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  • Theo Daehne
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  • 25.02.2015

Krankenpflegepraktikum in Hué, Vietnam – mit Händen und Füßen

Theo ist ein großer Südost -Asien-Fan. Deshalb hat er sich kurzfristig für ein Praktikum in der vietnamesischen Stadt Hue beworben. Hier berichtet er über das Krankenhausleben, mittelgroße Sprachbarrieren und die vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung im schönen Vietnam.

Hoi An, Foto: Theo Daehne

Motivation

2013 war ich das erste Mal in Südost-Asien. Seitdem bin ich von der Region begeistert: heißes, feuchtes Tropenwetter, lebendige Städte mit einer unglaublichen Bevölkerungsdichte und kulinarische Delikatessen, die mein Herz erobert haben. Auch die höfliche, gastfreundliche Mentalität der Vietnamesen und der historische Hintergrund machen Vietnam für mich sehr attraktiv. Deshalb beschloss ich, mich in der ehemaligen Kaiserstadt Hué, in der Mitte zwischen Saigon und Hanoi, für ein Praktikum zu bewerben.

 

Bewerbung

Zwei Monate vor den Semesterferien kam mir der Gedanke: Ich muss mein Praktikum unbedingt im Ausland machen! Daraufhin habe ich Bewerbungen in mehrere Länder der Erde geschickt, wohl wissend, dass mein Plan doch relativ kurzfristig angesetzt war. Unter den wenigen Zusagen, die ich bekam, war dann auch Vietnam dabei – 8 Tage vor Praktikumsbeginn. Hals über Kopf buchte ich den Flug und erkundigte mich nach einem Visum.

 

Und los ging’s! Gemacht hätte ich das wohl nicht, wenn Frau Huong Nguyen (eine sehr freundliche Sekretärin, die gleichzeitig Ansprechpartnerin für die ausländischen Studenten und Bewerber ist) mir nicht direkt geschrieben hätte, dass sie ein Hotel für 5€ pro Nacht für mich buchen könnte und den Transfer vom Flughafen in Hué zum Hotel organisieren würde. Vom Zielflughafen Saigon bin ich dann für 28€ nach Hué geflogen.

 

Vorbereitungen

Acht Tage Vorbereitungszeit haben leider nicht ganz gereicht, um alles zu erledigen. Dementsprechend schlecht war ich für den Auslandsaufenthalt gerüstet. Ich hatte schlecht gepackt, war nicht geimpft (es ist gut ausgegangen, ich würde allerdings absolut nicht empfehlen, auf Impfungen wie Tollwut zu verzichten) und hatte keine Passfotos für das Visum dabei, das einem am Flughafen (nach 2 Stunden Wartezeit) ausgehändigt wird. Ein Konto bei einer Bank, bei der man im Ausland gebührenfrei Geld abheben kann, hatte ich mir für eine vorangehende Reise bereits eingerichtet. Comdirect oder DKB bieten sich hier an.

 

Unterkunft

Das Hotel war mit 5€ pro Nacht sehr erschwinglich. Die Lage direkt gegenüber dem Krankenhaus ist für das Praktikum ebenfalls unschlagbar. Vermittelt wurde mir das Hotel, wie oben beschrieben, durch das Büro des Hospitals. Wie ich später erfuhr, gehört es einem der Ärzte, der sicherlich seinen Profit daraus zieht. Die meisten anderen Studenten, die ebenfalls in diesem Hotel wohnten, sind nach kurzer Zeit ausgezogen, weil immer wieder Sachen verschwanden (gestohlen?) und der Stadtteil sonst nicht besonders viel zu bieten hatte.

 

Richtung Zentrum gibt es weitere Hostels und Hotels. Die sind zwar etwas teurer, bestechen aber mit einer höheren Party- und Touristendichte . Ein größerer Supermarkt (Big C) ist zu Fuß erreichbar. Bequemer und trotzdem sehr günstig (1-2€) gelangt man dorthin aber auch mit dem Taxi. Wer mit dem Rollerfahren vertraut ist, dem würde ich empfehlen, sich in Hué einen zu mieten, um mobiler zu sein - aber Achtung: der Verkehr ist nicht ohne!

 

Die Sprache

Die Sprache ist mir auf jeden Fall einen extra Punkt wert, da sie doch die größte Erschwernis in den sechs Wochen darstellte. Frau Huong Nguyen aus dem Büro sprach zwar Englisch, mit ihr hatte ich nach dem ersten Tag allerdings so gut wie gar nichts mehr zu tun. In der Nuklearmedizin arbeiteten einige Ingenieurstudenten, von denen einer gebrochenes Englisch sprach und der Chefarzt Französisch. Vietnamesisch kann ich bis heute leider nicht, weshalb die Kommunikation größtenteils über Hände und Füße ablief. Wenn man allerdings kein Problem damit hat, sich ein bisschen zum Affen zu machen, dann macht das riesig viel Spaß! Auch in der allgemeinen Chirurgie sprach der Chefarzt Französisch, es gab allerdings auch einen Arzt, der einen Teil seines Studiums in England verbracht hatte. Hier war die Kommunikation also unproblematisch.

 

Das Praktikum

Am ersten Praktikumstag wurde ich im Büro von Frau Huong Nguyen empfangen. Nachdem ich die Verwaltungsgebühr von 25$ bezahlte, bekam ich ein Namensschild (hierfür bitte ein weiteres Passfoto mitbringen, also insgesamt 3!) und zog meinen Kittel aus dem Chemiepraktikum an (für Kleidung musst du selbst sorgen). Für die sechs Wochen Praktikum durfte ich mich auf zwei Stationen einschreiben und hatte die Qual der Wahl: Da es sich hier um ein Uniklinikum handelt, ist so ziemlich jede Station vertreten.

 

Ich entschied mich für zwei Wochen Nuklearmedizin und vier Wochen allgemeine Chirurgie. In der Nuklearmedizin durfte ich Schilddrüsenwerte abnehmen und von Hand die Zerfallsrate berechnen. Der Geigerzähler war schon ziemlich und brachte diese Funktion nicht mit. Das Aufnehmen von Patienten zählte ebenso zu meinen Aufgaben. Mit Zeichensprache klappte auch das und machte umso mehr Spaß. Ein weiterer Teil meiner Aufgaben fand im Labor statt, wo Blutproben ausgewertet wurden.

 

Jeden Freitag aßen auf der Station alle zusammen zu Mittag, wozu ich immer eingeladen wurde. Es gab reichlich vietnamesische Hausmannskost. Der überwiegende Teil war unglaublich lecker, an einige Sachen musste sich mein Magen allerdings erst gewöhnen. Jedes Mal, wenn man seinen Teller geleert hat, wird übrigens nachgefüllt - ob du willst, oder nicht. Bis ich das rausgefunden hatte, war ich mehr als satt.

 

Auf der allgemeinen Chirurgie gab es einen festen Ablauf, der sich stark von der lockeren Atmosphäre in der Nuklearmedizin unterschied: Morgens um 8 Uhr fand die Besprechung der Röntgenbilder der anstehenden Operationen im großen Kreis statt. Danach war Chefarztvisite und dann gingen die OPs los. Ich kümmerte mich währenddessen mit den Schwestern um die Patienten.

 

Die Zustände auf Station unterscheiden sich doch sehr stark von denen in Deutschland: mehrere Patienten, die einander nicht kennen, teilen sich beispielsweise ein Bett. So liegen 12 Menschen in einem Raum mit maximal 15 qm. Neben der Patientenpflege durfte ich auch einige Male mit in den OP. Das waren für mich die Highlights des Praktikums. In Hué wurden immer mehrere Patienten zeitgleich in einem Operationssaal operiert. Zum Ende des Praktikums wurde jedem Praktikanten eine Urkunde ausgestellt.

 

Beeindruckendes

Ein Patient aus Laos wurde bei der Arbeit verletzt und wegen Ärztemangel stattdessen von einem Medizinmann behandelt. Der hatte ihm Teile der inneren Organe auf die Bauchdecke genäht, während diese noch mit dem Inneren der Bauchhöhle verbunden waren. Anschließend wurden die Organe mit einer Plastiktüte bedeckt. Der Patient kam nach Hué, weil es ihm zunehmend schlechter ging. Er wurde sofort operiert überlebte – das Bild dieses Patienten werde ich bestimmt nicht so schnellvergessen.

 

Freizeit

Auf anderen Stationen gab es einige deutsche Studenten und auch andere Nationalitäten, mit denen ich allerdings nichts zu tun hatte. Durch meinen Aufenthalt in der Nuklearmedizin hatte ich in meiner Freizeit vor allem mit den dort arbeitenden Ingenieurstudenten und deren Freunden zu tun. Wir sind mehrmals mit dem Roller durch die Stadt, zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung oder einfach in die Uni gefahren. Eine solche Gastfreundlichkeit habe ich zuvor noch nicht erlebt und hätte anders sicherlich keinen so guten Einblick in das Leben von gleichaltrigen Vietnamesen erhalten können.

 

 

Marble Mountains, Foto: Theo Daehne

 

Da die Wochenenden frei waren, habe ich umliegende Sehenswürdigkeiten wie die Marble Mountains in Da Nang besucht, oder bin an die Ha Long Bucht im Norden bei Hanoi geflogen. Als das Praktikum zu Ende war, bin ich noch für ein paar Tage weiter nach Süden gereist und habe mir Hoi An und Phu Quoc angesehen. Auf dieser Insel kann man wunderbar schnorcheln und entspannen. Langweilig wird es in Vietnam jedenfalls nicht. Ein Praktikum kann ich daher guten Gewissens nur weiterempfehlen!

 

Links:

Hué Central Hospital
http://www.bvtwhue.com.vn/index.asp?lang=en&folder=

Frau Huong Nguyen
perfumeriver2007@gmail.com

 

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