• Interview
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  • Beyza Saritas
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  • 14.02.2019

Medizin studieren in Deutschland - Ein internationaler Student berichtet

Das Medizinstudium ist dafür bekannt, kein Leichtes zu sein. Doch wie ist es, wenn man aus dem Ausland kommt und nicht nur die Masse an Lernstoff, sondern auch noch eine Sprachbarriere bewältigen muss? Lokalredakteurin Beyza hat mit Philippos Philippou gesprochen, über seine Geschichte und seine Motivation für das Medizinstudium in Deutschland.

Lachend schlendert Philippos, einen Stapel Mikrobiologiebücher in der Hand, auf mich zu. Der sprachaffine Zypriot – Philippos beherrscht Englisch, Griechisch, Deutsch, und lernt neben dem Medizinstudium noch Niederländisch – ist auf Zypern zur Schule gegangen, war danach ein Jahr beim Militär und ist nun an der HHU, um seinen Traum vom Arztsein zu verwirklichen.

> Philippos, wie lange interessierst du dich schon für das Medizinstudium?

(lacht) Auch wenn es sehr klischeehaft klingt, tatsächlich träume ich schon seit meiner Kindheit davon, Medizin zu studieren. Eigentlich schon seit ich denken kann.

> Gab es einen ausschlaggebenden Moment, in dem dir klar wurde: Ich möchte unbedingt Arzt werden?

Ich kann mir mein Leben nicht ohne die Medizin vorstellen. Mein Vater hat Morbus Crohn, als ich mich mehr mit seiner Erkrankung beschäftigte, weckte das mein Interesse für die Medizin. Vor ungefähr sechs Jahren hat er eine Operation gehabt, nach der er auch eine Zeit lang im Krankenhaus lag – das war der Punkt, wo ich wusste, dass ich definitiv Medizin studieren möchte. Gastroenterologie finde ich sehr spannend – ich könnte mir diese Richtung gut für die Zukunft vorstellen.

> Gibt es denn auch einen medizinischen Hintergrund bei euch in der Familie?

Nicht wirklich. Mein großer Bruder ist Krankenpfleger in Zypern. Mein Vater ist Koch. Meine Mutter ist Interior Designerin. Ich komme also nicht aus einer typischen Arztfamilie, wie man eventuell vermuten könnte.

> Wie hast du dich auf das Medizinstudium vorbereitet?

Ich habe schon in der Schule versucht, die Fächer, die für das Medizinstudium wichtig sind, zu belegen: Biologie, Chemie, Physik und Mathematik. Seit ich 12 Jahre alt bin, lerne ich außerdem Deutsch. Das habe ich damals für mich selbst beschlossen und letztendlich dann im Goethe-Institut in Angriff genommen. Natürlich kann man auch in der Schule eine Fremdsprache lernen – wie gut man die Sprache lernt, ist natürlich eine andere Sache.

> Wie kam es, dass du schon so früh angefangen hast, Deutsch zu lernen? Wolltest du einfach die Sprache lernen oder war dir da schon klar, dass du in Deutschland Medizin studieren willst?

Das war tatsächlich etwas komisch. Ich wollte eine Fremdsprache lernen – zu der Zeit Spanisch. Eine Freundin der Familie hat uns aber dann erzählt, dass das Medizinstudium in Deutschland gebührenfrei und qualitativ sehr gut ist. „Warum nicht?“, dachte ich mir. In Zypern ist es viel schwieriger, einen Studienplatz zu bekommen, wir haben pro Jahr nur 30 Medizinstudienplätze. Letztendlich habe ich also Deutsch gelernt, die Sprache hat mir auch gefallen. Und ehe ich mich versah, war ich schon in Deutschland. Im Sommer 2015 habe ich einen 20-tägigen Sommerkurs in Freiburg gemacht – das fand ich sehr hilfreich bezogen auf meine Sprachkenntnisse.

> Wann wurde es konkret, dass du für das Medizinstudium nach Deutschland gehst?

Ich glaube, dass stand tatsächlich schon seit dem Zeitpunkt fest, als ich angefangen habe, Deutsch zu lernen. Also seit ich 12 Jahre alt bin.

> Musstest du für die Bewerbung zum Studium irgendwelche Sprachzertifikate nachweisen?

Es gibt verschiedene Prüfungen für internationale Studenten. Man braucht definitiv ein Sprachzertifikat. Ich habe damals die TestDaf-Prüfung abgelegt, bei der man mit Noten von 1-5 gerankt wird. Fünf ist das beste Ergebnis, eine Vier muss man mindestens erreichen. Geprüft werden jegliche Sprachkenntnisse.

> Wie kamst du in den Vorlesungen mit der Fachsprache zurecht?

Klar, alles zu 100 % zu verstehen ist zu Beginn nicht möglich gewesen. Aber um ehrlich zu sein, dachte ich, dass es schwieriger wird. Ich bin bisher nie aus einer Vorlesung gegangen und hatte gar keine Ahnung, worum es ging.

> Wie war es, als du hierhin gekommen bist? Du kanntest doch niemanden, oder?

Die Tatsache, dass man erstmal auf sich allein gestellt ist, war neben der Sprache vermutlich am Schlimmsten. Ich kannte wirklich niemanden. Die ersten Leute, die ich kennengelernt habe, waren auch Zyprioten – einfach, weil man sich so etwas sicherer fühlt. Mit der Zeit habe ich dann immer mehr Leute kennengelernt, unter anderem auch durch meine Kleingruppe im Medizinstudium.

> Welchen Rat kannst du angehenden Medizinstudenten aus dem Ausland geben?

Seid offen, traut euch! Habt keine Angst, Fehler zu machen. Es ist wichtig, sich nicht von den anderen abzugrenzen, nur weil es einfacher ist, Griechisch mit seinen Kommilitonen aus Zypern zu reden. Das steht auch einer Integration oft im Weg.

> Was hättest du im Nachhinein anders gemacht?

Ich glaube, ich hätte mich trauen sollen, noch mehr Deutsch zu sprechen. Keine Angst haben sollen, etwas falsch zu machen. Nichtsdestotrotz bereue ich es keine Sekunde, mein Medizinstudium in Deutschland begonnen zu haben.

> Hast du schon Pläne für nach dem Studium?

Ich glaube, ich werde meine ärztliche Karriere in Deutschland angehen, vielleicht auch in den Niederlanden. Ich habe nicht vor, nach Zypern zurückzukehren.

Auf seinem Instagram-Account @studywithphilipp berichtet Philippos von seinem Medizinstudium als internationaler Student. Falls du Fragen hast, schau doch gerne einmal bei ihm vorbei!

 

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