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  • Johanna Ebrecht
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  • 28.02.2013

Operieren lernen

Im Rahmen der Qualifikationsprofile des Aachener Modellstudiengangs Medizin wird schon seit 1997 der Wahlkurs "Feel like a surgeon - Topo Skill Kurs" vom Institut für Anatomie in Zusammenarbeit mit der chirurgischen Klinik angeboten. Studenten ab dem 7. Semester haben die Möglichkeit, allgemein-, gefäß- und neurochirurgische Operationen in Theorie und Praxis zu erlernen.

Ins Leben gerufen wurde der Kurs bereits 1997 durch Prof. Dr. med. A. Prescher (Anatom) und Prof. Dr. med. V. Schumpelick (Chirurg). Mittlerweile hat PD Dr. med. Binnebösel (OA Chirurgie) die chirurgische Leitung übernommen. Ursprünglich fiel dem ehemaligen Leiter der allgemeinchirurgischen Klinik lückenhaftes anatomisches Wissen bei seinen Berufsanfängern auf. Daraufhin wurde der Kurs gegründet. Mittlerweile bietet das Qualifikationsprofil 25 chirurgisch interessierten Studenten die Möglichkeit, schon vor Berufseinstieg theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden.

 

Mit Nadel und Faden

Zu Beginn geht es um die "Basics": Welche Instrumente gibt es im OP und wie werden sie gehalten? Neben diesen Fragen kommt auch das Nähen und Knoten nicht zu kurz. Unter fachkundiger Anleitung üben wir den überkreuzten Knoten in Ein- und Zweihandtechnik sowie den Instrumentenknoten. Sobald wir diese Techniken beherrschen, geht es eine Stufe weiter: Nähen eines aufgeschlitzten Hähnchenschenkels mit Handschuhen, Nadelhalter und natürlich Nadel und Faden. Dabei starten wir mit einer Einzelknopfnaht, es folgen Intrakutannaht aber auch U-Nähte nach Donati und Allgöwer. Mit den Chirurgen besprechen wir dann, wann welche Nähte verwendet werden und welchen Faden man am besten in welcher Situation benutzt. Übrigens: Es lässt sich auch gut an Orangen und Bananen üben.

 

Eine Banane wird genäht - Foto: J. Ebrecht

Eine Banane wird genäht

 

An einer Banane kann geduldig geübt werden - Foto: J. Ebrecht

An einer Banane kann geduldig geübt werden

 

Vorkenntnisse

Es empfiehlt sich, in der Anatomie aufgepasst zu haben. Gibt es nämlich zu viele Bewerber, entscheidet eure damalige Punktzahl über einen Kursplatz. Praktische Vorkenntnisse aus Famulaturen oder anderen Kursen dagegen sind sicher wünschenswert, aber nicht zwingend. Denn auch auf absolute Anfänger wird seitens der Chirurgen individuell eingegangen. Zudem hilft und ergänzt man sich unter Sitznachbarn. Insgesamt drei Wochen mit jeweils zwei Terminen verbringen wir so mit Trockenübungen.

 

Anatomie mal anders

In der vierten Woche startet der Topo Skill Kurs. Dienstags abends findet der Theorieunterricht statt: Hernien sind das Thema. Prof. Dr. Prescher erklärt noch einmal die gesamte Leistenregion. Die Topographie von Nerven, Blutgefäße, Muskeln und wichtigen anatomischen Landmarken wird anhand anschaulicher Tafelbilder aufgefrischt - immer gespickt mit interessanten oder amüsanten historischen Details. Danach erklärt ein Chirurg die verschiedenen Operationsmöglichkeiten bei Leistenhernien. Auch Epidemiologie, Ätiologie und Indikationen für eine OP werden für die verschiedenen Krankheitsbilder besprochen. Wie immer kommen unsere Fragen nicht zu kurz.

 

Feel like a surgeon

Am nächsten Tag geht's dann ans Eingemachte: An insgesamt drei Körperspendern können wir unser neu erworbenes Wissen praktisch ausprobieren. Natürlich können nicht alle gleichzeitig ans Werk. Während einer "operiert", assistiert der Rest der Gruppe, gibt Tipps oder schaut einfach zu. Gewechselt wird aber immer, so dass zum Schluss jeder Student ein Teilstück zur gesamten OP geleistet hat. Pro Tisch gibt es einen Chirurgen, der fachkundig mit Rat und Tat zur Seite steht. So sorgen auch interessante Geschichten aus dem "wirklichen OP" für eine Vertiefung des bereits Gelernten.

 

Besondere Highlights

Besonders hervorzuheben ist in diesem Kurs neben den klassischen allgemeinchirurgischen OPs wie zum Beispiel einer Appendektomie, dem Anlegen einer Thorax-Drainage, einer Tracheotomie oder einer Darmanastomose, der neurochirurgische Tag mit Prof. Dr. Korinth. Hier kann man nach theoretischer Einführung eine Hirndruckentlastung mit einem Bohrer selbst durchführen.

Auch das Laparoskopie-Training an zwei verschiedenen Simulatoren zum Ende des Kurses gibt ein erstes Gefühl für das chirurgische Handwerk. Was im OP immer so einfach aussieht, gestaltet sich plötzlich ganz anders: Neben dem Handling der laparoskopischen Instrumente gilt es, die Kamera richtig einzustellen, sich auf einem zweidimensionalen Bild zu orientieren und dabei nicht zu verkrampfen.

 

Matthias übt am Simulator - Foto: J. Ebrecht
Matthias übt am Simulator

 

Fazit

Natürlich näht sich die Haut eines fixierten Körperspenders nicht so, wie die von echten Patienten. Und auch die Lunge verhält sich während der Anlage einer Thoraxdrainage beim Lebenden sicherlich anders als beim Toten. Die Arbeitsschritte und das Handling der Instrumente bleiben aber die Gleichen. Die Atmosphäre ist locker, niemand hat Angst, Fehler zu machen. Fakt ist: Man hat schon einmal eine Thoraxdrainage gelegt. Mit eigenen Händen. Erwiesenermaßen bleibt diese Erfahrung besser hängen als theoretisches Wissen aus Büchern. Im Ernstfall behält man die Nerven. Zum Anderen verlieren wir Studenten die Unsicherheit vor den ersten OPs. Wie knote ich nochmal? Das fragt sich ein Teilnehmer des Qualifikationsprofils nie wieder.

Und übrigens: im Sommersemester gibt es den Kurs mit unfallchirurgischem Themenschwerpunkt.

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