• Bericht
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  • Felix Hutmacher
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  • 13.11.2018

If you are going to San ... Diego!

Sonne, Strand und Meer – was will man mehr in einem Forschungsaufenthalt an der Küste Kaliforniens.

Be sure to wear / some sporty active wear, könnte man singen, wenn man das Lied, das Scott McKenzie auf den nördlich gelegenen Namensvetter San Francisco schrieb, frei umdichtet. Denn im immer sonnigen San Diego tummeln sich an den endlosen Strandpromenaden haufenweise junge, durchtrainierte Sportler, die ihre Körper in der warmen Sonne ausführen. Ich selbst hatte das Glück, im Sommer dieses Jahres selbst vier Wochen an dieser Strandpromenade zu flanieren – im Rahmen eines Research Elective habe ich für einen Monat ein Labor an der University of California, San Diego besucht.

Im Gegensatz zu mir, der ich bei körperlicher Betätigung in der Sonne doch transpiriere, erblickt man auf den Körpern dieser sportlich Aktiven nur gelegentlich Schweißperlen – was nach Sport aussieht, darf weder nach Sport riechen noch die Frisur durcheinanderbringen. Schließlich muss der Look noch sitzen für einen Snap oder eine Insta-Story vom Strand. Und wer gerade nicht einen solchen Foto-Marathon absolviert, der ergeht sich in möglichst großer Lässigkeit. Im Neoprenanzug, mit Sonnenbrille und Surfbrett unter dem Arm gelingt das meistens auch sehr gut.

Leider geht es nicht überall in San Diego so entspannt zu wie am Strand. Wer auf den Straßen mit dem Fahrrad unterwegs ist, fühlt sich auf dem auf die Fahrbahn aufgemalten Fahrradweg so gut geschützt und sicher wie auf dem Standstreifen einer deutschen Autobahn; mit dem Unterschied, dass das, was sich mit Getöse von hinten nähert und in deutschen Ohren verdächtig nach LKW klingt, lediglich ein normal großer amerikanischer Pick-up ist. Diese dauerhafte Bedrohungslage hat aber den schönen Effekt, dass die Fahrradfahrer San Diegos eine verschworene Gemeinschaft bilden: Wer einen Platten hat, dem wird geholfen. Einmal hat ein anderer Fahrradfahrer mich eine halbe Stunde auf dem Weg in die Arbeit begleitet, nur, um mir immer wieder die Pumpe zu reichen, damit ich trotz Plattem einigermaßen rechtzeitig ankommen konnte.

Die Fahrradwege in San Diego

Ach ja – die Arbeit! Dort hatte man viel Verständnis für meine immer wiederkehrenden Verspätungen ob vier Reifenpannen in vier Wochen; genauso viel Verwunderung rief aber mein nicht zu bezwingender Ehrgeiz hervor, die 30 Kilometer täglich im Sattel zu bewältigen. Ob ich nicht lieber eine Fahrgemeinschaft nutzen wolle? Oder doch ein Auto mieten? Ich beugte mich schließlich nur dem Rat, einen Helm zu tragen, und fuhr weiter Fahrrad. Was als sehr european galt.

Womit ich allerdings nicht auffiel, denn die Mehrzahl der Beschäftigten in meinem Labor kam nicht aus den USA. Die Gehälter in der Privatwirtschaft sind weit höher als an der Universität, dementsprechend wandern die einheimischen Doktoranden größtenteils dorthin ab. Und das, obwohl das Labor hervorragende finanzielle Möglichkeiten und sehr guten Arbeitsbedingungen bietet; wofür sich in meinen Augen sogar die Strapazen meiner Visumsbewerbung gelohnt haben, die neben einem ausufernden Papierkrieg mit einer Fahrt ins Konsulat nach München verbunden waren.

Diese Internationalität im Labor jedenfalls führt zu einem kuriosen Sprachgemisch: Mit einem mei-ner Kollegen, der Belgier war, sprach ich eine wilde Mischung aus Deutsch und Englisch, während mein hervorragender und mir sehr zugewandter Betreuer mit mir Englisch sprach und mir einige Brocken Chinesisch beibrachte.

Die Uni-Bibliothek in Sand Diego

Abgesehen von der babylonischen Sprachverwirrung verläuft ein Laboralltag natürlich sonst in sehr geregelten Bahnen. Dieselben Methoden müssen wieder und wieder durchgeführt werden, um einigermaßen brauchbare Daten zu bekommen. Man sitzt also und pipettiert, zentrifugiert, pipettiert, zentrifugiert…und versucht, dabei keine Fehler zu machen, was bei einer so repetitiven Tätigkeit nicht immer einfach ist.

Die Freude ist deshalb umso größer, wenn man etwas herausfindet. Wobei leider diese großen Erkenntnisse im Kleinen Menschen kaum vermittelbar sind, die von der wissenschaftlichen Nische, in der man sitzt, noch nie gehört haben. So habe ich zum Beispiel am Stuhl- und Gewebeproben von Mäusen mit Leberzirrhose geforscht – um herauszufinden, wie sich die Darmflora unter dem Einfluss der Erkrankung verändert.

Blick von Felix' Terrasse aufs Meer

Man freut sich also bei Feierabend, sein Scherflein zum Fortschritt beigetragen zu haben, denkt an das wundervolle Haus am Meer, das einen nach 60 Minuten Fahrt bereits sehnsüchtig erwartet, schwingt sich auf sein Fahrrad und fährt fröhlich pfeifend von dannen: If you are going…

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