• Bericht
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  • Claudia Ley
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  • 09.02.2011

Famulatur in der Anästhesie des Nobles Hospitals in Douglas auf der Isle of Man

Wer einmal die einzigartige Landschaft der Isle of Man gesehen hat, braucht keine weitere Erklärung, warum die Insel auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Bei mir kamen zudem der Wunsch, meine Englischkenntnisse zu verbessern, mein chronisches Fernweh, meine Neugier und mein persönliches Faible für Küste, Wind und Meer hinzu. Deshalb entschied ich mich für eine Famulatur im Nobles Hospital in Douglas.

Isle of Man - Foto: C. Ley

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Bewerbung

Dank eines Famulaturberichts im Internet konnte ich das einzige dort vorhandene Krankenhaus ausfindig machen. Leider wird auch auf der Homepage der Einrichtung keine weiterführende E-Mail-Adresse genannt, über die ein Interessierter sich als Famulant bewerben könnte. Über einige Umwege wurde ich dann schließlich an die zuständige Sekretärin Nicola Lane weiterverwiesen, die mich dann über die Unterlagen und Anforderungen informierte, die ich einreichen musste.

Nicola.Lane@nobles.dhss.gov.im

Da das Krankenhaus mittlerweile bei vielen deutschen Studenten einen guten Ruf genießt und deswegen rege frequentiert wird, empfiehlt sich eine frühzeitige Bewerbung. In meinem Fall erfolgte diese etwa ein Jahr vorher. Um die offiziellen Formalitäten zu erfüllen, sind ein englischsprachiges Bewerbungsschreiben mit Lebenslauf, Bona fidae der Heimatuniversität (Immatrikulationsbescheinigung) sowie ein Notennachweis der bisherigen Uni-Leistungen nötig.

 

Das Nobles Hospital in Douglas - Foto: Claudia Ley

 

Die Mühlen der Bürokratie mahlen auf der Isle of Man zwar langsam, aber nach einigen Wochen traf dann tatsächlich ein confirmation letter ein, in dem die Klinik mir für den gewünschten Zeitraum ein Platz für ein medical elective in der Anästhesie unter der Leitung von Dr. Blainey zusicherte.

Formalitäten

Ich habe vor meiner Abreise eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die für mögliche Zwischenfälle während meiner Auslandsfamulaturen absicherte. Allerdings wurde diese nicht explizit vom Nobles Hospital gefordert. Ansonsten empfiehlt es sich, vor Arbeitsantritt nochmals seinen Impfstatus auf Vollständigkeit zu überprüfen, insbesondere auf eine Hepatitis-B-Impfung wird Wert gelegt.

Am ersten Arbeitstag ist aber ohnehin eine Vorstellung beim dortigen Betriebsarzt (occupational health) fällig, sodass mögliche Versäumnisse eventuell auch dann noch nachgeholt werden können. Wer am OP-Tisch assistieren möchte, darf dies erst nach einer negativen Blutuntersuchung auf übertragbare Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder HIV.

Für eine fünfwöchige Famulatur wurde in meinem Fall eine Gebühr von rund 63 Pfund erhoben, weitere finanzielle Abgaben wie etwa Studiengebühren müsst Ihr aber nicht befürchten. Entlohnt wird man für ein medical elective leider nicht - die Kleidung und eine Unterkunft im Wohnheim stellt die Klinik aber kostenlos. Je nach Gusto konnte ich mittags für zwei bis drei Pfund in der krankenhauseigenen Kantine essen.

Anreise

Die Isle of Man kann sowohl über den See- als auch über den Luftweg erreicht werden. Einen Direktflug von Deutschland aus gab es zu meiner Zeit nicht. Wer aber früh genug dran ist, hat die Chance auf recht günstige Flüge. So kostete zu meiner Zeit beispielsweise ein Flug von Stuttgart nach Manchester etwa 93 Euro. Von Manchester aus kann man entweder den Zug oder Bus nach Liverpool nehmen, um dort mit der Fähre überzusetzen.

 

Das Ziel der Reise: Douglas - Foto: Claudia Ley

 

Alternativ bucht man einen Anschlussflug nach Ronaldsway Airport. Dies ist häufig mit etwa 83 Euro billiger. Doch Achtung: Das Gepäck muss oft extra angemeldet und bezahlt werden. Die Insel selber verfügt über ein recht gutes öffentliches Verkehrsnetz, bestehend aus Bus, Bahn (electric railway, steamrailway) und Pferde-Tram.

Die günstigste Variante, um auf der Insel rumzukommen, sind die roten Doppeldeckerbusse. Am besten kauft Ihr ein 12er Ticket ("Manx Rider Ticket") für 10 Pfund für Fahrkarten innerhalb von Douglas bzw. für bis zu 25 Pfund für Fahrten bis nach Ramsey oder Port Erin. Da das Schwesternwohnheim 40 Minuten vom Nobles Hospital entfernt ist, seid Ihr ohnehin auf dieses Transportmittel angewiesen.

Krankenhaus

Das Nobles Hospital entspricht in den Anforderungen und der Bettenzahl (314) am ehesten einem deutschen Kreiskrankenhaus und verfügt über jeweils eine Abteilung für Chirurgie, Innere, Gynäkologie, Pädiatrie, Orthopädie, HNO, Radiologie und Anästhesie. Es herrscht insgesamt ein sehr freundlicher Umgangston, von den "typisch deutschen Hierarchien" ist hier nichts zu spüren. Alle Mitarbeiter sind stets nett und hilfsbereit, auch wenn die manchmal etwas umständliche englische Art und die ausufernde Bürokratie Zeit und Nerven kostet.

Sprachlich habe ich mich recht schnell eingefunden, ohne dass ich irgendwelche speziellen Vorbereitungskurse wie Medical English belegt hätte. Ein bisschen Vokabeltraining, insbesondere den medizinischen Wortschatz betreffend, schadet aber sicherlich nicht. Der gälische Akzent der Einheimischen und das eigentümliche Englisch der indischen Ärzte, die am Nobles Hospital zahlreich vertreten sind, erschweren das Sprachverständnis. Davon dürft Ihr Euch aber nicht entmutigen lassen.

Im Hinblick auf das medizinische Fachwissen war mein Aufenthalt zweifellos lehrreich - allerdings hatte ich mir diesbezüglich auch keine allzu hohen Ziele gesteckt. Verglichen mit deutschen Kliniken, geht es im Nobles Hospital angenehm ruhig und gelassen zu. Die betreuenden Ärzte nehmen sich in der Regel viel Zeit für die Studenten und das teaching , allerdings können sie im Rahmen der Regel- und Grundversorgung eben keine besonders spektakulären Operationstechniken oder neuartige Therapieformen demonstrieren.

Wer sich interessiert zeigt und genug Eigeninitiative mitbringt, darf auch viel selbst machen. So habe ich zum Beispiel in der Anästhesie mehrmals Patienten intubiert, diese mit einer Larynxmaske versorgt und beatmet oder ihnen einen peripheren venösen Zugang gelegt. OP-Beginn ist 9:00 a.m., wer mag kann aber auch schon früher - gegen 8:00 a.m. - kommen, um die Ärzte bei Aufklärungsgesprächen zu begleiten oder sich selbst in englischsprachiger Anamneseerhebung zu versuchen.

Nach der Mittagspause hatte ich die Wahl zwischen Rückkehr in den OP, Intensivstation oder Besuch einer Vorlesung in einer der anderen Fachabteilungen (z.B. Gynäkologie). Länger als bis 5:00 p.m. hatte ich fast nie zu tun. Auf Grund der zunehmenden Beliebtheit, derer sich das Nobles Hospital bei deutschen Studenten erfreut, ist es fast unmöglich, nicht auf Kommilitonen aus dem Heimatland zu treffen, die zahlenmäßig den englischen Studenten während meiner Famulatur weit überlegen waren (Verhältnis ca. 6:2).

Freizeit

Für mich war es wirklich erstaunlich, wie unberührt die Insel vom Tourismus geblieben ist. Dabei trägt das Eiland nicht umsonst den Beinamen "Jewel of the Irish sea", denn Landschaft, Meer und Küste sind einfach atemberaubend schön! Einzig das Wetter ist ein stetiges Glücksspiel. Allerdings bieten sich neben faszinierenden Wanderungen und Fahrradtouren auch zahlreiche sehenswerte Museen als Ausflugsziel an. Im "Manx museum" in Douglas ist der Eintritt sogar kostenlos.

 

Typische Manx Cottage - Foto: Claudia Ley

 

Verglichen mit den anderen Städtchen wie Port Erin, Castletown oder Laxey ist Douglas schon fast ein hässlicher Ort - auch wenn ich fast jeden Abend die lange Seepromenade genussvoll entlangspaziert bin. Schnappt euch also einen oder gleich mehrere der deutschen und englischen Kollegen aus dem Wohnheim und organisiert einen Ausflug! Empfehlenswert sind vor allem der Küstenwanderweg von Port Erin nach Port St. Mary, eine Besichtigung der Burg von Castletown, eine Fahrradtour von Ramsey zum Point of Ayre, eine Einkehr im Niarbyl Café, eine Fahrt zum Snaefall mountain und und und...

 

Blick vom Snaefall mountain - Foto: Claudia Ley

 

Sehr beeindruckt war ich auch von Flora und Fauna, die sich am besten in den so genannten glens (Naturparks) bewundern läßt. Hier habe ich zum ersten Mal Robben in freier Wildbahn beobachten können, die des öfteren vor der Küste ihre Nase neugierig in die Luft strecken und mit Wellen und Kajakfahrern spielen.

 

Strand von Castletown - Foto: Claudia Ley

 

Motorradfreaks kommen vor allem während der Sommersaison auf ihre Kosten: Das berühmte TT-Race, und der einige Wochen später stattfindende Grand Prix locken jährlich etliche Schaulustige und natürlich "ganze Horden" von Bikern auf die Insel.

 

Fazit

Für mich war es eine unvergessliche Zeit, und ich habe meine Entscheidung für diesen Aufenthalt zu keinem Zeitpunkt bereut. Im Gegenteil, ich könnte mir sehr gut vorstellen, in naher Zukunft wiederzukommen, um dort meinen Urlaub zu verbringen oder sogar dort zu arbeiten.

 

Linktipps

Hier gibt's mehr Informationen zum einzigen Krankenhaus auf der Isle of Man:

Nobles Hospital in Douglas

Infos über die Isle of Man

Die Isle of Man gehört zu den Britischen Inseln und befindet sich in der Irischen See zwischen Großbritannien und Irland. Als sogenannter Kronbesitz ist sie direkt der britischen Krone unterstellt, gehört aber weder zum Vereinigten Königreich noch zur Europäischen Union. Auf der 572 km² großen Insel leben etwa 75000 Menschen.

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