• Interview
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  • Beyza Saritas
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  • 25.07.2019

Arbeiten und studieren – eine kompatible Kombi?

Das Medizinstudium ist lang. In der Regel verdient man also sechs bis sieben Jahre nach dem Abitur nicht wirklich Geld. Viele Möglichkeiten außer BAföG, Unterstützung durch die Familie oder die Arbeit im alten Beruf - vorausgesetzt man hat eine abgeschlossene Berufsausbildung - bleiben einem nicht. Oft bedeutet das: Ein Nebenjob muss her! Um dir zu demonstrieren, dass ein Nebenjob selbst im Medizinstudium zu bewältigen ist, berichtet Lokalredakteurin Beyza über ihre eigenen Erfahrungen und hat Kommilitonin Jessica befragt.

Anfangs war ich skeptisch: Ein Medizinstudium, das mit großem Lernaufwand verbunden ist, und dann noch ein Nebenjob, der mich zusätzlich stressen wird – ist das möglich? Oder übernehme ich mich damit und bringe meine Studienleistungen in Gefahr? Diese und ähnliche Fragen schwirrten mir in den Wintersemesterferien im Kopf herum. Ein Semester später, mit einem Nebenjob als studentische Hilfskraft in der Strahlentherapie des Uniklinikums Düsseldorf, kann ich die Frage getrost mit JA beantworten.

Zuallererst solltest du dich natürlich fragen, was du eigentlich suchst. Wie viel Zeit willst du in deinen Nebenjob investieren? In welchem Bereich willst du arbeiten? Wie flexibel bist du, und welche Abstriche würdest du zugunsten eines Nebenjobs machen? Mir war vor allem wichtig, dass mein Nebenjob flexibel ist, und dass mein Studium immer Priorität Nr. 1 bleibt. Doch gleichzeitig wollte ich auch etwas lernen, und nicht bloß einen Job ausüben, von dem ich weiß, dass er mir im zukünftigen Beruf eher wenig nützlich sein wird.

So habe ich mich als SHK am Uniklinikum Düsseldorf beworben – und bereue diese Entscheidung bis heute nicht. Der Vorteil an einer Stelle als studentische Hilfskraft ist natürlich, dass ich die Lücken in meinem Stundenplan einfach mit meinem Nebenjob füllen kann, sodass ich wegen meinem Nebenjob kaum länger als nötig in der Uni bleiben muss. Außerdem kann ich aufgrund meiner SHK-Tätigkeit mit Studien einerseits Erfahrungen mit der Arbeit in der Strahlentherapie, andererseits aber auch im wissenschaftlichen Arbeiten erlangen.

Meiner Kommilitonin Jessica war es im Gegensatz zu mir wichtig, in ihrem Nebenjob Abstand von der Medizin und dem Studium zu gewinnen, das doch einen großen Teil unseres Lebens ausmacht. Arbeitete sie zuvor noch beim Discounter, so ist sie nun im Fitnessstudio tätig – und verbindet damit gleichzeitig Hobby und Nebenjob. Um dir einen genaueren Einblick zu geben, habe ich Jessica zum Thema Arbeiten neben dem Medizinstudium interviewt:

> Hallo Jessica, wo arbeitest du?

Am Anfang habe ich ein knappes Jahr als Aushilfe beim Discounter gearbeitet. Das war noch zu Abizeiten, und damit auch mein erster Nebenjob. Als das Studium stressiger wurde, konnte ich irgendwann nicht mehr dort arbeiten. Mir gefiel der Umgang der Kunden mit mir nicht, ich habe mich oft herablassend behandelt gefühlt. Ich habe auch gemerkt, dass ich durch die schlechte Arbeitsatmosphäre bei der Arbeit weniger Freude am Studium empfunden habe. Wie aus dem Nichts öffnete dann bei mir in der Nähe ein Fitnessstudio, dessen Besitzer ich kenne. Er hat mir einen Aushilfsjob im Service angeboten – und diesen anzunehmen war eine Entscheidung, die ich hätte früher treffen sollen. Mittlerweile arbeite ich seit einem Monat dort und habe nun endlich die Flexibilität im Nebenjob, die mir zuvor gefehlt hat.

> Warum arbeitest du?

Anfangs, weil ich ausziehen, und mir damit eine Unterkunft finanzieren wollte. Als dieser Gedanke vom Tisch war, habe ich das angesparte Geld genutzt, um mir meine Traumreise nach New York zu ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Reiselust in mir auf. Und seitdem spare ich das Geld, um mir größere Reisen und später Famulaturen im Ausland finanzieren zu können.

> Wie organisiert man einen Nebenjob und ein Studium?

Wichtig ist definitiv, dass man einen kulanten Chef hat, weil man vor allem im Medizinstudium nicht so flexibel ist, dass man beispielsweise jeden Mittwoch arbeiten kann. Bedingt dadurch, dass wir in Düsseldorf jede Woche einen anderen Stundenplan haben, und manchmal bis 18 Uhr, und an anderen Tagen nur bis 12 Uhr Uni haben. Beim Discounter habe ich primär samstags gearbeitet, weil ich mich so in der Woche vollkommen auf mein Studium fokussieren konnte. Durch meine Tätigkeit im Fitnessstudio kann ich mir nun aussuchen, an welchem Wochenendtag ich arbeite.

> Woher nimmst du die Zeit zu arbeiten?

Man muss sie sich eben einfach nehmen, und manchmal halt auch den ein oder anderen Abstrich machen. Weiß man, dass man Samstag vormittags arbeiten muss, sollte man nicht unbedingt Freitagabend feiern gehen. Man muss schauen, wie man die universitären Veranstaltungen und die Arbeit am Besten miteinander verbindet. Es sollte einem bewusst sein, dass man an Tagen, wo vormittags Uni und nachmittags Arbeit ansteht, kaum etwas für die Uni machen kann. Ich gehe zum Beispiel nicht oft in Vorlesungen und gestalte das Ganze oft so, dass ich vormittags arbeite und dann am Nachmittag lerne.

> Wie stressig ist das Arbeiten neben dem Studium?

Ganz ehrlich, stressfrei ist es nicht! Es sind nicht einmal unbedingt die Klausurphasen, in denen ich mich besonders gestresst fühle. Stressig finde ich, wenn ich viele Pflichtveranstaltungen habe, und kaum flexibel in der Wahl meiner Arbeitszeiten bin. Aber auch in Klausurphasen bin ich von Stress nicht geschont. Ich arbeite durchschnittlich 10 Stunden die Woche – das sind 10 Stunden, die ich weniger als andere zur Verfügung habe, um mich beispielsweise auf eine Klausur vorzubereiten. Aber für mich ist die Arbeit auch eine Art Ablenkung: Es tut gut, mal nicht lernen zu müssen, unter Menschen zu kommen, statt non-stop am Schreibtisch zu sitzen. Egal wie stressig es war, irgendwie hat es bisher immer geklappt, Nebenjob und Studium miteinander zu verbinden.

> Vielen Dank, Jessica!


Wie du siehst, ist also ein Nebenjob auch im Medizinstudium keine Sache der Unmöglichkeit. Natürlich ist es ein weiterer Faktor, der dir etwas deiner Freizeit raubt, aber durch eine geschickte Verzahnung von Studium und Nebenjob wirst du manchmal gar nicht merken, dass du nebenbei auch arbeitest. Tatsächlich solltest du einen Nebenjob auch nicht immer als Last, sondern auch als Bereicherung sehen: Oft lernst du viel Neues, das sich im Berufsleben sicher das ein oder andere Mal als nützlich erweisen wird. Und du wirst merken, dass du deine Zeit viel effektiver nutzen kannst – schließlich musst du nun Studium und Job unter einen Hut bringen. Letztendlich ist ein Nebenjob, wie viele Dinge im Leben, eine Sache der Organisation, aber auch des Willens!

 

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