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  • Beyza Saritas
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  • 15.02.2019

Das erste Semester an der HHU

Das erste Semester des Medizinstudiums ist hart – nicht nur, weil der Lernstoff so schwer und schier unmöglich zu bewältigen scheint, sondern auch, weil viele neue Eindrücke auf einen einprasseln. Neue Menschen, aus verschiedensten Ecken des Landes, ja manchmal sogar der Welt. Vorlesungen in Anonymität statt altbekanntem Frontalunterricht in Kleingruppen. Neue Orte, neue Tagesstruktur, neue Lebens- und Lerninhalte. Und dazwischen: Studenten ohne Plan.

Von der Schule in die Uni – das Ende eines Lebensabschnitts geht einher mit einem neuen. Die Vorfreude ist groß, die Euphorie noch größer. Den lang ersehnten Zulassungsbescheid in der Hand, die Tage bis zum Studienbeginn zählend, kann kaum ein angehender Student den Beginn des Medizinstudiums erwarten. Oft steckt in diesem Stück Papier jahrelange Arbeit, Vorbereitung auf das bestmögliche Abitur, ohne das ein Medizinstudienplatz nicht leicht zu erreichen ist. Einserabi, Medizinertest, Aufnahmeprüfungen der Wunschuni – der Weg ist beschwerlich. „Das Schwierigste am Medizinstudium ist es, einen Studienplatz zu erhalten“  - und so denke bestimmt nicht nur ich.

Und schon geht es los. Erstiwoche und Einführungsveranstaltungen, dann beginnt der Ernst des Lebens: auf den harten Holzstühlen des Hörsaals sitzend wird mir erst richtig bewusst, dass ich endlich dort angekommen bin, wo ich schon seit der achten Klasse hinwollte. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass die Vorlesungen nie wieder so gut besucht sein würden wie zu Studienbeginn und dass die von den Dozenten empfohlenen Standardwerke später keines Blickes mehr gewürdigt werden.

Schon bald ist die OASE, die „Medizinerbib“ der Heinrich-Heine-Universität, einem genauso bekannt wie der eigene Heimweg. Im Laufe des Semesters verbringt man hier oftmals mehr Zeit als zuhause. Die Mensa, von der man in der Ersti-Woche nur Gruselgeschichten hört, entpuppt sich im Endeffekt als ganz annehmbar, und der Kaffee, den man zu Studienbeginn verabscheut, wird schnell zu einem gern gesehenen Begleiter.

Die anfängliche Euphorie schwindet dann doch schneller als gedacht: Die erste Biologievorlesung verdeutlicht, dass man Themen von zwei Jahren Oberstufe auch in zwei Stunden Vorlesung abarbeiten kann. Die Chemie- und Physikvorlesung hingegen bereiten direkt Panik, wenn man die Fächer in der Oberstufe nicht belegt hatte. Begriffe wie „Elektrophile Addition“ oder „Hydrostatischer Druck“ – bereits in der zweiten Chemievorlesung habe ich das Gefühl, dass der Dozent chinesisch statt chemisch spricht. 

Einzig das Fach Anatomie scheint die Begeisterung der Mediziner aufrecht zu erhalten. Neben täglichen Chemievorlesungen um 08.15 Uhr ist die anfangs wöchentlich  Einführung in die Anatomie eine willkommene Abwechslung. Zu lernen, wie der Körper funktioniert – für viele Studenten ist genau das der Grund, Medizin zu studieren. Als dann auch endlich der lang ersehnte Präparierkurs beginnt und damit der Schwerpunkt von Chemie auf Anatomie verschoben wird, fühlt man sich endlich wie ein Medizinstudent. Der erste Kontakt mit einem Körperspender ist für viele Studenten eine unbekannte, prägende Erfahrung. Dass Arterien nicht rot, Venen nicht blau und Nerven nicht gelb sind, wird spätestens im Präpkurs jedem bewusst. Der Präparierkurs lehrt einen nicht nur, wie genial der menschliche Körper ist, sondern auch (De)Mut und ein großes Stück Dankbarkeit.

Ehe man sich versieht, ist das erste Semester auch schon vorbei. Die letzten Vorlesungen finden statt, die OASE ist so prall gefüllt, dass man kaum noch einen Sitzplatz findet, die Semesterferien sind zum Greifen nahe. Medizinstudenten wissen, dass die vorlesungsfreie Zeit unter anderem auch dafür gedacht ist, um das Pflegepraktikum zu absolvieren. Diejenigen, die das Praktikum schon hinter sich gebracht haben, können erleichtert aufatmen, und die Semesterferien nutzen, um wieder neue Energie für das anstehende Semester zu tanken. Alle anderen, auf die noch volle 90 Tage warten, müssen auch nach einem stressigen Semester noch ihren Pflichten nachgehen.

Wie hart ist das erste Semester des Medizinstudiums nun wirklich?

Bleibt zwischen täglichen Pflichtveranstaltungen und unzähligen Vorlesungen noch Zeit für Familie und Freunde, Zeit um zu leben? Die Antwort lautet: Genug, wenn man folgendes Zauberwort kennt: Zeitmanagement. Wenn du dir deine Zeit einigermaßen einteilst, konsequent, aber auch effizient lernst, am Ball bleibst, dann bleibt auch Zeit zum aufatmen. 

Das erste Semester war anstrengend, aber lehrreich. Man lernt nicht nur enorm viel Fachliches, sondern auch viel über sich selbst. Der erste Kontakt mit einem Toten ist prägend, man fängt an, Dinge zu hinterfragen, über die man sich zuvor keine Gedanken gemacht hat. Man merkt, wie viel man in kürzester Zeit lernen kann, wenn man will. Wenn es einen Satz gibt, der das erste Semester zusammenfasst, dann ist es folgender: Man wächst mit seinen Aufgaben. 

Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen man unmotiviert ist, nicht weiß, wozu man das alles lernt, und sich fragt, wie man die Masse an Lernstoff jemals bewältigen soll. Momente, die uns an unsere Grenzen bringen. Momente, in denen wir uns beinahe sicher sind, dass alles niemals schaffen zu können. Aber es gibt auch ein gemeinsames Ziel, das uns Medizinstudenten verbindet: Wir wollen Ärzte werden. Ein Ziel, für das es sich lohnt, jede Hürde auf sich zu nehmen!

 

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