• Tipp
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  • Patricia Paul
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  • 12.12.2011

Prüfungen an der Semmelweis Universität in Budapest

Wer an der Semmelweis Universität (SOTE) sein Humanmedizin-Studium aufnimmt, merkt schnell, dass das ungarische Prüfungssystem enorm vom deutschen abweicht. Es gibt fast in allen Fächern mündliche Semesterabschlussprüfungen und das Notensystem ist anders aufgebaut. Lokalredakteurin Patricia Paul erklärt euch, was Ihr bei Prüfungen an der SOTE beachten müsst.

In Ungarn gibt es in jedem Fach, von ein paar Ausnahmen abgesehen, mündliche Semesterabschlussprüfungen. Diese Prüfungen muss jeder Student bestehen, da sie Vorbedingungen für das darauffolgende Semester darstellen. In nur sehr wenigen Ausnahmen ist es möglich, die mündliche Prüfung noch einmal im nächsten Semester abzulegen.

Physikumsprüfungen wie in Deutschland - schriftlich und mündlich - kennen die SOTE-Studenten nicht. Zudem werden die Studenten auch nicht zu den gleichen Themen befragt, denn jeder Student zieht aus einem vorher bekannten Fragenkatalog, je nach Prüfungsfach, bis zu fünf Themen. Der Fragenkatalog kann bis zu 100 Themen umfassen, folglich muss jeder Student auf alle Themen perfekt vorbereitet sein. Kann ein Student zu einem gezogenen Thema nicht ausreichend genug erzählen, wird er nach Hause geschickt und muss die ganze Prüfung noch mal ablegen. Hierbei ist es egal, ob die anderen Themen ausgezeichnet beantwortet wurden oder nicht.

Ferner weicht auch die ungarische Notengebung von der deutschen ab. Fünf ist die beste Note und entspricht einer deutschen "1". Mit einer ungarischen "2" ist die Prüfung mit der deutschen Note "Ausreichend" bestanden, eine ungarische "1" bedeutet durchgefallen.

Der typische Ablauf einer ungarischen Prüfung

Meistens beginnen die Prüfungen um 8.30 Uhr. Jeder Student sollte pünktlich und fein angezogen in der Universität erscheinen. Das heißt: Studentinnen tragen einen schwarzem Rock oder eine schwarze Hose mit einer schicken Bluse, Studenten kommen im Anzug mit Krawatte. Zudem müssen sie ihr Studienbuch dabei haben. Denn ohne Studienbuch, in dem die kompletten Studienleistungen vermerkt sind, gibt es keine Prüfung.

Anschließend werden die Namen der Prüfer aus einem Stapel nach Zufallsprinzip gezogen. Jeweils drei bis fünf Prüflinge werden dann in den Prüfungsraum zum jeweiligen Prüfer geholt und ziehen ihre Fragen aus dem Fragenkatalog. Im Anschluss hat der Prüfling 30 bis 45 Minuten Zeit, um seine Prüfungsfragen vorzubereiten. Sobald der erste Student mit seiner Vorbereitung fertig ist, wird er vom Prüfer nach vorne geholt und die mündliche Prüfung beginnt. Anfangs hat der Student die Möglichkeit, seine Themen vorzustellen und zu zeigen, was er kann. Im Anschluss daran stellt der Prüfer Fragen zum jeweiligen Thema. Hierbei kann es auch des Öfteren vorkommen, dass der Prüfer ganz vom eigentlichen Thema abweicht und andere Fragen aus dem Fragenkatalog stellt.

In den Fächern Physik, Chemie und Biologie wird zudem sehr viel Wert auf die Praktika des Semesters gelegt. Hierzu stellen die Prüfer gerne Fragen, um zu überprüfen, wie gut der Student vorbereitet ist.

Wenn all diese Hürden der mündlichen Prüfung vom Studenten gemeistert wurden, nimmt sich der Prüfer das jeweilige Studienbuch des Studenten und trägt die Note ein. Mit dieser "Amtshandlung" des Prüfers ist die Prüfung dann beendet.

Anatomie - die etwas andere Prüfung

Eine Abweichung vom typischen Prüfungsablauf stellt die Anatomie-Prüfung dar. Diese Prüfung beginnt - je nach Anatomie-Institut - um 8 Uhr morgens oder aber erst um 13 Uhr. Die Studenten haben auch hier fein angezogen mit Studienbuch zu erscheinen. Auf keinen Fall dürfen in diesem Fach das Sezierbesteck und Handschuhe vergessen werden. So etwas kommt bei den Prüfern nicht gut an.

Dann geht es zuerst in den Seziersaal. Jedem Studenten werden Präparate zugeteilt, auf die er sich ungefähr 10 bis 15 Minuten vorbereiten darf. Anschließend erscheint der Prüfer wieder beim jeweiligen Prüfling und stellt Fragen zum Präparat oder lässt den Studenten selbst etwas erzählen. Wenn diese Hürde erfolgreich gemeistert wurde, geht es in den Vorlesungssaal zu den Histologie-Präparaten und den Theorie-Fragen. Jeder Student erhält zwei Histologie-Präparate des Semesters. Er darf sich wieder Notizen machen und anschließend seine Präparate vorstellen. Im Anschluss daran stellt der Prüfer Fragen zu den Präparaten und stellt Strukturen ein, die der Student auf Anhieb erkennen muss.

Wenn auch dieser Zwischenschritt auf dem Wege zur erfolgreichen Anatomie-Prüfung gemeistert wurde, zieht der Student eine Theorie-Karte, die er nach 20 minütiger Vorbereitungszeit dem Prüfer vorstellen muss. Dies stellt auch zugleich das Ende der Prüfung dar.

Im ersten Semester sind die Prüfungen eine riesige Hürde, die es zu überwinden gilt. Sinn, Verstand und Glück gehören natürlich bei mündlichen Prüfungen auch dazu.
Wer einmal die typischen Prüfungsabläufe in allen Fächern miterlebt hat, weiß, wie er sich vorzubereiten hat. Das hilft für die Prüfungen und höher werdenden Ansprüche der Prüfer im zweiten Semester.

Angst sollten die Studenten vor den Prüfungen nicht haben, aber Respekt. Wer sich ordentlich und gewissenhaft vorbereitet, sollte in etwa 80 % der Fälle seine Prüfung schaffen, wenn nicht etwas total schief läuft. Die Prüfer an der SOTE sind keine Unmenschen, sie erwarten jedoch, dass sich jeder Student gut vorbereitet und zu jedem Thema etwas sagen kann. Ist dies der Fall, geht es nur noch darum, die angemessene Note für die erbrachten Prüfungsleistungen des Studenten zu finden.

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