• Interview
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  • Fanny Berlincourt
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  • 17.06.2008

Basel aus Dozentensicht: Prof. Kapfhammer im Gespräch

Um herauszufinden, was unsere Dozenten von Basel als Wohn- und Forschungsstandort halten, hat Fanny einige Interviews geführt. Hier nun das erste Interview mit Herrn Professor Dr. Kapfhammer, Anatomie-Dozent und Tischbetreuer im Präpariersaal.

Prof. Kapfhammer - Foto: privat

Professor Dr. Kapfhammer

> Herr Professor Kapfhammer, was führt Sie zu uns nach Basel?

Ich bin im Raum Stuttgart in Deutschland aufgewachsen und habe in Tübingen Medizin studiert und dort auch promoviert. Nach Anstellungen als wissenschaftlicher Assistent in Zürich und Boston habe ich in Freiburg im Breisgau eine unabhängige Forschungsgruppe geleitet. Im Jahr 1999 wurde ich dann auf meine jetzige Stelle als Professor für Anatomie an der Universität Basel berufen.

In Basel fühle ich mich wohl und ich bin deshalb gerne hier, weil Basel einerseits ein sehr gutes Umfeld für meine wissenschaftliche Arbeit bietet und andererseits eine faszinierende Stadt und Region mit hoher Lebensqualität und netten Bewohnern ist.

 

> Was macht Basel als Forschungsstandort interessant?

Der Forschungsstandort Basel ist im Bereich Life Sciences und konkret für mich im Bereich Neurowissenschaft attraktiv, weil neben den bereits sehr guten Gruppen an der Universität - medizinische Fakultät und Biozentrum - zusätzlich noch sehr gute Gruppen am Friedrich-Miescher-Institut und in der pharmazeutischen Industrie vorhanden sind. Das macht Basel zu einer der Top-Adressen in Life Sciences und neurowissenschaftlicher Forschung. Für mich persönlich kommt hinzu, dass ich durch meine frühere Arbeit noch gute Kontakte nach Freiburg im Breisgau und nach Zürich habe - damit ist Basel für mich ein idealer Standort.

 

> Sie sind am anatomischen Institut tätig: Worin besteht ihr Forschungsschwerpunkt?

Mein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Neurowissenschaften, dort in der Entwicklung und Plastizität des Nervensystems. Meine Arbeitsgruppe untersucht, durch welche Mechanismen und Moleküle das Auswachsen von Nervenzellfortsätzen, also von Axonen und Dendriten, während der Entwicklung und nach Verletzungen gesteuert wird. Dabei benutzen wir eine spezielle Gewebekulturmethode, die es uns erlaubt, Tierversuche weitgehend zu vermeiden. Genauere Informationen finden sich auf der Homepage des Anatomischen Instituts unter Forschung.

Homepage des Anatomischen Instituts

> Basel - was gefällt Ihnen hier, was weniger?

Was mir an Basel gefällt, lässt sich mit dem Begriff "kleine große Stadt" zusammenfassen. Die Region Basel bietet ein vielfältiges kulturelles, sportliches und wissenschaftliches Angebot, das sich problemlos mit dem wesentlich größerer Städte messen kann. Gleichzeitig sind die Wege extrem kurz und viele negative Aspekte von Großstädten wenig ausgeprägt.

In London oder Berlin ist es normal, eine Stunde und mehr zwischen Arbeitsplatz und Wohnung unterwegs zu sein, das wäre nichts für mich. Wenige Kilometer von Basel entfernt beginnt bereits die ländliche Region und der dünn besiedelte Jura. Dazu kommt die Nachbarschaftslage zu Frankreich und Deutschland. So sind hier auf kleinem Raum eine Vielzahl von unterschiedlichen Kulturregionen vorhanden, die es erlauben, täglich Neues zu entdecken.

Ein wenig Mühe hatte ich in den letzten Jahren mit den sommerlichen Temperaturen mit teilweise über 35°C im Büro, da war ich drauf und dran, in den Präpariersaal zu flüchten.

 

> Sie haben uns Schweizer Studenten schon etwas kennengelernt - sind wir anders als andere Studenten?

Da ich meine Ausbildung als Lehrperson im Anatomieunterricht in Zürich erhalten habe und vor meiner Zeit in Basel gerade mal für 4 Jahre in Freiburg im Breisgau war, kenne ich die schweizer Studenten eigentlich besser als die deutschen. Was den Unterricht in Basel sehr schön macht, ist, dass der Jahreskurs hier im Vergleich zu Zürich und Freiburg mit jeweils über 300 Studierenden recht klein ist und ich nach dem 2. Jahreskurs die meisten Studenten vom Sehen her kenne und mit vielen schon geredet habe. Das gibt dem Unterricht hier eine sehr schöne persönliche, fast familiäre Note.

Die Studentinnen und Studenten hier sind etwas zurückhaltender als die in Deutschland, da würde ich mir manchmal ein wenig mehr Aktivität und Initiative wünschen.

 

> Sie betreuen uns Studenten im Präparierkurs - ist jeder Jahreskurs anders?

Es gibt schon immer wieder Unterschiede zwischen den Jahreskursen, aber die sind doch eher gering. Was mir und den Mitarbeitern aber immer wieder auffällt sind die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Tischgruppen. Da finden sich offenbar doch ähnliche Persönlichkeiten zusammen. An manchen Tischen ist es deshalb manchmal eher ein wenig zähflüssig, an manchen Tischen kann es sehr turbulent zugehen.

Für mich persönlich ist der Präparierkurs immer wieder eine schöne Erfahrung, da ich die betreuten Gruppen über eine längere Zeit verfolgen kann. Da ist im Medizinstudium plötzlich die Anonymität der Massenuniversität verschwunden.

 

>Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Studenten aus?

Neugier und Engagement.

 

> Haben Sie einen Tipp für das Studium oder fürs Leben zum Abschluss?

Der Alltag ist voller kleiner komischer und lustiger Vorfälle und Begebenheiten, die viele Menschen aufgrund von Anspannung und Routine gar nicht mehr wahrnehmen. Halten Sie Augen und Verstand offen und versuchen Sie zuweilen, das Leben wie ein Zuschauer im Theater zu betrachten, dann können Sie regelmäßig schmunzeln, auch öfter mal über sich selbst!

Herzlichen Dank für das Interview!

 

HIER geht's zum Interview mit Neuroanatomiedozentin Frau Professor Nitsch

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