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  • Judith Ehresmann
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  • 06.06.2017

Der Feind im Aachener Medizinstudium: Zellbiologie

Die Zellbiologie-Klausur ist gefürchtet wie keine andere im ersten Semester? Was macht diese Klausur so schwierig?

Schon beim Wort "Zellbiologie" huscht den Aachener Humanis ein kalter Schauer über den Rücken und es fallen Sätze wie: „Das war die schlimmste Klausur überhaupt!“

Ja, die Zellbiologie ist kein Fach, das mal eben an zwei Wochenenden gelernt werden kann. Wohl gemerkt: Das lässt sich ohnehin nicht für irgendein Fach sagen, außer man ist hochintelligent oder überaus begabt.
Bei der Zellbiologie ist es aber tatsächlich zu raten, Monate vor der Klausur mit dem Lernen zu beginnen.
Wenn man bedenkt, dass es für das Physikum den sogenannten 30-Tage-Lernplan gibt und die Lernzeit für das Staatsexamen mit dem sogenannten 100-Tage-Lernplan ausreicht, kommt man wohl nicht umhin sich zu fragen, was das Fach Zellbiologie, das so an keiner anderen Universität gelehrt wird, überhaupt beinhaltet.

Der folgende Beitrag deckt auf und erklärt auch, warum gerade in Zellbiologie die Durchfallquote so hoch ist.

Erstes Semester: Zellbiologie 1.
Zweites Semester: Zellbiologie 2.
So sieht es der Stundenplan des ersten Studienjahres vor.

Im ersten Semester besteht das Fach Zellbiologie 1 aus folgenden drei Teil-Fächern: Biologie, Biochemie, Physiologie. Der Hauptteil der Klausur, die einem kurz vor Semesterende im Februar ereilen wird, setzt sich aus dem Biologie-Teil zusammen, in dem man 12 Punkte erreichen kann. In dem Biochemie-Teil, der wiederum aus drei weiteren Teilgebieten besteht und jeweils von drei Dozenten unterrichtet wird, kann man je Teilgebiet 6 Punkte erreichen, also insgesamt 18 Punkte. Der Physiologie-Teil macht mit 5 zu erzielenden Punkten den kleinsten Bereich aus. Mut zur Lücke also? In dem Fall nicht zu empfehlen! Denn vom Sagenhören ist bekannt: Wer Physiologie nicht lernt, fällt durch!

Insgesamt kann man 37 Punkte erreichen. Zum Bestehen benötigt man 21 Punkte. Klingt machbar. 60 Prozent sollten doch schließlich drin sein. Sollten...
Dem ist leider nicht so.
Für etwas faule Studierende, uninteressierte Studierende (Beispiel: „Biochemie ist einfach nicht meins!“) oder Studierende, die gerne auf den letzten Drücker lernen, birgt die Zellbiologie-Klausur eine besondere Gefahr.
Aber auch bei Studierenden, die stets fleißig sind und viel lernen, kann es vorkommen, dass es einfach nicht genug war. Man scheitert eventuell an sechs Punkten, an zwei Punkten und manchmal sogar an nur einem einzigen Punkt. Und nicht immer kann man sich in der Klausur-Einsicht den Punkt erkämpfen und steht somit vor der Wiederholungsklausur.

Die Herausforderung in Zellbiologie 1 ist einfach die schiere Masse an Lernstoff.
Natürlich: Medizinstudierende werden häufig von einem riesigen Berg an Lernstoff erschlagen und wissen nicht wie das alles in so kurzer Zeit zu bewerkstelligen ist.

Der Ersti in Aachen wird im Fall von Zellbiologie 1 die Felssteine anrollen sehen und sofern er nicht konsequent für dieses Fach (bzw. diese Fächer!) lernt, wird er es sehr sehr sehr schwer haben, diesen Berg zu bezwingen.
Ein Beispiel: Die erste Vorlesung für den Biologieteil besteht aus 78 Folien, das Fach Biologie beinhaltet ungefähr 12 bis 13 Themen. Sofern jedes Thema die ähnliche Anzahl an Vorlesungsfolien besitzt, ist es leicht zu erahnen, was auf einen zukommt.
Im Anschluss daran noch Biochemie und Physiologie zu beherrschen wird die hohe Kunst sein.
Professoren empfehlen: Die Klausurvorbereitung für Biologie bereits in den Weihnachtsferien, spätestens nach den Weihnachtsferien beendet zu haben, um weitere 6 Wochen für Biochemie und Physiologie lernen zu können und nebenher natürlich Biologie immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, damit man nichts vergisst.
Vielleicht wäre alles nicht ganz so herausfordernd, wenn dann nicht auch noch andere Klausuren, die kurz vor der Zellbiologie-Klausur stattfinden, zu schreiben wären und für welche man schließlich ebenfalls lernen muss: Medizinische Terminologie und die Physikklausur, die auch nicht für jeden eine Leichtigkeit sind und etwa eine Woche vor der Zellbiologie-Klausur geschrieben werden.

Das Leben eines Erstis kann also auch alles andere als rosig sein ;-)

Zeitmanagement ist hierbei das große A und O: Lernplan erstellen. Nachhilfe erbeten. Sich für den Tag 24 weitere Stunden wünschen.
Und folgendes irgendwie eruieren: „How to sleep 8 hours in 4 hours“.
(Sofern ihr diesbezüglich etwas herausgefunden habt, gerne melden!)

In diesem Sinne: Auf die Lehrbücher – fertig – los!
Ich wünsche viel Erfolg und gaaaaanz viel Glück!

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