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  • Christine Zeides
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  • 13.07.2017

Das ABC der Charité

Wie studiert es sich eigentlich so in Berlin? Welche Lehr- und Prüfungsformate gibt es und wo befinden sich deine Campi? Wie funktioniert der Modellstudiengang? Fragen über Fragen – Christine hat Antworten für dich parat.

© Christine Zeides

Arbeitsgruppen

An der Charité gibt es für dich als Student viele Möglichkeiten, aktiv zu werden und in rund 35 AGs teilzunehmen. Besonders beliebt sind die Anamnesegruppen, bei denen man ein ganzes Semester lang intensiven Patientenkontakt übt und lernt, mit schwierigen Gesprächssituationen umzugehen. Wer gerne mit Kindern arbeiten möchte, für den ist das Teddybärkrankenhaus der Teddy Docs interessant: Hier kommen Kinder aus den Berliner Kitas und lassen ihre Kuscheltiere von den Studenten versorgen. Wer in Schulen gehen möchte, kann dort über Organspende berichten, Aufklärung gegen Tabak leisten oder erklären, wie man „Mit Sicherheit verliebt“ ist. Wer gerne viel diskutiert, ist bei den Kritischen Medizinern gut aufgehoben. Oder man geht mit InterPol der Frage nach, was die verschiedenen Berufsgruppen von Medizinern, Pflegern, Physio- und Ergotherapeuten eigentlich voneinander lernen können. Das Poutpourri der AG-Angebote ist so vielfältig wie seine Studenten und es lohnt sich, vieles auszuprobieren! Alle Angebote findest du hier.

Blackboard

Das Blackboard ist ein Internetportal der FU Berlin, das wir Charitéstudenten mit nutzen. Hier findet ihr die Struktur der Module wieder. Die Dozenten laden hier die Vorlesungs-PowerPoint-Foliensätze sowie Vorbereitungsmaterialien und Audioaufzeichnungen hoch. Zudem kann man hier Kurse abonnieren, die einen interessieren.

Campi

Die Charité verteilt sich über 4 Campi und damit über die ganze Stadt. Lehre wird an allen Campi betrieben – nur zu unterschiedlichen Anteilen.

Campus Mitte (CCM)

Hier haben wir Studenten zu Beginn des Studiums den größten Teil des Unterrichts. Der Campus Mitte beherbergt das große Bettenhochhaus und erinnert mit den roten Klinkergebäuden ein wenig an Hogwarts. Er ist gut über den Hauptbahnhof oder über die U6 Oranienburger Tor oder Friedrichstraße zu erreichen.

Campus Virchow-Klinikum (CVK)

Dieser idyllische Campus liegt im Wedding. Auch hier findet regelmäßig Unterricht statt. Vom Campus Mitte aus fährt man mit dem Fahrrad gut 15 Minuten – wer Bahn fahren will, dem empfiehlt sich die Station U6 Amrumer Straße.

Campus Benjamin Franklin (CBF)

Dieser Campus steht hin und wieder auf dem Stundenplan. Er ist wegen des langen Anfahrtswegs gefürchtet und auch optisch keine Schönheit. Die Fahrt bis zur Station Rathaus Steglitz (U9) dauert rund 40 Minuten, anschließend bedarf es noch eines Bustransfers zum Campus. Wer mit dem Rad fährt, ist da deutlich schneller und hat sich noch sportlich betätigt.

Campus Berlin Buch (CBB)

Diesen Campus sieht man erst in den hohen Semestern, er ist am Anfang irrelevant.

Dozenten

In den Vorlesungen, Seminaren und Praktika begegnen euch ganz unterschiedliche Dozenten. An der Charité sind viele Angestellte verpflichtet, Lehre zu machen, sodass nicht alle Themen von den jeweiligen Experten gehalten, aber auf jeden Fall mit einheitlichem Foliensatz von ihnen vorbereitet werden. Nur in KIT, in POL und im U-Kurs wird man durchgehend vom selben Dozenten betreut. Allgemein sind alle Lehrbeauftragten sehr engagiert und fordern dazu auf, mitzudenken und bei Fragen auch kurz vor den Prüfungen noch E-Mails zu schreiben, die dann auch zügig und ausführlich beantwortet werden.

Erstis

Freundlicher Begriff für die Studienanfänger, die auf dem Campus orientierungslos herumlaufen und ihre Hörsäle suchen (die teilweise sehr gut versteckt sind).

Evaluation

Der Modellstudiengang versucht sich stets zu verbessern. Alle Lehrveranstaltungen und Lernziele können daher von den Studierenden kommentiert und bewertet werden. Davon profitiert man selbst zwar nicht mehr, aber die folgenden Generationen der Studenten. Nur so kann der Studiengang jedes Semester ein bißchen besser werden.

Famulatur

Ab dem 4. Semester muss jeder Medizinstudent 4 x 30 Tage Famulatur ableisten. An der Seite von Stationsärzten lernt er dort ärztliche Tätigkeiten kennen und darf einfache Aufgaben selbstständig durchführen, z.B. tägliche Blutabnahmen oder kleine Untersuchungen. Zwei Monate müssen im Krankenhaus, ein Monat beim Hausarzt und ein Monat in der ambulante Versorgung verbracht werden. Die Famulaturen sind nützlich, um Einblicke in mögliche spätere Berufsfelder der Fachdisziplinen zu erhalten und das theoretische Wissen in der Praxis umgesetzt zu sehen.

FSI

Die Fachschaftsinitiative der Charité setzt sich für die Rechte der Studierenden ein und vertritt sie im Studierendenparlament der HU. Sie verteilen Gelder an die AGs und kommunizieren mit der Universitätsleitung über Entscheidungen wie die Prüfungsordnung oder die Verträge studentischer Angestellter. Alle 14 Tage treffen sie sich am Mittwochabend zur gemeinsamen FSI-Sitzung und auch Erstis sind eingeladen, hier mit zu diskutieren und sich zu engagieren.

HAM-NAT

Wenn du an der Charité Medizin studieren will, musst du die Charité bei hochschulstart.de mit erster Ortspräfarenz angeben. Du kannst dann entscheiden, ob du dich mit der Abibestenquote (20% der Plätze), mit dem Auswahlverfahren (60%) und/oder über die Wartezeit (20%) bewerben willst. Kommst du ins Auswahlverfahren, muss du dort den HAM-NAT-Test schreiben, der naturwissenschaftliche Kenntnisse in den Bereichen Mathematik, Chemie, Physik und Biologie auf Leistungskursniveau abprüft. Die Punkte aus dem Test werden zu den Punkten der Abinote addiert. Die Studienplätze werden dann nach Punktzahl vergeben.

KIT (Unterrichtsformat)

„Kommunikation-Interaktion-Teamarbeit“ schult dein Wissen um Gesprächstechniken mit Patienten aller Art. Hier werden Grenzsituationen wie weinende oder aggressive Patienten besprochen und beispielhaft mit Simulationspatienten geübt. Gemeinsam reflektiert man die eigene Vorstellung vom Arztberuf und moralisch-ethische Überlegungen der medizinischen Versorgung. Auch wenn die KIT-Termine oft lang erscheinen und teilweise keinen guten Ruf genießen, ist KIT ein äußerst wichtiges und lehrreiches Format, aus dem man viel Wissen und Erfahrung ziehen kann, wenn man sich nur darauf einlässt.

Lerngruppe

Der Modellstudiengang erfordert von den Studenten viel Eigenarbeit. Die ist am besten in einer Lerngruppe zu bewältigen, denn man kann sich gegenseitig Fragen stellen und gemeinsam Themen erarbeiten und vertiefen.

Lernspirale

Schon in den frühen Semestern verweisen die Dozenten auf die Lernspirale – das bedeutet, dass Themen der ersten Semester später noch einmal vertieft aufgegriffen werden. In höheren Semestern erleben die Studenten dann wahre „Aha!“-Effekte und plötzlich bekommt die scheinbar undurchsichtige Struktur einen Sinn.

Lernzentrum

Das Lernzentrum ist ein Raum für die Studenten – hier kann man Räume für seine Lerngruppe buchen, Modelle ausleihen oder an einem der zahlreichen Tutorien teilnehmen, die Studierende aus höheren Semestern zu den unterschiedlichsten Themen anbieten.

Lernziele

Für jede Veranstaltung werden Lernziele formuliert, die das Ziel der Lehre definieren: „Nach der Veranstaltung soll der Studierende in der Lage sein, einen Herzinfarkt im EKG erkennen zu können.“ Durch diese Lernziele wirkt der Studiengang sehr verschult. Andererseits helfen sie, sich bei der Prüfungsvorbereitung auf gewissen Themen zu konzentrieren. Natürlich sind auch diese Lernziele nicht repräsentativ für die gesamte Veranstaltung, bei der noch viel mehr als die Lernziele besprochen werden. Für die Klausur sind nur die Lernziele relevant, für das eigene Interesse und das klinische Verständnis sind jedoch auch alle anderen Informationen interessant.

MC (Prüfungsformat)

Die Multiple-Choice-Klausur stellt Fragen zu den Modulen des abgeschlossenen Semesters. Die Fragen werden von den Modulverantwortlichen gestellt. Sie treffen eine Auswahl von 40 Fragen, sodass nie das ganze Wissen aus dem Semester repräsentiert ist. Es ist gut möglich, dass das Prüfungsergebnis nicht dem eigentlichen Kenntnisstand entspricht. Wer sich jedoch gut auf alles vorbereitet, kommt auf jeden Fall durch – und relevant ist nur das Bestehen der Prüfung, nicht die Note.

Modellstudiengang

Eine Reform des klassischen Regelstudiengangs, die mehr Praxisbezug und früheren Patientenkontakt ermöglicht. Die Trennung zwischen Vorklinik und Klink ist aufgehoben. Praktische Fähigkeiten werden bereits im ersten Semester vermittelt. Das Studium ist in multidisziplinären Modulen organisiert – pro Semester hat man vier Module mit jeweils vier Wochen Unterricht. Sie widmen sich stets einem Thema. Besonders ist auch, dass man aus diesem Grund kein Physikum nach dem 4. Semester schreiben muss, sondern dieses mit physikumsäquivalenten Prüfungen, die nach jedem Semester geschrieben werden absolviert. Nach dem 6. Semester ist das Physikum erreicht. Wer im Modellstudiengang beginnt, kann jedoch nicht in eine andere Stadt wechseln, da jeder Modellstudiengang etwas anders gestaltet ist und ein Einstieg in den Regelstudiengang erst recht nicht möglich ist.

Module

Ein Modul widmet sich einem Thema von verschiedenen Seiten. Sie tragen Titel wie „Blut und Immunsystem“, „Mensch und Gesellschaft“ oder „Psyche und Schmerz“. Es ist in 4 Wochen untergliedert, die jeweils thematisch unterschiedliche Schwerpunkte legen. In jedem Semester durchläuft man somit vier Module und schreibt seine Prüfung am Ende des Semesters über ihre Inhalte in einer gemeinsamen MC-Klausur (40 Fragen für alle 4 Module zusammen). Früher waren noch Klausuren zu den einzelnen Modulen möglich. Alle Module in ihrer Reihenfolge sind im Modulhaus aufgelistet.

OE-Woche

Die Orientierungs-Einheit erklärt den Erstsemestern alle wichtigen Überlebensstrategien auf dem Campus: Wie man in der Mensa Essen bekommt, wo die verschiedenen Hörsäle sind, wie man die Bibliothek nutzt. Außerdem lernen die Erstis ihre Kommilitonen und das studentische Leben auf dem Campus kennen.

OSCE (Prüfungsformat)

Nach dem 4. und nach dem 9. Semester findet jeweils eine OSCE-Prüfung mit den Inhalten aus den U-Kursen statt. In der Rolle des Arztes hat der Student 8 Minuten Zeit, einen Patientenfall zu bearbeiten. Im Raum erwartet den Prüfling ein Simulationspatient, mit dem eine strukturierte Anamnese geführt werden soll. Anschließend werden fallspezifische Aufgaben bearbeitet, bspw. Therapievorschläge gemacht oder eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Das Format unterstützt den praktischen Ansatz des Modellstudiengangs.

Pflegepraktikum

Bis zum 3. Semester leistet jeder Medizinstudent 3 x 30 Tage Pflegepraktikum auf einer Bettenstation im Krankenhaus ab. Hier soll er Einblicke in die pflegerischen Tätigkeiten erhalten und ersten Patientenkontakt vertiefen. Zudem kann die Mitarbeit mit den Pflegern dazu beitragen, später besser interdisziplinär zu arbeiten.

POL (Unterrichtsformat)

POL ist ein Kleingruppenformat, das man mit acht Kommilitonen das ganze Semester über betreibt. Jede Woche beginnt mit einem POL-Fall, bei dem ein Patient gemeinsam erarbeitet wird. Die behandelte Erkrankung passt thematisch immer zum Modul. Ähnlich wie Sherlock Holmes versucht man durch geschickte Fragestellung möglichst viel vom Patienten zu erfahren und eine Verdachtsdiagnose zu stellen. Anschließend überlegt sich die Gruppe gemeinsame Lernziele, die bis zum Ende der Woche zuhause erarbeitet und dann gemeinsam besprochen werden. Hier haben die Studenten also die Möglichkeit, sich selbst eigene Lernziele zu setzen und nach ihren Interessen zu arbeiten – es entspricht daher ganz dem Geist des Modellstudiengangs. POL funktioniert nur, wenn alle sich gut vorbereiten und miteinander kommunizieren. Leider kommt dieses Format im Sturm von Prüfungsvorbereitung und Zeitdruck oftmals zu kurz.

Selbstständiges Arbeiten

Die zahlreichen Veranstaltungen greifen verschiedene Aspekte eines Themas auf. Wichtig ist jedoch auch, sich den übergeordneten Zusammenhang zu vergegenwärtigen. Mit Modul vorbereitenden Vorlesungen versucht man, die einzelnen Punkte ins große Thema einzuordnen. Selbstständig weiter zu arbeiten oder sich wie in POL selbst eigene Lernziele zu setzen ist für das Konzept des Modellstudiengangs essentiell und wird auch eingefordert. Insbesondere die Anatomie muss man sich recht selbstständig erarbeiten. Wer sich selbst gut strukturieren kann, neugierig in Fachbüchern liest und diszipliniert lernt, für den ist der Studiengang genau das richtige.

Seminare (Unterrichtsformat)

Im Seminar werden die Inhalte der Vorlesung vertieft und erweitert. Es ist interaktiv und eine rege Beteiligung wird eingefordert. Hier können Fragen an Fachexperten gestellt werden.

SMPP (Prüfungsformat)

Bei der SMPP stehen verschiedene Stationen zu Verfügung, an denen jeweils praktische Aufgaben vorgeführt oder theoretische Fragen beantwortet werden müssen, die die Inhalte vergangener Semester prüfen.

StuMv

Die Stümpfe sind Studenten höherer Semester, die vor jedem Modul Tipps und Tricks aus eigenen Erfahrungen berichten und euch Lehrbücher empfehlen, damit aus ihren Fehlern gelernt werden kann.

U-Kurs (Unterrichtsformat)

Einmal in der Woche geht die POL-Gruppe auf Station und wird von Klinikern in der körperlichen Untersuchung angeleitet. Später bespricht man dort auch Patientenfälle und bestimmte Erkrankungen. Hier steht die Praxis im Vordergrund. In Pflegepraktika und Famulaturen macht sich der Kurs bezahlt.

Vorlesungen (Unterrichtsformat)

Zu jedem Modul gehören zahlreiche Vorlesungen zu Beginn der Woche, die das Thema einleiten und Überblicke geben. Der Dozent referiert. Manchmal bringen sie auch Patienten mit in die Vorlesungen, die dann vor den Augen aller interviewt und manchmal auch untersucht werden. Zur Vorbereitung der Vorlesung findet man Vorlesungsfolien auf Blackboard.

Wohnungssuche

Für Medizinstudenten empfiehlt es sich, in den Bezirken Wedding, Mitte, Kreuzberg und Prenzlauer Berg zu suchen – je näher am Campus Mitte und Campus Virchow, desto besser. Fahrtzeiten sollten nicht unterschätzt werden - wer morgens zu lange in die Uni braucht, ist schnell dazu verführt, die einzige Vorlesung des Tages zu schwänzen, weil sich der Weg nicht lohnt. Möglich ist auch die Suche nach Studentenwohnheimen - da man dafür aber die Immatrikulationsbescheinigung braucht und die von der Charité relativ spät erhält, klappt dies meist erst zum 2. Semester.

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