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  • Anne Latz
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  • 17.02.2014

Die OSCE Prüfung in Düsseldorf

Das Arztsein hautnah erleben und lernen - unter diesem Motto steht die sogenannte OSCE Prüfung, die die Studierenden an der HHU Düsseldorf im dritten Studienjahr erwartet. Unsere Lokalredakteurin Anne Latz erklärt euch, was im Kurs und in der Prüfung auf euch zukommt.

Puppe zum Reanimieren üben - Foto: TräF/Uni Düsseldorf

OSCE steht für „Objective Structured Clinical Examination“ und ist ein mündlich-praktisches Prüfungsverfahren. Da wird untersucht, abgehört, befragt, inspiziert, flektiert – eben all das gemacht, was ein Arzt tagtäglich und automatisch im Umgang mit seinen Patienten können muss. Doch wie vermittelt man eine solche Routine und eine natürliche Leichtigkeit im Umgang mit dem Gegenüber? Da gehört manchmal ganz schön Überwindung dazu und wie immer heißt es: üben, üben, üben.

Gut gewählt ist der Zeitpunkt der OSCE – die Studierenden haben gerade das Physikum absolviert und haben genug von der Vorklinik. Jetzt soll endlich Patientenbezug da sein und etwas gelernt werden, von dem es nicht heißt „das brauch ich später nie wieder“. So starten die Neu-Kliniker motiviert und etwas aufgeregt in den Studienblock. Noch wissen sie nicht so recht was sie erwartet, aber sie brauchen unbedingt einen „Klinik-Kittel“, der alte „Präp-Kittel“ hat ausgedient. Gegliedert ist der Kurs in ein studentisches Tutorium, das im Düsseldorfer Trainingszentrum für ärztliche Fähigkeiten (TräF) stattfindet und ein ärztliches Tutorium auf der thematisch passenden Station. Die Einführung gibt der ärztliche Koordinator Dr. Frank Fox, der darüber aufklärt, wie das ärztliche Equipment für den Kurs aussehen sollte und wie die nächsten Monate sowie die Prüfung ablaufen werden. Diese Prüfung steht am Ende des Kurses und fragt in neun Stationen einen Großteil der Inhalte ab, die das Semester hinüber gelehrt wurden. Das Konzept ist in Düsseldorf seit mehreren Jahren bewährt und wird kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt. Neben dem ärztlichen Koordinator kümmern sich der studentische Koordinator Martin Enge und Dr. Thomas Rotthoff als ärztlicher Leiter des TräF um die Organisation und den reibungslosen Ablauf.

 

Das Studentische Tutorium im TräF

Die OSCE ist ein wunderbares Beispiel für zeitgenössisches interaktives Lernen und Lehren. Die Tutoren sind souverän und meistens hoch motiviert ihr Wissen zu vermitteln. Außerdem sorgen sie ambitioniert dafür, dass die Studierenden die Händedesinfektion beim Betreten des Patientenzimmers in keinem Fall vergessen. Als besonderer Service stehen den Studierenden Lehrvideos zur Verfügung, die vom TräF-Team gedreht wurden und die wichtigsten Untersuchungsabläufe detailliert wiedergeben. Denn auch bei einem noch so guten Tutor muss man feststellen, dass einmaliges Üben am Kommilitonen nicht für eine systematische Untersuchung oder Befundung reicht. Deshalb heißt es Learning by Doing und kurz vor der Prüfung werden Familienmitglieder, Partner, Mitbewohner und Kommilitonen abgehört, palpiert, auf Bewegungsausmaß der Gelenke untersucht und neurologisch durchgecheckt. Denn auch wenn der aufmerksame Student mittlerweile weiß, was ein Goniometer ist – ganz so intuitiv ist die Handhabung dann doch nicht.

 

Das ärztliche Tutorium

Nicht ganz so strukturiert ist die ärztliche Seite des Kurses. Hier schwanken die Eindrücke stark. Manche Ärzte gingen vorbildlich mit ihren Patienten und den Studierenden um und man sah so einiges, das sich für die eigene Trickkiste eignete. Bei anderen sah man allerdings Dinge, die man sich nicht zum Vorbild nehmen möchte. Die meisten Ärzte konnten sich – vermutlich aus Zeitnot in der täglichen Routine – ihren Studenten nicht mal vorstellen. Auch diese Einsicht über die Unterschiede im Arztsein gehört zu den wichtigen Erkenntnissen des Kurses.

 

Die Prüfung

OSCE steht für einen objektiven Prüfungsmodus, basierend auf vorgegeben Bewertungsbögen und geprüft von Ärzten, die die jeweiligen Stationen betreuen. In Düsseldorf werden zurzeit neun Fälle geprüft, meistens an Patienten, teilweise an Schauspielern. Die Prüfung dauert eine knappe Stunde und umfasst die Themen Abdomen, Herz/Lunge, Lymphknoten/Hämatologie, Gelenke, Radiologie, Anamnese, Chirurgisches Nähen, Venenpunktion und abwechselnd Neurologie oder Dermatologie. Genauso zahlreiche wie die Stationen sind die vor der Prüfung kursierenden Gerüchte. Über schwer zu knackende Schauspielpatienten, Radiologen die das PC-Programm neu starten lassen, anspruchsvolle Prüferfragen, unangenehme Untersuchung der Leistenlymphknoten bei bekannten Kommilitonen und viele mehr. So stehen die neun Studierenden im Kittel und mit neuem Equipment nervös vor den Räumen des TräF und warten auf den Pfiff der die erste Runde einläutet. Und wie immer kann der OSCE-Prüfling im Nachhinein sagen: Die Prüfung war machbar, sogar spannend. Sie ging schnell vorbei, war lehrreich und motivierend. Denn man konnte zeigen, dass man strukturiert am Patienten arbeiten kann und in der Klinik doch schon ganz schön viel gelernt hat. Die Händedesinfektion werden die Studierenden nach der OSCE sicher nie mehr vergessen.  

Weitere Infos über das Trainingszentrum: http://www.trainingszentrum.hhu.de  

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