• Bericht
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  • Lukas Nussbaum
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  • 03.02.2016

Als Ersti im OP – die Uni Basel macht's möglich

Normalerweise haben Medizinstudierende erst in den klinischen Semestern die Chance, einen OP von innen zu sehen – nicht so in Basel. Wie es ist, als Ersti im OP dabei sein zu dürfen.

 

Operatonsszene - Foto: ©Kzenon/Fotolia.com

Foto: ©Kzenon/Fotolia.com 

 

In Basel sind Theorie und Praxis eng verknüpft und gleich zu Beginn des Studiums startet das LAP, „Lernen am Projekt“. Dabei kann man zwischen verschiedenen Themen wählen, hat theoretischen Unterricht, aber auch Praktika, Stations- und OP-Besuche.

In meinem ersten Studienjahr begleitet mich das Thema „Gynäkologie und Schwangerschaftsmedizin“. Heute darf ich zum ersten Mal bei einer OP dabei sein. Operiert wird eine Patientin, die von der häufigsten Krankheit im gynäkologischen Bereich betroffen ist: dem Mammakarzinom. Als ich komplett vermummt in blau den Operationssaal betrete, liegt die Patientin bereits in Narkose auf dem OP-Tisch. Augenblicklich lasse ich den Hörsaal mit seiner stickigen Luft und den nicht enden wollenden chemischen Formeln hinter mir. Das hier ist etwas ganz anderes, neues für mich. Hier geht es nicht mehr um Bilder auf einer Leinwand, plötzlich ist alles so greifbar: vor mir liegt ein richtiger Mensch.

Im Saal ist es ziemlich kühl, worüber ich dankbar bin – schließlich bin ich dick verpackt im sterilen Gewand und engen Handschuhen. Die leichte Aufregung tut den Rest dazu. Erstmal soll ich nur zuschauen: Aufmerksam beobachte ich die beiden erfahrenen Ärzte, wie sie zuerst die Wächterlymphknoten in der Axilla und dann den Tumor in der Brust entfernen. Zwischendurch darf ich einen Haken halten und die Operateure erklären mir, woran sie gerade arbeiten. Die Lymphknoten wurden am Vormittag mit Technetium-99 markiert, einer radioaktiven Substanz. Diejenigen in der Nähe des Tumors werden entfernt und untersucht. Wenn sie vom Tumor befallen sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass im Körper Metastasen zu finden sind.


Aufgrund der Markierung können die Lymphknoten mithilfe einer Sonde schnell gefunden werden. Währenddessen stelle ich mir Fragen: Was von dem Gewebe ist Brustgewebe und wo ist der Lymphknoten? Wo sind die Blutgefäße? Da ich ganz am Anfang des Studiums stehe, habe ich noch keine Anatomievorlesungen besucht, den Prometheus erst von außen gesehen und dementsprechend keinen blassen Schimmer was wo liegt.


Als es darum geht, die Wunde unter der Achsel und die unter der Brust zu verschließen, komme ich dran. Der eine Operateur lässt mich vortreten und ich assistiere dem anderen. Zuerst muss die Blutung der Wunden gestillt werden. Dazu verwende ich eine bipolare Pinzette. Sie verödet die Gefäße durch Strom, indem sie das Gewebe sozusagen „verbrennt“. Für Flächen kommt der Argonbeamer (korrekte Bezeichnung: Argonplasma-Koagulationsgerät) zum Einsatz. Dieses Gerät erzeugt durch ionisiertes Argongas große Hitze, was dieselbe Wirkung hat wie die bipolare Pinzette.


Dieser Schritt ist besonders für mich. Es geht nicht mehr ums Hakenhalten oder Werkzeuge weiterreichen, sondern um einen Eingriff. Wenn ich jetzt etwas falsch mache, dann hat das Konsequenzen für die Patientin. Doch der Arzt weist mich genau an und korrigiert, wo nötig. Etwas unbehaglich fühle ich mich trotzdem. Als die Wunden nicht mehr bluten, gehen wir zum Zunähen über. Der Arzt näht, ich schneide die Fäden ab. Die Nähte werden mit Steri-Strip überklebt und die Operation ist damit beendet.


Im Nachhinein betrachtet war es wirklich eine super Erfahrung für mich, an dieser OP teilnehmen zu dürfen. Jetzt habe ich wieder richtig viel neue Motivation fürs Studium gewonnen! Der Weg durch die Vorklinik ist schon manchmal etwas steinig, führt durch Hörsäle und Prüfungen, Bücher und Lernvideos und viele einsame Stunden am Schreibtisch. Wichtig ist aber immer, sein Ziel vor Augen zu haben: meins ist die Klinik, eigene Patienten zu betreuen und zu versorgen, Arzt zu sein – und eines Tages vielleicht selbst als Operateur im OP zu stehen.

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