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  • Judith Ehresmann
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  • 02.11.2020

Klinikalltag in Zeiten von Corona

In Aachen finden, in Abhängigkeit von der Kohorten-Einteilung, im 8. oder 9. Semester die sogenannten Blockpraktika statt. Das bedeutet: 20 Wochen lang Krankenhausluft schnuppern, klinische Erfahrungen sammeln und das theoretische Wissen aus Vorlesungen in die Praxis umsetzen. So ist es zumindest geplant. In Zeiten einer Pandemie werden allerdings auch diese Lehrpläne durchkreuzt.

Als eigentlicher Start des Sommersemesters 2020 war der 6. April 2020 vorgesehen.
Das hätte zu dem Zeitpunkt noch (für mich) bedeutet: die ersten 4 Wochen AINS, sprich eine Rotation in der Anästhesiologie, in der Intensivmedizin und in der Notfallmedizin.

Denn das Sommersemester 2020 galt dem sogenannten Blocksemester in Aachen.
Im zweiten Studienabschnitt absolviert eine Hälfte des Jahrgangs ein 20-wöchiges klinisches Blockpraktikum, während sich die andere Hälfte im sogenannten Wahlfreisemester, auch „das Plichtfreisemester“ genannt (siehe auch hier) , befindet.
Die Hälfte des Jahrgangs im Blockpraktikum ist wiederum in Gruppen eingeteilt und erhält einen individuellen Rotationsplan mit verschiedenen Fachabteilungen und Einsatzorten.
So war es eigentlich vorgesehen. Und die Betonung lag auf eigentlich.

Denn noch vor Semersterstart flatterten E-Mail-Nachrichten in das Postfach mit der Information, dass nicht genau bekannt sei, wie das Blockpraktikum im Detail verlaufen wird, aber bereits jetzt schon feststehe, dass kein Beginn vor dem 20.04.2020 vorgesehen ist und die ursprünglich geplanten ersten beiden Wochen ersatzlos gestrichen werden.
Bedeutete im Detail (für mich): Corona-bedingt ein ersatzloser Ausfall von 2 Wochen Notfallmedizin.

In einer weiteren E-Mail die Bekanntgabe, dass einige Kliniken aus Infektionsschutzgründen oder in Vorbereitung auf die weitere Entwicklung der Corona-Krise den Betrieb heruntergefahren oder sogar eingestellt haben und demnach keine Blockpraktikanten ausbilden können.
Weiterhin haben andere Kliniken ihre Bereitschaft zur Lehre nur unter Vorbehalt bestätigt.
War das Blocksemester etwa in Gefahr?
Ein modifizierter Rotationsplan sollte folgen.

Und die individuelle Einteilung des Rotationsplans lautete: „Anästhesiologie ab 20.04.2020: findet nicht statt, Zeit für Selbststudium und Intensivmedizin ab 27.04.2020: findet nicht statt, Zeit für Selbststudium“.
Somit hieß es an dieser Stelle (für mich): ein Ausfall der ersten 4 Wochen AINS.
In Anbetracht einer trotz allem wohl zu bestehenden Abschlussklausur am Ende des Semesters schien ein vierwöchiger Ausfall nicht vorteilhaft, denn AINS machte mit 40 Fragen einen Teil der Klausur aus.

Was blieb waren die Freitags-Vorlesungen, die digital via ZOOM von 7:30 Uhr bis ca. 17:30 Uhr live vorgetragen wurden.

Weitere E-Mails flogen an die Studierende des Blockpraktikums ein, mit der Bitte, nicht allzu frustriert zu sein, wenn die ursprünglichen Pläne vielleicht durchkreuzt werden, es seien besondere Zeiten.
In diesen besonderen Zeiten hieß es sich in Geduld zu üben, zu hoffen, dass sich alles irgendwie fügt und stets im Hinterkopf zu behalten, dass Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen und für einen Großteil der Bevölkerungen die wirtschaftliche Existenz gefährdet war.
Und in Anbetracht dessen war ein verspätetes oder unter Umständen auch ein nicht stattfindendes Semester in jedem Fall das geringste Übel.  

Tatsächlich fügte sich alles und das Blockpraktikum, wenn auch sehr modifiziert, konnte mehr oder weniger stattfinden.
Anfänglich war in einigen Fachabteilungen aufgrund der aktuellen Lage kein Patientenkontakt gestattet und auch die Begleitung der täglichen stationären Visiten war den „Blockis“ nicht erlaubt, sodass das Angebot der jeweiligen Abteilung darin bestand, Seminare für eine maximale Anzahl von 5 Studierenden zu halten.
Arzt-Patienten-Gespräche, Anamneseerhebungen, körperliche Untersuchungen und Untersuchungstechniken sowie weitere Tätigkeiten, die zum alltäglichen Klinikalltag nun einmal dazugehören, blieben uns vorerst verwehrt.
Krankenhausluft schnuppern, klinische Erfahrungen sammeln und das theoretische Wissen aus Vorlesungen in die Praxis umsetzen? Nur schwer umsetzbar.

Aber im Verlauf des Blockpraktikums, natürlich immer unter strengen Hygienemaßnahmen, war auch dies zum Teil möglich.
Was das Blocksemester in Zeiten von Corona auf jeden Fall gelehrt hat: das Tragen einer FFP2-Maske gehört zum Klinikalltag.

Besonderer Dank gebührt dem Engagement und dem Einsatz für den Modellstudiengang während der Corona-Krise seitens der Jahrgangskoordinatoren.
Das Blocksemester, wenn auch anders als geplant, konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Und die Auswirkungen des vierwöchigen Ausfalls von AINS (für mich)?
Eine leider nur ausreichende Note bzw. eine nur knapp bestandene Angelegenheit im Fach AINS in der Abschlussklausur. In den anderen Fächern durfte dafür mit sehr guten Leistungen geglänzt werden.
Ein bisschen Schwund ist schließlich immer.

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