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  • Alisha Qamar
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  • 20.09.2019

Breaking the Silence – Gebärdensprachkurs als Wahlfach

Eine gute Patientenkommunikation ist wichtig für die Diagnosestellung und Behandlung im Arztberuf. Darum gibt es zahlreiche Sprachkurse für die Weltsprachen – und sogar einen Gebärdensprachkurs an der Ruhr Uni Bochum.

Wahlfach


Damit du dich fürs Physikum anmelden darfst, brauchst du neben einem 90-tägigen Pflegepraktikum, ein Wahlpflichtfach. Dieses kannst du in verschiedensten Bereichen absolvieren, solange sich der Bezug zur Humanmedizin herstellen/erkennen lässt. Es ist möglich, an naheliegenden Fakultäten wie der Fakultät für Biologie, Chemie oder Physik, sein Wahlfach abzulegen. Du kannst aber auch ein Wahlfach an der Theologischen Fakultät, beispielsweise am Lehrstuhl für Moraltheologie absolvieren. Das Zentrum für Fremdsprachenausbildung bietet Wahlfächer mit dem Schwerpunkt Sprachen an, wie die Wahlfächer „Englisch für Studierende der Medizin“ oder auch „Französisch für Studierende der Medizin“. Neben diesen Auswahlmöglichkeiten bietet die EMSA, die European Medical Students Association, das Wahlfach „Breaking the Silence – Gebärdensprache“ an, an dem ich teilgenommen habe. Am Ende des Wahlfaches erhältst du einen benoteten Leistungsnachweis.


Breaking the Silence – Die Wichtigkeit im Krankenhausalltag


Das Projekt hat zum Ziel zukünftigen Ärzten die Kommunikation mit Gehörlosen zu ermöglichen. Ich habe bisher keine Berührungspunkte mit Gehörlosen gehabt, jedoch war ich überrascht zu sehen, wie viele Kursteilnehmer das Gegenteil erlebt hatten. Es wurde berichtet, dass man sich „mit Händen und Füßen“ versucht habe zu verständigen und sich in dem Moment gewünscht hätte, die Gebärdensprache zu können. Mit einer qualifizierten Lehrerin, die selbst gehörlos ist, haben wir die Gebärdensprache geübt. Sie teilte uns auch mit, ob unser Fingeralphabet und die Gebärden verständlich seien oder nicht, sodass wir umso besser an unseren Fehlern arbeiten konnten.

Zu Beginn vergaßen wir, neben den Gebärden die Mundbewegungen zu machen, sodass es für den Gehörlosen umso schwieriger war, uns zu verstehen. Während der Gebärden muss man auch auf seinen Gesichtsausdruck achten, da der Gegenüber sonst Schwierigkeiten hat, die Emotion und somit auch den Kontext zu interpretieren. Aber auch dies gelang mit der Zeit besser, sodass die Endprüfung gut zu meistern war.

In den ersten Stunden des Kurses verständigten wir uns mit simplen Gebärden, wie wir nicht gehörlosen sie auch im Alltag benutzen, wie den Daumen nach oben für etwas positives. Von allen Seiten hört man, wie wichtig es sei, verschiedene Sprachen zu können und diese Aussage ist richtig. Allerdings sollte man neben Sprachen wie Englisch und Französisch auch die Gebärdensprache können, um die Möglichkeit zu haben, ein grundlegendes Gespräch mit Patienten zu führen.


Was ist die EMSA?


EMSA steht für „European Medical Students Association“ und ist eine Vereinigung von über 100 Lokalgruppen, die auf Europaebene zusammenfinden. Ziel ist es, dass alle europäischen Medizinstudenten die Möglichkeit geboten wird, sich untereinander auszutauschen, Probleme anzusprechen, Projekte zu planen und Ideen zu teilen. Die EMSA verfolgt mit ihrer Arbeit das Ziel, das Medizinstudium in Europa voranzubringen, sowohl durch eine Verbesserung der Lehre als auch durch vermehrten Austausch. Die Bochumer Gruppe hat bereits einige Projekte ins Leben gerufen, wie das Twinning-Projekt, das den Austausch von je einem Studenten aus Bochum und einem Studenten einer europäischen Fakultät fördert. Ein weiteres Projekt, welches als Wahlfach angeboten wird, nennt sich Breaking the Silence und handelt davon, werdenden Ärzten die Gebärdensprache näher zu bringen.

Das sagt Organisatorin Lenka zum Kurs:
„Ich heiße Lenka und organisiere den Gebärdensprachkurs mit Sarah und ein paar anderen Helferinnen an der RUB. BTS ist die Abkürzung für Breaking the silence, was schön sinnbildlich dafür steht, dass der Kurs eine Brücke zu Gehörlosen schaffen soll. Mir geht es hauptsächlich darum, möglichst vielen Menschen die Angst zu nehmen, mit Gehörlosen in Kontakt zu treten. Es geht nicht darum, nach einem Kurs die Sprache zu beherrschen, sondern den ersten Schritt zu machen und mit den Gebärden, die in Erinnerung geblieben sind, dem Fingeralphabet und Pantomime ein Gespräch anzufangen. In unserem medizinischen Kontext finde ich es wichtig, sich auf möglichst vielen Sprachen ein wenig verständigen zu können, um mit Patient*Innen das wichtigste zu besprechen und eine Beziehung aufbauen zu können. Fremdsprachen werden viele angeboten, Gebärdensprache sehr selten. Deswegen habe ich mich gefreut, dass es den Kurs an der RUB gab, habe ihn einmal selber mitgemacht und bin dann in die Organisation eingestiegen. Der Kurs läuft über die EMSA - die European Medical Student Association. Diese bietet den Rahmen, Projekte zu starten und Menschen zu finden, die auch Lust haben, sich zu engagieren.“

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