• Bericht
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  • Wulf Breuel
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  • 20.08.2007

Beim ersten Mal tat's noch weh...

Die erste Blutentnahme erwartet den nach langer Zeit vom "Vorkliniker" zum stolzen "Kliniker" gewandelten Studi wohl spätestens bei der ersten Famulatur, genauer gesagt am ersten Tag der ersten Famulatur. Meine Erfahrung beschränkte sich dabei auf gegenseitig wildes Venensuchen im Praktikum der Klinischen Chemie, aber das war schließlich nicht an einem richtigen Patienten gewesen.

Ich hatte kaum Guten Morgen aussprechen können, als der Stationsarzt mir schon ein Becherchen mit diversen Röhrchen und Nadeln in die Hand drückte. Hast du das schon mal gemacht? Ja, EIN Mal (und das ging schief, aber soweit kam ich schon wieder nicht). Also versuchte ich mich an den Ablauf laut Lehrbuch zu erinnern: Desinfizieren, Stauen, Tasten - Mist, das war falsch. Also nochmal Desinfektionsmittel draufspühen. Langsam die Nadel in diese riesig hervorspringende Vene bohren - schließlich will man ja auf keinen Fall danebenstechen. Mein Patient war ein Held und hielt auch das standhaft aus.
Das Wechseln der Röhrchen war schwer genug, aber als das letzte gefüllt war, machte sich dieses Hey-ich-bin-so-gut-Gefühl langsam breit. Jetzt noch die Nadel aus dem Arm und ein kleines Pflaster draufkleben und alles ist perfekt. Aber, was war denn das? Das wird ja in Blitzesschnelle dick und Blut läuft da auch noch raus.... Das kann doch nicht sein, wo ich alles so gut hinbekommen hatte. Panik. Oh, Mist, der Stauschlauch. Ich hatte vergessen, ihn vor dem Ziehen der Nadel zu lösen.

Ich entschuldigte mich bei "meinem" Patienten und wäre am liebsten im Boden versunken, aber dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung. Später am Vormittag klärte mich der Stationsarzt auf, das die Nadel Kanüle heißt und es besonders schmerzhaft ist, wenn man sie langsam in die Vene vorschiebt. Und das ich immer daran denken solle, die Stauung zu lösen - bevor ich die Kanüle entferne. Aber das wusste ich ja schon....

 

Drei Mal erstes Mal

Die erste Famulatur, der erste Tag und die erste Blutabnahme. Drei Personen in einem Raum, eine davon hat Angst: Ich.

Wir nehmen einen mit Venen wie Wasserrohre für dich, hatte er mir zugesichert. Und er hatte dieses Versprechen gehalten. Der Patient wusste zum Glück, worauf er sich da ganz "freiwillig" einließ und auch der PJler war ganz ruhig. Kein Wunder, schließlich war der ja Profi als Vampir.

Stauschlauch anlegen, Vene tasten. Da ist keine Vene. Doch, fühl mal hier. Ok, das sollte also die Vene sein.

 

Mir rann der Schweiß über den Rücken

Dann zeigte er mir, wie ich die Nadel halten sollte und mir blieb nichts weiter übrig, als in den sauren Apfel zu beissen und den Versuch zu beginnen. Aber siehe da, das Röhrchen füllt sich tatsächlich. So schwer war das also gar nicht. Doch der eigentlich schwierige Teil begann erst jetzt. Das nächste Röhrchen lag bereit, nur wie sollte ich das Wechseln bewerkstelligen. Ein fragender Blick in Richtung meines PJlers. Die Nadel festhalten und dann das Röhrchen abdrehen, nächstes Röhrchen einfach wieder ansetzen und drücken und drehen, bis es einrastet. Aber dabei nicht die Nadel bewegen, sonst bis du durch die Vene durch - waren seine Worte. Einfach? Mir ran der Schweiß in Strömen den Rücken entlang, aber es hat dann doch irgendwie geklappt.

Im Anschluss hat mich mein "Opfer" dann sogar noch gelobt, es hatte ihm offensichtlich nicht weh getan. Ich war zwar völlig fertig, aber stolz wie Oskar.

 

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