mit austherapierter Herzinsuffizienz, die sich zur erweiterten Therapie vorstellen, oder Patienten in der Weiterbehandlung nach Transplantation/LVAD. Die Patienten werden erst von den PA (physician’sassitant) gesehen, dem Arzt vorgestellt und dann geht man nochmal gemeinsam ins Zimmer.

Oft darf man die Patienten mit untersuchen und danach erklärt der Arzt noch einiges oder stellt auch gerne mal Fragen zum Fall. Man lernt echt viel, auch wenn man nicht unbedingt viel selber machen kann(je nach Eigeninitiative). Auf der Intensivstation geht es nach der Besprechung nochmal mit einer ausführlichen Visite los. Dabei stellen die Fellows (meist Fachärzte für Innere, in der Weiterbildung zum Kardiologen oder Pulmonary Critical Care Physican) die einzelenen Patienten den Attendings (je ein Kardiologe und ein Intensivmediziner) vor.

Alles wird besprochen, das Procedere geklärt und jeden Tag werden sehr ausführliche Notes (Verlaufseinträge) geschrieben. Eigentlich darf/soll man sich Patienten aussuchen und selbst mitbetreuen, morgens vorstellen und die Notes schreiben. Das ist alles sehr viel anstrengender als es klingt, da die Patienten wirklich sehr sehr krank und komplex sind. Auch dabei lernt man wirklich sehr viel, alleine schon durch die Visite. Mittags gibt es oft nochmal eine Besprechung oder Fortbildung. Je nachdem wie viel sonst zu tun ist, gibt es nachmittgas auch nochmal eine Visite.

Man kann im Katheterlabor vorbeischauen, wobei man dort nicht einmal mit in den Raum geht. Man kann also nur durch die Scheibe zuschauen, bzw. auf dem Bildschirm zusehen. Allerdings sind dort viele motivierte Pfleger/Ärzte, die gerne etwas erklären.
Die Chirurgen sind ein separates Team, dadurch, dass wir aber auf der ICU ihre Patienten betreuen, kommt man relativ viel in Kontakt. Man kann jederzeit im OP zuschauen, und wenn man vorher Bescheid sagt, wird man auch zum Helfen eingeplant.

Das Spektrum reicht von Bypässen über LVAD Implantationen bis zu Herz-und Lungentransplantationen. Zunähen darf man je nach Operateur sogar auch. Mit den Ärzten kann man private Handynummern austauschen und wird (auch nachts) zu den Transplantationen gerufen, wenn man möchte. Je nach Interesse kann man schon um 15 Uhr gehen, oder aber auch bis 21 Uhr bleiben, das ist einem vollkommen selbst überlassen.

 

Das Memorial Hermann Hospital © Sonja Hamed

 

Fazit


Insgesamt war es ein sehr sehr lehrreicher Aufenthalt. Wie aus den USA bekannt, darf man an den Patienten selbst eigentlich nicht viel machen. Wenn man sich gut anstellt und Initiative zeigt, ist das aber gleich ganz anders: ich durfte sogar einen Patienten bronchoskopieren und wenn nicht viel los ist, darf man auch arterielle Zugänge o.ä. legen.

Das Team ist super nett, von einer Hierarchie merkt man hier gar nichts. Auch die Pflege, die PA’s und alle anderen die an der Betreuung der Patienten beteiligt sind, sind alle super nett, hilfsbereit und immer freundlich. Man fühlt sich echt sehr wohl und gut aufgenommen.

Houston ist vielleicht nicht die hübscheste Stadt, hat aber viel zu bieten. Mit mir waren noch vier andere Studenten aus Slovenien da. Ab und zu rotieren auch amerikanische Studenten auf die ICU, man lernt also schnell Leute kennen und kann einiges in Houston und Umgebung unternehmen!

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