• Bericht
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  • Katharina Kramer
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  • 02.05.2013

Kampf dem Atom-Tod

Der Kalten Krieg war eine Ära der Angst. Täglich hat die Welt mit dem Einsatz atomarer Waffen gerechnet, bis sich die Lage in den Achtzigern beruhigte. Dennoch: Die neun Atommächte sitzen heute auf rund 19.000 Atomsprengköpfen. Für viele Menschen Grund genug, um sich für die Abrüstung einzusetzen und die Bevölkerung über die Folgen atomarer Katastrophen aufzuklären. Unsere Lokalredakteurin Katharina stellt euch eine Friedensorganisation vor, die besonders für Medizinstudenten interessant ist.

Logo des IPPNW - Foto: IPPNW

Der IPPNW

Ich wollte schon immer anderen Menschen helfen. Das mag klischeehaft klingen, aber für die meisten Medizinstudenten ist das nunmal der Grund, warum sie Arzt werden möchten. Manchmal verliert sich dieser Vorsatz im Stress des Medizinstudiums, aber das Ziel bleibt: Man will ein Arzt werden, der versucht anderen ein neues und besseres Leben zu ermöglichen. Das kann man im engen Feld seiner eigenen Tätigkeiten tun oder man erschafft etwas, das größeren Bevölkerungsgruppen hilft. Wie zum Beispiel der sowjetischen Kardiologen Jewgeni Tschasow und sein US-amerikanischer Kollege Bernard Lown: Sie gründeten 1980 mit vier weiteren Ärzten die "International Physicians for the Prevention of Nuclear War" (IPPNW), um die Welt vor einer atomaren Katastrophe zu warnen. Im Kalten Krieg war die Gefahr eines möglichen Einsatzes von Atomwaffen immer präsent. Deshalb fanden sich ein paar Ärzte zusammen, die auf die medizinischen Folgen aufmerksam machten - denn eine Heilung nach Verstrahlung gab und gibt es nicht. 1985 bekamen die Organisation den Friedensnobelpreis. Doch auch nach dem Ende des Kalten Krieges hörte die Arbeit nicht auf. Es gibt immer noch 19.000 nukleare Waffen auf der Welt, die nicht nur gefährlich sind, sondern vor allem viel kosten. Das Geld, was in einem Jahr für Atomwaffen in den USA aufgewendet wird, würde für die international vereinbarten Millenniumziele in der Armutsbekämpfung reichen. Doch die IPPNW engagiert sich nicht nur für die Abrüstung von atomaren Waffen, sondern betreut viele soziale regionale und überregionale Projekte. Die meisten agieren im kleineren Rahmen - zum Beispiel indem sie medizinische Hilfe für Obdachlose bieten.

 

Wie ich zur Organisation fand

Mein Weg zur IPPNW war nicht der Übliche: Während die meisten bei Informationsveranstaltungen an ihrer Uni von der Organisation erfahren, begann mein Interesse für das Thema ganz woanders - nämlich in Japan. Als Ehrenamtliche durfte ich letztes Jahr an einem Deutsch-Japanischen Austauschprogramm teilnehmen. Ein Programm, bei dem junge Deutsche und Japaner sich darüber austauschen, wie sie die Arbeit in ihren Vereinen verbessern können. Es gab viele tolle Diskussionen und Besuche. Wir hatten zwei wunderbare Wochen in Japan. Für mich war jedoch ein Erlebnis ganz besonders einschneidend: Wir trafen eine Hibakusha, eine Überlebende des Atombombenangriffs auf Hiroshima. Wir stellten ihr viele Fragen und das Gespräch - die Schilderung ihrer Erlebnisse - beeindruckten mich tief. Dieser Besuch veränderte mich - ich wollte gerne helfen, etwas dagegen unternehmen. Doch angesichts des Stress im Studiums und den Zweifeln, ob man bei wirklich etwas verändern kann, vergaß ich es schnell. Bis ich fast ein Jahr später durch Zufall auf die Internetseite der IPPNW stieß.
Dort gab es einen Aufruf für ein Campaigning Wochenende in Kopenhagen, an dem ich prompt teilnahm. Es war wirklich toll! Wir hatten Workshops, in denen wir lernten, wie man Projekte plant und wie man gute Ziele formuliert. Fähigkeiten, die einem übrigens auch im normalen Lernstress helfen. Ich hatte die Möglichkeit nette Medizinstudenten aus ganz Europa kennen zu lernen und mit ihnen über aktuelle politische Themen zu diskutieren. Und auch außerhalb des eigentlichen Programms war es natürlich cool und ich schloss vielen Freundschaften. Kurz darauf war das deutschlandweite Studierendentreffen in Erlangen und vor kurzem die Mitgliederversammlung in Bremen. Auch dort hatte man die Möglichkeit tolle Leute kennen zu lernen, Workshops zu besuchen und Ideen zu sammeln. Man sieht: mit der IPPNW kann man viel reisen, interessante Menschen treffen und am Ende etwas bewirken. Davon bin ich überzeugt.

 

Katahrina und die Teilnehmer des Austauschprogramms - Foto: K. Kramer

Katharina (erste Reihe, 9.v.l.) und die Teilnehmer des Austauschprogramms

 

Engagement im Lokalen

Wer sich lokal für den IPPNW engagieren will, kann die Studierendengruppe der Organisation aufsuchen. Sie bestehen aus jungen motivierten Medizinstudenten, die sich mehr oder weniger selbstständig mit den Themen befassen, die ihnen auf dem Herzen liegen. Das kann zum Beispiel die Unterstützung großer Kampagnen wie der "International Campaign to Abolish Nuclear Weapons" (ICAN) sein, die die Illegalisierung von Atombomben zum Ziel hat. Oder die Organisation von kleineren lokalen Aktionen, wo es zum Beispiel um Unterstützung der medizinischen Versorgung von Obdachlosen oder Einwanderern geht. Oder man trifft sich einfach, um über Missstände in der eigenen Stadt zu debattieren und die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Die IPPNW ist dabei immer helfende Hand, lässt aber den einzelnen Gruppierungen auch genug Freiraum.

Wer jetzt interessiert ist, auch einmal über den Tellerrand des Medizinstudiums zu schauen, der hat nun mehrere Möglichkeiten: im November findet wieder das Studententreffen der deutschen IPPNW statt - dieses Jahr in Leipzig.

Oder ihr schreibt eure Lokalgruppe an. Eine Liste findet ihr hier:

Studierendengruppen

Für die Berliner: Wir sind gerade dabei eine neue Studierendegruppe zu gründen, achtet also auf die Verteiler oder schaut hier:

Berliner Studierendengruppe

oder schreibt direkt eine Mail an:

studentenberlin@ippnw.de

 

Allgemeine weitere Infos über die IPPNW gibt es hier:

IPPNW

hier findet ihr Informationen zum Deutsch-Japanischen Austauschprogramm

Austauschprogramm

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