• Interview
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  • Patricia Paul
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  • 02.10.2013

Interview mit einem Lehrrettungsassistenten

Nach erfolgreichem Abitur träumen tausende junge Menschen von einem Medizinstudienplatz. Bei vielen zerplatzt dieser Traum wie eine Seifenblase, wenn die Hochschulstart-Briefe geöffnet werden. Die erste Frage nach dem Schock: Wie lange ist meine Wartezeit und wie kann ich sie sinnvoll überbrücken? Eine Möglichkeit ist eine Ausbildung zum Rettungssanitäter oder -assistent. Der Lehrrettungsassistent Frank Buschke erzählt im Interview, was die Ausbildung bietet.

 

Frank Buschke (li.) erklärt einem Azubi wie die Beatmungsmaske funktioniert. Foto: P. Paul

 

Beim Surfen im Internet nach Alternativen und Überbrückungsideen stoßen Medizin-Interessierte auf die typischen Mediziner-Berufe. Darunter Krankenpfleger/-schwester, Physiotherapeut/-in und Rettungsassistent/-in.

Lokalredakteurin Patricia hat den Lehrrettungsassistenten Frank Buschke in einer ruhigen Minute auf der Rettungswache Oberursel über seine Tätigkeit als Ausbilder im Rettungsdienst interviewt. Als Lehrrettungsassistent hat er schon viele wartende Medizinstudieninteressierte auf dem Weg zum Rettungsassistenten begleitet und ausgebildet. Buschke selbst hat die Ausbildung zum Rettungsassistenten vor 16 Jahren in Braunfels erfolgreich abgelegt, seit zwölf Jahren ist er als Lehrrettungsassistent auf der Rettungswache Oberursel tätig.

 

>Wie viele angehende Rettungssanitäter und Rettungsassistenten hast du ungefähr schon ausgebildet in deiner Tätigkeit als Lehrrettungsassistent?

Wir haben Auszubildende in den Bereichen Rettungshelfer, Rettungssanitäter und Rettungsassistent, des weiteren FSJ´ler, Praktikanten zur Berufsorientierung, Schnupperpraktikanten aus anderen medizinischen Berufen und natürlich die Medizinstudenten im 2/3 Tagespraktikum. Insgesamt habe ich bisher 50-60 Personen ausgebildet.

 

>Wie viele von diesen Personen waren Medizinstudenten?

Genaue Zahlen weiß ich leider nicht. Ein kleiner Teil davon waren die Medizinstudenten, die dieses kurze Praktikum im Rettungsdienst für ihr Studium gebraucht hatten. Ein wesentlich größerer Teil waren die zukünftigen Medizinstudenten, die eine Ausbildung im Rettungsdienst absolviert haben, um die Wartezeit zu überbrücken und anschließend ihr Studium mit diesem Teilzeitjob finanzieren.

 

>Findest du, dass die Ausbildung im Rettungsdienst wichtig für angehende Mediziner ist?

Die Arbeit im Rettungsdienst ist für angehende Mediziner insofern interessant, da sie lernen, unter Zeitdruck zielgerichtet und ruhig zu arbeiten. Zudem bekommen sie Routine darin, Entscheidungen bei lebensgefährlichen Situationen schnell und präzise zu treffen. Diese Handlungskompetenz wird im Medizinstudium nicht in diesem Maße vermittelt.

 

>Sollte jeder Medizinstudent schon mal im Rettungswagen mitgefahren sein?

Ja, ich denke es ist sinnvoll, in einem kurzen Praktikum die Arbeitsweise des Rettungsdienstes und die Schnittstellenproblematik in den Kliniken und Arztpraxen kennenzulernen. Dies trägt später im Arztberuf zum gegenseitigen Verständnis bei.

 

>Ist das nicht sehr ärgerlich für Lehrrettungsassistenten, wenn viel Zeit und Mühe in die Ausbildung investiert wurde und die Auszubildenden dann ihre Tätigkeit an den Nagel hängen, um Medizin zu studieren?

Nein, ich würde nicht sagen, dass es ärgerlich ist. Die Zeit und Mühe in der Ausbildung investieren wir Lehrrettungsassistenten ja gerne. Das haben wir uns schließlich so ausgesucht. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, den späteren Ärzten unsere Arbeit näher zu bringen. Oftmals sind diese Auszubildenden später die Klinikärzte oder Notärzte, mit denen wir am besten zusammenarbeiten können. Sie kennen ja das Metier aus erster Hand. Abgesehen davon bleiben viele während des Studiums bei uns und bereichern auch hier die Arbeit durch ihr stetig wachsendes Wissen.  

 

>Wem würdest du eine Ausbildung im Rettungsdienst empfehlen?

Die Ausbildung im Rettungsdienst kann ich jedem empfehlen, der ein Interesse an einem verantwortungsvollen sowie abwechslungsreichen und auch anspruchsvollen Beruf im Gesundheitswesen sucht.

 

>Welche Anforderungen sollten Interessierte erfüllen?

Körperliche und geistige Belastbarkeit/Fitness, Spaß am Umgang mit Menschen und eine schnelle Auffassungsgabe sowie ein gewisses Maß an technischem Verständnis sind Grundvoraussetzungen für diesen

 

>Was hältst du von dem neuen Ausbildungskonzept, statt bisher zwei Jahren nun drei Jahre auszubilden?

Das neue Konzept finde ich gut. Die mit der neuen Berufsbezeichnung Notfallsanitäter einhergehende längere und intensivere Ausbildung ist schon lange überfällig. Die Anpassung der Ausbildungsdauer und –inhalte im Vergleich zu anderen medizinischen Assistenzberufen und vor allem die Umstrukturierung vom Transportwesen zum Behandlungswesen ist ein Muss, um den gewachsenen Anforderungen an einen modernen Rettungsdienst des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Auch die erwarteten wachsenden und erweiterten Kompetenzen mit einhergehender Gehaltsanhebung des Berufes werden positive Auswirkungen auf dieses Berufsbild mit sich bringen.  

 

 

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