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  • Anne Latz
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  • 03.01.2014

Wo die Liebe hinfällt: Paare im Medizinstudium

Gleich und Gleich gesellt sich gern – jedenfalls bei Medizinern. Denn schon im Studium fällt auf, dass Medizinstudenten bei der Partnerwahl lieber im eigenen Revier jagen – Partner aus „externen Fachgebieten“ sind hingegen selten. Woran liegt das? Und warum ist es gar nicht mal so unsinnig?

Der Eifelturm - Foto: A. Latz

 

Wenn ich mir dir Pärchen in meinem Bekanntenkreis so ansehe, dann wird eine Sache schnell auffällig: Sowohl bei Kommilitonen aus meinem Semester, den höheren und den unteren Semestern, als auch bei Ärzte aus dem Bekanntenkreis, der Klinik und vom Lehrstuhl kommen beide Partner aus dem medizinischen Bereich. Je länger ich über diese Auffälligkeit nachdenke, umso mehr Beispiele fallen mir ein. Doch wenn ich an Freunden und Pärchen aus anderen Fachgebieten denke, fällt mir eine solche Häufung nicht auf. Warum ist das so?  

 

Zeitmanagement

Da fällt mir zunächst unsere Studiendekanin ein, die an unserem ersten Tag in der Uni erzählte, dass die Studienzeit in vielerlei Hinsicht prägend für uns sein würde. Nicht nur wegen der individuellen und fachlichen Weiterentwicklung, sondern weil wir mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit in dieser Zeit unseren zukünftigen Lebenspartner kennenlernen würden. Ok, das gilt sicher für fast alle Studiengänge. Doch es wurde deutlich, dass die Partnersuche eine nicht geringe Relevanz in der Studienzeit haben sollte. Und hier schließt sich auch der nächste logische Schritt an. Denn Dating und Partnersuche kosten Zeit – und diese ist vor allem in den Anfängen des Medizinstudiums rar gesät. So liegt es nahe, dass mit modernem Zeitmanagement versucht wird, beide Belange zu kombinieren. Die Suche findet also im Studium unter den Kommilitonen statt. Bei Seminaren und Praktika, bei Grillpartys, Glühweinabenden, Fachschaftsfeiern und anderen ähnlich gearteten Anlässen, bei denen die Mediziner meistens unter sich bleiben. So steigt die Wahrscheinlichkeit, einen anderen Mediziner von Interesse kennenzulernen, allein schon durch die Zahl der möglichen Termine.

 

Der Mediziner an sich

Außerdem sollte man sich vor Augen führen, welche Menschen eigentlich Medizin studieren. Denn wer sich für dieses Fach entscheidet, weist bestimmte Eigenschaften auf, die für eine Partnerwahl in Erwägung gezogen werden. So kann man beim Großteil der Medizinstudenten davon ausgehen, dass sie clever, zielorientiert und strebsam sind und ähnliche Motive und Interessen aufweisen wie man selbst. Dadurch allein kommt es zu einer selbstständigen Vorselektion. Auch an Gesprächsbedarf mangelt es den Medizinern nicht. So ist das Studium vor allem zu Beginn meist das einzige Thema und man tauscht sich über Praktika, Erlebnisse auf  Station und die bald anstehenden Prüfungen aus. Ein etwas anstrengendes Phänomen, aber für den ersten zwischenmenschlichen Kontakt sehr nützlich.

 

Verständnis füreinander

Und so kommt es nicht allzu selten dazu, dass der ein oder andere Topf sein Deckelchen findet. Ein weiteres Medizinerpärchen ist entstanden. Und ganz schön viele dieser Beziehungen halten auch über Physikum, PJ, Hammerexamen und Assistenzarztzeit hinweg. Auch dafür gibt es einige gute Gründe. Der wichtigste: Verständnis. Kaum ein Nicht-Mediziner kann sich vorstellen, wie das Studium abläuft, wie groß der Leistungsdruck ist, wie stressig die Staatsexamina, wie unberechenbar die Arbeitszeiten und Überstunden. Wenn man dies aus eigener Erfahrung kennt, fallen Rücksichtnahme und Einsicht viel leichter. Ebenso wie gegenseitige Unterstützung und Hilfestellung. Dinge, die essentiell für jede Beziehung sind.

 

Kein Geheimrezept

So schön das alles nach den perfekten Paaren klingt, so einfach ist es jedoch auch bei den Medizinern nicht. Auch da gehen Partnerschaften zu Bruch, es wird sich „extern“ orientiert, es gibt Frustration, divergierende Ziele, unterschiedliche Erwartungen. Auch hier gibt es kein Allheilmittel für eine glückliche Beziehung. Denn die so wichtige Balance zwischen medizinischen Prioritäten und Privatleben fällt vielen nicht leicht. So bedeutet das Dasein als Medizinerpärchen auch ganz schön viel Arbeit.

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