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  • Sarah Sprinz
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  • 26.01.2018

Durchgefallen - Und jetzt?

Ein 8-Punkte-Plan für Mutlose

 

„Nicht bestanden.“

Zwei Wörter, die das Leben eines jeden Medizinstudenten kurzfristig zum Erliegen bringen.
Für den einen mag ein Nicht-Bestehen weniger schlimm sein, für den anderen beginnt damit ein Kopfkino samt schlafloser Nächte und nicht enden wollender Worst Case Szenarien.

Sätze wie diese rauben einem jegliches Selbstvertrauen:

Ich habe versagt.
Meine Leistung war ungenügend.
Die anderen haben doch auch bestanden.
Wie soll ich den Zweitversuch schaffen?
Was passiert, wenn ich nochmal versage?
Bin ich vielleicht doch nicht klug genug für dieses Studium?

Schritt 1

STOP.
Diese Gedanken haben nur einen einzigen Zweck – sie lähmen dich und treiben dich immer weiter in einen Kreis aus Vorwürfen und beißender Angst. Sie nehmen dir das Selbstvertrauen, das du jetzt so dringend benötigst.
Also stell dich vor den Spiegel. Schau dich an und dann sag dir Folgendes: „Es ist okay. Ich bin mehr als diese Note und werde an dieser Erfahrung wachsen.“

Schritt 2

Es ist okay, dass du dich so fühlst. Zumindest jetzt direkt nach der Prüfung.
Egal ob du mit der ungenügenden Leistung gerechnet hast oder nicht, es ist immer ein Schlag ins Gesicht, der dir kurzfristig den Boden unter den Füßen wegreißt.
Heute darfst du alles – heulen, dich zurückziehen, wütend oder eifersüchtig sein, und dich fragen, wieso das Leben manchmal so beschissen unfair zu dir ist.
Unter einer Bedingung: Morgen stehst du auf und machst dort weiter wo du aufgehört hast. Ohne länger sinnlos nachzugrübeln. Morgen beginnt dein neuer Schlachtplan. Und er wird verdammt gut.

Schritt 3

Errare humanum erst.
Was wäre ein Artikel ohne eine abgedroschene lateinische Lebensweisheit?
Also, Irren ist menschlich. Diesmal hast du dich geirrt. Na und?
Sei nicht so hart zu dir. Du wusstest es einfach nicht besser.
Du bist nicht der Erste und wirst auch definitiv nicht der Letzte sein, der im Medizinstudium an seine Grenzen stößt. Sicher fällt es manchen leichter als anderen aber ich wage zu behaupten, dass ein Großteil deiner Kommilitonen schon mal Ähnliches erlebt haben. Eine schlechte Note zu bekommen bedeutet nicht, dass du der schlechtere Arzt wirst. In diesem Studium ausschließlich mit Bestnoten zu glänzen ist möglich aber definitiv nicht die Regel.
Einmal richtig auf die Nase zu fallen, ist vielleicht nicht wirklich erstrebenswert, aber eine Erfahrung, die du wahrscheinlich irgendwann in deinem Leben so oder so machen wirst. Egal in welcher Lebenslage zählt anschließend nur Eines: Es ist nicht schlimm zu versagen. Es ist nur schlimm, deshalb aufzugeben.

Schritt 4

Finde heraus, woran es lag.
Nach Gründen zu suchen, bedeutet nicht, dich an Ausreden für dein Scheitern zu klammern. Im Gegenteil. Um es das nächste Mal besser zu machen, ist es essentiell zu verstehen, an welcher Stelle du angreifen musst.
Eine vermasselte Prüfung kann viele Gründe haben.
Hast du nicht (effektiv) genug gelernt? Dann führt kein Weg daran vorbei, über deine Lernstrategie nachzudenken. Sicher kennst du die verschiedenen Lerntypen: Visuell, Kommunikativ, Auditiv oder Motorisch … Auf die meisten trifft eine Mischung aus allen vieren zu. Vielleicht hilft es dir in einer Gruppe zu lernen, dich abfragen zu lassen, die Prüfungssituation zu simulieren, um später die Nerven zu behalten.
Ist deine Lernstrategie ausgefeilt und funktioniert ansonsten prächtig, lag es vielleicht einfach an externen Einflussfaktoren.
Nicht dein Tag, unfairer Prüfer, missverständliche Fragen … Bitte verabschiede dich vom Gedanken, dass diese Faktoren nur billige Ausreden für dein Versagen sind. Sie schlagen mächtig ins Gewicht und gerade mündliche Prüfungen sind häufig Glückssache, wenn nur punktuell abgefragt wird. Wer hat sich schließlich noch nie über einen besonders strengen Prüfer geärgert?

Schritt 5

Ist es wirklich so schlimm wie du denkst?
Sag du’s mir. Auch wenn es sich im ersten Moment so anfühlt, ist eine nicht bestandene Prüfung wirklich ein Weltuntergang? Gibt es nicht vielleicht doch schlimmeres, was dir hätte widerfahren können? Halte einen Moment inne und schau dir an, was du bereits geleistet hast. Die anderen Prüfungen hast du auch bestanden. Du studierst eines der anspruchvollsten Fächer, die es gibt. Vergleich dich nicht immer nur in die eine Richtung. Und sei mal stolz auf dich.

Schritt 6

Verabschiede dich von deinem ungesunden Perfektionismus.
Wir kennen es alle. Verwöhnt von brillianten Noten in der Schule oder Ausbildung, ist die erste Uni-Prüfung für die meisten Studienanfänger eine herbe Enttäuschung.
Medizin studieren bedeutet durchgehend 110% zu geben und manchmal trotzdem nicht das Ergebnis zu erhalten, das man eigentlich verdient hätte.
Sich unnötig unter Druck zu setzen und zu glauben, das Studium mit Bestnoten abschließen zu müssen, um ein brillianter Mediziner zu werden, ist der falsche Weg. Gerade zu Beginn des Studiums spielt ein Großteil der Prüfungsinhalte im späteren Berufsleben eine eher untergeordnete Rolle. Grundlagen in Anatomie und den naturwissenschaftlichen Fächern sind unabdingbar, keine Frage. Trotzdem solltest du dich zwischendurch darauf besinnen, was du eigentlich werden willst: Biochemiker oder gleichermaßen medizinisch- und sozialkompetenter Klinker? Prüfungsleistungen spiegeln nicht immer dein tatsächliches Wissen wider und am Ende des Tages kommt es nicht auf eine beliebige Punktzahl an, sondern darauf, wie viel du persönlich für deine Patienten aus dem Studium mitgenommen hast. Denn du bist bist mehr als nur eine Note.

Schritt 7

Come back stronger.
Nimm diesen Fehlversuch als Chance. Du hast die Möglichkeit, es besser zu machen. Dich noch besser vorzubereiten. Der einzige Fehler, den du jetzt machen kannst, ist zuzulassen, dass dich die Gedanken daran lähmen.
Nimm den Misserfolg zum Anlass, alles zu geben. Setz dich hin und mach dir einen Lernplan. Such dir Unterstützung. Nimm Angebote wie die Prüfungseinsicht wahr. Vielleicht lässt sich erkennen, in welchen Bereichen du noch Wissenslücken hast. Plane genug Lernzeit und Regenerationspausen ein. Vergiss nicht, dich auch mal zu belohnen und etwas Schönes zu unternehmen. Auch in der Prüfungsvorbereitung ist es erlaubt, Spaß zu haben.

Schritt 8

Rise and shine.
Verliere dein Ziel nicht aus den Augen und bleib am Ball. Angst vor dem Tag der Prüfung ist nützlich, solange du dich nicht von ihr blockieren lässt. Glaub an dich und das, was du kannst. Schließlich hast du hart dafür gearbeitet. Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen und Erfolg!

Wichtig: Dieser Artikel dient dazu, Motivation und Selbstvertrauen aufzubauen. Solltest du dich in einer besonders kritischen Situation wie etwa vor einem letzten Prüfungsversuch befinden und dein weiteres Studium in ernsthafter Gefahr sehen, wende dich bitte an entsprechende Beratungseinrichtungen deiner Universität.

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