• Bericht
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  • Lara Cömert
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  • 25.02.2014

Als Ersti in Bonn

Das erste Semester ist für Erstis immer besonders spannend. Werde ich nette Kommilitonen haben? Wie viel gibt es wirklich zu lernen? Wird es stressig? Lara Cömert hat ihr erstes Semester hinter sich und erzählt von ihren Eindrücken.

 

Lerngruppe - Foto: shutterstock

 

Das erste Semester ging schneller rum als ich dachte. Die Prüfungen sind alle geschrieben und die ersten Wochen in den Semesterferien nutze ich jetzt dafür, mich vor allem von den Chemieklausuren zu erholen, etwas aufzuatmen und ein kleines Fazit über die vergangenen Monate zu ziehen:

Ganz so, wie ich mir das Medizinstudium vorgestellt habe, ist es nicht. Der erste Tag an der Uni ging vielversprechend los: Die Fachschaft stellte sich vor und wir wurden mit einem „Fake-Test“ begrüßt und auf unsere Studientauglichkeit geprüft. Wobei manch einer verzweifelte und den Test wirklich als das Ausscheidungskriterium schlechthin betrachtete. Am Ende konnte zwar jeder darüber lachen, aber ein leichter Nachgeschmack blieb übrig „Waren das wirklich Fragen, die in den Klausuren vorkommen?“ So wirklich konnte uns das keiner beantworten. Spätestens bei der ersten Chemievorlesung hatten wir dann aber die Antwort parat „Ja, leider.“ Die ersten Vorlesungen waren am Anfang ganz interessant und die Motivation schien unermesslich: „Ich gehe zu jeder Vorlesung, schreibe brav mit, schließlich ist ja alles wichtig!“ Und überhaupt strotzte ich nur so vor Engagement und besuchte sogar die ersten Physikvorlesungen, die bei uns in Bonn lediglich im Wintersemester angeboten werden, wobei die Klausur dann im Sommersemester geschrieben wird. Schnell verpuffte aber der gute Wille, nach dem ich vornehmlich eingequetscht zwischen jedem, der Physik belegen muss, gezwungenermaßen einen Platz fand - Nein, danke.

 

Die richtigen Vorlesungen und das richtige Lernpensum

Glücklicherweise bemerkte ich relativ schnell, welche Vorlesungen für die Katz sind und welche ich hin und wieder belegen sollte. Da Chemie bei uns „die schlimmste Prüfung“ im ersten Semester darstellt, versuchte ich besonders gut aufzupassen. Doch ich konnte den Professoren nicht immer folgen und hin und wieder war ich auch besser gestellt, wenn ich mich einfach mal mit meinen Kommilitonen hinsetzte und mir den ganzen Stoff selbst erarbeitete. Vor allem die Tatsache, dass meine Chemieklausuren unabhängig von den jeweiligen Professoren und deren Vorlesungen gestellt werden, schien meine Theorie des „Selbstlernens“ und des sinnvollen „Schwänzens“ zu bestärken. Und so blieb ich an einigen Tagen auch länger der Uni fern und suchte mir lediglich die Fächer aus, die mir am sinnvollsten und am interessantesten erschienen – irgendwie hatten meine Lehrer ja recht mit dem Satz „Uni gleich Selbststudium“. Vor allem medizinische Psychologie besuchte ich gerne nach einer stressigen Woche mit einem viel zu langen Chemiepraktikum.  

Hin und wieder bemerkte ich, wie ich langsam zum Hypochonder wurde und jegliche Krankheiten und Symptome nicht nur auf meinen Sitznachbarn, sondern auch auf mich selbst bezog – aber angeblich soll das ja ganz normal sein, also keine Panik, hieß meine Devise.

Das Thema „Lernen“ ist unter den Erstis allgegenwärtig. Jeder Medizinstudent, der sofort einen Medizinstudienplatz erhalten hat, ist mit einem sehr guten Schnitt gesegnet worden. Er muss dementsprechend auch Leistung erbracht haben und fleißig gewesen sein, um diesen zu erreichen. Von den vielen Plädoyers des „Nichtstun“ sollte man sich letztlich nicht aus der Fassung bringen lassen. Vor allem, wenn man dann später bemerkt, dass diejenigen, die gerne mit ihrer vielen Freizeit prahlen, sich 24 h am Tag in der Bibliothek aufhalten und man sich dann die Frage stellt: „Was ist daran so schlimm zu sagen, dass man lernt ?“ Wichtig vor allem im ersten Semester ist, sein eigenes Lernen zu entwickeln und sich dabei so wenig wie möglich von den anderen beeinflussen zu lassen. Wenn man diese Hürde gemeistert hat, hat man einen großen Berg schon hinter sich gelassen.

 

Fazit

Im Großen und Ganzen, war das erste Semester bei mir mit viel Gefühlschaos, einem Durcheinander und der Angst des Versagens verbunden – letztlich waren die ganzen Sorgen dann umsonst. Aber wie sagt der Kölner so schön „Et kütt wie et kütt und et hätt noch emmer joot jejange.“ Mit diesem Leitspruch starte ich ins zweite Semester. 

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